Eine „Schamanin“ auf der Flucht. Vier Familienangehörige, die im Dezember in Österreich zu Haftstrafen verurteilt wurden. Prozesse in Deutschland gegen Personen, die mit der gleichen Methode mehrere hunderttausend Euro ergaunert haben. Und die Masche geht immer weiter.
Aktuell warnt die Polizei München vor „Betrug durch vermeintliche Wunderheiler bzw. Auraleserinnen“:
In mehreren Strafverfahren ermittelt das Kommissariat 61 derzeit wegen Betrugs durch vermeintliche „Auraleserinnen“ oder „Wunderheilerinnen“.
Hierbei treten in der Regel Frauen als Täterinnen auf. Bei den Opfern handelt es sich in großer Mehrheit ebenfalls um Frauen. Diese werden gezielt in gehobenen Innenstadtlagen, Parkanlagen, auf Wochenmärkten, in oder vor Kirchen, Yogastudios oder Krankenhäusern angesprochen.
Die Opfer befinden sich in schwierigen Lebensphasen wie Trennung, Krankheit, Streit in der Familie oder hegen generell ein Interesse an Spiritualität oder Esoterik.

Die Geschädigten werden in ein Gespräch verwickelt, bei denen die Täterinnen die besondere, oftmals „lila Aura“ der Opfer zunächst loben. Kurz darauf wird jedoch eine dunkle Seite, welche angeblich auf dem Opfer lastet, thematisiert – zumeist blockierte „Chakren“.
Durch geschickte Gesprächsführung wird langsam ein Vertrauensverhältnis aufgebaut, oftmals durch die Fortführung des Kontaktgesprächs bei einem Kaffee. Im Anschluss werden Termine vereinbart, bei denen verschiedene Rituale durchgeführt werden. Beispielsweise soll das Opfer zu einem bestimmten Zeitpunkt zuhause eine Kerze anzünden oder ein Bad mit Rosenblättern nehmen, während die „Wunderheilerin“ bei sich zuhause vermeintliche Gebete durchführt.
Durch diese Rituale gibt die Täterin vor, die angebliche negative Energie von der Geschädigten oder deren Angehörigen auf sich zu übertragen, wodurch sich die blockierten Chakren lösen würden.

Vor den Ritualen werden Weihwasserfläschchen, Kräuter oder Heiligenbilder überreicht und in weiteren Gesprächen die Erzengel erwähnt. Die Täterinnen stellen in der Regel keine konkreten Geldforderungen, sondern fragen „was es den Geschädigten wert sei“.
Hierbei bauen sie erheblichen emotionalen Druck auf die Opfer auf. Nach mehreren Treffen bringen die Täterinnen ein vermeintliches Erbe ins Spiel, das die Opfer besonders belasten würde und dieses daher „gereinigt“ werden müsste. Damit werden auch höhere Geldbeträge (sogenannte „Opfergaben“) begründet. Die einstudierten Gesprächsabläufe lassen darauf schließen, dass die Täterinnen über eine langjährige Erfahrung verfügen.
Zudem ergeben sich bei den Ermittlungen oft Hinweise darauf, dass bei diesem Betrugsphänomen gewerbsmäßig vorgegangen wird. Letztlich werden die Geschädigten so manipuliert, dass sie sich aus Furcht vor negativen Auswirkungen oder Scham selten jemandem anvertrauen, weshalb die Polizei von einem hohen Dunkelfeld ausgeht.
Mit diesen Infos ist ein Zeugenaufruf der Polizei verbunden.
Erst vor wenigen Tagen wurde ein weibliches Mitglied einer solchen Okkultbetrüger-Bande in Regensburg zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. In den USA hat sich der Privatdetektiv und ehemalige Polizist Bob Nygaard auf Ermittlungen gegen „Psychics“ spezialisiert:
Aktuelle Videos über seine Arbeit gibt’s beim Skeptical Inquirer und bei Vimeo.
In Mali ist „Mr. Sinayogo“ verhaftet worden, ein selbsternannter traditioneller Heiler, der mehr als 33.000 Euro von Fußballfans kassiert hat, denen er den Sieg der Nationalmannschaft beim Afrika-Cup versprach. Mali schied im Viertelfinale aus, Mr. Sinayogo sitzt ein.
Zum Weiterlesen:
- Aigner, Stefan „Fluch auf der Familie: Hellseher-Bande betrügt Frau aus Bayern um über 300.000 Euro“ merkur (17. Januar 2026)
- Aigner, Stefan „Prozess am Amtsgericht Regensburg: Hellseher-Bande betrügt Frau um 300.000 Euro“ regensburg-digital (15. Januar 2026)
- Pfeifer, Henning „Polizei warnt vor Betrug durch Wunderheilerinnen in Bayern“ BR24 (15. Januar 2026)
- Hub, Ralph „Schamaninnen und Wunderheilerinnen: Die miese Masche der Auraleserinnen in München“ Abendzeitung (15. Januar 2026)
- „Polizei warnt vor Betrugsmasche: Vorsicht bei blockierten Chakren“ Süddeutsche (15. Januar 2026)
- Harder, Bernd „Prozess in Wien: Vier Jahre Haft für die Jungschamanin“ skeptix (10. Dezember 2025)
- Harder, Bernd „Prozess in Regensburg: Ist die Bande der Schamanin Mariana M. auch in Deutschland aktiv?“ skeptix (27. November 2025)
- Palmer, Rob „The Dangers of Believing in Psychics: A Conversation with PI Bob Nygaard“ skeptical-inquirer (28. Oktober 2025)
- Harder, Bernd „Hokus, Pokus, Pleitikus: Die Fake-Schamanin, ihre Epigonen und die große Esoterik-Abzocke“skeptix (28. Februar 2025)
Titelfoto: Unsplash/Natalie Sierra


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