
„Besondere Ernährungsformen und spezifische Diäten“ sind ein Schwerpunkt der aktualisierten S3-Leitlinie „Klinische Ernährung in der Onkologie“. Mit elf Empfehlungen ordnet die Leitlinie zum Beispiel ketogene Ernährung oder die sogenannte Krebsdiät nach Breuß kritisch ein:
Bislang zeigten Studien nach Aussagen des Leitlinienteams für diese Ernährungsformen keinen positiven Nutzen – durch die Nahrungsrestriktionen kann es vielmehr zu Mangelernährung kommen.
Die Leitlinienkoordinatorin Jutta Hübner vom Universitätsklinikum Jena hatte sich bereits im vergangenen Jahr im Spiegel gegen „Krebsdiäten“ positioniert:
Es gibt keine wissenschaftlich gesicherte Ernährungsform, die eine bestehende Krebserkrankung gezielt bekämpfen könnte. Die wichtige Botschaft für Betroffene ist jedoch: Man kann die Ernährung so optimieren, dass sie die Therapie unterstützt.
Das Ziel ist eine Kost, die Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße im richtigen Verhältnis liefert und alle Mikronährstoffe abdeckt, die der Körper benötigt. Also im Wesentlichen das, was man auch einem gesunden Menschen empfehlen würde.

Spiegel: Auf sozialen Medien wird teilweise propagiert, dass man auf Zucker verzichten solle, um das Krebswachstum zu bremsen. Ist da etwas dran?
Hübner: Das ist eine alte Theorie, die wissenschaftlich nicht haltbar ist. Selbst wenn man den Zucker weglässt, entzieht man den Krebszellen in keiner Form die Energie.
Ein noch krasserer Schritt ist die ketogene Ernährung, bei der man kaum noch Kohlenhydrate zu sich nimmt. Das sehe ich im Rahmen einer Krebserkrankung ausgesprochen kritisch.
Spiegel: Auf sozialen Medien werben Influencer exzessiv für Nahrungsergänzungsmittel oder gar Vitamininfusionen – für gesunde Menschen. Manche Praxen bieten jedoch hoch dosierte Vitamininfusionen speziell für Menschen mit Krebserkrankung an. Bringt das tatsächlich etwas?
Hübner: Ja, für das Bankkonto der Anbieter.
Eine generelle positive Wirkung von zusätzlichen Vitaminen, Mineralstoffen oder sonstigen Mikronährstoffen ist bei Krebserkrankungen weder belegt noch plausibel. Sie können mitunter sogar schädlich sein und die Therapie gefährden. Es gibt unzählige Studien, die eines immer wieder zeigen: Sowohl bei Mikronährstoffen wie Vitaminen als auch bei Makronährstoffen wie Fett oder Eiweiß gibt es einen bestimmten Bereich, der gesund ist.
Diesen können unsere Patientinnen und Patienten in den allermeisten Fällen durch eine optimierte Ernährung erreichen.
Spiegel: Wie können Betroffene unseriöse Empfehlungen und Angebote erkennen?
Hübner: Jede einseitige Ernährungsform, die bestimmte Lebensmittel komplett verbietet oder einzelne Speisen überbetont, ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht gut für den Körper – und damit auch im Rahmen einer Krebserkrankung ungünstig.
Ansonsten gilt: Für alles, was dem Körper künstlich in Form von Tabletten, Kapseln oder Spritzen zugeführt wird, sollte es einen medizinisch nachgewiesenen Grund geben.
Studien haben gezeigt, dass selbst niedrig dosierte Nahrungsergänzungsmittel, wie man sie in Drogeriemärkten findet, bei einer Krebstherapie Probleme verursachen können.
In der Pressemitteilung der Deutschen Krebsgesellschaft zur Leitlinie onkologische Ernährungsmedizin heißt es:
Für vegetarische oder vegane Ernährung fehlt noch die Evidenz, um eine Empfehlung dafür oder dagegen auszusprechen. Bis verlässliche Studien vorliegen, ist für onkologische Patient*innen eine sorgfältige Planung zwingend erforderlich, um Mangelernährung zu vermeiden.
Zu finden ist die Leitlinie hier.
Zum Weiterlesen:
- „Absage an Krebsdiäten: S3-Leitlinie für onkologische Ernährungsmedizin aktualisiert“ Deutsches Ärzteblatt (23. Februar 2026)
- „S3-Leitlinie onkologische Ernährungsmedizin aktualisiert: Keine Empfehlungen für Krebsdiäten“ Krebsgesellschaft (23. Februar 2026)
- Faßnacht-Lee, Katrin „Ernährung bei Krebs: Keine Empfehlung für Krebsdiäten“ aponet (23. Februar 2026)
- Aé, Julian „Man kann die Ernährung so optimieren, dass sie die Krebstherapie unterstützt“ spiegel (18. September 2025)
- „Krebs: Das falsche Fastenversprechen“ DocCheck (27. April 2018)
Titelfoto: Freepik


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