Nicht wenige Beobachtende gingen davon aus, dass bereits das vage Entschuldigungsvideo Xavier Naidoos vom 19. April 2022 nur den Zweck hatte, sein baldiges Comeback einzuläuten:

Allerdings passierte danach erst einmal nichts:

Sein Management verlautbarte, dass Naidoo sich nicht mehr selbst zu Wort melden werde, bis die Lage in der Ukraine sich nicht beruhigt habe.
Das ist bis heute nicht geschehen – weshalb es kaum verwundert, dass seine überraschende Comeback-Ankündigung derzeit für die gleiche Kontroverse sorgt wie vor drei Jahren.
1999 bezeichnete sich Naidoo selbst als “Rassist” und sagte: “Bevor ich irgendwelchen Tieren oder Ausländern Gutes tue, agiere ich lieber für Mannheim”.
2009 nutzte er mehrfach in seinen Songs auch schon von den Nazis verwendete, antisemitische Sprache: “Baron Totschild gibt den Ton an, und er scheißt auf euch Gockel” (“Raus aus dem Reichstag”) und behauptete in “Goldwaagen/Goldwagen”, die CIA stecke hinter allen islamistischen Anschlägen.
2011 verbreitete er Reichsbürger-Verschwörungsfantasien, dass Deutschland ein “besetztes Land” sei. Er trat auch bei einer Veranstaltung von Reichsbürgern auf, wo er wirre Thesen zu den islamistischen Anschlägen 2001 verbreitete.
Auch Homophobie darf nicht fehlen: 2012 verband Naidoo gemeinsam mit Kool Savas Kindesmissbrauch und Pädophilie mit Homosexualität und äußerte Gewaltfantasien. Auch 2017 wurden in einem Song die antisemitischen Stereotypen vom jüdischen Strippenzieher im Hintergrund verwendet, zusammen mit rechtsextremen Schlagworten und Gewaltdrohungen.
Den Klimawandel leugnet er darüber hinaus auch […] Naidoo war/ist seit Jahrzehnten Rechtsextremist, christlich-religiöser Extremist, homophob, rassistisch, glaubte daran, dass die Erde eine Scheibe sei, leugnete den Urknall, den Klimawandel, den deutschen Staat und vieles mehr.
Seit seinem Rauswurf bei „Deutschland sucht den Superstar“ 2020 driftete er jedoch immer tiefer in eine Verschwörungswelt ab und wurde zu einem der größten Verschwörungshetzer im deutschsprachigen Telegram.
In der Corona-Krise wurde es dann noch heftiger:


2022 schließlich die Entschuldigung, die ihm kaum jemand abkaufte:
Ich habe mich letztlich verrannt. Ich habe mich Theorien, Sichtweisen und teilweise auch Gruppierungen geöffnet, von denen ich mich ohne Wenn und Aber distanziere und lossage.
Ich war von Verschwörungserzählungen geblendet und habe sie nicht genug hinterfragt, habe mich zum Teil instrumentalisieren lassen. Bei der Wahrheitssuche war ich wie in einer Blase und habe mich manchmal vom Bezug zur Realität entfernt.

Jetzt hat Naidoo unvermittelt zwei Konzerte in Köln im Dezember (die bereits ausverkauft sind) und eine Tournee Anfang nächsten Jahres angekündigt.
Für den Veranstalter Live Nations ist die Sache mit Naidoos Entschuldigung vom 19. April 2022 erledigt – es gebe keinen „ernsthaften Grund, ihm eine zweite Chance zu verweigern.“ Auch die Fans feiern die bevorstehenden Events bereits euphorisch.
Mit „absolutem Unverständnis“ reagiert dagegen der jüdisch-deutsche Verein „Werteinitiative“ und fordert in einem Offenen Brief die Absage der insgesamt neun geplanten Auftritte:
Naidoo verbreitet seit Jahren antisemitische Verschwörungspropaganda, Es geht nicht um „Cancel-Culture“, sondern um den Schutz der offenen Gesellschaft.
Wer Holocaust-Leugnung und antisemitische Mythen verbreitet, darf in Deutschland keine Show-Bühne erhalten.
Schwierig.
In der Tat ist bis heute völlig diffus, von welchen „Theorien, Sichtweisen und Gruppierungen“ sich Naidoo konkret in seinem Video distanzierte. Andererseits „muss auch klar sein, dass die offene Hand einer Gesellschaft ausgestreckt bleiben sollte“, kommentiert der Welt-Redakteur Dennis Sand:
Es muss immer die Gelegenheit geben, zurück in die Mitte zu finden, Deradikalisierung kann nur dann funktionieren, wenn ihr der Gedanke einer Re-Sozialisierung zugrunde liegt.
Nichtsdestotrotz wäre eine „glaubhafte und nachhaltige öffentliche Distanzierung“ wohl nicht zu viel verlangt:
Wenn es Naidoo wirklich ernst ist mit seinem Sinneswandel, wären die anstehenden Konzerte in Köln ja ein guter Anlass, sich entsprechend zu äußern. Mit Interviews, mit Aktionen, vielleicht sogar mit einem Song, der klar Stellung bezieht und in dem er Reue zeigt,
schreibt Ingo Neumayer beim WDR.
„Das muss man von ihm verlangen. Diesen Weg muss er gehen, bevor er auf die Bühne zurückkehrt“, meint letztendlich auch Sand.
Das denken wir auch. Denn es sind mitnichten nur naive Naidoo-Nostalgiker:innen, die bei Instagram sein Comeback bejubeln – man findet dort auch solche Äußerungen:

Xavier Naidoo wird sich entscheiden müssen, welches Publikum er künftig haben will.
Zum Weiterlesen:
- Künßberg, Donata „Der Weg zur Entschwörung kann kein leichter sein“ taz (12. Juli 2025)
- „Kritik an Comeback von Xavier Naidoo“ Deutschlandfunk (11. Juli 2025)
- Reinhard, Claudia „Comeback von Xavier Naidoo: Aggressiv, wer Böses dabei denkt“ tagesspiegel (11. Juli 2025)
- Sand, Dennis „Auch ein Xavier Naidoo hat eine zweite Chance verdient“ welt (11. Juli 2025)
- Neumayer, Ingo „Xavier Naidoo: Verzeihung, dürfte ich ein Comeback geben?“ wdr (8. Juli 2025)
- Video „Xavier Naidoo – Comeback eines Verschwörungs-Stars?“ zdf (24. Mai 2023)
- Winter, Sabrina „Nach Sinneswandel: Warum wir Xavier Naidoo eine Chance geben sollten“ vice (27. April 2022)
- Aigner, Florian „Rabattaktion für Meinungswandel“ futurezone (30. April 2022)
- Video „Naidoo-Statement: Hildmann & Schwurbler drehen durch“ Walulis Daily (26. April 2022)
- Laschyk, Thomas „Naidoo entschuldigt sich für seine Hetze: So entsetzt reagiert Telegram“ Volksverpetzer (20. April 2022)
- Hagen, Daniel „Xavier Naidoo: Management erklärt weiteren Plan des Skandal-Sängers“ mannheim24 (5. Mai 2022)
- Video „Xavier Naidoo ist jetzt komplett ausgetickt“ Walulis Daily (6. April 2020)
- Lauer, Stefan „Xavier Naidoo: Das große Verschwörungs-Potpourri“ Belltower News (31. März 2020)
Titelfoto: Youtube
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