Psychotherapeutische Fachgesellschaft in Österreich warnt vor der „Satanic Panic“-Verschwörungstheorie

(Lesedauer ca. 4 Minuten)

Die Vereinigung Österreichischer Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten (VÖPP) warnt eindringlich vor der Rituelle Gewalt-Mind Control-Verschwörungstheorie (RG-MC). In einer dreiseitigen Stellungnahme heißt es:

Das aus der US-amerikanischen Satanic Panic hervorgegangene RG-MC-Narrativ hat sich über Jahrzehnte verfestigt und zirkuliert heute unabhängig von fachlichen Kontexten in verschwörungsideologischen, religiös-dualistischen und digitalen Milieus, wo es sich durch subjektive Erfahrungsberichte selbst stabilisiert.

https://www.voepp.at/beitrag/319

Da dieses wissenschaftlich nicht tragfähige Narrativ in den vergangenen zwei Jahrzehnten im gesamten deutschsprachigen Raum punktuell auch in Aus- und Weiterbildungskontexten aufgegriffen und von einzelnen Psychotherapeut.innen in Teilen rezipiert wurde, besteht das Risiko problematischer diagnostischer Zuschreibungen, möglicher Retraumatisierungen sowie therapeutischer Fehlbehandlungen.

Eine ideologische Voreingenommenheit von Behandler.innen oder ein unkritisches Übernehmen eines solchen Verschwörungsnarrativs kann fatale Folgen für Patient.innen haben.

Es kann zu Retraumatisierung, Destabilisierung des/der Patient.in oder Verschlechterung der Symptomatik kommen.

Die „klare und wissenschaftlich fundierte Positionierung“ der Fachgesellschaft diene dem Schutz besonders vulnerabler Patient:innen und unterstütze Psychotherapeut:innen in ihrer Verantwortung für eine sorgfältige, evidenzbasierte und ethisch reflektierte Behandlungspraxis.

Im Anhang verweist die VÖPP auf unsere Blogposts

https://www.dgtd.de/aktuelles/981-dgtd-legt-programmbeschwerde-beim-zdf-ein

Derweil blamiert sich die Huber-nahe Deutsche Gesellschaft für Trauma und Dissoziation (DGTD) mit einer Programmbeschwerde gegen die MaiThink X-Sendung vom März zum Thema „Falscherinnerungen“. In altbekannter Manier verwischt die DGTD darin den Unterschied zwischen organisierter sexualisierter Gewalt und dem RG-MC-Verschwörungsnarrativ (dessen spezifischen Merkmale in der VÖPP-Stellungnahme noch einmal klar benannt werden) und verweist mal wieder auf „764“ und sogar auf Voodoozauber, um die „Verwendung von ideologischen Inhalten“ und den „Einsatz von Ritualen“ zu belegen.

Wir können es nur immer wieder wiederholen:

Bekannte Manipulations- und Tatbegehungsstrategien von Missbrauchstäter:innen sind keine „rituelle Gewalt“.

Die immer neuen Moves der RG-MC-Anhänger, „rituelle Gewalt“ als irgendwie existent zu beweisen, muten nur noch lächerlich an.

So bezeichnete Michaela Huber schon im März 2026 „rituelle Gewalt“ als „Waffe“ im modernen Sklavenhandel: „Täter brechen ihre Opfer mit Ritualen – und das funktioniert bis heute.“ Dabei nahm Huber Bezug auf Voodoo-Rituale, mit denen junge Frauen aus Afrika von Menschenhändlern zur Prostitution gezwungen werden.

Die Presse schrieb dazu 2017:

Vor ihrer Reise nach Europa hatte man sie [zwei minderjährige Mädchen aus Nigeria] einem Voodoo-Ritual unterzogen, um sie gefügig zu machen. Die Mädchen mussten den so genannten Juju-Schwur leisten. Sie verpflichteten sich gegenüber ihren Schleppern, sämtliche Anweisungen zu befolgen, in Europa ihrer „Madame“ zu gehorchen, die sich ihrer annehmen würde, und das verdiente Geld abzuliefern.

Der Schwur wurde von einem Juju-Priester besiegelt. Für den Fall, dass er gebrochen wurde, wurden den Mädchen drakonische Konsequenzen für ihre Familien – Wahnsinn, schwere Krankheiten oder gar der Tod – angedroht.

Auch das sind Täterstrategien (die den Aberglauben des Opfers ausnutzen und damit ungewohnte juristische Probleme aufwerfen), aber kein Beleg für die Existenz von rituellem sexuellem Kindesmissbrauch. Und zu dem „gemeinsamen Positionspapier von 14 Fachverbänden“, auf das die DGTD mal wieder abhebt, wird beim Infoportal Satanic Panic alles gesagt.

Die Damen und Herren sollten besser mal ein gutes Buch lesen, zum Beispiel die Neuerscheinung „Zur Belastbarkeit und Suggerierbarkeit von Erinnerungen – Eine wissenschaftliche Anregung für psychotherapeutische Berufe“ von Aileen Oeberst.

Außerdem gibt es zwei neue Instagram-Accounts zum Thema:

Zum Weiterlesen:

Titelfoto: Freepik

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