RG-MC-Verschwörungstheorie: Dissoziative Identitätsstörung und „Bullshitkommentare“

(Lesedauer ca. 7 Minuten)

Der österreichische Psychotherapeut Florian Friedrich hat seine Videoreihe zum Thema „Rituelle Gewalt – Mind Control“ fortgesetzt.

Nach

(wir berichteten)

sind im Weiteren erschienen:

Apropos Dissoziative Identitätsstörung:

Natürlich sind die Kürzungen bei der Psychotherapie beklagenswert und die Forderungen des Aktionsbündnis Psychotherapie e.V. zu unterstützen. Nichtsdestotrotz kam bei Instagram die Frage auf, ob es sinnvoll ist, bei den Testimonials „Und hinter den Zahlen: Menschen“ mit

einer der wohl umstrittensten Diagnosen in den Klassifikationssystemen für psychische Störungen (Psychotherapeutenjournal)

zu starten, nämlich der DIS:

https://www.instagram.com/p/DdozaqRAKPm

Zumal die Ablehnung einer adäquaten Therapie offenbar nicht rein aus Kostengründen erfolgte. Darauf wiesen verschiedene Kommentator:innen hin, unter anderem die Betreiberin des Instagram-Accounts hilfe_nach_rgmc. Doch kritische Anmerkungen wurden weitgehend gelöscht, was das Aktionsbündnis so begründete:

Wir teilen hier keine Fallberichte zur fachlichen Diskussion oder Supervision, sondern die echten Erlebnisse von Menschen, die den Mut haben, sich sichtbar zu machen. Das verdient Respekt, kein Infragestellen.

Wer das Erlebte in Frage stellt oder kleinredet, reproduziert genau das, was viele Betroffene ohnehin schon zu oft erleben: nicht geglaubt zu werden. Das lassen wir hier nicht zu.

Das kann man so sehen – muss man aber nicht.

Die Betreiberin von hilfe_nach_rgmc teilte uns dazu ihre Auffassung mit:

Das Aktionsbündnis Psychotherapie möchte ein „Safe Space“ für Betroffene sein und ihnen „eine Stimme geben“. Das ist für mich erstmal total nachvollziehbar.

Jedoch wirft der eher selektiv wirkende Umgang innerhalb der Kommentarspalte bei mir die Frage auf, wen genau das Aktionsbündnis überhaupt zu den Betroffenen zählt. Zusammen mit anderen User*innen wurde ich nach einer Bitte, „substanzlose Bullshitkommentare“ zu löschen, vom Social-Media-Team des Vereins wortwörtlich „ausgeblendet“.

In einer langjährigen kassenfinanzierten psychotherapeutischen „Psychotherapie“, in welcher der Psychotherapeut Annahmen des Rituelle Gewalt-Mind Control-Verschwörungsnarrativs einfließen ließ, wurde mir ebenfalls eine Dissoziative Identitätsstörung diagnostiziert – wie auch dem Betroffenen M.

Kritische und sachliche Anmerkungen sowie negative Erfahrungen (wie Fehlbehandlungen oder -diagnosen) von Betroffenen sind also explizit nicht erwünscht. Wie passt dieser selektive Umgang des Aktionsbündnisses mit dem Versprechen zusammen, Betroffenen eine Stimme zu geben?

Insbesondere bei einer Diagnose, bei der nicht nur die Diagnose selbst, sondern auch bestimmte Behandlungsansätze und -methoden wissenschaftlich umstrittenen sind?

Eine andere Kommentatorin, deren Einlassung bei dem Instagram-Beitrag des Aktionsbündnisses ebenfalls verschwunden ist, schrieb uns:

Als ehemalige Patientin einer psychiatrischen Traumastation habe ich selbst erlebt, wie schleichend suggestive Prozesse wirken können.

Wenn man schwer belastet auf so einer Station ankommt, ist der Wunsch nach Hilfe, Erklärung und einer tragfähigen Beziehung zu Therapeutinnen sehr groß. Außerdem ist man extrem vulnerabel. Man geht schließlich mit einem enormen Vertrauensvorschuss gegenüber den Therapeutinnen dort hin.

Mir wurde die Diagnose einer DIS subtil nahegelegt. Die Erzählung vom rituellem Missbrauch war auf dieser Station präsent, und ich wurde ermutigt, in meiner Vergangenheit nach passenden Erinnerungen zu suchen. Sicher nur mit den besten Absichten, aber ich hätte sehr leicht auf verschiedenen, mehr oder weniger suggestiven „Angeboten“ ausrutschen können.

Es gab zudem eine spürbare, wenn auch inoffizielle Gruppendynamik. Vielleicht so etwas wie ein Ranking der Betroffenheit. Niemand hat sich nach dem spektakulärstem Trauma in der Reihe aufgestellt, trotzdem war das so spürbar. Das Angebot, meine Probleme über die Erzählung des rituellen Missbrauchs zu erklären und Anerkennung zu finden, war sehr verführerisch. Ich habe an mir selbst beobachtet, wie ich anfing zu überlegen, ob da nicht doch etwas in meiner Vergangenheit war.

Dieses eigene Erleben hat mir gezeigt, wie leicht man in einer empfindlichen, therapeutischen Situation durch gut gemeinte, aber suggestive Impulse geformt werden kann. Ich zweifle keineswegs an der Existenz organisierter sexueller Gewalt. Aber unter anderem nicht nur diese Erfahrung hat mich gelehrt, das Narrativ des rituellen Missbrauchs und das vorschnelle Stellen von DIS-Diagnosen sehr kritisch zu hinterfragen.

Ich hatte das Glück, mich in dieser Situation distanzieren zu können. Was aber auch bedeutet hat, dass ich an den Therapeut*innen gezweifelt habe, deren Hilfe ich eigentlich gebraucht hätte. Andere Patientinnen sind in Abhängigkeiten geraten aus denen sie sich jetzt, nach vielen Jahren, noch immer noch lösen konnten.

Wenn der Anspruch ist, den Erlebnissen von Betroffenen zu glauben, dann konterkariert nicht euren eigenen Anspruch, indem ihr zum Beispiel mir unterstellt, meine Erfahrungen wären nicht valide.

Vertiefen wir noch kurz die besagte Aufforderung des Kommentators space.jonicorn:

Könnt ihr substanzlose Bullshitkommentare von Leuten, die finden, dass schwerst traumatisierte Menschen nicht existieren, sondern die Leute nur Theater spielen, bitte einfach löschen?

Selber Bullshit, möchte man da einfach nur zurückgeben. Niemand bestreitet, dass es schwerst traumatisierte Menschen gibt. Nichtsdestotrotz weisen die Psycholog:innen Philipp Herzog, Tim Kaiser und Rafaële J. C. Huntjens im Psychotherapeutenjournal darauf hin, dass

… in letzter Zeit massenhaft Jugendliche (sowohl online als auch in klinischen Einrichtungen) mit Symptomen insbesondere der DIS auftreten, die scheinbar durch das Betrachten von krankheitsbezogenen Inhalten, die von Influencer*innen in den sozialen Medien gepostet wurden, erworben wurden.

Niemand unterstellt dem Betroffenen M., dass er zu dieser Gruppe gehört. Aber darf man das nicht wenigstens mal erwähnen, zumal der Artikel von Herzog/Kaiser/Huntjens in einer Publikation für die Mitglieder der Psychotherapeutenkammern in Deutschland erschienen ist?

Zudem behaupten die Kritiker:innen des RG-MC-Narrativs mitnichten, dass es die Dissoziative Identitätsstörung nicht gibt. „Umstritten“ sind einzelne Punkte, wie zum Beispiel die Häufigkeit der Diagnose, die gezielte Herbeiführung einer DIS durch Rituelle Gewalt, die Steuerung der einzelnen Persönlichkeitsanteile durch „Mind Control“, das angebliche Eigenleben von strukturell abgespaltenen Persönlichkeiten etc.:

Aus der Diagnose DIS lässt sich weder auf Rituelle Gewalt noch auf Mind Control, Programmierung, geheime Täterorganisationen oder bestimmte verborgene Erinnerungen schließen.

Aktuelle Infos dazu gibt es in den Fachbeiträgen

Selbstverständlich hat das Aktionsbündnis das Recht, zu sagen:

Wie möchten Betroffenen hier eine Stimme geben und keine Diskussion darüber, ob eine psychische Erkrankung existiert, bei der Diagnosen abgesprochen werden.

Aber vielleicht kann die Diskussion mal an anderer Stelle geführt werden.

Zum Weiterlesen:

Titelfoto: Unsplash/Céline Cao

Kommentare

13 Kommentare zu „RG-MC-Verschwörungstheorie: Dissoziative Identitätsstörung und „Bullshitkommentare““

  1. Ich habe jetzt erst einmal nur den Podcast angehört. Den Artikel hier werde ich im Laufe des Tages noch gründlich lesen.

    Ich habe noch nie eine so nüchterne, vernünftige und verständliche Beschreibung zum Thema DIS gehört oder gelesen. Ich freue mich wirklich sehr darüber, dass es hier eine Fachperson gibt, die ziemlich genau das beschreibt, was ich selbst immer gedacht, erlebt und auch gesagt habe.

    Es war für mich oft irritierend, mit meiner Wahrnehmung scheinbar so allein dazustehen. Denn wie gesagt: Mit der Beschreibung von DIS im RG-/MC-Kontext konnte ich nie wirklich etwas anfangen.

    Sehr, sehr empfehlenswert!

  2. Nun habe ich auch den Artikel und die Grundlage dafür in Augenschein genommen. Meine Meinung dazu:

    Ich habe Schwierigkeiten mit Beiträgen, in denen es heißt, man wolle „Betroffenen eine Stimme geben“ (siehe Instagram-Beitrag).

    Wenn eine Person sagt: „Meine DIS wurde jahrelang nicht erkannt“, gilt das als Zeugnis einer wichtigen Betroffenenperspektive.

    Wenn eine andere Person hingegen sagt: „Bei mir wurde DIS diagnostiziert, aber die Diagnose war falsch und die Behandlung hat mir geschadet“, sieht es plötzlich ganz anders aus.

    Sobald ein solcher Bericht Konsequenzen für das zugrunde liegende Modell haben könnte, besteht offenbar die Gefahr, dass er als „DIS-Leugnung“, als „Betroffenen nicht glauben“ oder sogar als „täternahe Argumentation“ eingeordnet wird.

    An diesem Punkt muss man meines Erachtens entschieden bleiben: Beides sind Betroffenenberichte.

    Es geht überhaupt nicht darum, Menschen mit DIS ihre öffentliche Stimme streitig zu machen. Natürlich erleben auch sie Stigmatisierung, Unglauben und schlechte Versorgung. Aber innerhalb des üblichen DIS-Milieus verfügt diese Betroffenenperspektive häufig über eine institutionell und moralisch abgesicherte Sprecherposition.

    Menschen, die von Fehldiagnosen, Fehlbehandlungen oder daraus entstandenen Schäden berichten, haben diese Absicherung gerade nicht.

    Und konkret zur Moderation in dem besagten Strang sehe ich auch ein Problem: Wenn ein Ausgangskommentar entfernt oder ausgeblendet wird (wie dort geschehen), die Antworten darauf jedoch sichtbar bleiben, wird der Diskussionszusammenhang zerstört. Dadurch kann tatsächlich ein falscher Eindruck entstehen.

    So hieß es beispielsweise in einer Antwort auf einen inzwischen ausgeblendeten Kommentar:

    „Du gibst den Stand täternaher Argumentation wieder.“

    Wenn der Leser den dazugehörigen Kommentar nicht mehr sehen kann, kann er auch nicht überprüfen, welche konkrete Aussage überhaupt als „täternah“ bezeichnet wurde. Sichtbar bleibt nur die Zuschreibung. Und wenn gleichzeitig der Accountname der betreffenden Person weiterhin zu sehen ist, bleibt diese Person identifizierbar, während ihre eigene Aussage und damit die Grundlage für eine eigene Beurteilung verschwunden ist.

    Bei der selektiven Entfernung nur einer Seite einer Diskussion entsteht zwangsläufig ein Informationsgefälle. Der Leser bekommt die Bewertung präsentiert, aber nicht mehr das Material, anhand dessen er diese Bewertung selbst überprüfen könnte.

    Ob das den Betroffenen, ganz gleich auf welcher Seite, tatsächlich dienlich ist, wage ich tatsächlich zu bezweifeln.

  3. Wenn der Leser den dazugehörigen Kommentar nicht mehr sehen kann, kann er auch nicht überprüfen, welche konkrete Aussage überhaupt als „täternah“ bezeichnet wurde. Sichtbar bleibt nur die Zuschreibung.

    Ein schöner Satz. Interessant wäre für mich noch zu erfahren, ob es sich bei solchen Aussagen um Täter oder um Beschuldigte/Tatverdächtige handelt.

  4. Es gibt Ausgebeutete schwerster Pädokriminalität, die logischerweise keine rituelle Gewalt erlebt haben und keine DIS selbstverständlich nicht im klassischen Sinn zeigen können:

    Die DIS-Klient:innen sind logischerweise trotzdem nicht einfach gesund.

    Als Kind habe ich lösungsorientiert bewegliche Selbstzustände gegen seine Deliktmechanik spiegelneuronal vereinfacht entwickelt, um zu überleben.

    Diese blieben intrusiv antriggerbar, aber der ursprüngliche Auftrag auf der Metaebene für Flucht bis Kampf ging nach der letzten Tat verloren.

    Was daraus wurde, wird heute oft als DIS völlig mystifiziert fehlgedeutet.

    Das ist weder provokant noch böswillig gemeint, aber es trifft die kindliche selbstwirksame Erfahrung aus der magischen Entwicklungsphase so absolut nicht.

  5. hilfe_nach_rgmc

    @Stella

    „Ob das den Betroffenen, ganz gleich auf welcher Seite, tatsächlich dienlich ist, wage ich tatsächlich zu bezweifeln.“

    Ich auch.

    @Sebastian

    „Interessant wäre für mich noch zu erfahren, ob es sich bei solchen Aussagen um Täter oder um Beschuldigte/Tatverdächtige handelt.“

    Weder noch. Leider ist das ja sowohl von Therapeut*innen als auch von Betroffenen eine übliche Reaktion auf differenzierte bzw. kritische Anmerkungen oder Hinweise, egal von wem sie stammen.

  6. Die unkritische Haltung des Aktionsbündnisses ist überraschend und enttäuschend. Sowohl im Hinblick auf die Diagnose DIS, als auch auf das Narrativ der rituellen Gewalt/Mind Control.

    ​Ein Blick auf die Profile der Kommentierenden unter dem Instagram-Post des Aktionsbündnisses zeigt, ein Großteil der Nutzerinnen und Nutzer, die von sich als DIS-Betroffene sprechen, gibt gleichzeitig an, Opfer ritueller Gewalt zu sein.

    ​Mit dem Argument, Opfern vermeintlich ritueller Gewalt einen Safe Space zu bieten, wird dieser Raum den Opfern von Fehltherapien verwehrt. Beim Aktionsbündnis Psychotherapie scheint das Bewusstsein dafür zu fehlen, wie sich das für die Betroffenen von Fehltherapien anfühlen muss.

    ​Besorgniserregend ist auch den gesellschaftspolitische Kontext. Das Verschwörungsnarrativ der rituellen Gewalt knüpft im Kern strukturell an die antisemitische Ritualmordlegende an und bildet eine direkte Brücke zu modernen Ideologien wie QAnon. Gerade in der aktuell ohnehin angespannten politischen Lage ist es extrem unbedacht, unkritisch die Türen für Narrative zu öffnen, die so oft aus dem rechtsextremen Spektrum stammen oder dorthin führen.

    ​Vor diesem Hintergrund wüsste ich wirklich gerne, ob das Löschen der kritischen Kommentare der offiziellen Haltung des Aktionsbündnisses Psychotherapie entspricht, oder ob es eine unreflektierte Einzelentscheidung des Social-Media-Teams war?

  7. @Stella

    Ob das den Betroffenen, ganz gleich auf welcher Seite, tatsächlich dienlich ist, wage ich tatsächlich zu bezweifeln.

    Ich auch.

    @Hilfe_nach_ RGMC

    Mit dem Argument, Opfern vermeintlich ritueller Gewalt einen Safe Space zu bieten, wird dieser Raum den Opfern von Fehltherapien [wie auch skeptischen Opfern schwerster Pädokriminalität] verwehrt.

    Ich will gar nicht mehr zählen, wie oft ich schon auf den sozialen Medien als Täter, Femifake bis Dämon bezeichnet wurde.

    @Anna

    Beim Aktionsbündnis Psychotherapie scheint das Bewusstsein dafür zu fehlen, wie sich das für die Betroffenen von Fehltherapien anfühlen muss.

    Die RA-MC&-DID-psychotraumatologische Ideologie scheint über jedem Opferschutz zu stehen.

    Besorgniserregend ist auch der gesellschaftspolitische Kontext. Das Verschwörungsnarrativ der rituellen Gewalt knüpft im Kern strukturell an die antisemitische Ritualm*rdlegende an und bildet eine direkte Brücke zu modernen Ideologien wie QAnon.

    Dies scheint den betreffenden nur so bewusst zu sein:

    Sie schützten die RA-‚Opfer‘, indem sie auf der ‚richtigen‘ Seite der DIS-Psychotraumatologie sind und gegen die Adrenochrom-Seite.

    Gerade in der aktuell ohnehin angespannten politischen Lage ist es extrem unbedacht, unkritisch die Türen für -Narrative zu öffnen, die so oft aus dem rechts[-, Schwurbel- bis links]extremen Spektrum stammen oder dorthin führen.

    Ja, allerdings.

    Vor diesem Hintergrund wüsste ich wirklich gerne, ob das Löschen der kritischen Kommentare der offiziellen Haltung des Aktionsbündnisses Psychotherapie entspricht, oder ob es eine unreflektierte Einzelentscheidung des Social-Media-Teams war?

    Ich auch.

    Von @ Info Oetken auf X:

    Ich meine auch bei den Personen, die Accounts führen, welche sich an der mit #SatanicPanic gekennzeichneten Diffamierungskampagne gegen Opfer Ritueller Gewalt und deren Helfer*innen beteiligen, sektenartiges Verhalten zu erkennen.

    Okay, z. Bsp. Colynne E. als Einzelperson und skeptisches weibliches Opfer schwerer Misshandlungsschändung kann also alleine mit sich selbst eine Sekte gegründet haben.

    Spannend.

  8. Ich kann nur sagen, dass ich eine der User*innen bin, die ihre Erfahrung der Fehltherapie unter dem besagten Beitrag des Aktionsbündnisses geteilt hat.

    Ich habe unter anderem auch geschrieben, dass ich mir im Nachheinein einen kritisch eingestellten Gutachter gewünscht hätte. Schlicht zum Schutz der erlebten Fehltherapie, die bei mir einen ziemlichen Schaden hinterlassen hat.

    Aber auch meine Kommentare wurden entfernt, was ich wirklich bitter fand.

    Zusätzlich wurde ich mehrfach angefeindet und mir wurden Dinge unterstellt, die nicht der Wahrheit entsprechen. Teilweise hat es mich wirklich sehr getroffen und es hat etwas mit mir gemacht.

    Am Ende wurden dann meine Kommentare mit der o.g. Begründung des „Safe Spaces“ entfernt, während es keinerlei Bemühungen gab, die Anfeindungen mir gegenüber zumindest anzumahnen. Ich hatte demnach keinen Safe Space.

    Und ich kann nur sagen, diese Art, unsichtbar gemacht zu werden, und diese Art, mundtot gemacht zu werden und auch zu erleben, dass meine Kommentare entfernt – aber die Anfeindungen mir gegenüber nicht mal angemahnt – wurden, fühlte sich furchtbar an und ich habe wirklich einige Tage gebraucht, um einen Umgang damit zu finden.

    Von einem Instagrammaccount wie dem des Aktionsbündnisses hätte ich wirklich anderes erwartet. Beispielsweise eine berechtigte Moderation der Kommentarspalte. Außerdem sollte es doch auch im Interesse des Aktionsbündnisses sein, dass es nicht nur Theapieplätze gibt, sondern eben halt GUTE und hilfreiche Therapien für Betroffene von Gewalt.

    Ich habe mich ebenfalls gefragt, wieso man diese Kommentarspalte nicht moderieren kann, beide Betroffenenperspektiven nebeneinander stehen lassen kann. Denn wieso muss die eine Betroffenenperspektive zwingend die andere negieren?

    Zumindest in einem oberflächlichen Instagrampost wie diesen, hätte man durchaus die beiden Perspektiven nebeneinander stehen lassen können ohne eine tiefe Diskussion zu starten. Aber unter anderem las ich im Nachklang noch, dass „die Reaktionen […] deutlich gezeigt [haben], dass der Kommentar mehr war als eine persönliche Erfahrungsschilderung, sondern sich wie ein Angriff auf die Diagnosestellung der DIS liest.“

    Nun denn, mein Gedanke dazu ist, dass es zu kurz gedacht ist, von den Reaktionen Betroffener auf den kritischen Wert meines Kommentars zu schließen, zumal ich selbst ja auch eine Betroffene von schwerer Gewalt bin

    Man hätte auch zum Entschluss kommen können, dass womöglich die Reaktion der anderen extrem emotional gewesen ist oder dass vielleicht auch mein Kommentar falsch aufgefasst wurde usw. Dies hätte man durch eine Moderation klären können, denn ich habe immer wieder betont, dass ich mich sehr für einen differenzierten Blick auf jeden Einzelfall ausspreche und gegen jede Pauschalisierung.

    Das gesamte Vorgehen sehe ich demnach wirklich kritisch – eine Betroffenenperspektive systematisch auszuschließen schafft weder einen Safe Space, noch schützt es Betroffene.

    Zum Schutz und zum Safe Space gehört auch der Schutz vor fraglichen Therapiemethoden.

    Ich habe zuletzt in einer Stellungnahme geschrieben:

    So wie Dis-Patient*innen fordern, dass über ihre Lebensrealität keine Kontroverse geführt wird, so fordere ich, dass unsere Erfahrungen der Fehltherapie nicht mehr als Einzelfall, Täterkonstrukt oder Täterlobby abgetan werden, denn unser Leid ist real und wir exitieren wirklich und haben oftmals mit Folgeschäden und Schwierigkeiten im Leben danach zu kämpfen. Auch unsere Betroffenenperspektive gehört in den Diskurs.

    Und das ist mir wirklich ein Anliegen. Ich bin es so leid, dass unser Leid immer als ein Konstrukt der Täterlobby abgetan wird und damit auch massiv bagatellisiert wird. Wenn ich dann sehe, WIE stark diese Therapie mein Leben zerstört hat und wie schlecht es mir teilweise durch die Therapie ging und geht, ist das wirklich blanker Hohn.

    Ich sehe zusätzlich auch noch einen weiteren Aspekt:

    Durch das einseitige Löschen stellt man die Betroffenenperspektiven nochmal gegeneinander auf, vermittelt den Eindruck, die eine würde die andere negieren und damit verschärft man die Spannungen und Anfeindungen zwischen den „Fronten“ – auch auf der Betroffenenebene.

    Und das, obwohl man doch erstmal in einem Boot sitzt.

    DENN: Die strukturelle Unterversorgung im psychotherapeutischen Bereich und der Mangel an Thearpieplätzen betrifft auch uns Fehltherapierten massiv. Ich könnte Romane schreiben über die schwierige Theapieplatzsuche nach Fehltherapie. Und wir alle haben doch das primäre Interesse, eine gute und hilfreiche Therapie zu erhalten.

    Und genau dafür wäre es unabdingbar, ALLE Perspektiven eines Sachverhaltes zuzulassen, und dazu gehören nunmal auch beide Betroffenenperspektiven.

  9. @ Luna

    Genau so ist es leider.

    Das offensichtlich Offensichtliche wird gedreht:

    Da ist mal die Opfer-Täter*-Umkehr.

    Sie verhalten sich in ihrer RA-MC-DID-psychotraumatologischen Ideologisierung oft selbst wie eine -Täterorganisation.

    Unterstellen aber den Skeptischen, Falschbeschuldigten, Fehlbehandelten, den Forensiker:innen wie auch Opfern schwerster Pädokriminalität, die skeptisch sind, Täter oder zumindest deliktnah pädokriminell oder pädophil zu sein.

    Sie unterstellen einer nicht auffindbaren -Deliktzunft, Taten zu verüben wegen einer Ideologie, die sie zusammen schweissen würden. Offenbar wird dabei nicht mehr erkannt, dass bei ihnen genau das abläuft, was sie uns vorwerfen:

    Psychotraumatologischer Filz analog eines Narrativs mit urphobischer Stigmatisierung voller hexenjagender Moralangst.

    Sie haben längst das intern etabliert, zeigen es aggressiv aussen und sind narrativblind, was sie uns ständig vorwerfen.

  10. Liebe Kommentierende, liebe Skeptix, lieber Bernd Harder,

    wir möchten hier gern auf die berechtigte Kritik an unserer Moderation antworten.

    Unter unserem Instagram-Beitrag „Und hinter den Zahlen: Menschen“ haben wir Kommentare ausgeblendet. Wir wollten die Person schützen, die dort öffentlich ihre Geschichte erzählt hat. Dieses Ziel halten wir weiterhin für richtig, die Umsetzung war es nicht.

    Ausgeblendet haben wir auch sachliche Beiträge von Menschen, die selbst Gewalt erlebt haben und von Fehldiagnosen und schädlicher Behandlung berichten. Antworten, die diese Menschen als „täternah“ bezeichnet haben, blieben dagegen teilweise stehen. So haben wir einseitig geschützt und anderen Betroffenen genau das Gefühl gegeben, nicht gehört zu werden, gegen das wir uns einsetzen.

    Das tut uns leid, war zu diesem Zeitpunkt eine reine Moderationsentscheidung, keine inhaltliche Positionierung des Vereins.

    Wer durch (falsche) Therapie geschädigt wurde, ist ebenfalls betroffen. Diese Erfahrungen gehören in eine Debatte über psychotherapeutische Versorgung, gerade weil wir nicht nur mehr Therapieplätze fordern, sondern auch gute Therapie, basierend auf etablierten Wirksamkeitsfaktoren. Die eine Betroffenenperspektive hebt die andere nicht auf.

    

Inhaltlich ist unsere Position klar:

    Die Dissoziative Identitätsstörung ist eine in ICD-11 und DSM-5-TR beschriebene Diagnose. Über Häufigkeit, Diagnostik und Behandlung wird fachlich gestritten, und das ist legitim.

    Organisierte sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Erwachsene ist real. Für die Annahme, Täterorganisationen (ob „satanistisch“ oder anders bezeichnet) würden Persönlichkeitsanteile gezielt „programmieren“ und steuern („Mind Control“), gibt es dagegen keinerlei wissenschaftliche Belege.

    Aus einer DIS-Diagnose lässt sich weder auf rituelle Gewalt noch auf verborgene Erinnerungen schließen.

    Therapie, die solche Inhalte nahelegt oder Erinnerungen „aufdecken“ will, widerspricht allen Standards guter Traumatherapie und kann erheblich schaden.

    Der zitierte Artikel von Herzog, Kaiser und Huntjens ist uns bekannt, Tim Kaiser hat zu unserer Arbeit bereits selbst beigetragen.

    Leider können wir ausgeblendete Kommentare, die sich in Threads mit teilweise inakzeptablen Beiträgen befinden, nicht einfach wieder einblenden, ohne auch diese wieder sichtbar zu machen. Trotzdem haben wir unser Moderationsteam sensibilisiert, dass Abwertungen und Täter-Zuschreibungen in jede Richtung moderiert werden und Erfahrungsberichte stehen bleiben, auch wenn sie unbequem sind.

    Die Person, die ihre Geschichte bei uns geteilt hat, stellen wir damit nicht in Frage. Über die Diagnose einzelner Menschen urteilen wir öffentlich nicht, in keine Richtung.

    Dirk Lambert (psych. Psychotherapeut VT/EMDR) für das Aktionsbündnis Psychotherapie e.V.

  11. Ich halte den Ansatz, Betroffenheit gegen Betroffenheit auszuspielen, für unseriös und wenig sinnvoll.

    Die eine These wird nicht dadurch plausibler, dass sich mehr Betroffene dahinter versammeln oder dass diese „schlimmer“ betroffen sind.

    Insofern gehört auch das Konzept „Safe Space“ hinterfragt – Instagram ist nun mal keine Selbsthilfeplattform, sondern dazu designt, Außenstehende erreichen. Reaktionen von Außenstehenden müssen sich dann auch nicht daran messen lassen, ob sie auf eigene Betroffenheit zurückgehen.

    Was die Diagnostik DIS angeht, hält sich die Skeptikerbewegung sehr zurück, weil es stark fachlich wird. Die Anzeichen sprechen aus meiner Sicht aber schon dafür, dass DIS in der Praxis fast ausschließlich dazu dient, der RG-MC-Verschwörungstheorie einen seriösen Anstrich zu verleihen.

  12. Ich bin positiv überrascht, dass sich jemand vom Aktionsbündnis Psychotherapie e.V. in den Kommentaren zu diesem Artikel äußert.

    Hinter den Instagram-Post und den Äußerungen hier vermute ich durchweg gute Absichten, sehe aber auch eine Art Bärendienst.

    […] weil wir nicht nur mehr Therapieplätze fordern, sondern auch gute Therapie, basierend auf etablierten Wirksamkeitsfaktoren.

    So eine Aussage finde ich interessant. Die Wirksamkeitsfaktoren geben ja „nur“ an, inwieweit sich bei einem Verfahren der Zustand signifikant verbessert – also im Vergleich zu bereits bekannten oder unwirksamen Methoden.

    Möchte man wirklich zuverlässig therapieren, müsste man sich an einer (k)PTBS orientieren, da zu dieser eine S3 Leitlinie existiert. Zur Folgestörung DIS sind mir bisher nur Expertenempfehlungen ohne Evidenz (S1-Leitlinie) bekannt.

    ICD und MSN können nur Diagnosemerkmale zu einem Namen anbieten, was bei weitem noch keine Evidenz bedeutet. So gesehen ist es ein Konsens ohne absoluten Wahrheitsgehalt. Das kann man auch daran erkennen, dass von ICD-10 nach ICD-11 die Persönlichkeitsstörungen fast vollständig zusammengefasst (oder entfernt) wurden. Die Kommentare auf Instagram gehen eher in die Richtung, dass durch ICD und MSN die Existenz der Krankheit bestätigt würde.

    Da die DIS nun mal in den Manualen aufgeführt wird, hat sich aber auch die erwähnte Gutachterin daran zu halten. Es ist ein aktueller, aber veränderbarer, Konsens.

    Organisierte sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Erwachsene ist real.

    So eine Aussage wird immer wieder vorgebracht, obwohl es niemand auch nur im Ansatz bestreitet. Wieso eigentlich?

    Durch die unglückliche Moderation wird eine Meinungsblase konstruiert, die ein Bild vermittelt, welches vom Verein allerdings abgelehnt wird.

    Nach dem gut gemeinten Kommentar frage ich mich eher, ob der Verein seinen eigenen Ansprüchen gerecht wird und inwieweit man daraus Konsequenzen zieht, indem in diesem Blog eine Stellungnahme abgesetzt wird – der Beitrag auf Instagram jedoch unverändert bleibt und auch kein separater Beitrag als Ergänzung hinzugefügt wird. (Falls dies doch geschehen sein sollte, darf dieser Absatz als obsolete betrachtet werden).

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