Keine „rituelle Gewalt“, kein Täternetzwerk: Eine dreiteilige Doku von NDR Fernsehen und ARD CrimeTime zeichnet den Fall „Josephine R.“ nach:
Die einzelnen Folgen:
Zunächst gab es Beschuldigungen gegen den eigenen Ehemann. Er soll Josephine R. in der Ehe regelmäßig vergewaltigt haben. Dann lernt die junge Frau ihre spätere Lebensgefährtin Miriam A. kennen und erzählt, auch ihre Eltern hätten sie jahrelang misshandelt und missbraucht.
Im Juli 2022 stoppt die Polizei auf der Autobahn einen Van, in dem Josephine R. gefesselt und scheinbar misshandelt auf der Ladefläche liegt. Der Fall wird fortan mehrere Gerichte beschäftigen.
Vor dem Landegericht in Braunschweig gesteht Miriam A., ihre Lebensgefährtin Josephine R. misshandelt und auch vergewaltigt zu haben. Miriam A. wird zu 6,5 Jahren Haft verurteilt – und es gibt Hinweise auf einen immer größer werdenden Täterkreis.
Wenig später werden die Eltern von Josephine R. verhaftet. Sie sollen den Missbrauch organisiert und auch selbst betrieben haben. Die Polizei stößt sehr schnell auf widersprüchliche Ermittlungsergebnisse. Aber die Staatsanwaltschaft bleibt bei ihrem Kurs.
Im Juli 2023 werden die Eltern von Josephine R. zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Das Gericht folgt der Staatsanwaltschaft und schenkt den entlastenden Hinweisen der Kripo kaum Beachtung. Die Verteidigung nutzt die letzte Chance, die sie noch hat, und geht in Revision.
Zur großen Überraschung kippt der Bundesgerichtshof das Urteil aus Braunschweig. Es sei nicht ausreichend geprüft worden, ob die Zeugin glaubwürdig sei. Josephine R. beschuldigt nun auch ihre eigene Anwältin des Missbrauchs. Der Prozess wird neu verhandelt. Für die Eltern die letzte Hoffnung, aus dem Gefängnis zu kommen.
Ende August 2026 ist Miriam A. bei einem neuen Prozess vor dem Amtsgericht Braunschweig wegen Falschaussage zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung verurteilt worden:
Die von ihr geschilderten massiven sexuellen Übergriffe habe es nicht gegeben, lässt die 32-Jährige über ihren Anwalt erklären. „Was ich über sie gesagt habe, war falsch“, sagt sie mit Blick auf die Mutter und den Stiefvater von Josephine R., die als Nebenkläger im Saal sitzen.
Sie sei damals emotional abhängig von ihrer Freundin gewesen, sagt A. unter anderem zur Begründung, warum sie sogar selbst ins Gefängnis ging. „Sie war mein Mittelpunkt. Ich hatte Angst, verlassen zu werden, und wollte alles tun, um ihr zu helfen.“ Sie schäme sich, wolle nichts beschönigen. Sie bitte auch um Entschuldigung, obwohl sie wisse, dass ihr Handeln nur schwer zu entschuldigen sei.
Gegen Josephine R. läuft ein gesondertes Strafverfahren. Der Staatsanwalt kündigte im Prozess gegen Miriam A. an, dass Anklage erhoben werde.
Bereits im vergangenen Jahr hatte ARD CrimeTime über den Fall berichtet. Auch bei unserem WTF-Talk kam das Thema zur Sprache.
Zum Weiterlesen:
- „ARD Crime Time: Der Fall Josephine R. – Eine Familie am Abgrund“ ndr (21. Oktober 2026)
- Wüstenberg, Daniel „Sie brachte ihre Eltern 684 Tage unschuldig in Haft – der Fall Josephine R.“ stern (2. September 2026)
- „Ex-Partnerin von vermeintlichem Missbrauchsopfer erneut verurteilt“ ndr (1. September 2026)
- Harder, Bernd „Keine Verdrängung, keine Abspaltung – und die Lehren aus dem Fall Josephine R.“ skeptix (12. Juni 2025)
- Harder, Bernd „Der Fall Josephine R. jetzt im Podcast Zeit Verbrechen“ skeptix (30. April 2025)
- Harder, Bernd „Der Fall Josephine R. und der blinde Fleck der Rituelle-Gewalt-Verschwörungstheorie“ skeptix (20. April 2025)
- Video „Der Fall Josephine: Ein deutscher Justizskandal“ WTF-Talk (3. November 2025)
Titelfoto: ARD CrimeTime/NDR Doku



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