Im Jahr 1967 steckt die Antiquitätenhändlerin Annemarie Schröder in einer Lebenskrise:
Ihr Beruf in Langen nahe Frankfurt langweilte sie, von ihrem Mann hatte sie sich entfremdet. Sie machte sich Gedanken um ihre Zukunft. Sollte sie versuchen, die Branche zu wechseln? Mode oder Kosmetik würden sie interessieren. Oder war es ihre Ehe, die sie unglücklich machte?
So blickt Till Hein in dem Stern Crime-Artikel „Der Sterndeuter“ zurück auf einen der spektakulärsten Kriminalfälle der Nachkriegszeit. Denn Annemarie Schröder wird das erste Opfer des Serienmörders Arwed Imiela, der als ihr „astrologischer Lebensberater“ fungiert.
Und das kam so:
In der Zeitung entdeckte sie eine Annonce: Ein Diplom-Astrologe bot Horoskope an. Ein gewisser Arwed Imiela. Sie beschloss, ihn die Sterne befragen zu lassen. Imiela meldete sich per Telefon. Schließlich bot er an, ihr das fertige Horoskop persönlich zu überbringen.
Annemarie Schröder fühlte sich geschmeichelt. Beim Treffen ließ Imiela seinen ganzen Charme spielen. Die Geschäftsfrau verliebte sich in den Sterndeuter. „Er ist ein toller Mann. Ich bin ihm völlig erlegen“, vertraute sie ihrem Gynäkologen an. Kurz darauf ließ sie sich scheiden.

Tatsächlich hatte Imiela eine Prüfung beim Deutschen Astrologen-Verband abgelegt und trug den Phantasietitel „Diplom-Astrologe“. Hein schreibt weiter:
Die Geschäfte mit seinen Horoskopen, für die er in Zeitungsannoncen wirbt, laufen gut. Unternehmer und reiche Frauen im optimistischen Nachkriegsdeutschland lassen sich von Imiela gern eine noch rosigere Zukunft vorhersagen.
Sie ahnen nicht, dass er ein Gerät benutzt, das Horoskope aus Textbausteinen automatisch erstellt. Er muss dafür lediglich Datum und Uhrzeit der Geburt der Klientinnen und Klienten eingeben. Sein Geschäftsmodell lässt sich so zusammenfassen:
Er verlangt horrende Preise für mühelos herstellbare Massenware.
Kleiner Nebeneffekt:
Für seine Horoskope, die überwiegend Frauen auf der Suche nach dem Sinn ihres Lebens anforderten, mussten sie ihm umfangreiche Auskünfte geben. So wusste er, wo Geld zu holen war,
berichtete der Nordschleswiger vor vier Jahren über den „Blaubart von Fehmarn“.
1973 wurde Arwed Imiela vom Lübecker Landgericht in einem Indizienprozess wegen vierfachen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Er starb 1982 im Gefängnis. Wie manipulativ Imiela bei seinen Taten vorging, schildert in „XY history: Tödliche Verführung – Verliebt in einen Mörder“ die Psychologin Julia Shaw:
Den Stern Crime-Artikel gibt es jetzt auch online.
Zum Weiterlesen:
- Hein, Till „Der Sterndeuter“ Stern Crime (68/2026)
- Video „Tödliche Verführung: Verliebt in einen Mörder“ XY history (24. September 2025)
- Gehm, Eckard „Arwed Imiela: Der Blaubart von Fehmarn“ Der Nordschleswiger (30. September 2022)
- „Zeitreise: Der Blaubart von Fehmarn“ ndr (26. Januar 2014)
- Mauz, Gerhard „Kein Blut und keine Tinte“ spiegel (27. Mai 1973)
- „Lebenslänglich für Imiela – Strafe ohne Sinn?“ spiegel (27. Mai 1973)
- Birkenmaier, Werner „Der Fall Imiela: Ein Typ für ältere Damen“ zeit (20. Oktober 1972)
- Harder, Bernd „Manipulation entkommen: Das Skeptival-Panel Ausstieg aus der Angst und weitere Infos“ skeptix (5. Oktober 2025)
Titelfoto: Unsplash/Troy Olson



Schreibe einen Kommentar