Parteitag in Hannover: Grüne setzen sich endlich gegen die Homöopathie-Fans durch

(Lesedauer ca. 4 Minuten)

Ob es da einen Zusammenhang gibt?

Der grüne Gesundheitsminister Manfred Lucha tritt bei der Landtagswahl im Frühjahr 2026 in Baden-Württemberg nicht mehr an – und prompt vollzieht seine Partei „eine historische Kehrtwende“ in Sachen Homöopathie:

Am ersten Tag des Grünen-Parteitags in Hannover wird es lebhaft: Ein Antrag wird angenommen, der die Finanzierung homöopathischer Leistungen durch gesetzliche Krankenkassen untersagen will.

Das mit der „historischen Kehrtwende“ (Spiegel) beziehungsweise dem „Kurswechsel“ (t-online) ist allerdings nicht ganz richtig.

Schon 2019 gab es einen solchen Antrag. Nach monatelangem Streit verfügte der damalige Parteichef Robert Habeck ein salomonisches Urteil:

Krankenkassen sollen homöopatische Leistungen bezahlen dürfen – aber nur jenen, die einen entsprechenden Sondertarif gewählt haben.

Zu Beginn des Jahres 2024 sprach sich auch Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) dafür aus, Homöopathie als Kassenleistung zu streichen. Diese Regelung sollte im Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetz (GVSG) festgeschrieben werden. Doch im dritten Referentenentwurf des GVSG wurde dieser Passus wieder gestrichen:

Warum die Regelung aus dem GVSG aktuell herausgenommen worden ist, teilte das Bundesministerium für Gesund­heit (BMG) auf Anfrage nicht mit,

kommentierte das Deutsche Ärzteblatt:

Ein Grund könnte sein, dass das Thema Homö­opathie konflikt­behaftet ist und in der Ampelkoalition zu internen Streitigkeiten führen könnte. Dies könnte zu Verzögerun­gen des Gesetzes führen.

In der Tat scheiterte Lauterbachs Plan wohl am Veto der Grünen beziehungsweise an „zwei oder drei grünen Spitzenpolitikern“, darunter Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manfred Lucha. Auch die grüne BW-Landesvorsitzende Lena Schwelling sprang Lucha bei und beklagte in der Süddeutschen Zeitung einen angeblichen „Kreuzzug gegen Homöopathie“.

Damit ist es jetzt vorbei.

Der grüne Spitzenkandidat Cem Özdemir

… wird die neue Position seiner Partei im Wahlkampf in Baden-Württemberg erklären müssen.

Wobei ihm das vielleicht gar nicht so ungelegen kommt. Der Schwabe baut seinen Wahlkampf schließlich vor allem durch Abgrenzung zur Bundespartei auf.

Dafür hat er jetzt ein Thema mehr,

schreibt heute das Handelsblatt.

Und das kam so, berichtet der Spiegel von der Bundesdelegiertenkonferenz in Hannover:

Es ist ein Thema, das bis in die Urzeiten der Grünen-Partei zurückreicht: der Umgang mit homöopathischen Mitteln. Immer wieder kam es darüber zu heftigen Debatten auf Parteitagen.

In Hannover stand das Thema erneut auf der Tagesordnung. Bereits vor dem Treffen war in einem Mitgliederranking ein Antrag nach vorne gewählt worden […] Cedrik Schamberger hatte ihn eingereicht, ein Pharmazeut, der in einer Berliner Apotheke arbeitet.

Das Papier richtete sich gegen die Erstattung homöopathischer Leistungen durch gesetzliche Krankenkassen und für eine evidenzbasierte Gesundheitspolitik.

https://x.com/CedCedrik/status/1979471833649860811

Bundesschatzmeisterin Manuela Rottmann versuchte, mit dem Antrag des Bundesvorstands dagegenzuhalten, verwies auf die relativ geringen Ausgaben im Gesundheitssystem von 22 Millionen Euro für homöopathische Mittel.

Doch die Mehrheit der rund 800 Delegierten sah es anders. Der Antrag des Bundesvorstandes wurde mit deutlicher Mehrheit abgelehnt. Damit kamen sechs Änderungsanträge der Homöopathie-Befürworter zum Zuge.

Doch die Gegner von Globuli und Co. waren in der Mehrheit. Die sechs Änderungsanträge, die im Block verabschiedet wurden, fielen mit großer Mehrheit durch.

https://x.com/Storch_i/status/1994517139915772328

Die sächsische Bundestagsabgeordnete Paula Piechotta, auch Ärztin, hatte zuvor erklärte, sie kenne diese Debatte seit 2019 und habe keine Kraft mehr, dieses Thema Jahr für Jahr zu vertagen.

Die üblichen Kaspereien des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ), der im Vorfeld dazu aufrief, den Antragstellern „Paroli zu bieten“ und einem Gegenantrag „Rückenwind zu geben“, verfingen diesmal also nicht.

Offenbar hatten Schambergers Unterstützer:innen die besseren Slogans, zum Beispiel

Wissenschaft statt Wünschelrute.

Oder die Gegenargumente waren einfach „zu niedrig dosiert“.

Zum Weiterlesen:

Titelfoto: Pixabay/dectos

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