Er hat die Wahrheit mit seinen eigenen Augen gesehen – und glaubt doch exakt das Gegenteil.
Für den SZ-Korrespondenten Boris Herrmann ist das schwer nachvollziehbar. Sein Gesprächspartner Charles Duke war der zehnte Mensch auf dem Mond (1972), er sammelte dort hundert Kilo Mondgestein auf, das nach seiner Rückkehr auf etwa 4,5 Milliarden Jahre datiert wurde.
Heute ist Charlie Duke davon überzeugt, dass sich die Schöpfung des Himmels und der Erde vor rund 6000 Jahren ereignete. „Das wären so in etwa 4 499 994 000 Jahre nach der mutmaßlichen Entstehung des Steines, den Duke vom Mond mitgebracht hat“, schreibt Herrmann:
Ist das nicht ein unerträglicher Widerspruch? Doch, doch, sagt Charlie Duke: „Man kann entweder das glauben, was die Wissenschaftler sagen. Oder das, was in der Bibel steht.“ Beides gleichzeitig könne ja kaum stimmen.
Jetzt also die entscheidende Frage: Was stimmt denn dann? „Weißt du, ich persönlich kann weder das eine noch das andere beweisen“, sagt Charlie Duke. „Und ich habe mich entschieden, das zu glauben, was Gott sagt.“

Auf der Webseite seiner Privatkirche „The Duke Ministry for Christ“ gibt Charlie Duke als seine „Mission“ nicht mehr Apollo 16 an, sondern „Spreading the Gospel of Jesus Christ to the ends of the earth“. Der Journalist Herrmann macht aus seiner Geschichte über den ehemaligen Astronauten und widergeborenen Christen aber kein psychologisches Lehrstück. Es geht in dem Artikel nur am Rande um Kreationismus, nicht um kognitive Verzerrungen oder andere Gründe, warum Menschen seltsame Dinge glauben – sondern um eine Art Gegenwartsanalyse:
Andererseits ließe sich einwenden: So ungewöhnlich ist das gar nicht. Es ist sogar ziemlich genau das, was in den USA gerade im großen Stil passiert.
Jeder kann sehen, dass Renée Nicole Good nicht erschossen wurde, weil sie einen ICE-Agenten überfahren wollte, sondern weil sie rechts abbog. Und trotzdem glauben immer noch Millionen Amerikaner, dass ICE in Minneapolis für Recht und Ordnung sorgt.
Jeder sieht an der Supermarktkasse, dass die Preise steigen, Trumps Anhänger glauben trotzdem, dass sie fallen und fallen. Mitunter sogar um mehrere Hundert Prozent, was ohnehin nur in der Rechenweise der Maga-Bewegung möglich ist.

Wenn Trump eine Kuchengabel in die Kameras halten und sagen würde, das hier ist ein Suppenlöffel, würden ihm seine Leute wohl auch das glauben.
Dukes Lebensgeschichte ist daher vielleicht auch eine Parabel auf das moderne Amerika. Der Astronaut an der Himmelspforte.
Die Washington Post hatte vor vier Jahren groß über Charles Duke berichtet. Der Autor fragte auch einen alten NASA-Kollegen, was er von Dukes Wandlung halte. Joseph P. Allen antwortete mit einem Witz über einen Wissenschaftler und einen Prediger:
Der Prediger sagt: „Gott hat die Schöpfung erst vor 6000 Jahren gemacht.“ Der Wissenschaftler fragt: „Wie kannst du das sagen? Wir haben Mondgesteine, die vier Milliarden Jahre alt sind.“
Und der Prediger sagt: „Nun, ich habe nicht behauptet, dass Gott, als er den Mond machte, neue Felsen benutzte.“
Zum Weiterlesen:
- Herrmann, Boris „Hinterm Mond“ Süddeutsche (6. Februar 2026)
- Swift, Earl „The surprising voyage of Charlie Duke: An astronaut reaches for heaven“ Washington Post (21. April 2022)
- Harder, Bernd „Darwin, immer wieder Darwin! Ein Dossier zum Thema Evolution“ skeptix (11. Mai 2025)
- Klapetz, Patrick „Mission Artemis II: Mit einem Navi aus Jena zum Mond“ tagesschau (3. Februar 2026)
- Kemter, Matthias „Wann startet Artemis 2? Die Mondmission im Überblick“ Stuttgarter Zeitung (9. Februar 2026)
Titelfoto: Freepik/Wirestock


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