Ein Homöopathie-Debakel mutiert zur Zombie-Studie

(Lesedauer ca. 2 Minuten)

Seit Inkrafttreten des GKV-Spargesetzes zum 30. Juli übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen keine Kosten mehr für Homöopathika. Nichtsdestotrotz nimmt der überteuerte Zucker immer noch eine arzneimittelrechtliche Sonderstellung ein und darf nur in Apotheken verkauft werden.

Darauf weist auch der Youtuber Robert Lindemann hin (ab 10:26):

Würde man sie als Arzneimittel aberkennen, könnte man den Ruf von „Medikamenten“ ohne messbare Wirkung stark abschwächen. Dann könnte man homöopathische Mittel privat bei Rossmann einsacken.

Und wenn ihr schon mal da seid, an den meisten Supermarktkassen liegt ja auch immer ein bisschen Traubenzucker. Das ist quasi Globuli mit Mengenrabatt. Schmeckt gut und wirkt. Quelle: Vertrau mir, Bruder.

Und dass die „riesige Homöopathie-Lobby“ unvermindert aktiv ist, zeigt sich an einem nachgerade unglaublichen Beispiel: Die berüchtige Frass-Studie, die eine erhebliche Überlebensverlängerung bei Lungenkrebspatient:innen durch eine homöopathische Zusatztherapie behauptete, ist zehn Monate nach ihrer Retraction neu veröffentlicht worden, und zwar in dem Journal Supportive Care in Cancer. Eindeutig eine neue „unsinkable rubber ducky“, wie James Randi sagen würde.

Von einer „Verhöhnung der Wissenschaft“ schreibt Prof. Edzard Ernst:

Eine diskreditierte Studie wird nicht glaubwürdig, nur weil ihre Autoren darauf bestehen, ihre falsche Geschichte noch einmal zu erzählen.

Mal davon abgesehen, was dieser Vorgang über die wissenschaftliche Integrität eines durchaus seriösen Springer Nature-Journals aussagt – der Altersstarrsinn von Michael Frass (Ernst nennt es „die hartnäckige Weigerung der Autoren, Kritik und wissenschaftlichen Konsens zu akzeptieren“) gefährdet auch ganz konkret krebskranke Menschen, indem „falsche Hoffnungen auf der Grundlage diskreditierter Daten erzeugt werden“.

Man könnte auch sagen: Supportive Care in Cancer bemüht sich, die Kluft zwischen einer medizinischen Studie und der „Quelle: Vertrau mir, Bruder“ nonchalant aufzuheben.

Titelfoto: Pixabay/ka_re

Kommentare

Ein Kommentar zu „Ein Homöopathie-Debakel mutiert zur Zombie-Studie“

  1. Diese Aktion von Herrn Frass und seinen Mitautoren wird nicht ohne Konsequenzen bleiben.

    Dass das ein publizistischer Griff in den Misthaufen von Seiten des Springer-Journals „Supportive Care“ ist – keine Frage.

    Wie es dazu kommen konnte, wird sich hoffentlich zeigen. Die Mühlen mahlen schon – und sie wollen diesmal schnell mahlen. Es ist schlicht untragbar, dass diese Studie, gegenüber der Erstfassung nur mit ein wenig verbalem Zuckerguss verbrämt, derzeit wieder Teil der wissenschaftlichen Literatur ist.

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