Uri Geller: Er hat ProSieben „verarscht“ – und die ganze Welt

(Lesedauer ca. 5 Minuten)

Wie heißt die Hauptstadt von South Dakota?

fragte Johnny Carson schließlich zur Auflockerung, als seinem Stargast Uri Geller gar nichts mehr einfiel und der berühmte Löffelbieger nur noch unbehaglich auf seinem Stuhl hin- und herrutschte (Minute 6:20):

Natürlich wusste Uri Geller den Namen der Kapitale Pierre nicht. Was er auch nicht wusste, war, dass sein Auftritt in der „Tonight Show“ von Johnny Carson am 1. August 1973 keiner seiner üblichen Talkshow-Besuche werden würde, die er stets mit schlitzohriger Nonchalance absolvierte.

Nichts klappte, als er einen Löffel verbiegen und unter 20 identischen Aluminiumdosen die eine herausfinden sollte, die mit Wasser gefüllt war. Das Video gibt’s bei Youtube: Ein nervöser Uri Geller versucht Zeit zu schinden und sich herauszureden, beklagt sich über den „Druck“, die Kameras, die Zweifler unter den Zuschauern, bis er schließlich Carson daran erinnert, dass der ihm doch eigentlich „40 vorbereitete Fragen“ habe stellen wollen.

Als Carson daraufhin mit der Hauptstadt von Süddakota herauskommt, wird dem konsternierten Geller endgültig klar: Der populäre Showmaster ist keineswegs gewillt, ein abgesprochenes Arrangement mitzuspielen.

Stattdessen hatte sich der Hobbyzauberer Carson bei dem Bühnenmagier James Randi erkundigt, wie er Gellers übliche Performance verunmöglichen könnte. Eigentlich ganz einfach: Gellers Requisiten wurden gegen gleichaussehende Neuware ausgetauscht, zu der weder er noch seine Crew vor der Sendung Zugang hatten. Das Resultat: der „wahrscheinlich peinlichste TV-Auftritt, den je ein Zauberer hingelegt hat“, urteilt der Berufskollege Matthias Berger:

Allerdings war Geller nie irgendwas peinlich. Erstaunlicherweise schadete der Auftritt bei Johnny Carson Geller kaum und er wurde für weitere Shows in den USA und weltweit gebucht. Offenbar wertete das Publikum gerade Gellers Scheitern als Beleg für seine übersinnlichen Kräfte – denn wenn es sich dabei um Tricks handeln würde, müsste es ja immer funktionieren. Und so trieb „der israelische Zauberkünstler, der von sich behauptet, übersinnliche Kräfte zu besitzen“ (Wikipedia), immer weiter sein Unwesen – bis hin zur „peinlichsten Sendung, die ProSieben je gemacht hat“, wie Philipp Walulis heute erklärt:

In der Reihe „Ferrücktes Fernsehen“ blickt Walulis zurück auf

Uri Geller Live: Ufos und Aliens – Das unglaubliche TV-Experiment

vom 15. November 2008:

Im November 2008 strahlte ProSieben drei Stunden lang Uri Geller Live: UFOs und Aliens aus, eine Livesendung, in der der israelische Illusionist live im TV Kontakt zu Außerirdischen aufnehmen sollte.

Was folgte: Nina Hagen mit einem Bananen-Telefon, Erich von Däniken der die Rotze hochzieht, ein hypnotisiertes Ehepaar das sich „an Bord eines Raumschiffes“ kennengelernt hat, und Daniel Aminati live aus der Ukraine, wo er eine Botschaft ins All sendete. Per Anrufbeantworter.

Die Quote: 7,3 Prozent. Der eigene Produzent nannte es danach „einen Fehler“. Wir auch.

Geller war’s egal. Dass solche Auftritte keineswegs sein Ansehen mehren oder zumindest bewahren, sondern ihm nur noch Spott einbringen, „sowohl bei uns in der Zauberszene als auch bei Millionen Menschen da draußen“, wie Matthias Berger sagt, scheint Geller gar nicht zu merken. Wahrscheinlich war er zu beschäftigt damit, Warnbriefe an Wladimir Putin zu schreiben („Sollten Sie sich für den Einsatz von Nuklearwaffen entscheiden, werden Ihre Pläne und Ihre Raketen auf Sie zurückgefeuert!“) oder Nintendo wegen einer Pokémon-Karte zu verklagen, weil die Figur „Kadabra“ ihm seine Identität gestohlen habe.

In einem Video illustriert Berger die „zehn skurrilsten Aktionen, die Uri Geller über die letzten fünfzig Jahre so abgezogen hat“:

Als da wären:

Das alles wirke eher wie „armselige Schreie nach Aufmerksamkeit“, fasst Berger zusammen.

Auch eine weitere ProSieben-Show mit Uri Geller aus dem Jahr 2008 hat Berger sich angesehen:

The next Uri Geller – Unglaubliche Phänomene Live

https://www.youtube.com/watch?v=nRpfVrmU9Xc

Fairerweise muss man dazusagen, dass Geller kurz davor (in einem Interview mit der Zeitschrift Magische Welt) erklärt hatte:

Ich sage nicht mehr, dass ich übernatürliche Kräfte besitze. Ich bin ein Entertainer, ich will eine gute Show machen. Mein gesamter Charakter hat sich verändert.

Ersteres war überflüssig zu erwähnen – Gellers angebliche „supernatural powers“ waren jahrzehntelang immer wieder auf simple Weise reproduziert worden:

https://www.youtube.com/watch?v=Z-9oLRde2sE
https://www.youtube.com/watch?v=1qCSuaUXw4E
https://www.youtube.com/watch?v=hi-oCgEraqk
https://www.youtube.com/watch?v=-sxf-oPWYPg

Und die Charakterfrage? Schauen wir mal:

https://x.com/theurigeller/status/2063903039807799801

Offenbar habe Uri Geller „sein ganzes Leben lang kackdreist gelogen“, sagt Walulis im heutigen Video. Und auch mit 79 Jahren scheint er damit nicht aufhören zu wollen.

Zum Weiterlesen:

Titelfoto: Wikipedia/Aquarius2000

Kommentare

Ein Kommentar zu „Uri Geller: Er hat ProSieben „verarscht“ – und die ganze Welt“

  1. […] Skeptix: Uri Geller: Er hat ProSieben „verarscht“ – und die ganze Welt […]

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