Eigentlich sollte der erste Teil der „Freitag der 13.“-Filmreihe von 1980 „A Long Night at Camp Blood“ heißen. Dann aber änderte Regisseur Sean S. Cunningham den Titel in „Friday the 13th“ – weil er nach dem Erfolg von „Halloween“ (1978) einen weiteren populären Gruseltag und postmodernen Markierungspunkt besetzen wollte.
Was auch funktionierte:
Mittlerweile aber hat Freitag, der 13. kulturell stark an Bedeutung verloren, erklärt der Volkskundler Prof. Gunther Hirschfelder von der Uni Regensburg bei ARD alpha:
Grund dafür könnte eine Mischung aus Säkularisierung, Digitalisierung und einer Gegenwart sein, die mit Pandemien und dem Krieg in Europa sehr reale Schrecken besitzt.
„Freitag, der 13., lebte davon, dass wir in der betulichen Zeit der alten Bundesrepublik oder auch in der DDR ins Büro gingen und erzählten, dass wir mit vereister Autoscheibe jemandem auf die Stoßstange gefahren sind.“ Damit habe Kommunikation angestoßen werden sollen. „Ähnlich wie bei einer Witzkultur.“
In der digitalen Welt aber, in der sich weniger Menschen persönlich in Büros träfen, habe sich solch eine niedrigschwellige Kommunikation fast überlebt. Sie lasse sich auch nicht posten. „Und für einen Facebook-Skandal reicht keine runtergefallene Sprudelflasche“, so Hirschfelder.
Hirschfelder forscht seit Jahrzehnten über Phänomene wie Freitag, den 13. Seine Studenten führten im Jahr 2000 Tiefeninterviews durch. Rund ein Drittel der zufällig ausgewählten Befragten bestätigte damals, dass dieser Tag eine Bedeutung für sie habe.
Dass dieses Ergebnis heute ähnlich ausfallen würde, hält der Professor für unwahrscheinlich. Es glaubten nicht mehr so viele Menschen wie früher an übergeordnete Mächte.
Eine aktuelle YouGov-Umfrage bestätigt das:

Und eigentlich nur noch die Medien bedienen regelmäßig diese Folklore. Immerhin ist die Berichterstattung in den vergangenen Jahren deutlich kritischer geworden – immer mehr Kolleg:innen weisen darauf hin, dass der angeblich uralte Schauder eine vergleichsweise kurze Geschichte hat und lediglich die beiden Einzelelemente eine längere Tradition als Unglückstag und Unglückszahl aufweisen (allerdings nicht überall).
Die Fusion der beiden Negativ-Symbole „Freitag“ und „13“ kreierte erst im Jahr 1907 der amerikanische Schriftsteller Thomas William Lawson mit seinem Roman „Friday, the Thirteenth“, der noch im gleichen Jahr als „Freitag, der Dreizehnte“ auf Deutsch herauskam:

Ralf Bülow schreibt dazu beim Spiegel:
Das Werk schildert die Taten eines Wall-Street-Maklers, den eine Frau vom rechten Weg abbringt. Um eine Firma in den Ruin zu treiben, löst er an besagtem Freitag durch Aktientricks einen Kursrutsch aus. Er erreicht sein Ziel, doch führt ihn sein Sieg zugleich ins Verderben.
Das Online-Archiv der New York Times zeigt, dass die teuflische Paarung von Wochentag und Datum erst nach dem Erscheinen von Lawsons Roman auftrat.
Auch das Buch „13: The Story of the World’s Most Popular Superstition“, das der Amerikaner Nathaniel Lachenmeyer 2005 vorlegte, hält den Bostoner Kapitalisten für den Erfinder des Schreckenstermins.
1916 inszenierte der österreichische Regisseur Richard Oswald den Film „Freitag, der 13. Das unheimliche Haus, 2. Teil“ mit dem Meisterdetektiv Engelbert Fox:
Es ist bereits eine schreckliche Tradition: An jedem Freitag, den 13., stirbt ein Mitglied derer von Eulenstein. Diesmal hat es den Schlossherrn Herbert getroffen, er wird tot im Pavillon des schlosseigenen Gartens aufgefunden. Ganz offensichtlich hat der Mörder den alten Herrn mittels Starkstrom ins Jenseits befördert.
Marcell von Eulenstein, Sohn des Ermordeten und Haupterbe, beauftragt den Detektiv Engelbert Fox mit der Untersuchung des Falles.
Auch eine deutsche Gruselkomödie von 1944 heißt „Freitag, der 13.“:

Ebenfalls 1907 erschien die wissenschaftliche Fachveröffentlichung
- Superstition And Education von Fletcher Bascom Dresslar, wohl die erste empirische Forschung zum Thema Volksaberglauben:

Auf dieses Buch bezieht sich unter anderem der sechsseitige Fragebogen
- Popular Answers to Some Psychological Questions, der 1925 dem American Journal of Psychology beilag und jeweils eine Frage zur Zahl 13 und zum Wochentag Freitag enthielt:


Auch in einer Befragung zum Thema „Superstitious Belief and Practice among College Students“ aus dem Jahr 1919 tauchen die Zahl 13 und der Freitag auf den vorderen Plätzen auf – wie oft aber die Kombination „Friday the 13th“ genannt wurde, wird darin nicht aufgeschlüsselt:

So ist es auch in zwei weiteren Studien von 1916 und 1921.
Daraus kann man folgenden Schluss ziehen:
- „Freitag, der 13.“ ist eine Erfindung der Popkultur (Roman und Filme) aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
- Die Wissenschaft behandelte „Freitag, den 13.“ noch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein isoliert als Glücks- und Unglückstag beziehungsweise Glücks- und Unglückszahl.
Erst in den 1950er-Jahren erlangte der Vorstellungskomplex vom kombinierten Pechtag „Freitag, der 13.“ größere Popularität, in Deutschland wohl wegen der Erwähnung in einer spezifischen Ausgabe des „6. und 7. Buch Moses“ von 1950 („Hier findet sich der erste Hinweis darauf, dass man an einem Freitag, der auf den 13. Tag eines Monats fällt, keinesfalls etwas Wichtiges unternehmen soll – es werde fast immer Unglück bringen“, hat der Volkskundler Dr. Stephan Bachter recherchiert) und in einer FAZ-Glosse vom 13. Dezember 1957.

Obwohl das alles längst bekannt ist, hängen noch immer einige Journalist:innen ihren liebgewonnen Mythen an und verorten den Ursprung von Freitag, der 13. entweder in der Bibel oder bei „negativen Ereignissen aus der Geschichte“, etwa der „Verhaftung aller Mitglieder des Templerordens in Paris am 13. Oktober 1307. Der Orden der Tempelritter war damit aufgelöst.“
Mitnichten – die offizielle Auflösung fand während des Konzils von Vienne durch Papst Clemens am 22. März 1312 statt, einem Mittwoch. Richtig ist, dass „some of the Knights Templar were arrested on Friday, October 13, 1307″, schreibt der National Geographic. Aber:
That isn’t the origin of the superstition.
Erst Dan Brown erfand im „Da Vinci Code“ einen Fluch des hingerichteten Templer-Großmeisters Jacque de Molay, der „im Laufe der Jahrhunderte für Unglück an diesem Tage sorgen“ sollte.
Und was die „Angst vor Freitag, dem 13.“ angeht: Sowohl die FAZ als auch das Funk-Format zweifelsfrei oder Wikipedia verbreiten die Mär von einer „ausgeprägten Phobie“ oder „Form der Phobie“ beziehungsweise „phobischen Störung“ namens Paraskevidekatriaphobie. Dass sogar das DocCheck Flexikon diesen Begriff ganz ernsthaft abhandelt, mutet einigermaßen kurios an. Denn der amerikanische Psychotherapeut Donald Dossey († 2016) vom Stress Management Center and Phobia Institute in Asheville erfand das Wort in den frühen 1990ern als eine Art humorige Heuristik:
Paraskevidekatriaphobia – when you learn to pronounce it, you’re cured.
Mit anderen Worten: Dossey behauptete, dass jeder Mensch, der das Wort „Paraskevidekatriaphobie“ (Paraskevi = Freitag, deka = zehn, tria = drei und phobie = Furcht) aussprechen kann, sogleich von der irrationalen Angst vor Freitag, dem 13. geheilt würde. Dossey zeichnet auch als Autor eines Buches über „Holiday Folklore, Phobias and Fun“.
Fun und Folklore – mehr hat es mit der berüchtigten Paraskevidekatriaphobie nicht auf sich.
Das gibt es so nicht,
erläutert denn auch Christina Jochim, die Bundesvorsitzende der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV). Im internationalen Klassifikationssystem sei das keine anerkannte psychische Erkrankung. Und der Psychologe Lukasz Stasielowicz von der Uni Salzburg sagt:
Wir haben in der Psychologie zwei Klassifikationssysteme, das ICD-System der Weltgesundheitsorganisation WHO und das DSM-System der American Psychiatric Association. Und wenn man sich diese Bücher anschaut, in denen wirklich viele Störungen aufgezählt werden, dann stellt man fest: Es gibt dort keine Phobie, die so heißt.
Natürlich könnte es vorkommen, dass Menschen wirklich starke Angst empfinden und zum Beispiel am Freitag, dem 13., das Haus nicht verlassen oder für diesen Tag keine Termine machen wollen. Das könnte dann aber eher ein Hinweis darauf sein, dass es vielleicht andere psychische Störungen gibt.
Es wäre zum Beispiel möglich, dass der Betroffene bestimmte Zwangsstörungen hat, die sich auch durch Furcht und Vermeidungsstrategien im Zusammenhang mit diesem Tag zeigen.
Da es hier viele potenziell ursächliche Störungen gibt, müsste man das aber im Rahmen einer professionellen klinischen Diagnostik abklären lassen.
Wenigstens hat sich herumgesprochen, dass an Freitagen, die auf einen 13. fallen, nicht mehr passiert als an normalen Freitagen. Das zeigen Statistiken von Versicherungen (etwa hier oder hier oder hier oder hier) und dem ADAC.
Auch ein neuer „Freitag der 13.“-Film lässt auf sich warten, ebenso wie die „Crystal Lake“-Serie. Sicher ist nur: Den nächsten Freitag, der 13. gibt’s im November 2026.
Zum Weiterlesen:
- Köllen, Jennifer „Geboren am Freitag, den 13. – und für immer verdammt?“ geo (13. Februar 2026)
- „Ein Tag wie jeder andere“ ARD alpha (18. Dezember 2024)
- Steinke, Ronen „Abergläubische Juristen“ Süddeutsche Zeitung (10. Dezember 2023)
- „Aberglaube: Kann die Angst vor Freitag, dem 13., krankhaft sein?“ geo (9. Oktober 2023)
- Nardelli, Paul et al. „Moonlight surgery: no influence of moon phase or Friday 13th on outcomes of total knee arthroplasty“ Archives of Orthopaedic and Trauma Surgery (12. Juni 2023)
- Little, Becky „Busting the Myth of Friday the 13th and the Knights Templar“ National Geographic (16. Mai 2016)
- Bülow, Ralf „Der Mann, der Freitag, den 13. erfand“ spiegel (12. Juni 2008)
- Harder, Bernd „Der Templerorden – zwischen Wissenschaftsposse und Verschwörungstheorien“ skeptix (22. Februar 2026)
Titelfoto: Unsplash/Nik


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