Der Passauer Frauenarzt Ronald Weikl war „ein bekanntes Gesicht in der Verschwörungsszene der Corona-Pandemie“ (Tagesspiegel):
Er wurde vom Landgericht Passau schuldig gesprochen, weil er zahlreiche Atteste ausgestellt hatte, um Menschen von der gesetzlich vorgeschrieben Maskenpflicht zu befreien. Wegen der „unrichtigen Gesundheitszeugnisse“ wurde er zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr Haft verurteilt.
Auf seiner Praxishomepage finden sich Verfahren wie „Biologische Krebstherapie“, „Ozon-Eigenblut-Therapie“, die naturheilkundliche Behandlung „von Schäden nach COVID-Impfung“, orthomolekulare Medizin und natürlich Homöopathie.
„Der Blick über die traditionelle Schulmedizin hinaus hat dem Arzt jetzt große Öffentlichkeit in Form eines Auftritts im Deutschen Bundestag beschert“, schreibt der Nordkurier. Weikl hatte mit einer Petition „die sofortige Aufhebung des sog. Masernschutzgesetzes bzw. der Masern-Impfpflicht“ gefordert und dafür 38.000 unterstützende Personen gefunden. Am vergangenen Montag befasste sich der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags in einer öffentlichen Sitzung mit Weikls Anliegen. Begleitet wurde der Arzt von der Rechtsanwältin Beate Bahner (ebenfalls mit eigenem Psiram-Eintrag).
Die Gesundheits-Staatssekretärin Christiane Schenderlein (CDU) verteidigte die Masern-Impfpflicht, während Weikl allen Ernstes „den aus seiner Sicht hohen Wert der Immunisierung durch eine Maserninfektion“ anführte: Infizierte Kinder seien im späteren Leben besser vor anderen Erkrankungen geschützt, behauptete der Passauer Gynäkologe. Das Gegenteil ist der Fall: Masern schwächen das Immunsystem auf Jahre hinaus.
Die Ausschussmitglieder werten nun die Anhörung aus und formulieren eine Beschlussempfehlung für den Bundestag. Da Schenderlein beziehungsweise das Bundesgesundheitsministerium die Argumente des Petenten offiziell als unbegründet zurückgewiesen hat, gilt eine politische Umsetzung als sehr unwahrscheinlich.
Allerdings war die Angelegenheit der Süddeutschen Zeitung ein Pro und Contra wert:

Es muss die Pflicht einer demokratischen Gesellschaft sein, die Schwächsten vor der Unvernunft anderer zu schützen.
Das schwerwiegendste Beispiel sind Säuglinge, die nicht sofort nach der Geburt geimpft werden, sehr wohl aber schwer an Masern erkranken können. Das ist keine theoretische Überlegung, schließlich leben die Jüngsten oft mit Kindergarten- und Schulkindern zusammen.
Wer keinen Motorradhelm trägt, riskiert sein Leben. Wer nicht gegen Masern geimpft ist, auch das anderer. Der Schutz von Risikogruppen gelingt nur, wenn ihr Umfeld masernfrei ist.

Der Druck facht den Widerstand nur noch an. Manche Impfskeptiker haben sich radikalisiert, es gibt Telegram-Gruppen mit 80.000 Mitgliedern, in denen Stimmung gegen die Masern-Impfung gemacht wird.
Mit aller Macht versuchen manche Eltern, ihre Kinder der Impfpflicht zu entziehen. Und sie finden dabei willfährige Helfer: Mittlerweile machen ganze Netzwerke von Ärzten gute Geschäfte mit den Ängsten vor der Masernimpfung.
Da hat Frau Berndt allerdings recht. Gleich zwei aktuelle Dokus zeigen,
Wie Eltern die Impfung umgehen (Die Spur, ZDF)
Um die Masernerkrankung zu eliminieren, muss Deutschland eine Impfquote von 95 Prozent erreichen. Derzeit liegt die ausgewiesene Quote bei 92 Prozent. Das Ziel liegt in Reichweite.
Doch wie hoch ist die Zahl derer, die nur auf dem Papier immun sind? Und wie valide ist die Masernimpfquote wirklich?
Gefälschte Impfbescheinigungen: Lücken im Masernschutz (RTL Extra)
Eltern bringen ihre Kinder morgens in die Kita – und vertrauen darauf, dass sie dort geschützt sind. Doch unsere Undercover-Recherche zeigt, wie Impfgegner versuchen, genau diesen Schutz auszuhebeln.
Für 750 Euro bestellen wir einen gefälschten Impfpass mit zwei Masernimpfungen, die es nie gegeben hat – und tatsächlich landet das Dokument bei uns im Briefkasten.
Was wir in der Szene erleben und wie weit manche Eltern gehen, um die Masern-Impfpflicht zu umgehen, zeigen wir im Video.
In den USA hat sich übrigens im August der als Impfgegner bekannte Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. für die Masernimpfung ausgesprochen:

Dass er das ernst meint, ist indes kaum anzunehmen. Im September trat Kennedy schon wieder beim Jahreskongress der „Children’s Health Defense“ auf, wo er der einflussreichen Impfgegner-Organisation versicherte, einen „strong and steadfast friend at the White House“ zu haben (Minute 45:24). Außerdem stellte er die Frage in den Raum, warum „wir uns um jedes Kind sorgen, das an Masern stirbt“ – aber nicht um jene, die an Impfungen stürben oder schwere Impfschäden erlitten (Minute 41:15).
Den aktuellen Masernausbruch im Land erwähnte der Gesundheitsminister nicht. Der Gouverneur von Pennsylvania, Josh Shapiro, merkte bei X an:

Auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern sinken die Impfquoten, zeigt eine neue Studie im Lancet. Als Ursache vermuten die Forschenden unter anderem zunehmende Impfskepsis aufgrund von Falschinformationen, vor allem seit der Corona-Pandemie.
Dr. Weikl und Co. lassen grüßen.
Zum Weiterlesen:
- Steckelberg, Anke/Hinneburg, Janna „Masernimpfung zwischen Evidenz und Desinformation“ KVH Journal (10/2026)
- Liebe, Sylvaine „Studie: In vielen EU-Ländern werden Kinder weniger geimpft“ BR24 (24. September 2026)
- Berndt, Christina/Hütten, Felix „Sollte die Impfpflicht gegen Masern abgeschafft werden?“ Süddeutsche (24. September 2026)
- „Streit um Masern-Impfpflicht“ Deutscher Bundestag (22. September 2026)
- Video „Kennedy empfiehlt die Masernimpfung – und seine Fans sind sauer“ Dr. Hegedüs (21. September 2026)
- Ernst, Edzard „Amid measles outbreaks, RFK Jr. teams up with Andrew Wakefield and headlines a major anti-vaccine conference“ edzardernst (19. September 2026)
- Harder, Bernd „ZDF-Doku über Robert F. Kennedy Jr.: Ein Impfgegner als Gesundheitsminister“ skeptix (2. Mai 2026)
- Wismeg-Kammerlander, Rebecca „Die Rückkehr einer Gefahr: Eine neue Masern-Welle erschüttert die USA“ skeptix (18. Februar 2026)
- Wismeg-Kammerlander, Rebecca „Schwurbler im Regierungsamt? Der Fall Kennedy“ skeptix (4. Dezember 2024)
Titelfoto: Unsplash/CDC



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