Spurlos verschwunden: Wie Flug 19 den Mythos vom Bermuda-Dreieck begründete

(Lesedauer ca. 5 Minuten)

1977 tauchten sie dann doch wieder auf – die 14 Männer vom „Flug 19“, die am 5. Dezember 1945 im Bermuda-Dreieck spurlos verschwanden.

Allerdings nur auf der Kinoleinwand, und zwar in Steven Spielbergs „Unheimliche Begegnung der dritten Art“. Dort steigen sie leicht verwirrt, aber wohlbehalten aus einem Ufo, wo sie die vergangenen drei Jahrzehnte verbrachten:

https://www.youtube.com/watch?v=mgTrSWfSVjs

Dass Außerirdische für die rätselhaften Vorgänge im Bermuda-Dreieck verantwortlich sind – das hatte sich indes schon drei Jahre zuvor der amerikanische Schriftsteller Charles Berlitz ausgedacht. In seinem Buch

Das Bermuda-Dreieck: Fenster zum Kosmos?

durfte natürlich auch der sagenumwobene „Flight 19“ nicht fehlen. Die Trainingsstaffel mit fünf Torpedobombern der US-Marine vom Typ „Avenger“ schien sich vor der Ostküste Floridas buchstäblich in Luft aufgelöst zu haben:

Wir wissen nicht, wo Westen ist. Alles ist verkehrt. Seltsam. Wir haben kein Richtungsgefühl mehr. Sogar der Ozean sieht nicht so aus, wie er eigentlich sollte,

legte Berlitz einem der Piloten in den Mund. Tatsächlich findet sich dieser angebliche Funkverkehr so in keinem Marine-Dokument.

Am vergangenen Freitag befassten sich gleich zwei Radiobeiträge mit dem Verschwinden von Flug 19 vor 80 Jahren:

https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/zeitzeichen/zeitzeichen-bermuda-dreieck-100.html

Bei Radio Bremen erfahren wir:

Staffelleiter Charles Taylor unterläuft ein fataler Fehler: Er verwechselt die Florida Keys mit den Bahamas.

Erst vor wenigen Tagen ist er mit seinen Schülern nach Fort Lauderdale versetzt worden. Der Luftraum ist für ihn neu. Eine Schlechtwetterfront zieht auf, die Tanks leeren sich, und Taylors Staffel irrt orientierungslos umher. Immer weiter aufs offene Meer hinaus.

Der Empfang kubanischer Radiosender stört mittlerweile den Funkverkehr zwischen der Staffel und Fort Lauderdale. Dann reißt der Kontakt endgültig ab.

Das deckt sich mit allen seriösen Recherchen, etwa von Larry Kusche oder Markus Pössel oder Brian Dunning.

Wenig überraschend taucht das Bermuda-Dreieck auch im aktuellen Safety and Shipping Review 2025 der Allianz Group wieder einmal gar nicht auf:

https://commercial.allianz.com/news-and-insights/reports/shipping-safety.html

Kein Wunder, denn das „Teufelsdreieck“ mit seinen verschwundenen Schiffen, Flugzeugen, Alien-Basen und unerklärlichen Phänomen ist nichts weiter als eine Erfindung des amerikanischen Reporters und Autors Vincent Gaddis, der im Februar 1964 den Artikel „The Deadly Bermuda Triangle“ veröffentlichte.

Gaddis fand zahlreiche Epigonen (zum Beispiel Charles Berlitz), die sowohl seine Vorlage gewaltig aufblähten, als auch die geografischen Begrenzungen des imaginären „Dreiecks“ im westlichen Atlantik immer weiter verschoben.

In der ZDF-Doku „Das Bermuda-Dreieck“ (mit Skeptix-Mitglied Dr. Claudia Preis) heißt es:

https://kurzlinks.de/j4rb

Das Bermuda-Dreieck – ein Ort für vielerlei Projektionen.

Statistisch ist das Bermuda-Dreieck nicht so außergewöhnlich, wie in unserer Phantasie. Es wurde zu einem Ort, in den wir all unsere Mythen projizieren. Wenn du glaubst, dass es Aliens oder Atlantis gibt, dann natürlich im Bermuda-Dreieck […]

Natürliche Ursachen, menschliches Versagen, mangelhafte Technik – die Unglücke im Bermuda-Dreieck haben unterschiedliche Gründe. Nicht alle sind geklärt, doch der Mythos ist in der Welt, und wenn er so stark ist wie in diesem Fall, kann er mit nüchterner Wissenschaft nicht mehr vertrieben werden.

Aber vielleicht mit einem Selbstexperiment. Amerikanische Skeptiker haben im Sommer eine Bermudadreieck-Kreuzfahrt ohne Zwischenfälle überlebt:

https://www.instagram.com/p/DGJvXBNSX5G/

Und das trotz sechs Stunden Vorträge jeden Tag, „in einem fensterlosen Konferenzraum“. Um The Non-Mystery of Flight 19 ging es dabei natürlich auch.

Zum Weiterlesen:

Titelfoto: Unsplash/Joel Arbaje

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