Nicht wenige hatten davor gewarnt, Naidoos Beteuerung Glauben zu schenken, er habe sich von seinen einstigen extremistischen Ansichten gelöst. Die große Mehrheit wollte es damals nicht hören und Naidoo konnte wieder vor ausverkauften Hallen spielen.
Doch spätestens jetzt sollten seine Fürsprecher zu der Erkenntnis kommen, dass Naidoo ihnen und der gesamten Öffentlichkeit etwas vorgemacht hat,
schreibt die Jüdische Allgemeine.
Wer jetzt fordert, man müsse sich bei Xavier Naidoo entschuldigen, verwechselt zwei völlig unterschiedliche Dinge: berechtigte Empörung über reale Verbrechen – und die ideologische Ausschlachtung dieser Verbrechen zur Bestätigung eines geschlossenen Weltbilds,
kommentiert Mimikama.
Auch andere machen sich ihre Gedanken zu der Forderung nach einer Entschuldigung an die Adresse von Xavier Naidoo, zum Beispiel Rezo:
Mich nervt es wirklich, dass Leute jetzt ihn so whiteknighten und sagen, er hatte doch immer recht oder so.
Oder Sawana:
Ich sage ganz ehrlich, ich bin nicht der Meinung, dass wir uns bei Xavier Naidoo entschuldigen müssen und jemanden als mutigen Wahrheitskämpfer oder Held darzustellen, obwohl er jahrelang Desinformation verbreitet hat.
Halte ich schon für ein bisschen fragwürdig. Ich finde, man kann nicht einfach alles andere ausblenden, nur weil ein Teil seiner Aussage gestimmt hat.
Oder Benjamin Biersky:
Immer wieder geraten schwerwiegende Vorwürfe in den Fokus. Doch statt konsequent über Strukturen zu sprechen, verschiebt sich die Aufmerksamkeit. Opfer schwerster Gewalt geraten aus dem Blick – oder werden von Verschwörungserzählungen instrumentalisiert. Eine ernsthafte gesellschaftliche Auseinandersetzung bleibt oft aus.
Oder Philip Schlaffer und Axel Reitz vom Youtube-Kanal EX – Rechte Rotlicht Rocker:
Kaum ist sein Comeback geglückt, kaum stand er wieder auf der Bühne in ausverkauften Hallen, schon legt er wieder los und zeigt wieder sein altes Gesicht.
Dazu kann man eigentlich nur noch einmal Mimikama zitieren:
Naidoo verbreitete und verbreitet eine Ideologie, die reale Gewalt instrumentalisiert und in mythologische Abgründe überführt.
Wer das als „Weitsicht“ umdeutet, normalisiert Denkmuster, die Fakten verachten und Fantasien absolut setzen.
Es mag ja sein, dass „sich auch die absurdesten Verschwörungstheorien durchaus aus einem realen Unbehagen oder Bauchgefühl speisen“, wie Michael Butter im Tages-Anzeiger noch einmal wiederholt. Und möglicherweise war es „nie so schwierig, eine vernünftige Grenze zu ziehen zwischen absurden und berechtigten Vermutungen, zwischen Imagination und Realität“, schreibt Anna Mayr in der Zeit.
Als Beispiel nimmt Mayr Naidoos Geschwurbel über „embryonale Gewürzmittel“:
Die Firma Senomyx forschte an chemischen Geschmacksverstärkern mithilfe einer Zelllinie, die in den Siebzigern aus der Niere eines abgetriebenen Embryos gewonnen wurde. Es ist in der Forschung nicht unüblich, mit solchem Material zu arbeiten, und man kann das ethisch fragwürdig finden.
Medien tendieren dazu, solche Zweifel zu beschwichtigen. Es lande ja kein Baby im Essen! Die Embryonen würden nicht für die Forschung abgetrieben, sondern gespendet!
Doch wird das jemanden überzeugen, der mit der Tatsache grundlegend ein Problem hat, dass Embryonen für Forschungszwecke benutzt werden?

Vermutlich wäre es sinnvoller, die Zweifel erst einmal anzuhören, die Gefühle ernst zu nehmen. Denn wenn das nicht passiert, wird aus dem kleinen ein großes Unwohlsein, und daraus werden Lügen und Legenden, zum Beispiel die, dass in Produkten, die Geschmacksverstärker enthalten, Menschenpartikel enthalten sind: Chips mit Embryopulver.
Leider verheddert sich Mayr in unausgegorenen essayistischen Betrachtungen – offenbar unfähig, den Unterschied zwischen dem Zweifel und einer Verschwörungstheorie herauszuarbeiten. Eines scheint der Autorin allerdings weitgehend klar zu sein:
Wer Hanebüchenes verbreitet, Diffamierendes, der praktiziert üble Nachrede, streut Beleidigungen, Lügen. Und das muss man dann auch so nennen.
Eben. Wir wüssten keinen Grund, Xavier Naidoo davon auszunehmen.
Zum Weiterlesen:
- Mayr, Anna „Epstein-Akten: Für den Zweifel“ zeit (25. Februar 2026)
- Kedves, Alexandra „Für Zweifel an der offiziellen Version von Epsteins Tod gibt es durchaus Gründe“ tagesanzeiger (25. Februar 2026)
- Prange, Aljoscha „Hitler-Verherrlicher kapern Epstein-Fall für antisemitische Hetze“ n-tv (25. Februar 2026)
- Schroeder, Florian „Xavier Naidoo ist zurück“ radioeins (24. Februar 2026)
- Fischer, Ralf „Xavier Naidoo hat allen etwas vorgemacht“ Jüdische Allgemeine (23. Februar 2026)
- „Blut, Babys, Blödsinn: Wie Xavier Naidoo den Epstein-Skandal zur QAnon-Bühne macht“ Mimikama (19. Februar 2026)
- Gühmann, Sylvie „Sexualisierte Gewalt ist kein Bühnenbild für Verschwörungstheoretiker“ spiegel (19. Februar 2026)
- Ayyadi, Kira „Niemand schuldet Xavier Naidoo eine Entschuldigung“ Belltower News (18. Februar 2026)
- Minkmar, Nils „Als wäre alles nicht schon schlimm genug“ Süddeutsche (18. Februar 2026)
- Harder, Bernd „Alles wie gehabt: Xavier Naidoo schwadroniert über Kannibalen, Dämonen und satanische Rituale“ skeptix (17. Februar 2026)
- Kramer, Enno „Xavier Naidoo zu Rehabilitierungsdebatte: Bei mir muss sich niemand entschuldigen“ Berliner Zeitung (16. Februar 2026)
- Kramer, Enno „Nach Epstein-Enthüllungen: Musiker fordern Entschuldigung bei Xavier Naidoo“ Berliner Zeitung (9. Februar 2026)
- Harder, Bernd „Verschwörungsleugner – was soll das denn sein? Und was hat Jeffrey Epstein damit zu tun?“ skeptix (8. Februar 2026)
- Harder, Bernd „Exakt nichts. Null.“: Naidoo-Comeback ohne Distanzierung“ skeptix (28. Dezember 2025)
- Meineck, Sebastian „So radikalisiert Xavier Naidoo seine Fans mit Verschwörungstheorien“ vice (16. April 2020)
- „Satanistische Eliten“ bei Wissenschaftswelle
- „Epstein-Dossier“ bei Mimikama
Titelfoto: Youtube


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