
Birb liegt auf einem Handtuch im Schatten eines Baumes und schreibt mit bunten Stiften in ein Buch.
„Hallihallo“, erklingt eine sanfte Stimme hinter Birb.
„Oh, hallo, Lu!“ Birb schaut auf und pickt nervös mit dem Schnabel am oberen Ende eines Stifts herum. „Du kommst gerade richtig! Sag mal, kennst du mein Sternzeichen? Das Freundebuch hier will es wissen.“
Lu setzt sich. „Oh, dein Tierkreiszeichen? Das kommt darauf an, in welchem Monat du ungefähr Geburtstag hast.“
„Sternzeichen steht hier“, verbessert Birb.
Lu meint kichernd: „Gleich zwei Wörter für eine Sache, die frei erfunden ist.“

Birb ist verwirrt: „Wieso will denn das Freundebuch etwas wissen, das bloß erfunden ist?“
„Weil die Leute oft glauben, dass etwas wahr ist, nur weil es schon vor sehr langer Zeit erfunden wurde. Und den Tierkreis in dieser Form gibt es seit ungefähr 2500 Jahren. Selbst davor gab es schon andere Arten von Sterndeutung“, erklärt Lu.
Birb weiß etwas: „Oh, Sterne erklären. Das ist also Astronomie!“
Aus einem Loch im Boden hören die Beiden ein lautes Knurren. Birb erschrickt kurz, bis Kati mit wütendem Gesicht aus dem Loch hochschießt, direkt vor Birbs Gesicht.
„Verwechsle nie, nie, niemals Astronomie und Astrologie! NIE!“, keift sie.
Lu stellt sich schützend vor Birb und erklärt ruhig: „Was Kati meint, ist, dass die Wissenschaft von Sternen und dem gesamten Weltall Astronomie heißt. Astrologie ist, wenn man versucht, allem, was da oben am Himmel passiert, eine Bedeutung für unser Leben zuzuschreiben. Und das ist keine Wissenschaft. Das ist im besten Fall Geschichten erzählen.“
Kati fällt ihm wütend ins Wort: „Betrug! Betrug ist das einfach! Geldmacherei und unfair obendrein. Ich bin angeblich Zwillinge. Ha! Wir Hamster sind vier bis sechs Geschwister pro Wurf. So ein Quatsch! Und überhaupt. Aus mathematischer Sicht absoluter Nonsens, dass das Datum immer gleich bleiben soll. Was ist mit Schaltjahren? Hm? Und das ist erst der Anfang…“
Als Kati Luft holt, unterbricht Lu sie: „Ja, aber das ist nicht das Problem, finde ich. Eigentlich ist es doch eine ziemlich coole Vorstellung, dass da vor vielen Jahren irgendjemand auf dem Rücken lag, in die Sterne geguckt hat und sie so lange in Gedanken verbunden hat, bis da ein Bild herauskam, zum Beispiel von einem Tier. Nach dem haben die Leute das Sternbild dann benannt – deshalb Tierkreis, obwohl gar nicht alle Bilder Tiere sind.
Eigentlich ist es total sinnvoll, sich am Himmel zu orientieren. Gerade früher, als es noch keine Karten oder Apps gab, die einem dabei halfen. Aber es ist schon wild, dass man bestimmte Eigenschaften haben soll, nur weil dieses Bild bei der Geburt am Himmel stand.“
„Stimmt! Horoskope sind das SCHLIMMSTE daran!“, schimpft Kati weiter. „Dass jemand allein an deinem Sternzeichen erkennen will, ob du geduldig, ordentlich, gutmütig oder stur bist. Das ist unfair. Leute einfach in eine Schublade zu stecken.“
Birb kommt gar nicht mehr zu Wort. Puh! So viel Aufregung wegen so einer Kleinigkeit. Jetzt spricht Lu wieder weiter: „Ja, genau! Aber die Vorhersagen finde ich noch schlimmer. Je nachdem wie die Sterne morgen stehen, soll das für jedes Sternzeichen etwas anderes bedeuten. Hier sehe ich wirklich Betrug. Manche Leute nutzen den Glauben an Horoskope aus, um Geld damit zu verdienen, indem sie angeblich je nach Sternzeichen die Zukunft vorhersagen. Manchmal wird sogar einfach nur irgendwas erzählt und gar nicht mehr wirklich auf die Sterne geguckt.“
„Stopp jetzt!“, ruft Birb dazwischen, „Ja, ich habe verstanden, was ihr sagen wollt. Aber so viele Infos sind mir gerade zu viel. Gerne wann anders mehr! Jetzt würde ich nur echt gern wissen, was ich in das Freundebuch reinschreiben soll.“

Lu schaut peinlich berührt. Kati nicht. Sie sagt nur: „Schreib Krokodil. Oder Supervogel! Warum nicht auch was erfinden?“
Lu ergänzt: „Die gesuchte Antwort wäre Stier. Du hast im Mai Geburtstag. Oder du bleibst heute Nacht länger mit uns auf und wir schauen den Nachthimmel an. Dann malst du morgen die Sterne hin, wie sie gerade stehen.“
„Gut“, meint Birb, „dann machen wir das so. Ist ja schließlich auch dein Buch.“
„Waaaas?“ Katis Nackenhaare stellen sich vor Wut auf und Lu drückt sie ganz fest.

„Ach Kati! Das ist ein niedliches Capybara-Freundebuch. Deswegen habe ich es gekauft. Nicht, weil ich all eure Tierkreiszeichen wissen will. Du musst übrigens als Nächste reinschreiben. Gerne auch mit Sternzeichen Krokodil.“
Und ihr da draußen: Falls ihr noch mehr Infos wollt, checkt mal hier:

- https://klexikon.zum.de/wiki/Sternbild
- https://www.geo.de/geolino/natur-und-umwelt/die-zwoelf-sternbilder-am-himmel-30166768.html
- „Cörnchen“ im KATAPULT Magazin, Ausgabe 4 (2026), S.14-15. Dafür müsst ihr ein Heft kaufen oder es in eurer Bücherei suchen. Aber es lohnt sich, versprochen! Da findet ihr nicht nur was zu Horoskopen, sondern auch über Kinderrechte und Meerestiere.
- https://www.frag-sophie.de/sagt-mein-sternzeichen-was-ueber-mich-aus/
- https://www.zdf.de/play/magazine/heureka-100/das-steckt-hinter-horoskop-und-sternzeichen-100
Und denkt immer daran: Bleibt neugierig und stellt Fragen, denn die Welt hat noch viele Geheimnisse versteckt!
Illustration von Liv Deister


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