Bei Xavier Naidoo entschuldigen – warum das denn?

(Lesedauer ca. 5 Minuten)

Nicht wenige hatten davor gewarnt, Naidoos Beteuerung Glauben zu schenken, er habe sich von seinen einstigen extremistischen Ansichten gelöst. Die große Mehrheit wollte es damals nicht hören und Naidoo konnte wieder vor ausverkauften Hallen spielen.

Doch spätestens jetzt sollten seine Fürsprecher zu der Erkenntnis kommen, dass Naidoo ihnen und der gesamten Öffentlichkeit etwas vorgemacht hat,

schreibt die Jüdische Allgemeine.

Wer jetzt fordert, man müsse sich bei Xavier Naidoo entschuldigen, verwechselt zwei völlig unterschiedliche Dinge: berechtigte Empörung über reale Verbrechen – und die ideologische Ausschlachtung dieser Verbrechen zur Bestätigung eines geschlossenen Weltbilds,

kommentiert Mimikama.

Auch andere machen sich ihre Gedanken zu der Forderung nach einer Entschuldigung an die Adresse von Xavier Naidoo, zum Beispiel Rezo:

Mich nervt es wirklich, dass Leute jetzt ihn so whiteknighten und sagen, er hatte doch immer recht oder so.

Oder Sawana:

Ich sage ganz ehrlich, ich bin nicht der Meinung, dass wir uns bei Xavier Naidoo entschuldigen müssen und jemanden als mutigen Wahrheitskämpfer oder Held darzustellen, obwohl er jahrelang Desinformation verbreitet hat.

Halte ich schon für ein bisschen fragwürdig. Ich finde, man kann nicht einfach alles andere ausblenden, nur weil ein Teil seiner Aussage gestimmt hat.

Oder Benjamin Biersky:

Immer wieder geraten schwerwiegende Vorwürfe in den Fokus. Doch statt konsequent über Strukturen zu sprechen, verschiebt sich die Aufmerksamkeit. Opfer schwerster Gewalt geraten aus dem Blick – oder werden von Verschwörungserzählungen instrumentalisiert. Eine ernsthafte gesellschaftliche Auseinandersetzung bleibt oft aus.

Oder Philip Schlaffer und Axel Reitz vom Youtube-Kanal EX – Rechte Rotlicht Rocker:

Kaum ist sein Comeback geglückt, kaum stand er wieder auf der Bühne in ausverkauften Hallen, schon legt er wieder los und zeigt wieder sein altes Gesicht.

Dazu kann man eigentlich nur noch einmal Mimikama zitieren:

Naidoo verbreitete und verbreitet eine Ideologie, die reale Gewalt instrumentalisiert und in mythologische Abgründe überführt.

Wer das als „Weitsicht“ umdeutet, normalisiert Denkmuster, die Fakten verachten und Fantasien absolut setzen.

Es mag ja sein, dass „sich auch die absurdesten Verschwörungstheorien durchaus aus einem realen Unbehagen oder Bauchgefühl speisen“, wie Michael Butter im Tages-Anzeiger noch einmal wiederholt. Und möglicherweise war es „nie so schwierig, eine vernünftige Grenze zu ziehen zwischen absurden und berechtigten Vermutungen, zwischen Imagination und Realität“, schreibt Anna Mayr in der Zeit.

Als Beispiel nimmt Mayr Naidoos Geschwurbel über „embryonale Gewürzmittel“:

Die Firma Senomyx forschte an chemischen Geschmacksverstärkern mithilfe einer Zelllinie, die in den Siebzigern aus der Niere eines abgetriebenen Embryos gewonnen wurde. Es ist in der Forschung nicht unüblich, mit solchem Material zu arbeiten, und man kann das ethisch fragwürdig finden.

Medien tendieren dazu, solche Zweifel zu beschwichtigen. Es lande ja kein Baby im Essen! Die Embryonen würden nicht für die Forschung abgetrieben, sondern gespendet!

Doch wird das jemanden überzeugen, der mit der Tatsache grundlegend ein Problem hat, dass Embryonen für Forschungszwecke benutzt werden?

https://www.zeit.de/2026/10/jeffrey-epstein-akten-verschwoerungstheorie-macht-strukturen

Vermutlich wäre es sinnvoller, die Zweifel erst einmal anzuhören, die Gefühle ernst zu nehmen. Denn wenn das nicht passiert, wird aus dem kleinen ein großes Unwohlsein, und daraus werden Lügen und Legenden, zum Beispiel die, dass in Produkten, die Geschmacksverstärker enthalten, Menschenpartikel enthalten sind: Chips mit Embryopulver.

Leider verheddert sich Mayr in unausgegorenen essayistischen Betrachtungen – offenbar unfähig, den Unterschied zwischen dem Zweifel und einer Verschwörungstheorie herauszuarbeiten. Eines scheint der Autorin allerdings weitgehend klar zu sein:

Wer Hanebüchenes verbreitet, Diffamierendes, der praktiziert üble Nachrede, streut Beleidigungen, Lügen. Und das muss man dann auch so nennen.

Eben. Wir wüssten keinen Grund, Xavier Naidoo davon auszunehmen.

Zum Weiterlesen:

Titelfoto: Youtube

Kommentare

9 Kommentare zu „Bei Xavier Naidoo entschuldigen – warum das denn?“

  1. Heute im Compact-Newsletter:

    Und jetzt legt er noch einen drauf: Am Samstag, den 14. März, findet in Berlin eine große Demo für den Schutz unserer Kinder statt und Xavier Naidoo ist dabei! Beginn: 14 Uhr an der Siegessäule (Großer Stern). Danach folgt ein Demonstrationszug durch die Stadt. Mit großer mobiler Bühne, auf der Naidoo viele neue Lieder, die sich um die Themen Kinderschutz, Pädo-Eliten und Epstein drehen, präsentieren wird. Der Hammer!

  2. Mit an Bord der vermeintliche Opferschutzverein „El Faro“ und, wenig überraschend, die Verschwörungsunternehmerin „Bonnie Leben“, die den Fall Epstein für ihr Narrativ instrumentalisiert: „Epsteins sind auch in Deutschland“.

    Eine KJPT ist Xavier Naidoo „sehr, sehr, sehr dankbar“. So sei sie auch durch die Welt gegangen… „Er weiß Bescheid, er weiß es“. (BerlinBerlinTV)

  3. Compact verbreitet dazu offen antisemitischen Content:

    „In Deutschland tut man so, als ginge das einen alles nichts an und hat unseren Antrag witzigerweise in den auswärtigen Ausschuss überwiesen, statt in den Innenausschuss, der für Kriminalität eigentlich zuständig ist. Ich meine, wir hier bei Compact, Jürgen, haben ja im Prinzip fast schon die Vorarbeit für eine solche Kommission geleistet.“

    J. Elsässer: „Ja, wir haben hier in der Märzausgabe eine vollständige Übersicht über das Epstein-Netz: Mossad, Mädchen, Machteliten, wo die ganzen Verbindungen, nicht nur nach Deutschland, sondern zur Rothschildbank oder zum Mossad sozusagen dargestellt werden. Ist die Grundlage im Grunde auch für so ’ne spezielle Sonderkommission, wobei das Beste wäre sowieso ein Untersuchungsausschuss.“

    Der antisemitische Bezug der Verschwörungserzählung tritt bei Compact deutlich in den Vordergrund. Die Ritualmordlegende erscheint hier in neuem Gewand.

  4. Die Veröffentlichung der Akten ist, vulgär ausgedrückt, reinster Napalm-Schiss.

    Da alles veröffentlicht wurde, inklusive kurzer Notizen, ist das meiste unbrauchbar. Man muss sich schon genauer und im Kontext damit auseinandersetzen.

    Die Verbindungen selbst waren da, wenn man nur nach reinen Erwähnungen geht.

    Ein interessantes Projekt visualisiert die Bubbles aus den Erwähnungen in den Epstein-Files:

    https://epsteinvisualizer.com/

    Verschwörungstheoretiker gehen mit ihren Recherchen aber nicht in die Tiefe, schnappen sich „confirmation bias“-freundliche Informationen und sehen es als Beweis.

  5. Die Epstein Files: Drei Millionen unsortierte Seiten, die schwer zu überblicken sind. Doch zum Glück gibt es tapfere Streamer und Content-Creators, die sich in TikToks auf doppelter Geschwindigkeit die wirklich wichtigen Fragen stellen: Haben die auf Epstein Island Menschenfleisch gegessen? Ist es Zufall, dass Epstein Island wie das Nickelodeon-Logo aussieht? Und warum riecht Xavier Naidoo aus dem Mund nach Embryo?

    https://www.zdf.de/play/shows/zdf-magazin-royale-102/zdf-magazin-royale-vom-6-maerz-2026-100

    https://www.youtube.com/watch?v=0v92CbDeWq8

  6. Das sind so widerliche Verbrechen die da begangen wurden. Keine Ahnung ob es am Algorhythmus liegt, aber von Schwurbelbeiträgen wird mir deutlich mehr angezeigt, als von ernsten Aufklärungsversuchen. Das liegt hoffentlich daran, dass man Ermittlungen nicht gefährden möchte.

    Die Gründe für den Angriff auf den Iran würde ich allerdings anders verorten.

  7. Demo-Reaction von Tobias Huch:

    https://www.youtube.com/watch?v=_YhNb06GW0M

    kla.tv ist natürlich auch dabei (bei Minute 40).

    Spiegel:

    Es hilft wenig, wenn Naidoo sich an diesem Nachmittag gemäßigt und verständig zeigt, wenn sich das Umfeld, in dem er auftritt, mindestens wirr und teilweise höchst problematisch präsentiert.
    Vieles, sehr vieles, läuft durcheinander an diesem Nachmittag. Neben Menschen, die von selbst erlebtem Missbrauch berichten, und die man selbstverständlich ernst nehmen muss, gibt es etwa auch eine Rednerin, die Dinge sagt wie »Ich werde als Nazi bezeichnet, weil ich Nazi heiße«. Eine andere Frau spricht sich auf der Bühne gegen frühkindliche Betreuung aus, weil die Kleinkinder in den Horten und Kindergärten von so vielen fremden Menschen gewickelt würden, dass sie damit bereits auf späteren Missbrauch vorbereitet würden. In den Gesprächen mit Demoteilnehmern geht es um »Transgender-Ideologie« und angeblich propagierten »Russlandhass«, ein in eine Deutschlandflagge gewickeltes »Techno-Girl« erklärt, dass es sehr gern Hausfrau sein will, und eine Frau hat »gelesen«, dass auch Peter Alexander und Die drei Tenöre »mit involviert« seien.

    Ich hoffe, bei uns:

    https://skeptix.org/2025/12/31/falscherinnerungen-wenn-die-drei-tenoere-mit-peter-alexander-satans-geburtstag-feiern/

  8. Jeffrey Epstein und die Folgen: Mit Aufklärung hat das nichts zu tun

    https://taz.de/Jeffrey-Epstein-und-die-Folgen/!6157107/

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