Auch bei Kreuzschmerzen hat Osteopathie keinen belegbaren Nutzen. Das zeigt ein neuer Evidenzbericht des IGeL-Monitors. Immerhin seien auch keine Schäden von der Behandlung zu erwarten, sodass der Nutzen aufgrund mangelnder Evidenz mit „unklar“ bewertet wird:

Die größten und besten Untersuchungen fanden keinen überzeugenden Vorteil gegenüber einer Scheinbehandlung. Außerdem vermuten die Autorinnen und Autoren des Berichts, dass bei einer zentralen Übersichtsarbeit ein sogenannter Publikationsbias dazu geführt haben könnte, dass positive Effekte überbewertet wurden […]
Frühere umfassende Analysen, etwa ein Cochrane-Review, hätten bereits zu dem Ergebnis geführt, „dass Osteopathie im Vergleich zu Schein- oder Placebobehandlungen nicht wirksamer ist“. Dies sei mittlerweile hinlänglich bewiesen.
Weitere Infos dazu gibt es in einem 30-minütigen Podcast.
Zum gleichen Ergebnis kam vor zwei Jahren das systematische Review einer Forschungsgruppe in Spanien:

Die Zeit schrieb 2023 zum Thema Kinderosteopathie, dass
… speziell die viszerale und die kraniosakrale Osteopathie zunehmend in der Kritik stehen. Weder die Annahmen, die ihnen zugrunde liegen, noch die daraus abgeleiteten Behandlungsformen lassen sich durch Studien beweisen. Und auch bei der parietalen Osteopathie sieht es wissenschaftlich mau aus.
In seiner Welt+-Kolumne erklärte Prof. Edzard Ernst die „Scheinwirkung der Osteopathie“:
Die den diversen Varianten der Osteopathie zugrunde liegenden Annahmen sind nicht im Einklang mit unseren Kenntnissen über die Funktion des menschlichen Körpers und sind somit nicht plausibel. Es ist daher nicht verwunderlich, dass die heute zu Verfügung stehende Evidenz für die Osteopathie mehr als dürftig ist.
Das Fazit der Science Cops:
Ein wirklich therapeutischer Nutzen über Placebo-Effekte hinaus ist aktuell wissenschaftlich nicht belegt.
Und die Krankenkassen sollten sich mal gründlich überlegen, ob sie aus Marketinggründen eine Branche stützen wollen, die sich teilweise in Quacksalberei übt, oder ob man das nicht transparent macht und es eher in den Bereich Wellness einsortiert.
Laut Koalitionsvertrag der Bundesregierung soll die Osteopathie in Deutschlands neu reguliert werden. Derzeit gibt es aber „weder einen abgestimmten Gesetzentwurf noch einen verbindlichen politischen Fahrplan für kurzfristige nächste Schritte“.
Zum Weiterlesen:
- Kailitz-Kunz, Susanne „Osteopathie – guter Ruf, aber keine wissenschaftlichen Belege“ Apotheken Umschau (19. Juni 2026)
- Aé, Julian „Hilft Osteopathie bei Kreuzschmerzen?“ spiegel (18. Juni 2026)
- Bartens, Werner „Osteopathie – hohe Nachfrage, keine Wirkung“ Süddeutsche Zeitung (18. Juni 2026)
- Paik, Wolfgang „Osteopathische Manipulationstherapie ist nicht wirksamer als Placebos“ univadis (17. Oktober 2025)
- Meixner, Jana „Craniosacral-Therapie: Wirksamkeit unbelegt“ medizin-transparent (24. September 2025)
- Harder, Bernd „Osteopathie und Evidenz: zwei unvereinbare Welten“ skeptix (28. August 2025)
- Harder, Bernd „Schmuggelt sich die Osteopathie ohne valide Belege langsam in die therapeutische Praxis?“ skeptix (26. Juni 2025)
- Ernst, Edzard „Sollte die Osteopathie staatlich geregelt werden?“ spiegel (27. Mai 2025)
- Wismeg-Kammerlander, Rebecca „Osteopathie: Ein unkritisches Kinderbuch über eine kritische Methode“ skeptix (27. November 2024)
- Böhnke, Andrea „Zack, Blockade weg, Kind gesund“ zeit (27. November 2023)
- Grams‘ Sprechstunde: „Was bringt Kinderosteopathie?“ detektor.fm (17. März 2022)
- Science Cops „Die Akte Osteopathie: Heilen mit den Händen?“ quarks (15. Januar 2022)
- Wolz, Lea „Osteopathie“ Planet Wissen (5. November 2021)
- „Wie hilfreich ist Osteopathie?“ quarks (9. März 2021)
- Grams, Natalie „Babys sind weder schief noch blockiert“ Spektrum (22. September 2020)
Titelfoto: Unsplash/Edward Muntinga



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