Nun ist er also erstmals in Deutschland zu sehen: der berühmte Klagenfurter Lindwurm-Schädel, der Jahrhunderte lang als Beweis dafür galt, dass es Drachen wirklich gegeben haben könnte – bis er 1840 als Schädel eines eiszeitlichen Wollhaarnashorns identifiziert wurde:

Nichtsdestotrotz gehört ein Drache aus den Sümpfen rund um Klagenfurt unverbrüchlich zur Gründungssage der Stadt, und als
… Jahrhunderte später [1335] der gewaltige Schädel gefunden wurde, schien die Sache für die Menschen klar. „Das muss der Drachenschädel sein. Somit war die Sage wahr.“
Neben dem Klagenfurter Lindwurm-Schädel sind bei der Ausstellung
Drachen – Mythos und Wirklichkeit
im Hessischen Landesmuseum Darmstadt „europäische und ostasiatische Kunstwerke von der Antike bis zur Gegenwart, naturwissenschaftliche Exponate, seltene Dokumente der Wissenschaftsgeschichte und jahrmillionenalte Fossilien und Tierpräparate“ zu bewundern:

Die Schau verbinde Kunst, Kulturgeschichte und Naturwissenschaft auf einzigartige Weise, sagt die stellvertretende Direktorin des Hessischen Landesmuseums, Julia Hillebrand.
„Sie zeigt, wie eng menschliche Vorstellungskraft und wissenschaftliche Neugier miteinander verknüpft sind und wie ein uraltes Motiv bis heute Menschen auf der ganzen Welt begeistert und fasziniert.“

Komodowarane (Foto) kommen auch in dem neuen Buch
Drachen und Lindwürmer im europäischen Mittelalter
vor, das der aus alten Ferngespräch-Zeiten wohlbekannte Mediävist Prof. Rudolf Simek geschrieben hat. Allerdings glaubt Simek mitnichten, dass diese Riesenechsen das reale Vorbild für Drachen und Lindwürmer abgegeben haben könnten:
Es ist selbstverständlich möglich, dass frühe Reisende aus Antike und Mittelalter auch in Ostasien und Ozeanien irgendwelche dieser verschiedenen drachenähnlichen Tiere zu Gesicht bekommen haben, auch wenn dies nicht allzu wahrscheinlich ist.
Dass aber aus den Erzählungen einzelner solcher Reisender sich die gesamte Vorstellungswelt europäischer – geschweige denn asiatischer und amerikanischer – Drachen entwickelt haben soll, ist äußerst unwahrscheinlich: Denn zu verbreitet und zu vielfältig sind schon allein die europäi schen Konzepte – von den asiatischen eben ganz zu schweigen –, um auf einzelne Sichtungen von Großechsen zurückgehen zu können.
Genauso gut ist es möglich, dass die Bilder von verschiedenen Arten von Drachen einfach aus der fantasievollen Vergrößerung und Ausschmückung von kleinen einheimischen Tieren wie Echsen, Schlangen und anderen Amphibien entsprungen sind, wie etwa Molchen, Olmen, Schwanzlurchen und Salamandern […]
Wenn man vom Feuerspeien absieht – das aber durch das Züngeln erklärt werden könnte –, dann finden sich alle Elemente der Drachenbeschreibungen auch in den genannten Kleintieren, sodass keine Notwendigkeit für die Annahme einer Bekanntschaft mit den asiatischen Großechsen besteht.

Das Buch gibt’s bei Vandenhoeck & Ruprecht, die Ausstellung in Darmstadt läuft noch bis zum 17. Januar. Wem das zu weit ist, kann sich auch die „Drachen“-Doku aus der ZDF-Reihe „Mythos – Die größten Rätsel der Geschichte“ geben.
Zum Weiterlesen:
- Simek, Rudolf „Drachen und Lindwürmer im europäischen Mittelalter“ Böhlau-Verlag Wien (2026)
- Joachim, Jens „Drachen-Ausstellung in Darmstadt widmet sich faszinierenden Fabelwesen und Fossilien“ Frankfurter Rundschau (6. Oktober 2026)
- „Klagenfurter Lindwurmschädel ist nun in Deutschland“ oe24 (4. Oktober 2026)
- „Sagenhafte Fabelwesen: Ausstellung Drachen. Mythos und Wirklichkeit im Landesmuseum Darmstadt“ swr (1. Oktober 2026)
- „In Darmstadt sind die Drachen los“ Süddeutsche (1. Oktober 2026)
- Joachim, Jens „Sagenumwobene Drachenvorlage aus Österreich wird in Darmstadt präsentiert“ Frankfurter Rundschau (22. September 2026)
- Kleemann, Max „Drachen-Ausstellung: Lindwurm-Schädel aus Klagenfurt erstmals in Deutschland“ tagesschau (22. September 2026)
- „Der Lindwurm ist da“ Hessisches Landesmuseum (22. September 2026)
Titelfoto: Bernd Harder/Thalia Augsburg



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