Die Rückkehr einer Gefahr: Eine neue Masern-Welle erschüttert die USA

(Lesedauer ca. 9 Minuten)

Eigentlich galten sie in den USA seit dem Jahr 2000 als eliminiert, doch jetzt sind sie wieder da: die Masern. Das Jahr 2026 hat in den USA also nicht nur politisch bedrohlich begonnen, das Land steht auch vor einer neuen gesundheitspolitischen Krise. Ein massiver Masernausbruch zieht sich durch mehrere Bundesstaaten und erreicht Ausmaße, wie man sie seit über 30 Jahren nicht mehr gesehen hat.

Die aktuelle Lage: Brennpunkte in South Carolina und Florida

Die Zahlen sind alarmierend. In South Carolina ist der größte Ausbruch seit der offiziellen Eliminierung der Krankheit zu beobachten. Bis zum 13. Februar 2026 wurden allein dort 950 Fälle gemeldet, ein Großteil der Infizierten ist zwischen 6 und 17 Jahre alt, Kinder und Jugendliche sind also besonders stark betroffen. Eine der wichtigsten Ursachen für diesen gefährlichen Ausbruch ist die traurig niedrige Impfquote, die in South Carolina bei etwa 5-jährigen Kindern für das Jahr 2024/25 nur knapp über 91 Prozent  lag – wo der entscheidende Schutz fehlt, hat die Krankheit leichtes Spiel.

Auch in Florida spitzt sich die Lage zu: An der Ave Maria University im Süden des Staats kam es zu einem lokalen Ausbruch mit fast 60 Fällen, der für mehrere Studenten mit Krankenhausaufenthalten endete. Das katholische College verlangt von Studierende zwar grundsätzlich, sich gegen Masern und einige andere Krankheiten impfen zu lassen und diese Impfungen auch nachzuweisen, eine Impfpflicht besteht aber nicht. Wer eine Erklärung unterzeichnet und so bestätigt, über die Risiken einer Infektion ausreichend informiert zu sein und sich dennoch gegen die Impfung entscheidet, kann auch ohne Immunisierung studieren. Der Ausbruch an der Ave Maria University, zu dem es trotz einer vergleichsweise hohen Impfquote kam, zeigt, wie aggressiv das Masern-Virus sich bemerkbar macht, sobald Lücken im Impfschutz bestehen.

Besonders dramatisch ist die Lage in den beengten und menschenunwürdigen Verhältnissen, unter denen Gefangene in ICE-Lagern leben müssen, unter ihnen auch unzählige Kinder. Ein Masern-Ausbruch wurde etwa in der texanischen Anstalt Dilley gemeldet. Das Lager war erst Anfang des Monats in den Medien, nachdem es ProPublica gelang, mit Kindern und Jugendlichen zu sprechen, die dort festgehalten werden.

Wie konnte es so weit kommen? Impfskepsis und politische Weichenstellungen

Dass die Masern zurückkehren konnten, ist das Ergebnis einer gefährlichen Mischung aus Desinformation und politischen Entscheidungen:

Was für uns Skeptiker:innen besonders traurig ist: Impfskepsis, die auf Falschinformationen beruht, und Verschwörungsdenken scheinen eine entscheidende Rolle zu spielen. „Anti-Vaxx“-Narrative wurden besonders durch die heißen Debatten um die COVID-Impfung wieder angefacht und sind seither allgegenwärtig. Besonders in den USA, in denen die Verweigerung von Impfungen oft als Ausdruck „medizinischer Freiheit“ dargestellt werden, fallen solche Erzählungen auf fruchtbaren Boden, die Rate der Impf-Verweigerer ist hoch. Die für eine ausreichende Herdenimmunität wichtige Impfquote von 95 Prozent wird in vielen Regionen der USA seither unterschritten.

Daten des CDC belegen nicht nur, dass die Fallzahlen kontinuierlich steigen, sondern auch, dass die Impfquote spürbar zurückgegangen ist. Während im Schuljahr 2019/20 noch 95,2 Prozent der im Schnitt 5-jährigen Kindergartenkinder in den USA gegen Masern geimpft waren, waren es im Jahr 2024/25 nur noch 92,5 Prozent. In South Carolina und Florida, wo die Masern sich gerade besonders rasant verbreiten, liegt die Quote bei Kindergartenkindern sogar nur bei 91,2 und 88,8 Prozent; in Idaho sie mit 78,5 Prozent sogar unter 80 Prozent. Die Konsequenzen müssen vor allem Kinder und Jugendliche tragen. Im Jahr 2025 waren 44 Prozent der 2280 bekannten Masern-Kranken zwischen fünf und 18 Jahren alt, unter den bisher registrierten Fällen für das Jahr 2026 sind es sogar 58 Prozent.

Doch es sind nicht nur das Verschwörungsgeraune auf Social Media und die Spätfolgen der COVID-Pandemie, die zu dieser fatalen Impfskepsis führen. Ein alter Bekannter trägt hier einen großen Teil der Verantwortung: RFK Jr. Über den Mann an der Spitze des Department of Health and Human Services (HHS) haben wir im Blog schon einige Male berichtet. Wenig überraschend hat seine Benennung genau die Konsequenzen, vor denen auch wir gewarnt haben. Er hat für die US-Gesundheitspolitik einen dramatischen Kurswechsel erzwungen.

Dies wird für unzählige Menschen in den USA gesundheitliche Konsequenzen haben, was auch der aktuelle Masern-Ausbruch bestätigt. Der langjährige „Anti-Vaxx“-Aktivist hat beispielsweise das Vaccine Advisory Committee (ACIP), das Impfempfehlungen für die USA ausgibt, ausgehöhlt und Wissenschaftler:innen mit „Anti-Vaxx“-Aktivist:innen und Impfgegner:innen ersetzt. Er hat kritische Fördergelder für die Forschung an mRNA-Impfstoffen streichen lassen und die Impfempfehlungen für Kinder drastisch reformiert – seit Januar sollen sie gegen deutlich weniger Krankheiten geimpft werden. Mediziner:innen und andere kritische Stimmen werfen RFK unter anderem vor, durch sein Auftreten und seine Entscheidungen das Vertrauen in Routineimpfungen systematisch zu schwächen und die Gesundheit der US-Amerikaner aufs Spiel zu setzen. Einige Gruppen versuchen außerdem rechtlich gegen die neuen Impfregeln vorzugehen.

Warum die Impfungen so wichtig sind und man Masern nicht unterschätzen darf

Auch wenn RFK und andere „Anti-Vaxxer“ das Gegenteil behaupten: Die Evidenz ist eindeutig. Impfungen sind sicher und effektiv, oder um es in den Worten der aktuellen Impfkampagne der österreichischen Regierung zu sagen: Impfen schützt einfach. Das ist selbstverständlich auch bei Masern der Fall. Zwei Dosen des MMR-Impfstoffs, der neben Masern auch vor Mumps und Röteln schützt, sorgen für einen lebenslangen Infektionsschutz für 98-99 Prozent der Geimpften.

Besonders für Kinder ist die Impfung wichtig, denn die Masern sind – entgegen der Behauptungen vieler Impfgegner:innen – keine harmlose „Kinderkrankheit“, sondern können schwere Folgen haben. Zu den Komplikationen, die teils lebenslange Schäden nach sich ziehen oder lebensbedrohlich verlaufen können, zählen beispielsweise Lungenentzündungen (Masernpneumonie) oder Gehirnentzündungen (Enzephalitis), die etwa eins von 1.000 Kindern betreffen. Das Masern-Virus schwächt das Immunsystem und macht Kranke für weitere Infektionen anfällig.

Das macht die Masern nicht nur während der akuten Phase der Krankheit zu einer nicht zu unterschätzende Gefahr: es kommt häufig zur sogenannten Immunamnesie, einer dauerhaften „Löschung“ des Immungedächtnisses. Masern-Kranke sind oft noch Jahre nach der Krankheit immungeschwächt und anfälliger für Infektionskrankheiten. Negative Konsequenzen, vor denen man sich und andere mit einer Impfung effektiv schützen kann.

Die aktuelle Masern-Welle in den USA ist ein deutliches Warnsignal: Wenn Impfraten fallen, verlieren Gemeinschaften den Schutz. Das bedeutet nicht nur eine Gefahr für jeden einzelnen, sondern auch systemische Folgen, die Maßnahmen wie Quarantänen an Schulen und Universitäten notwendig machen, und durch steigende Hospitalisierungsraten das Gesundheitssystem belasten. Die Pan American Health Organization (PAHO) warnt bereits, dass die USA ihren Status als „masernfrei“ verlieren könnten. Für den 13. April ist eine Besprechung angesetzt, bei der die Kategorisierung für die USA und Mexiko besprochen werden soll.

Auch wenn die Lage in Deutschland, Österreich und der Schweiz noch nicht so dramatisch ist, sollte uns mit Blick auf die USA klar sein, welche Folgen sinkende Impfraten haben können. Denn auch in diesen drei Ländern liegt die Impfrate unter der wichtigen 95-Prozent-Marke, besonders bei der zweiten Impfdosis sind Lücken sichtbar: In Deutschland und Österreich wird dieser Schwellenwert schon bei der ersten Impfdosis unterschritten. Bei der zweiten Dosis liegt die Durchimpfungsrate sogar nur knapp über 80 Prozent, die Zahlen in beiden Ländern sehen ähnlich aus. In der Schweiz liegt die Impfquote bei etwa 90 Prozent, und auch hier sind Ausbrüche keine Seltenheit. Es gibt also auch hier viel zu tun!

Wenn ihr Wert auf evidenzbasierte Entscheidungen legt und euch über die Masern-Impfung und andere Impfungen informieren wollt, haben wir hier ein paar Quellen für euch:

Deutschland:

Österreich:

Schweiz:

Quellen:

Zum Weiterlesen:

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