Nachdem die Petition #rettedeinehomöopathie: Sagen Sie Nein zur Streichung von Homöopathie bei Krankenkassen nach nur drei Tagen und 873 Unterschriften vorzeitig abgebrochen wurde und zum Beispiel der Bundesverband Patienten für Homöopathie (BPH) lediglich den immergleichen Quark breittritt (höhere „Lebensqualität“ bei onkologischen Patienten – falsch; „positive Effekte“ – falsch; „Kostenersparnis“ – falsch), hat auch der Journalist und Autor Peter Praschl langsam genug von diesem Zirkus:

In der Welt am Sonntag beantwortet Praschl die Standardargumente der Globuli-Fans auf seine Weise:
- „Homöopathie kostet doch kaum etwas, nur ein paar Millionen, ein paar Cent pro Versichertem.“
Das ist ungefähr so, als würde man sagen: Warum sollten wir aufhören, Geldscheine aus dem Fenster zu werfen, es sind doch nur ein paar? […] Dann bitte auch Wärmflaschen und gelegentlich ein aufmunterndes Nicken beim Arztbesuch abrechnen. Ist auch alles nicht so teuer.
- „Wenn wir die Homöopathie aus dem Krankenkassen-Leistungskatalog streichen, müssen die Menschen richtige Medikamente nehmen, und die sind bekanntlich kostspieliger.“
Dieser faszinierende Gedankengang besagt also: Wenn wir aufhören, etwas zu bezahlen, das nicht wirkt, dann müssen wir plötzlich etwas bezahlen, das wirkt – und das ist ein Problem. Homöopathie wird gewissermaßen zu einem prophylaktischen Nichtstun erklärt, das uns vor den Kosten wirksamer Behandlung schützt.
- „Schulmedizinische Medikamente haben Nebenwirkungen. Die muss man dann wieder behandeln, und das macht alles noch teurer.“
Vielleicht sollten wir keine Autos mehr bauen, weil Unfälle passieren können, und uns stattdessen in schöne Holzattrappen setzen und Brummgeräusche machen. Das ist sicherer und spart Reparaturkosten.
Oder anders gesagt:
Die Sache mit der Homöopathie „nervt“ nur noch, wie Praschl abschließend erklärt. Schluss also mit diesem Unsinn, der „in eine Welt führt, in der Menschen ernsthaft behaupten, das Bezahlen von Unwirksamkeit sei ökonomisch sinnvoll, weil es die Kosten von Wirksamkeit vermeidet“.
Zum Weiterlesen:
- Praschl, Peter „So beenden Sie Diskussionen um Homöopathie ein für allemal“ welt (25. April 2026)
- „Offener Brief an Staatssekretär Tino Sorge, BMG, zur Evidenz im öffentlichen Gesundheitswesen“ INH (25. April 2026)
- Stamm, Hugo „Bundesrätin kuscht vor den Homöopathen: Rückfall ins geistige Mittelalter“ watson (25. April 2026)
- Bertelsen, Hans-Werner „Homöopathie im Athletenknie“ DocCheck (24. April 2026)
- Straumann, Felix „Baume-Schneider stoppt die Überprüfung der Homöopathie“ tagesanzeiger (20. April 2026)
- Harder, Bernd „War’s das? Nina Warken deutet Kassen-Aus für Homöopathie an“ skeptix (15. April 2026)
- „Homöopathie im Fokus der GKV-Finanzierungskommission“ INH (15. April 2026)
- Schönbeger, Alwin „Hat Homöopathie wirklich erwiesene Wirkung?“ profil (5. April 2026)
- Feldwisch-Drentrup, Hinnerk „Wirkungslos, aber teuer: Streit über Homöopathie als Kassenleistung“ Ärztezeitung (15. Dezember 2017)
- „Studie: Höhere Kassen-Ausgaben bei Homöopathie“ Deutsche Apothekerzeitung (22. September 2017)
- „Homöopathie in der Schweiz – die Hintergründe zur Aufnahme in den Kassen-Leistungskatalog“ INH (23. Mai 2016)
- „Homöopathie in der Schweiz – der Gordische Knoten bleibt unangetastet“ INH (26. April 2026)
Titelfoto: Wikimedia


Schreibe einen Kommentar