Lu und Kati sitzen gemeinsam über ein großes Blatt Papier gebeugt. Das interessiert Birb natürlich sehr.
„Huhu Birb!“, rufen die beiden Skeptiere gemeinsam, als unser neugieriges Vögelchen neben ihnen landet.
Lu hält etwas Merkwürdiges in der Pfote. Natürlich möchte Birb unbedingt wissen, was das ist.

Das Capybara grinst in sich hinein und flüstert feierlich: „Oh großes Pendel, sag an! Sollen wir erklären, was wir hier tun?“. Es beginnt ein metallisches Ding an einer Schnur über das Blatt kreisen zu lassen, auf dem oben das Wort JA steht und rechts das Wort NEIN.
Ihm gegenüber sitzt Kati und kichert, während das Pendel langsam aufhört, in Lus Pfote zu kreisen und beginnt nach vorn und hinten zu schwingen. „Ich wusste, dass du das Flattervieh dabeihaben willst.“
Nun muss Birb aber endlich fragen: „Was ist das da in deiner Pfote, Lu?“

Statt Lu antwortet Kati: „Lu hat da ein Pendel. Genauer gesagt ein Fadenpendel. Eines der coolsten Instrumente aller Zeiten. Mit ihm kannst du die Zeit messen oder sogar nachweisen, dass die Erde sich dreht. Und dabei ist es nur ein Pendelkörper an einer Schnur. Als Pendelkörper kannst du alles Mögliche nutzen. Meist nimmt man einen Körper aus Metall oder Stein.“
„Und wie geht das?“, möchte Birb jetzt wissen, obwohl das gar nicht die eigentliche Frage war.
„Also, das Pendel schwingt, weil Bewegungsenergie und Lageenergie andauernd ineinander umgewandelt werden. Die sind eigentlich gleich groß und es müsste für immer schwingen. Weil die Luft aber nur unsichtbar und nicht weg ist, reibt sich das Pendel daran. Und an deiner Pfote, wo du es hältst, reibt es natürlich auch noch. Dadurch entsteht ein klitzekleines Bisschen Wärmeenergie. Diese Energie geht dem Pendel verloren und kann nicht mehr in Bewegungs- oder Lageenergie umgewandelt werden, so dass es immer langsamer wird und irgendwann stillsteht.“
Lu hüstelt. „Hat dir das weitergeholfen, Birb?“
Birb überlegt kurz: „Irgendwie schon. Also, es ist toll, das zu wissen. Aber das hat ja alles nichts mit eurem Blatt zu tun und das interessiert mich gerade etwas mehr.“

Nun antwortet Lu: „Es gibt Leute, die nutzen ein Pendel nicht zum Messen von Zeit oder um nachzuweisen, dass die Erde sich dreht. Manche Leute glauben, man kann damit die richtige Medizin für jemanden aussuchen, vermisste Menschen finden oder wahrsagen. Und das haben wir eben ausprobiert.“
„Und?“, möchte Birb wissen, „kann man?“
Lu erklärt geduldig weiter: „Nein, nicht wirklich. Also eines kann es schon manchmal. Nämlich deutlich machen, was die pendelnde Person gerne für eine Antwort haben möchte.“
„Carpenter-Effekt“, klugscheißt Kati von der Seite.
„Ja, genau, Kati. Das ist der Effekt, dass du, wenn du dolle an eine Bewegung denkst, die ein klitze-klitze-klitzekleines bisschen auch machst. Man sieht die Bewegung nicht mit den Augen. Aber sie ist groß genug, um mit der Zeit die Richtung des Pendels zu ändern. Als ich eben die Frage gestellt habe, ob ich dir alles erklären soll, habe ich mir vorgestellt, wie es vor und zurückschwingt.“
Birb ist begeistert. „Wow, und kann das jeder ausprobieren?“
„Klar!“, sagen Kati und Lu gleichzeitig.

„Sehr cool!“, freut sich Birb und denkt kurz nach.
„Dann können das bestimmt auch alle Kinder ausprobieren, die mit ihren Eltern am 10. und 11. Oktober (2026) aufs Skeptival kommen?“, überlegt Birb.
„Auf jeden Fall!“, antwortet Lu. „Aber auch alle Kinder, die sich zu Hause selber ein Pendel basteln mögen. Haltet das Pendel in der Hand einfach vor euch, ohne dass es groß schwingt. Und dann stellt euch vor, wie es rechts und links hin und her schwingt. Irgendwann fängt es dann wie magisch an, genau das zu machen. Ihr könnt auch herumexperimentieren und dran denken, dass die Richtung dreht. Oder dass es kreist.“

Birb meint: „Genau, probiert das gern mal aus! Und denkt immer daran: Bleibt neugierig und stellt Fragen, denn die Welt hat noch viele Geheimnisse versteckt!“
Illustration von Liv Deister

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