Rituelle Gewalt und Falscherinnerungen: Von den schwarzen und blinden Flecken einer Verschwörungstheorie

(Lesedauer ca. 7 Minuten)

Die Szene reagiert überaus vorhersehbar auf die Zeit Verbrechen-Serie zum Thema Falscherinnerungen mit den bisher erschienen zwei Folgen:

Vor allem bei Instagram demonstriert man weiterhin Faktenresistenz:

https://www.instagram.com/p/DRxGt2ADbmp/

In einem aktuellen Welt-Interview beantwortet der forensische Psychiater Frank Urbaniok noch einmal die Dauerfragen dazu, etwa warum Patient:innen wie Therapeut:innen nach Konstrukten wie „ritueller“ Missbrauch greifen:

Nicht selten gehen Falschbeschuldigungen von Personen aus, die fast dankbar nach dem Konstrukt sexueller Missbrauch greifen, weil für sie eine Identität als Opfer psychologisch attraktiv ist. Denn nun können sie sagen: „Endlich habe ich eine Erklärung für alle Probleme in meinem Leben.“

Das bedeutet für sie Anerkennung, Mitleid und die Sicherheit: Ich bin gut, alle anderen sind böse. Das ist ein identitätsstiftendes Narrativ.

Und:

Auch für den ist Therapeuten das eine Art Gewinn: Er hat vorbildliche Arbeit geleistet und die verschüttete Wahrheit aufgedeckt. Manche Therapeuten sind sehr anfällig für Befangenheit: Schablonenhaft stülpen sie ihren Patienten vermeintlich universelle Erklärungen über – und das ist das Gegenteil von Ergebnisoffenheit.

Die Idee des Unbewussten ist hierbei ein Einfallstor für alle möglichen Absurditäten. Sie können als Therapeut immer sagen: „Der Patient kann das gar nicht wissen. Nach außen wirkt er vielleicht so, aber nach innen ist es ganz anders.“

Das ist leider sehr weitverbreitet. Mich stört das wahnsinnig.

https://kurzlinks.de/lm23

Und natürlich gibt es Scheinerinnerungen:

Ein klassischer Versuchsaufbau funktioniert so: Der Untersucher geht zu Ihren Eltern und fragt nach zwei Geschichten aus Ihrer Kindheit – eine, die passiert ist, und eine, die hätte passiert sein können.

Im Anschluss werden Ihnen beide Geschichten erzählt.

Von den Versuchsteilnehmern können 50 Prozent die falsche Geschichte nicht identifizieren und 30 Prozent entwickeln falsche Erinnerungen daran: Stimmt, das Pony war schwarz, es war ein sehr kalter Tag, mein T-Shirt war blau.

Am Ende wiederholt Urbaniok zum x-ten Mal:

Selbstverständlich gibt es Opfer fürchterlicher Sexualstraftaten. Aber Falschbeschuldigte sind auch Opfer. Diese beiden Opfergruppen sollten wir nicht gegeneinander ausspielen.

Zwei aktuelle Recherchen dazu:

Die WAZ beschreibt,

… wie unzuverlässig unser Gedächtnis ist. Wie sehr psychisch labile Menschen unprofessionellen Therapeuten ausgeliefert sind. Und wie das unser Justizsystem herausfordert, und Familien zerstören kann.

https://kurzlinks.de/jgn5

Es geht um zwei Fälle:

Zum einen um die 25-jährige Luisa, die ihren Vater und Großvater des Missbrauchs beschuldigt. Die Mutter soll davon gewusst, die Taten gefilmt und ihre Tochter fremden Männern zugeführt haben.

Und auch hier findet sich wieder einmal der Satz:

Alle diese schrecklichen Taten habe sie lange verdrängt, gibt Luisa an. Bis sie in Berlin eine Traumatherapie startete. Der Experte habe ihr geholfen, ihre Erinnerungen zurückzugewinnen

Nichts davon stimmte, die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen schließlich ein.

Zum anderen um eine Frau namens Brigitte, die wegen Alltagsproblemen und Überforderung Hilfe suchte:

„Schon in der ersten Sitzung hat mir die Therapeutin gesagt, dass sie bei mir rituelle Gewalt sieht“, erzählt sie.

Brigittes Therapeutin habe sie zusätzlich an eine Lebensberaterin vermittelt. Die beiden hätten ihr erklärt: Sie sei in einen rituellen Kult hineingeboren. Schon als Kind habe sie Hasen und Katzen opfern müssen. Später habe sie während eines satanistischen Rituals ein Kind gebären müssen, das direkt nach der Geburt geopfert wurde.

Brigitte habe die Erinnerungen daran verdrängt. Das erkläre ihre aktuellen Probleme. Erst, wenn sie sich mit Hilfe der beiden Beraterinnen endlich erinnert, gehe es ihr besser. „Sie haben mir Filme und Bücher gegeben, in denen grausame Taten gezeigt wurden. Genau das wäre mir passiert, haben sie gesagt. Ab dann ging es in meinem Kopf völlig ab. Ich hatte Albträume bis zum Abwinken.“

Sprechen sollte sie darüber mit niemandem. „Sie haben mir gesagt, alle stecken da mit drin: Ärzte, Polizei, Anwälte.“

Aus dem Zusammenhang kann man schließen, dass es wohl um die Beratungsstelle „Organisierte sexuelle und rituelle Gewalt“ in Münster geht, die 2023 vom Bistum geschlossen wurde, nachdem der Spiegel über den „Wahn der Therapeuten“ dort berichtet hatte.

Wie stark Betroffene immer noch unter dieser Quacksalberei leiden, schildert der Journalist Sebastian Fobbe im Münsteraner Online-Magazin Rums:

https://www.rums.ms/beitraege/die-eingeredete-kranke/

Ursula Michel (Name geändert) war bei einer der vom Spiegel inkriminierten Therapeutinnen in Behandlung:

Statt Hilfe zu erhalten, sei Ursula Michel immer weiter in Verwirrung geraten. Alles, was Michel ihrer Beraterin anvertraute, deutete Jutta Stegemann als Hinweis auf rituelle Gewalt.

Heute sagt Ursula Michel: Von all dem, was Stegemann ihr jahrelang erzählte, immer und immer wieder, stimmt – nichts […]

Je länger die Beratung dauerte, desto schlechter sei es Michel gegangen. Ständig sei sie von Horrorgeschichten über rituellen Missbrauch umgeben gewesen.

Pikant: „Immer wieder“ hätten sich Klientinnen über „die Art der Beratung“ in Münster beschwert, teilte die bischöfliche Pressestelle Rums mit:

Aber warum hatte niemand eingegriffen?

fragt Fobbe zu Recht.

Erst vor zwei Monaten, im Oktober 2025, räumte das Bistum Münster ein, dass die Schließung der Beratungsstelle „aus heutiger Sicht deutlich zu spät erfolgt“ sei – und veröffentlichte zugleich ein Gutachten über ein dutzend Fälle von angeblicher „ritueller“ Gewalt, das „keinen einzigen belastbaren Hinweis auf die beschriebenen Vorwürfe“ erbrachte.

Dazu zählen auch die Schilderungen einer jungen Frau (Seite 114 ff. des Gutachtens), die in der Doku „Blinder Fleck“ als eine der Kronzeuginnen auftritt. Eine weitere Protagonistin des Films ist von Zeit Verbrechen als völlig unglaubwürdig entlarvt worden.

Überhaupt ist auffallend, dass Rezensent:innen, die mit der RG-MC-Verschwörungstheorie vertraut sind, die Dokumentation von Liz Wieskerstrauch als das delusorische Machwerk identifizieren, das es ist (zum Beispiel hier oder hier) – während unbedarfte professionelle Filmkritiker allen Ernstes von einem „mutigen Aufklärungsfilm“ oder Ähnlichem sprechen (zum Beispiel hier oder hier). Sogar als „Besonders wertvoll“ wurde „Blinder Fleck“ von der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW) ausgezeichnet.

Beim „Snowdance Independent Film Festival“ im Februar in Essen ist die Doku als „beste Dokumentation“ nominiert. Die Sekteninfo NRW hat in einem Schreiben an die Verantwortlichen darauf hingewiesen, dass „Blinder Fleck“

… nicht dem aktuellen wissenschaftlichen Stand zur Thematik „Rituelle Gewalt“ entspricht und verschwörungstheoretische Inhalte unkritisch transportiert.

Die Einlassungen von Festivalleiter Thomas Bohn dazu könnten bezeichnender kaum sein. Bohn hebt „den Mut“ hervor, den es erfordere, sich diesem „sehr besonderen“ Thema anzunehmen. Er sei nach der Sichtung des Films „hin- und hergerissen“ gewesen, „von den Aussagen der Befragten und von dem spürbaren Leid der Betroffenen“. Ob dieses „nun von tatsächlichen Geschehnissen oder einer seelischen Erkrankung herrührt“, könne und wolle er nicht beurteilen.

Eine genau solche Einstellung hat die jahrzehntelangen Umtriebe in Münster erst ermöglicht. Dass Bohn in seiner Antwort den Film durchgehend „Der Schwarze Fleck“ nennt, sagt eigentlich auch schon alles aus.

Zum Weiterlesen:

Titelfoto: Freepik

Kommentare

14 Antworten zu „Rituelle Gewalt und Falscherinnerungen: Von den schwarzen und blinden Flecken einer Verschwörungstheorie“

  1. Zitat:

    „Nicht selten gehen Falschbeschuldigungen von Personen aus, die fast dankbar nach dem Konstrukt sexueller Missbrauch greifen, weil für sie eine Identität als Opfer psychologisch attraktiv ist. Denn nun können sie sagen: „Endlich habe ich eine Erklärung für alle Probleme in meinem Leben.“ Das bedeutet für sie Anerkennung, Mitleid und die Sicherheit: Ich bin gut, alle anderen sind böse. Das ist ein identitätsstiftendes Narrativ.“

    Aus irgendeinem Grund, den ich noch nicht erfasst habe, geht mir diese Aussage hier zu weit.

    Konkret kann ich noch nicht sagen, wieso mich diese Aussage stört, mit Sicherheit geschieht das nicht aus einem Trigger heraus.

    In jedem Fall möchte ich daran appellieren, an der Stelle vorsichtig zu sein/zu bleiben – wieder zu werden(?).

    Vielleicht gibt es für diese Aussagen seriöse Studien? Das würde mir ggf. weiterhelfen.

  2. Gibt es das Schreiben der Sekteninfo NRW irgendwo öffentlich zu lesen? Oder die Antwort von Thomas Bohn?

  3. Bernd Harder

    @Sebastian:

    Derzeit nicht.

  4. Als Betroffene einer Fehltherapie mit dem Hintergrund „rituelle Gewalt“ ist es wirklich sehr schwer auszuhalten welche Bühne der Film von Liz Wieskerstrauch bekommt. Die Folgen der Fehltherapie sind so gravierend, der Leidensdruck ist groß und Hilfe für Betroffene kaum zu finden. Und die „Szene“ verbreitet ungehindert weiter erfolgreich all die Thesen, die so viel Leid anrichten.

    Umso wichtiger ist die Aufklärungsarbeit hier, Danke für dieses unermüdliche Engagement.

  5. Bernd Harder

    @Ines:

    Aus irgendeinem Grund, den ich noch nicht erfasst habe, geht mir diese Aussage hier zu weit.

    Verstege ich, aber „nicht selten“ heißt ja nicht „immer“.

    Es mag wohl solche Fälle geben.

    – Ergänzung:

    In dem Interview mit Herrn Urbaniok werden die Themen „Falschbeschuldigungen“ und „Falscherinnerungen“ nicht klar und differenziert voneinander abgegrenzt. Diesen Umstand habe ich im obigen Artikel nicht hinreichend kontextualisiert.

    Einen Zusammenhang zwischen „Falschbeschuldigungen“, „Falscherinnerungen“ und einem subjektiven psychologischen Benefit sehe ich zumindest in einem Fall gegeben, der hier im Kommentarbereich immer wieder angesprochen wird – nämlich jene Dame auf Seite 114 ff. im Münsteraner Gutachten, die ganz konkret gegen eine (nicht mehr lebende) Person (offenkundig absurde) Anschuldigungen vorbringt und ihre – Zitat aus dem Gutachten – „diesbezüglichen Tätigkeiten zum Thema Rituelle Gewalt und DIS als ihr einziges Hobby bezeichnet“, wobei sie auch „vor die Kamera tritt und Portraitfotos druckt“:

    Dieses Verhalten ist bei einer akut bestehenden Lebensgefahr durch einen (insbesondere auf Vertuschung wert legenden) Kult für uns nicht nachvollziehbar,

    schreiben die Gutachter.

    In diesem Kontext habe ich das Urbaniok-Statement zitiert.

  6. […] Generalisierung wird im skeptischen Diskurs aufgegriffen und verstärkt. In der Einordnung durch Bernd Harder, der Urbaniok zitiert und dessen Aussagen in einen umfassenden Text zur Verschwörungstheorie „rituelle Gewalt / Mind […]

  7. Bernd Harder

    @Analytische Kritik:

    siehe meine aktuelle Ergänzung.

    Ich möchte zusätzlich noch auf diese Passage im Urbaniok-Interview hinweisen:

    Es gab schlimme Zeiten, in denen Opfern prinzipiell nicht geglaubt wurde. Auch die Frauenbewegung hat im Zusammenhang damit in den 70er- und 80er-Jahren Wichtiges erreicht. Es gibt auch heute noch Opfer, die Schwierigkeiten haben, zu ihrem Recht zu kommen. Die haben unsere volle Unterstützung und Solidarität verdient. Das sage ich als jemand, der seit 33 Jahren mit den grausamsten Sexualstraftaten und den Opfern solcher Taten zu tun hat.

    Das heißt aber nicht, dass wir alle Aussagen unkritisch entgegennehmen müssen. Indem man Phänomene wie Falschbeschuldigungen nicht offen benennt, schadet man dem berechtigten Anliegen. Aus ergebnisoffenem und sorgfältigem Prüfen kann gar kein Problem für echte Opfer entstehen. Im Gegenteil: Sie profitieren davon, dass die schwarzen Schafe, die Falschbeschuldiger, identifiziert werden.

  8. Deine nachträgliche Klarstellung ist in mehreren Punkten korrekt und sehr fair. Der entscheidende Punkt liegt jedoch nicht in der späteren Präzisierung – inklusive der ausdrücklich benannten Solidarität mit realen Opfern –, sondern in der ursprünglichen Formulierung:

    „Nicht selten gehen Falschbeschuldigungen von Personen aus, die fast dankbar nach dem Konstrukt sexueller Missbrauch greifen …“

    Diese Aussage ist inhaltlich problematisch, selbst bei wohlwollender Lesart.

    „Nicht selten“ ist eine empirische Aussage. Es handelt sich dabei nicht um einen rhetorischen Füllsatz, sondern um eine Formulierung, die Häufigkeit und damit ein relevantes Muster suggeriert. Dafür gibt es weder eine belastbare Datenlage noch eine klare Eingrenzung auf Extrem- oder Randphänomene. In einem forensischen Kontext ist das unscharf – und in dieser Form zumindest diskursiv problematisch.

    Du schränkst die Aussage nun ein, das klärt vieles, ändert aber nichts an der Wirkung der ursprünglichen Formulierung. Die Bezugnahme auf einen konkreten Extremfall ist nachvollziehbar, genau diese Spezifizierung findet sich jedoch im ursprünglichen Zitat nicht. Insofern bin ich froh über die nachträgliche Klarstellung, halte die Kritik am Ausgangspunkt aber weiterhin für berechtigt.

    Was bleibt:
    Urbaniok hat mit der Formulierung „nicht selten“ einen Fehler gemacht.
    Nicht moralisch, sondern wissenschaftlich und diskursiv.
    Er ist ein von mir geschätzter Psychiater, auf dessen Expertise ich großen Wert lege. Umso deutlicher war mein Unbehagen beim Lesen dieser Passage – noch bevor ich sie im weiteren Kontext verortet habe.

    Danke noch einmal für die Präzisierung, ich füge es in meinem Artikel hinzu.

  9. Bernd Harder

    Es ist nicht nachzuvollziehen, wie Fachleute auf die Idee von satanistischen Sekten kommen, die angeblich Babys ermorden. Das sind reine Einbildungen der Therapeutinnen. In der Schweiz ist kein einziger Fall von systematischer ritueller Gewalt bekannt.

    https://www.watson.ch/blogs/sektenblog/776312879-sektenblog-wenn-therapeutinnen-falsche-erinnerungen-einimpfen

  10. @Luna Danke, dass du das teilst. Ich bin auch in Teilen davon betroffen. Dass es (von staatlicher Seite aus) keine Anlaufstelle gibt ist schwer zu ertragen.

    Zu RAMCOA:

    „Auch im Programmierzentrum, wo ebenfalls ein sehr extremes Ausmaß an F*lter stattfindet, waren immer Ärzteteams anwesend, und wir haben ja schon einmal erklärt, dass die Programmierer dort in Teams gearbeitet haben, es also den Hauptprogrammierer, den zweiten Programmierer und den medizinischen Programmierer gibt – wir selbst haben die Ausbildung zum med. Programmierer gemacht, welcher selbst keine Gewalt ausübt, sondern die Vitalwerte des Kindes während der gesamten Prozedur/Tortur streng bewacht.

    Für diese ganzen medizinischen Check-ups und Notfallbehandlungen waren bei uns im System aber vor allem Innenkinder zuständig, zu denen wir nicht viel Kontakt haben. Deswegen berichten wir selten darüber. (Außerdem reden wir generell nicht gerne darüber.)

    Das alles erklärt aber vielleicht unsere große, große Angst vor Ärzten und unseren Widerwillen, ärztliche Untersuchungen über uns ergehen zu lassen (denn theoretisch müssten wir heute viel häufiger zum Arzt gehen, als wir es praktisch machen; aber mehr geht einfach nicht), weil Ärzte für uns NIE positiv besetzt waren, selbst wenn sie uns mehr als einmal das Leben gerettet oder uns reanimiert haben.

    Wir haben sie nie als Retter gesehen, sondern bloß als weitere Aggressoren, deren einzige Aufgabe war, uns für noch mehr Gewalt am Leben zu erhalten.“

    „Die inneren Archive, in denen sich tausende Codes finden lassen, sind auch ein Archiv für die realen Programmierer. Wenn sie etwas in Erfahrung bringen wollen, müssen sie nur eine Akte o. Ä. nach Vorne in den Körper rufen, ohne umständlich selbst in ihren Unterlagen nachzuschauen, die in dem Moment vielleicht nicht immer zugänglich sind.“

    Das ist ein Teil einer Antwort aus einem „Q&A“ (Instagram), die eine Person (die ich hier nannte) dort teilt. Die Person hat fast 10.000! Follower. Es gibt viele dieser Q&As (sie hat auch ein Buch veröffentlicht).

    Sie teilt Unmengen an „Informationen“ und Details, oft enden detailreiche Antworten dann aber mit:

    „wir möchten hier auch nicht näher darauf eingehen.“
    „mehr wollen und können wir nicht teilen“.

  11. @Ines @Bernd Harder

    „Nicht selten gehen Falschbeschuldigungen von Personen aus, die fast dankbar nach dem Konstrukt sexueller Missbrauch greifen, weil für sie eine Identität als Opfer psychologisch attraktiv ist. Denn nun können sie sagen: „Endlich habe ich eine Erklärung für alle Probleme in meinem Leben.““

    Diese Anmerkung finde ich sogar unnötig, da es um ein Prinzip geht, welches vermutlich auf alle „Diagnosen“ angewendet werden kann -> Hauptsache man findet in irgendeiner Blase seinen Platz und irgendeine entlastende Erklärung für die eigenen Probleme. Egal um welche Bubble es sich dabei handelt, bekommt man ein Angebot von sozialer Zugehörigkeit, sowie Entlastung durch eine Diagnose.

    Wichtiger zu betonen fände ich an dieser Stelle, dass Zustände von Labilität anfällig für Suggestionen machen und damit den angesprochenen Fehltherapien Tür und Tor geöffnet wird.

    Zusätzlich handelt es sich bei diesem Krankheitsgewinn um keinen bewussten Prozess, sondern entsteht vermutlich dadurch, dass ein Individuum ganz automatisch versucht die Grundbedürfnisse zu befriedigen.

    Ein Punkt der ebenfalls berücksichtigt werden sollte: Hat jemand False Memories, können diese nicht von wahren Erinnerungen unterschieden werden.

    Ich empfinde die Aussage von Urbaniok in der Hinsicht etwas unglücklich, da es auf mich so wirkt, als würde eine Art Absicht hinter dem Handeln stecken. Wobei ich eher davon ausgehe, dass er lediglich die Mechanismen dahinter erklären möchte.

    Auch bei der Frau aus dem Münsteraner Gutachten weiß man nicht, ob es sich um False Memories oder kalkulierte Lügen handelt. Eine Meinung darf man sich natürlich trotzdem dazu bilden.

  12. Sebastian, ich glaube, hier werden zwei Dinge miteinander vermischt, die fachlich nicht dasselbe sind. Der Begriff des Krankheitsgewinns stammt aus der Psychodynamik und beschreibt mögliche sekundäre Effekte eines Krankseins oder Krank-Sein-Dürfens – etwa Entlastung, Schonung oder Zuwendung. Er unterstellt dabei weder bewusste Absicht noch sagt er etwas über die Wahrheit oder Unwahrheit eines Symptoms aus. Vor allem bezieht er sich auf einen Krankheitszustand oder Symptome, nicht auf ein äußeres Gewaltgeschehen.

    Sexueller Missbrauch ist jedoch keine Diagnose und kein innerpsychischer Zustand, sondern eine Gewalthandlung, ein Geschehen von außen. Wenn man beginnt, das Opfersein selbst oder den Missbrauch funktional zu deuten – also im Sinne eines „psychologischen Gewinns“ –, verschiebt sich der Fokus weg vom Geschehen hin zur vermuteten Motivation der betroffenen Person. Das ist etwas anderes als die klinische Rede von Krankheitsgewinn.

    Wenn wir darauf nicht achten, steht nicht mehr primär die Frage im Raum, was jemandem angetan wurde, sondern wofür jemand dieses Erleben möglicherweise „nutzt“. Diese Ebenen sauber getrennt zu halten, halte ich für zentral.

  13. @Ines

    Stimmt, in Bezug auf Missbrauch passen meine Ausführungen nicht. Da war ich in meinen Gedanken wohl zu sehr bei dem RG-MC Narrativ und der dazugehörigen DIS.

    Danke für die Richtigstellung.

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