„Hirnis im Pentagon“ und anderswo: Remote Viewing und das Geheimprojekt Stargate

(Lesedauer ca. 8 Minuten)

Aerri von Aerri’s Bildungskanal und Dr. Joachim Rother von MDVAL amüsieren sich über den Eso-Nonsens der „Fernwahrnehmung“ a.k.a. „Remote Viewing“:

Ausgehend von dem „Medium“ Birgit Fischer schlagen die beiden einen Bogen von der verabscheuungswürdigen Zunft der „Vermisstenhellseher“ zur Psi-Spionage der US-Regierung unter dem Codenamen „Stargate“.

Über dieses Kuriosum hatten wir schon bei der Rezension des neuen Dan-Brown-Romans berichtet. Zur Erinnerung:

Das „Stargate Project“ wurde von 1977 bis 1995 betrieben. Es handelte sich dabei um 15 bis 20 Leute in einer zugigen Baracke im amerikanischen Irgendwo, die versuchten, die Parapsychologie für militärische Zwecke nutzbar zu machen

Die Sowjets unternahmen ähnliche Versuche; die Amerikaner wollten diesen Rüstungswettlauf nicht verlieren. Am Ende wurde das Projekt wegen Verdachts auf groben Unfug eingestellt.

Dem ist wenig hinzuzufügen.

In seinem Buch „The Secret of Secrets“ nennt Dan Brown die beiden „Stargate“-Protagonisten Russell Targ und Harold E. Puthoff „respektable Köpfe“ (Seite 479) – in Wahrheit wurden die beiden als „Laurel and Hardy of psi research“ ausgelacht.

Einen ersten Bericht über „Gedankenübertragung als Kriegswaffe“ in der französischen Zeitschrift Constellation im Jahr 1959 hatte der Journalist und Esoteriker Jacques Bergier frei erfunden, wie auch ein entsprechendes Kapitel in seinem Buch „Le Matin des magiciens“ (S. 621). Bergier beschreibt darin ein geheimes PSI-Programm der Amerikaner, das bei der „Nautilus“-Mission erfolgreich getestet worden sei.

https://www.ebay.com/itm/124176512879

But in 1960, real-world consequences were a result,

schreibt die Investigativjournalistin Annie Jacobsen.

Es begann ein parapsychologisches Wettrüsten zwischen den beiden Supermächten, über das der amerikanische Skeptiker Marcello Truzzi später sagte, es habe sich um „irreführende Propaganda“ gehandelt, „die die Kommunisten dazu verführen sollte, ihre Mittel an solchen Projekten zu verschwenden“.

Ein erhellender Satz zu diesem Treiben findet sich auch in dem Podcast „Gespenster und Geheimagenten“ vom SWR:

Die Amerikaner erforschten damals alle möglichen und unmöglichen Spielarten des Übernatürlichen: Hellsehen, Telekinese, Telepathie, durch Wände laufen.

Und der Grund, warum sie damit angefangen haben, war, dass sie Angst hatten, dass die Russen ein parapsychologisches Forschungsprogramm haben. Und die Russen hatten so ein Forschungsprogramm, weil sie Angst hatten, dass die Amerikaner eins haben.

Die Süddeutsche Zeitung schreibt:

Die CIA stampfte Projekt „Star Gate“ nach Empfehlung der Prüfer ein.

Zu diesen Prüfern gehörte der Psychologieprofessor und Skeptiker Ray Hyman. Seine „Evaluation of a Program on Anomalous Mental Phenomena“ aus dem Jahr 1995 findet sich hier und hier und hier.

Apropos „durch Wände laufen“: Von diesem ganzen paranormalen Zirkus handelt auch die Filmsatire „Männer, die auf Ziegen starren“ (2009):

Der Hollywood-Streifen basiert auf dem Sachbuch „Durch die Wand“ (2004) von Jon Ronson, das so beginnt:

Dies ist eine wahre Geschichte. Wir schreiben den Sommer 1983.

Generalmajor Albert Stubblebine III sitzt hinter seinem Schreibtisch in Arlington, Virginia, und starrt an die Wand, an der seine zahlreichen militärischen Auszeichnungen hängen […]

Er starrt durch seine Auszeichnungen auf die eigentliche Wand. Er spürt, dass da etwas ist, was er tun muss, obwohl ihm der Gedanke daran Angst macht. Er denkt über die Entscheidung nach, die er zu treffen hat. Er kann in seinem Büro bleiben oder er kann ins Büro nebenan gehen. Es ist seine Entscheidung. Und er trifft sie. Er geht ins Büro nebenan […]

Bin ich bereit?, denkt er. Ja, ich bin bereit. Er erhebt sich von seinem Schreibtisch und geht los.

Ich meine, so denkt er, woraus besteht ein Atom zum überwiegenden Teil? Aus Leerraum! Er beschleunigt seinen Schritt. Woraus bestehe ich zum überwiegenden Teil? Aus Atomen! Er rennt nun fast. Woraus besteht diese Wand zum überwiegenden Teil?, denkt er. Aus Atomen! Ich muss nur die Leerräume zusammenfließen lassen. Die Wand ist eine Illusion. Was ist Schicksal? Ist es meine Bestimmung, in diesem Raum zu bleiben?

Pah, sicher nicht! Dann stößt General Stubblebine mit seiner Nase hart gegen die Wand. Verdammt, denkt er. Sein ständiges Versagen, durch diese Wand hindurch zu schreiten, verwirrt General Stubblebine.

Es war nicht das einzige Versagen Stubblebines und des realen „First Earth Battalions“ innerhalb des US-Militärs sowie der „Stargate“-Protagonisten, wie der Enthüllungsjournalist Jon Ronson aufzeigt. Ronson erwähnt in diesem Zusammenhang auch Uri Geller – mit dem israelischen Löffelbieger hatte sich allerdings schon als 20 Jahre davor sein Autorenkollege Ronald M. McRae beschäftigt. Dessen Buch „Mind wars: The true story of government research into the military potential of psychic weapons“ (deutsche Ausgabe: „Parapsychologische Kriegsführung. Esoterik als Waffe“ von 1989) können wir entnehmen, dass US-Präsident Jimmy Carter einen Narren an Geller gefressen hatte:

Carter war davon überzeugt, dass Geller ein Mensch mit übernatürlichen Fähigkeiten sei, und nahm dessen Warnung vor einer sowjetischen Psi-Waffen-Ausrüstung sehr ernst.“

Aber auch schon vor Carters Amtszeit (1977-1981) hatte …

… der CIA ein halbes Dutzend Agenten beauftragt, in den Psi-Labors des Landes nach neuen Erkenntnissen zu suchen, die von militärischer oder spionagetechnischer Bedeutung sein könnten. Der CIA war vor allem an Uri Geller interessiert. Diskret besuchten Agenten seine Aufführungen.

Wenn Geller in der Lage war, Gegenstände zu verbiegen oder kaputte Uhren wieder zum Laufen zu bringen, so konnte er womöglich auch Computer beeinflussen. So spekulierten die Geheimdienstler.“

Schließlich wurde der Gabel- und Balkenbieger bei einem dem Pentagon angeschlossenen Büro für Projekte der Spitzenforschung vorstellig, wo „man nach Aussagen der Beamten durchaus bereit war, Forschungen zu finanzieren“.

https://www.amazon.de/Parapsychologische-Kriegsf%C3%BChrung-Esoterik-als-Waffe/dp/3453029631/

Was dann geschah, sei vollständig wiedergegeben:

Geller traf mit den Nachrichtendienstlern der Marine am Schwimmbecken eines dem Pentagon nahe gelegenen Hotels zusammen. Er forderte einen Commander auf, sich gedanklich auf ein Objekt in der Umgebung zu konzentrieren.

Der Commander, skeptisch wie er war, dachte an eine mit Weintrauben gefüllte Schale, die hinter ihm stand, um sich nicht durch einen Blick auf einen vor ihm liegenden Gegenstand zu verraten.

Geller kritzelte etwas auf seinen Notizblock und fragte nach dem Namen des Gegenstandes. Dann reichte er dem Offizier den Block, auf dem Schale mit Weintrauben geschrieben stand. Die verblüfften Nachrichtendienstler sprachen sich in ihrer Empfehlung für einen Vertrag über mehrere Millionen Dollar aus.

Alarmierte Skeptiker des Büros ließen eine Gruppe von vier Zauberkünstlern einfliegen: den Entfesslungskünstler James Randi, den Mathematiker Persi Diaconis, den Psychologen Ray Hyman und Marcello Truzzi, einen Soziologen.

Diaconis erinnert sich, dass man sie alles andere als freundlich empfangen hat: „Man stellte uns die Frage, warum wir wichtige Untersuchungen boykottieren wollten.“

Der Commander wollten von den Vieren wissen, wie Gellers Fähigkeit, Gedanken zu lesen, nach ihrer Meinung zu erklären sei. Die Befragten sträubten sich aus zwei Gründen vor einer Antwort. Erstens ist die Technik ein Branchengeheimnis. Zweitens, sagte Truzzi, stoßen Erklärungen gewöhnlich auf Misstrauen.

Man bestehe für gewöhnlich darauf, dass keine Drähte im Spiel sein könnten, selbst wenn jeder wisse, dass es so ist.

Doch dieser Offizier des Nachrichtendienstes war eine Ausnahme. Er dachte nach und erinnerte sich, dass Geller ihn nach dem Namen des Gegenstandes gefragt hatte, bevor er den Schreibblock aushändigte – und nicht nachher, wie ursprünglich angenommen. Der Unterschied ist entscheidend. Geller schrieb zunächst nichts auf, er tat nur so.

Erst nachdem der Commander den Gegenstand benannt hatte, schmierte Geller mit einem Daumenstift Schale mit Weintrauben aufs Papier. Jeder Zauberkünstler und Gedankenleser kennt die Möglichkeit, einen Stift unter dem Daumennagel zu verstecken.

Gegen Abend hatte sich die Einstellung der Funktionäre um 180 Grad gedreht. Ein Vertrag wurde nicht unterzeichnet, statt dessen, so berichtet Diaconis, wollten alle wissen, „wem die dumme Idee eigentlich eingefallen war“.

Im Weiteren beschrieb Ronald M. McRae in seinem Buch den „Psi-Waffenrüstungswettlauf“ zwischen den USA und der Sowjetunion und zitierte dazu auch Skeptiker:

„Eines der Dinge, die man im Pentagon momentan untersucht“, sagt James Randi, „ist geheimkräftige Zauberei. Man macht den Versuch, hochaufgelöste Fotografien von russischen Anlagen zu entwickeln – mit der Vorstellung, dass die darauf sichtbaren Satelliten und Raketen vernichtet werden, wenn man die Aufnahmen verbrennt.

Ich weiß, dass man sowas nur schwer schlucken kann, aber so sind die Hirnis im Pentagon nun mal.“

„Hirnis im Pentagon“ trifft es wohl ganz gut. Aerri spricht in ihrem Video in puncto „Remote Viewing“ von einem „wachkomatösen Schwurbelloch“.

Zum Weiterlesen:

Titelfoto: Unsplash/Mich

Kommentare

11 Kommentare zu „„Hirnis im Pentagon“ und anderswo: Remote Viewing und das Geheimprojekt Stargate“

  1. Moin!

    Sehr schön, das! Danke für Eure Arbeit!

    Und hier noch ein kleines Gimmik:

    Reiner Erler, „Das Blaue Palais“ (1974 – 1976). Wenn das lief, dann war die Straße leergefegt. Ich schicke das zu Euch, weil es die Atmo und den Mindset der Stargate/Uri-Geller-Zeit sehr schön wiedergibt.

    https://www.imdb.com/title/tt2172271/

    Für diejenigen unter Euch, die eh leicht cineastisch angehaucht sind, dann noch einmal auf Rainer Erler gezeigt, da gibt es einige Perlen zu entdecken (-;

    Mit einem waidmännischem Ahoi! und bis die Nächte

    jott

  2. Bernd Harder

    @Jörg Langkau:

    Ja, zum Beispiel:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Fleisch_(1979)

    Derzeit scheint es den Film nur bei VK zu geben:

    https://vk.com/video-226682963_456239438

  3. Spannend finde ich, dass die Förderung „parapsychologischer“ Forschung, auch zu militärischen Zwecken, in der Sowjetunion von der „offiziellen“ Wissenschaft in der DDR wohl insgeheim mit Kopfschütteln registriert wurde.

    Von einer offenen Kritik daran ist mir aber nichts bekannt, das wäre vermutlich auch aufgrund des Verhältnisses der beiden Staaten zueinander schwierig gewesen. Ob es nicht-öffentliche Diskussionen darüber unter Kolleg:innen beider Seiten gab, würde ich gerne wissen.

    Die wissenschaftlichen und politischen Publikationen wie auch die Berichterstattung in den Medien in der DDR haben aber keinen Zweifel darüber aufkommen lassen, dass Okkultismus, Parapsychologie und der ganze Unfug drumherum (Astrologie, Homöopathie. UFOs,…) mit einem „materialistischen“ Gedankengebäude für unvereinbar gehalten werden.

  4. Bernd Harder

    @Henning:

    Ja, zumindest hier steht nichts darüber:

    https://www.researchgate.net/publication/342178817_Im_Schatten_des_Szientismus_Das_Paranormale_in_der_DDR

    Hier schon mehr:

    https://www.researchgate.net/publication/306070602_Politische_Ideologie_vs_parapsychologische_Forschung_Zum_Spannungsverhaltnis_von_Marxismus-Leninismus_und_Parapsychologie_am_Beispiel_von_DDR_und_UdSSR

    Man kann wohl davon ausgehen, dass die meisten sowjetischen Aufsätze zu diesen Themen nie in der DDR erschienen sind.

    Allerdings beschrieben die DDR-Autoren Andreas Gertler und Wolfgang Mattig 1984 in ihrem Buch „Stimmen aus dem Jenseits – Parapsycholgie und Wissenschaft“ das „Nautilus-Experiment“ zur militärischen Fernwahrnehmung korrekt als „Ente“ und übten sogar leise Kritik an der UdSSR:

    Die Große Sowjet-Enzyklopädie […] hatte 1956 die Telepathie völlig treffend und richtig als wissenschaftliche Erfindung definiert, während sie 1962 ihren Lesern mitteilte, die Telepathie sei eine besondere Form der Informationsübertragung.

  5. Felix Rademacher

    Tut mir leid, aber das mit Remote Viewing sehe ich anders. Ich möchte Quellen und Studien dafür angeben, die zu dem Ergebnis kommen, dass es doch funktionieren könnte (mit aller gebotenen Vorsicht gesagt). Wie valide diese Studien sind, darüber lässt sich natürlich trefflich streiten. Das kann ich als Laie abschließend nicht beurteilen. Dennoch verstehe ich folgenden Beitrag zumindest als kleinen Gedankenimpuls.

    2017 berichtete Grenzwissenschaft-aktuell [1] über eine Machbarkeitsstudie von Müller und Wittmann [2], bei der 36 Versuchspersonen eine Remote-Viewing-Sitzung durchführten. Ihnen wurden sechs Fotos in einem verschlossenen Umschlag vorgelegt und sie sollten intuitiv beschreiben, was die Fotos jeweils zeigen. Das Ergebnis war mit p < 0,0009 hochsignifikant.

    Mittels Applied Remote Viewing versuchte 2003 der Wissenschaftler Stephan A. Schwartz mit einem Team den Aufenthaltsort von Saddam Hussein zu lokalisieren [3]. Einen Monat später haben US-Streitkräfte Hussein dann tatsächlich aufgespürt. „Es ergaben sich einige verblüffende Übereinstimmungen von Details, so dass man das Experiment für ‚geglückt‘ ansehen kann“ [4].

    Smith et. al. ließen zehn unerfahrene Remote Viewer den Ausgang des Dow Jones Industrial Average viewen. Investitionen in Aktienoptionen, die aufgrund der Vorhersagen der Viewer vorgenommen wurden, erzielten dabei einen signifikanten finanziellen Zuwachs [5].

    Quellen:

    [1]
    Müller, Andreas: Remote Viewing: Machbarkeitsstudie liefert Belege für außersinnliche Wahrnehmung. Artikel vom 18.07.2017 auf grenzwissenschaft-aktuell.de
    https://www.grewi.de/remote-viewing-machbarkeitsstudie-liefert-belege-fuer-aussersinnliche-wahrnehmung20170718/

    [2]
    Müller, Maximilian; Wittmann, Marc (2017): Remote Viewing: Eine Proof-of-Principle-Studie. In: Zeitschrift für Anomalistik. Band 17, S. 83-104.
    https://www.anomalistik.de/images/pdf/zfa/zfa2017_12_083_mueller_wittmann.pdf

    [3]
    Schwartz, Stephan A. (2018): Finding Saddam Hussein: A Study in Applied Remote Viewing. Edgescience #36, December 2018. S. 5-10.
    https://www.anomalistik.de/images/pdf/sdm/sdm-2019-06-schwartz.pdf

    [4]
    Müller, Andreas: GfA-Studie des Monats: Ein ungewöhnliches Experiment mit „Applied Remote Viewing“. Artikel vom 15.06.2019 auf grenzwissenschaft-aktuell.de
    https://www.grewi.de/gfa-studie-des-monats-ein-ungewoehnliches-experiment-mit-applied-remote-viewing20190615/

    (5)
    Smith, Christopher Carson; Laham, Darrell; Moddel, Garret (2014): Stock Market Prediction Using Associative Remote Viewing by Inexperienced Remote Viewers. In: Journal of Scientific Exploration. Vol. 28, No. 1.
    S. 7-16.
    https://www.remoteviewed.com/wp-content/uploads/2014/06/Stock-Market-Prediction-Using-Associative-Remote-Viewing.pdf

  6. @Felix Rademacher:

    Ich möchte Quellen und Studien dafür angeben,

    Die allesamt von „grenzwissenschaftlichen“ und „anomalistischen“ Seiten stammen.

    Nehmen wir mal als Beispiel die „Finding Saddam Hussein“-Story:

    https://www.anomalistik.de/images/pdf/sdm/sdm-2019-06-schwartz.pdf

    Die Remote Viewer haben also Angaben zum Aufenthaltsort gemacht wie:

    Saddam will be found “beneath an ordinary looking house.” “It is on the outskirts of a small village,” “near Tikrit.” “The house is part of a small compound.” It is “bordered on one front by a dirt road and, on the backside, by a nearby river.” “The house can be identified because it has a large tree growing at either end, and it has a strange kind of partial second floor over the front door“.

    Das ist exakt das, wie auch „Vermisstenhellseher“ hierzulande arbeiten: Immer ist grundsätzlich ein Gewässer, ein Baum, eine Straße o.ä. in der Nähe der gesuchten Person. Wer würde damit schon groß daneben liegen?

    Und dass Saddam sich bei Tikrit, seiner Heimatstadt mit loyalen Anhängern, verstecken würde, war auch klar.

    In der Smith-Studie wird sogar gesagt, dass die positiven Resultate „several possible reasons“ haben können, die nichts mit Remote Viewing zu tun haben.

    In der „Proof-of-Principle“-Studie heißt es:

    Im Anschluss an die Sitzung wurden alle sechs Fotos offengelegt und die Versuchspersonen gebeten, ein Übereinstimmungsrating anhand ihrer eigenen Aufzeichnungen vorzunehmen.

    Das heißt, die Teilnehmer konnten selbst bewerten, ob sie richtig oder falsch lagen?

    Und schauen Sie sich die sechs „Targets“ mal an: ein Turm (5), eine Aufnahme der Erde (2), die so mit allem Möglichen übereinstimmen kann (Wolken, Kugel, Weltraum etc.), eine Landschaft mit irgendwas im Hintergrund (4) – das ist alles nicht besonders spezifisch.

    Und wieso werden die Zeichnungen der Probanden nicht gezeigt, ob und wie weit diese tatsächlich mit den „Targets“ übereinstimmen?

    Tut mir Leid, aber das ist alles sehr vage, um es mal vorsichtig auszudrücken.

  7. Felix Rademacher

    Vielen Dank für Ihre durchaus berechtigten Kritikpunkte. Das schätze ich sehr. Vielleicht wären dann in Zukunft robustere und solidere Studien zu Remote Viewing vonnöten.

    Ich bin jemand, der versucht, Grenzwissenschaftlern und Alternativmedizinern entgegenzukommen – in der Hinsicht, dass ich immer für weitere, noch präzisere Studien plädiere. Wobei natürlich klar ist, dass bei gewissen Themen die Sachlage klar entschieden ist, wie z.B. bei der Homöopathie. Da wissen wir aufgrund der randomisierten Kontrollstudien ja, dass sie nicht über den Placeboeffekt hinaus wirken kann.

    Aber anderen alternativmedizinischen Verfahren z.B. sollte man noch eine Chance geben. Mir würden sogar interessante Versuchsdesigns einfallen, die man durchführen könnte, um diese Konzepte zu testen. Dazu vielleicht an anderer Stelle einmal mehr.

  8. Mich würde tatsächlich interessieren, wie in so einem Feld ein Versuchsaufbau aussehen soll, wenn kein rationaler Wirkmechanismus zugrunde gelegt werden kann.

  9. @Thomas:

    Mit dieser Frage hat sich sogar schon mal eine „Columbo“-Folge beschäftigt:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Columbo:_T%C3%B6dliche_Tricks

    Auch hier stellten sich die RV-Erfolge als Trick heraus.

  10. @Bernd Harder, an diese Folge musste ich auch denken.

    Ein Versuchsaufbau in dem Bereich müsste wohl vor allem Manipulationen und Effekte durch Suggestion u.Ä. minimieren.

    Auch bei Columbo waren die Versuchsergebnisse ja nur reproduzierbar, weil er dieselben manipulierten Requisiten genutzt hat.

    Die Saddam-Hussein-Studie ist schon prima. In der Nähe von Tikrit liegt jeder bewohnte Ort nahe des Tigris, hat staubige Straßen, hier und da einen Baum etc.

  11. wie sagt man heute so schön:

    kann man sich nicht ausdenken.

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