Der große Schreckenskönig kehrt zurück – 2026 steht wieder eine totale Sonnenfinsternis bevor

(Lesedauer ca. 4 Minuten)

Wieso ging am 11. August 1999 nicht die Welt unter?

Nicht mal eine größere Katastrophe ereignete sich. Und das, obwohl Elizabeth Teissier davon überzeugt war, die Cassini-Sonde werde auf die Erde stürzen. Paco Rabanne rechnete mit der völligen Zerstörung von Paris durch die vom Himmel fallende Raumstation Mir. Charles Berlitz sah eine Atombombe oder mindestens einen Luftangriff kommen, möglicherweise aus der Mongolei.

Aber wieso eigentlich?

Schuld an dem Endzeit-Hype war ein lapidarer Vierzeiler des französischen Pestarztes und Astrologen Nostradamus,

schrieb der Spiegel.

Es ging um Vers 72 der zehnten Centurie:

http://nostradamus-prophezeiungen.de/centurien/centurien.html

Worte, die nach Unheil klingen.

Schon 1981 hatte der Spiegel diesen Vers hervorgekramt:

https://kurzlinks.de/7a4w

Und bereits 1974 kündigte ein japanischer Desasterfilm die „Weltkatastrophe 1999“ an, basierend auf den „Prophezeiungen des Nostradamus“. Als der Termin schließlich kurz bevorstand, stimmte sogar das Time-Magazine in den Schwanengesang ein:

https://content.time.com/time/covers/asia/0,16641,19990705,00.html

Und dann kam der 11. August 1999. Dunkelheit über Deutschland. Fast schlagartig lassen die sommerlichen Temperaturen nach. Es wird merklich kühl. Das Firmament verblasst und nimmt eine merkwürdig grünliche Färbung an. Am verdunkelten Himmel blinken plötzlich Sterne auf. Finsternis senkt sich über die Erde. Die Vögel verstummen, Blüten schließen sich, Hunde fangen ängstlich an zu bellen.

Doch nur zwei Minuten später war das grandiose Schauspiel schon wieder vorbei. Die totale Sonnenfinsternis über Mitteleuropa. Und der vorausgesagte „große Schreckenskönig“? War auch da. Seine Regentschaft dauerte allerdings nur 120 Sekunden.

Wie üblich reflektiert Nostradamus im berühmten Vers X.,72 lediglich die Hoffnungen und Sehnsüchte des 16. Jahrhunderts: konkret auf das Erscheinen eines mächtigen Kriegerkönigs („König von Angolmois“), den er phonetisch beim französischen Herrscherhaus Angouleme-Valois ansiedelte, sehr wahrscheinlich nach dem Vorbild Franz I., der 1515 den Thron bestieg.

https://kurzlinks.de/0002

Der „Schreckenskönig“ ist lediglich ein Vorzeichen, nämlich die Sonnenfinsternis vom 11. August 1999, die der astrophile Gelehrte mit den astronomischen Saros-Zyklen ohne großen Aufwand berechnen konnte – und die seinerzeit als bedeutsames Omen für umwälzende Ereignisse angesehen wurde. Nostradamus kleiner Fehler („siebter Monat“ statt achter) liegt darin begründet, dass er sich anno 1555 am auslaufenden 109. Saros-Zyklus orientierte und diesen hochrechnete.

Tatsächlich aber gehört die Sonnenfinsternis von 1999 zum 145. Saros-Zyklus, der erst 1639 begann. Das Datum 1999, nahe am dritten Jahrtausend, steht rein symbolisch für eine Zeitenwende, die Nostradamus schon zu seinen Lebzeiten erwartete, aber ganz im Stil seines poetischen Systems des Mehrdeutigen in eine unbestimmte Zukunft projizierte.

Dieses Jahr haben wir eine totale Sonnenfinsternis am 12. August – aber um Nostradamus ist es eher ruhig geworden.

Das Jahr 2026 bietet einen besonderen astronomischen Anlass für Nostradamus-Enthusiasten,

meint die Frankfurter Rundschau – ist aber außerstande, irgendeinen Vers zu finden, der darauf passen könnte. Der Focus unternimmt einen geradezu rührend verzweifelten Versuch, den Hype von 1999 erneut zu entfachen – scheitert aber kläglich mit wirren Zahlenspielereien.

Also:

Auch diesmal stehen die Chancen gut, dass die Welt nicht untergeht,

erklärt Der SiS in diesem Kurzvideo:

Kurz gesagt:

Da passiert nix. Da ist noch nie was passiert.

Zum Weiterlesen:

Titelfoto: Unsplash/Nat

Kommentare

2 Kommentare zu „Der große Schreckenskönig kehrt zurück – 2026 steht wieder eine totale Sonnenfinsternis bevor“

  1. Das ist ja ein grandioser Artikel geworden, Bernd 🤗

    1999 war ich ein junger Lehrbua, der mit seinen Kollegen in der extra verschobenen Mittagspause in den Himmel starrte.

    Die Erzählungen von damals waren mir hintergründig bekannt. Mei, mancher Aberglaube hält sich leider ewig.

  2. Bernd Harder

    @SiS:

    Ich bin auch einfach im Büro geblieben und hatte eine bessere Sicht als alle, die zu irgendwelchen Aussichtspunkten gefahren sind.

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