Die „Bestie des Gévaudan“: Pakt, Wolfshybrid oder Serienmörder?

(Lesedauer ca. 2 Minuten)

Noch bis zum 8. Juli gibt es in der ARD-Mediathek

Pakt der Wölfe – Director’s Cut

zu sehen.

Die „Mischung aus Fantasy-, Horror- und Kriminalfilm“ (Filmdienst) kombiniert verschiedene Thesen zur „Bestie des Gévaudan“ – so ist das Tier kein Wolf und wird von einem Menschen befehligt.

Ersteres ist realiter eher unwahrscheinlich, wird aber zum Beispiel von dem Biologen Karl-Hans Taake vertreten (Löwe).

Letzteres könnte durchaus auf den zwielichtigen Jäger Jean Chastel und dessen Sohn Antoine zutreffen, die der Historiker Utz Anhalt als Hintermänner der drei Jahre andauernden Todesserie vermutet.

Darum geht es ausführlich in dem Geschichtsmacher-Podcast „Die Bestie des Gévaudan – Ein mysteriöses Wesen massakriert dutzende Menschen“. Anhalt favorisiert darin als „Bestie“ einen Hybriden, eine Züchtung etwa aus einem europäischen Grauwolf und einer französischen Dogge.

https://kurzlinks.de/ykh1

Neuere Ansätze sprechen von „un ou plusieurs loups“, das heißt, es könnte sich auch um ein Rudel gehandelt haben.

Einen kuriosen Hinweis entnehmen wir einem aktuellen Beitrag im LBV Magazine:

1777, zehn Jahre nach den Angriffen der „Bestie“, wurde ein Dienstmädchen namens Marianne Thomas von einem Mann getötet, der sich als Wolf ausstaffiert hatte. Allerdings wurde jener Jean Chausse schnell festgenommen und angeklagt – was die Vorstellung von einem rein menschlichen Serienmörder hinter dem Treiben der „Bestie“ von 1764 bis 1767 recht unwahrscheinlich erscheinen lässt.

Anders als in „Pakt der Wölfe“, wo der Erzähler Thomas d’Apcher „die ganze Wahrheit“ kennt, werden wir wohl nie erfahren, wer oder was die „Bestie des Gévaudan“ wirklich gewesen ist.

Zum Weiterlesen:

Titelfoto: Wikipedia/Szeder László

Kommentare

7 Antworten zu „Die „Bestie des Gévaudan“: Pakt, Wolfshybrid oder Serienmörder?“

  1. Kai Stefan Hartel

    Wenn man sich den Taake-Artikel durchliest, finde ich die Löwenhypothese aus biologischer Sicht recht plausibel. Kann natürlich nicht einschätzen, welche Informationen er weggelassen hat, die eher auf Wölfe oder Hundehybriden hinweisen.

  2. Bernd Harder

    @Kai Stefan Hartel:

    Das Problem damit scheint mir zu sein, dass es in der Tat eine rein „biologische“ Sicht ist, die andere Faktoren, wie z.B. Plausibilitäten, Augenzeugenberichte etc., offenbar weitgehend ausblendet.

    Wir wissen zum Beispiel heute, dass ausgebrochene/entlaufende Zoo-/Zirkus-/Menagerie-Tiere sich mitnichten so ohne weiteres in einer artfremden Umgebung zurechtfinden und sich perfekt und praktisch unsichtbar an ein neues Territorium außerhalb ihres natürlichen Lebensraums anpassen, wo sie drei Jahre lang unentdeckt bleiben und dabei mehr als hundert Menschen töten.

    Zweitens waren Löwen als Wappentier weithin bekannt (auch bei der angeblich „ungebildeten“ Landbevölkerung), sodass es unwahrscheinlich erscheint, dass ein Löwe nicht früher oder später als solcher erkannt und benannt worden wäre.

    Drittens sprechen die Augenzeugen und Ermittler (darunter auch ein königlicher Notar, also keineswegs „ungebildet“) von einem „außergewöhnlichen“ Wolf – aber nicht von etwas völlig anderem, Exotischem.

    Und ähnliches mehr.

    Nichtsdestotrotz: Wir wissen es nicht und es bleibt Spekulation, deshalb werde ich – sorry – keine Diskussion darüber führen, auch wenn sich Herr Taake selbst einschalten sollte, was er gelegentlich zu tun pflegt.

  3. Karl-Hans Taake

    Einem Autor pauschal und ohne Beleg zu unterstellen, er habe „Plausibilitäten, Augenzeugenberichte“ weitgehend ausgeklammert, und zugleich anzukündigen, dass man sich der selbst angestoßenen Diskussion nicht stellen wird – das ist bemerkenswert angesichts der hehren Ziele dieses Vereins. Was liegt denn meinen Artikeln auf ResearchGate vorrangig zugrunde? Doch wohl Augenzeugenberichte. Aus dem Gévaudan sind über die Angriffe mehrere Hunderttausend Wörter überliefert, die ich ausgewertet habe. Was den Notar Marin betrifft, habe ich nicht etwa seinen Bildungsstatus überprüft, sondern seinen „rapport Marin“, und zwar in Bezug auf Plausibilitäten (!), und komme zu dem demselben Ergebnis wie seinerzeit der Comte de Buffon (DOI: 10.13140/RG.2.2.10323.35360). Die Erkenntnis, die Wolfshypothese sei ein „neuerer Ansatz“, kommt ein Vierteljahrtausend zu spät: Diese Hypothese geht auf die 1760er Jahre zurück und war seinerzeit durchaus begründet, denn es gab im Gévaudan, ebenso wie anderenorts im frühneuzeitlichen Europa, Wolfsangriffe auf Menschen. Das Gros der Angriffe lässt sich damit aber nicht erklären, das wussten auch führende Persönlichkeiten im Gévaudan, denn dies stünde im erheblichen Widerspruch zu den plausiblen Augenzeugenberichten (!) über die Bestienangriffe. Die Menschen im Gévaudan sollen bezüglich der Bestie „nicht von etwas völlig anderem, Exotischem“ als einem „außergewöhnlichen Wolf“ berichtet haben?? Ich könnte hier leicht Dutzende von Gegenbeispielen anführen, denn ich habe die altfranzösischen Texte gelesen, beschränke mich aber auf ein einziges: Der Comte de Morangiès schrieb dem Syndikus Lafont am 26. Oktober 1764: „Sollte dieses Tier, was anzunehmen ist, in Afrika geboren sein … Ein Löwe zum Beispiel …“ (zum vollständigen Wortlaut der Quelle siehe Alain Bonet: „La Bête du Gévaudan. Chronologie et documentation raisonnées“, 2021, S. 40). Einer anpassungsfähigen Großkatze, deren Artgenossen damals auch im winterkalten Bergland verbreitet waren, kann es egal sein, ob jemand, ohne einen Beleg dafür vorzulegen, behauptet, sie käme im Zentralmassiv nicht zurecht. Der Historiker Anhalt konstruiert in der zitierten Podcast-Folge eine abenteuerliche Geschichte, die darauf aufbaut, dass Jean Chastel am Morgen des 19. Juni 1767 einen Wolf von vorn erschossen hat, und die er dann mit angeblich biographischen, in Wahrheit jedoch fiktionalen, aus Belletristik stammenden Angaben über dessen Sohn Antoine verwebt. Der Wolf ist keineswegs auf Jean Chastel zugelaufen und schon gar nicht, weil er in ihm seinen Herrn und Meister erkannt hat: Die Wolfsjagd wurde seinerzeit in allen Details schriftlich festgehalten: Es ist sogar bekannt, warum Chastels Schuss den Wolf von vorn traf, obwohl dieser gar nicht in dessen Richtung lief (originaler Wortlaut der Überlieferung: Alain Bonet, S. 599). Ob die Menschen im Gévaudan einen Löwen als Löwen hätten erkennen müssen, habe ich etliche Male erörtert; ich könnte das erneut ausführen, es sieht allerdings so aus, als würde das hier ohnehin kaum jemand lesen.

  4. Bernd Harder

    @Karl-Hans Taake:

    Der Comte de Morangiès schrieb dem Syndikus Lafont am 26. Oktober 1764

    Überaus glaubwürdig, der Herr:

    https://fr.wikipedia.org/wiki/Jean-Fran%C3%A7ois-Charles_de_Molette#Accusations_contre_le_comte_de_Morangi%C3%A8s

    Wie ich bereits schrieb:

    „Wir wissen es nicht und es bleibt Spekulation, deshalb werde ich – sorry – keine Diskussion darüber führen, auch wenn sich Herr Taake selbst einschalten sollte, was er gelegentlich zu tun pflegt.“

    Vielleicht akzeptieren Sie einfach mal, dass andere zu anderen Einschätzungen kommen als Sie.

  5. Karl-Hans Taake

    @Bernd Harder
    Sie denken aber nicht ernsthaft, werter Herr Harder, Sie könnten mich durch Ihr Auftreten dazu bewegen, dass ich nicht weiter auf Ihre Unterstellungen reagiere? Nachdem ich Ihre „Einschätzungen“ Punkt für Punkt widerlegt habe, geht es jetzt also nicht mehr um angeblich fehlende Hinweise auf ein exotisches Raubtier, sondern um einen „fou sadique“, bei dem es sich ausgerechnet um eine derjenigen Persönlichkeiten gehandelt haben soll, die auf ein solches Raubtier hingewiesen haben. In dem verlinkten Wikipedia-Artikel steht, dass die Anschuldigungen gegen Morangiès auf dem Roman (!) von Chevalley basieren; dort heißt es: „Les historiens n’ont jamais retenu cette thèse, car elle ne repose sur aucun document historique valable.“ Laut der verlinkten Quelle sollen entkleidete Tote die Angriffe eines Menschen belegen. Die Entfernung der Kleidung ist jedoch, neben sehr vielen anderen Hinweisen, eines der Beispiele für den Umgang von Panthera-Katzen mit menschlichen Opfern: John Henry Patterson berichtete dies ebenso wie Jim Corbett (The Man-eaters of Tsavo. Macmillan and Co., London 1908; The Man-eaters of Kumaon. Oxford University Press, 1944). In diesen Fällen waren die Angreifer ohne Zweifel hungrige Katzen, die keine Kleidung mitfressen wollten, und nicht sadistische Irre. Diejenigen Untersucher im Gévaudan, die offizielle Berichte über die Situation an den Angriffsorten, über die vom Angreifer hinterlassenen Spuren, den Zustand von Leichen oder über die Aussagen von Zeugen verfassten, waren nicht weniger intelligent, als wir es heute sind – das lässt sich aus ihren Texten ableiten. Der Dragoner-Hauptmann Duhamel, François Antoine, persönlicher Waffenträger von Ludwig XV., der Syndikus Lafont, der normannische Wolfsjäger d’Enneval, der Geistliche Ollier – keiner von ihnen zog auch nur andeutungsweise in Erwägung, ein Mensch könne an den Angriffen beteiligt gewesen sein.

  6. Bernd Harder

    @Karl-Hans Taake:

    Nachdem ich Ihre „Einschätzungen“ Punkt für Punkt widerlegt habe, geht es jetzt also nicht mehr um angeblich fehlende Hinweise auf ein exotisches Raubtier, sondern um einen „fou sadique“.

    Sie haben weder irgendwas „widerlegt“, noch verstehen Sie überhaupt, worum es geht, sondern springen blindlings auf irgendwelche Stichwörter an, an denen Sie sich dann abarbeiten, ohne darauf zu achten, was Ihr Gegenüber eigentlich sagt.

    Nein – es geht mitnichten um einen „fou sadique“. Sondern um Glaubhaftigkeit.

    Was nützt die Auswertung von „mehreren Hunderttausend Wörtern“, wenn Sie offenbar nichts von Wahrnehmungspsychologie und Aussagepsychologie verstehen, sondern diese Schilderungen als absolut zuverlässige Wiedergabe der Realität betrachten?

    Dass Menschen sogar Wildschweine für Löwen halten können, sogar im 21. Jahrhundert, sollten Sie doch mitbekommen haben, oder?

    Und jetzt ist Schluss hier, werter Herr Taake.

  7. Mich wundert diese Diskussion. In Fachkreisen ist Doch eigentlich schon länger bekannt, dass es sich bei der Bestie des Gevaudan um eine Landschildkröte der Art Testudo hermanni handelte.

    Nach einem überlangen Sonnenbad hatte das Tier einen ungeheuren Appetit auf Menschenfleisch entwickelt, der seither in unregelmäßigen Abständen Besitz von ihm ergriff. Dass die Bestie so lange ihr Unwesen treiben konnte, war nicht zuletzt ihrem harmlosen, unverdächtigen Auftreten geschuldet. Wer ahnte schon, dass ein eher kleines, behäbiges Wesen, welches sich zudem vorwiegend vegetarisch ernährt (normalerweise!), hinter den Bluttaten steckte.

    Erst als die Bäuerin Marie Tourette beim täglichen Ausmisten des Kuhstalls hinterrücks von der Landschildkröte im Blutrausch attackiert wurde, lüftete sich das Geheimnis um die Bestie des Gevaudan. Der Angreiferin war es bereits gelungen, ein ordentliches Stück des Musculus gastrocnemius aus der Wade der überraschten Bäuerin zu reißen, als Marie sie mit einem gekonnten Schwung ihrer Mistforke erwischte und in hohem Bogen in die Jauchegrube beförderte, wo die Bestie schließlich an Parkinson verstarb.

    Marie Tourette gilt als das einzige überlebende Opfer der Bestie des Gevaudan.

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