„Satanistisch-rituelle“ Gewalt endlich bewiesen – wirklich?

(Lesedauer ca. 9 Minuten)

„Satanistisch-rituelle“ Gewalt ist jetzt endlich bewiesen – da sind sich die Deutsche Gesellschaft für Trauma & Dissoziation (DGTD), Liz Wieskerstrauch, Michaela Huber und selbstdefinierte Betroffene (etwa hier oder hier) einig.

Sie alle berufen sich auf diesen Spiegel-Artikel vom 1. Dezember:

https://kurzlinks.de/9yw3

Die kurze Meldung basiert auf einer Pressemitteilung der Polizei von New South Wales, die vier Männer wegen Besitz und Verbreitung von Kindesmissbrauchsdarstellungen festgenommen hat, darunter ein 26 Jahre alter „Selbstjustizjournalist“ namens Landon Ashton Versace Germanotta-Mills:

Was genau es mit diesem „international satanic child sex abuse material ring“ auf sich hat beziehungsweise was auf den Dateien zu sehen ist, wird nicht näher beschrieben. Laut 9News sagte Superintendent Jayne Doherty, Commander of the New South Wales sex crimes squad:

They used symbols and rituals [linked to Satanism and the occult] around it in the discussions about abusing children. It had a ritualistic overview.

Weitere Informationen zu dem Fall gibt es zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Eine Einordnung als „satanistisch-rituell“ ist derzeit nicht möglich. Ein erster Gerichtstermin ist für Ende Januar anberaumt.

[Update: Im April 2026 ist Landon Ashton Versace Germanotta-Mills gegen Kaution aus der Haft entlassen worden.]

Michaela Huber weist in ihrem Posting vom 2. Dezember zusätzlich darauf hin, dass „in Hamburg im Sommer endlich der Kopf eines sadistisch-satanischen Online-Missbrauchrings festgenommen wurde“. Damit ist offenkundig „764“ gemeint. Sogar in einer Erstinformationsquelle wie Wikipedia kann man nachlesen, dass

… das 764-Netzwerk in Medienberichten häufig als satanistisch, nationalsozialistisch oder rechtsextrem beschrieben [wird], was jedoch nur in Teilen zutreffend ist, da sich Mitglieder von 764 häufig nur die entsprechende Symbolik zu eigen machen und als primär sadistisch motiviert beschrieben werden.

Darauf hatten wir schon im Juni hingewiesen:

Seitdem ist mehr als ein halbes Jahr vergangen. Der Prozess gegen den 21-jährigen „Kopf“, der sich „White Tiger“ nannte, beginnt am 9. Januar. Schauen wir uns den aktuellen Stand an:

Spiegel-Redakteur Roman Höfner, der nach eigenem Bekunden „unzählige Chatnachrichten aus der Szene“ analysiert, „Mitglieder identifiziert“ und „Gerichtsakten gelesen“ hat, streift in seinem Hintergrundartikel

vom 29. Dezember den Begriff „Satanismus“ genau ein Mal:

https://kurzlinks.de/hx4u

In einem Shortcut dazu spricht Höfner von einem „nihilistischen Hintergrund, zumindest in den meisten Fällen“ (ab Minute 3:10):

https://www.youtube.com/watch?v=79j_7M2kpzY

Ich würde das Netzwerk als einen Schmelztiegel für Online-Radikalisierung bezeichnen […]

Die Täter wollen nicht Teil unserer Gesellschaft sein. Sie wollen sie entweder zerstören oder sie wollen einfach nur irgendeine Art von Cloud oder Berühmtheit in der Szene erlangen, dadurch, dass sie möglichst abscheulich und möglichst empathielos sind. Man könnte also fast sagen, es ist in vielen Fällen Gewalt nur um der Gewalt willen.

Es gibt in diesem Netzwerk aber auch Leute, die sicher pädophile Tendenzen haben, die sadistische, eventuell sogar soziopathische oder psychopathische Tendenzen haben. Und es gibt auch Leute, die rechtsradikale Ideologien verfolgen.

Moderatorin: Also es geht nicht darum, Kinder und Jugendliche wirklich zu treffen, sondern sie anzustiften, zu Taten, sich selbst zu verletzen.

„The COM“ – das gesamte Netzwerk, aus dem „764“ hervorging – besteht nach Höfners Einschätzung aus Gruppen, „die sich eher mit Cybercrime beschäftigen, mit Hacking oder anderen Formen der Kriminalität“, und aus Rechtsextremisten. Der Großteil der Mitglieder mache aber „im Prinzip nichts anderes, als Kinder zu quälen vor der Kamera und im schlimmsten Fall in den Tod zu treiben“.

In der Spiegel-Titelgeschichte (49/2025 vom 28. November)

wird der Hauptangeklagte „White Tiger“ als „Rassist, Nazi, pädophil und stolz darauf“ (Selbstaussagen von Shahriar J.) bezeichnet – „Satanismus“ kommt auf den drei Doppelseiten nicht vor.

In England wurde im Januar 2025 das „764“-Mitglied Cameron Finnigan (19) zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Genau wie bei dem aktuellen Fall in Australien ist in einer Pressemitteilung der Polizei die Rede von einer „Satanic extremist group“. Gemeint ist damit „764“ – was aber eben nicht stimmt.

Als „Beweise“ führt der Artikel einen Wandbehang in Finnigans Zimmer mit einem Baphomet (die BBC zeigt ein Foto davon) sowie eine „verunstaltete“ Bibel, „Pentagramme und Hakenkreuze“ an. Das Gerichtsurteil hält eine

… fascination with Satanic symbols such as pentagrams, texts and symbols written in blood and red paint on floors and doors

fest.

Der BBC-Podcast Assume Nothing spricht denn auch nüchtern von der künstlichen Erschaffung eines jugendlichen (Pseudo-) Satanisten:

https://www.bbc.com/audio/play/p0m97p3r

In Folge 4 kommt Finnigans Mutter zu Wort (ab Minute 15:55), die nichts von satanistischen Aktivitäten ihres Sohnes zu berichten weiß.

In Texas steht derzeit das 19-jährige „764“-Mitglied Alexis Aldair Chavez vor Gericht. Für die Justizbehörden ist „764“ eine Nihilistic Violent Extremist group, die nicht dem Satanismus, sondern dem Akzelerationismus nahestehe.

Darüber hinaus kramt die Youtuberin DIS-obey noch den 15 Jahre alten Fall des selbsternannten „Propheten“ und Kirchenführers Warren Jeffs heraus:

https://www.youtube.com/watch?v=zSqJngkTr6E&t=997s

Sie sieht darin sexuellen Missbrauch „durch Ideologie, Glauben und so weiter“ – was nicht haltbar ist, wie wir hier ausführlich erklärt haben.

Sätze wie „Sie solle den Geist Gottes spüren“ fallen in die gleiche Kategorie wie etwa „Gott will das so“ oder „Sie sollen vergeben und vergessen“ und gehören zu den klassischen Tatbegehungsstrategien von Missbrauchstäter:innen, wozu auch zum Beispiel „esoterische Rituale unter dem Deckmantel der Spiritualität“ gehören können oder „the pretence of devils and witchcraft“:

©Jasmina Eifert, M.Sc. Psychologin

Dabei handelt es sich aber genauso wenig um „rituellen“ Missbrauch („mit einer Ideologie als Begründung oder Rechtfertigung von Gewalt“) wie bei dem, was Liz Wieskerstrauch neuerdings als „Beweis“ anführt – nämlich sexualisierte Gewalt durch katholische Priester, die ihrem Opfer erklärten, man müsse bei ihm den Teufel austreiben. Noch einmal:

Manipulationsstrategien sind keine „rituelle Gewalt“

Wieso ist das wichtig?

Wir stimmen unserem Kommentator „Sebastian“ vollumfänglich zu, wenn er schreibt:

Ich fühle mich schlecht dabei, solche Verbrechen relativieren zu müssen, weil vereinzelte Personen und Organisationen sich diese Pressemitteilung [der Polizei von New South Wales] zunutze machen.

Aber perfide ist eben auch, dass „Personen und Organisationen“ schwerste Verbrechen für ihr unsinniges „Rituelle Gewalt“-Narrativ instrumentalisieren. Warum unsinnig? Das hat die Psychologin Bette Bottoms bereits in den 1990ern dargelegt:

https://kurzlinks.de/tr5h

It has proven socially dangerous to combine such different phenomena as
abuse by a compulsive, demented individual and ideologically motivated abuse inflicted by religious or satanic cult members.

Der Begriff „rituell“ sei zu breit geworden, um als nützliche wissenschaftliche Kategorie zu dienen. Wer daher über Gewalt, die von einem satanistischen Kult verübt wird, sprechen möchte, solle den Begriff satanic cult abuse verwenden, wem es um besonders brutale und bizarre Formen des Missbrauchs gehe, solle das direkt sagen.

Das Gleiche gelte für Fälle von wiederholtem Missbrauch in Sekten. Alle diese verschiedenen Missbrauchsarten müssten begrifflich voneinander getrennt werden.

Solange das nicht geschieht, setzt sich die Szene dem Verdacht aus, mit dem „mysteriös, unglaublich, unbegreifbar“ klingenden Begriff „rituelle Gewalt“ lediglich Aufmerksamkeit generieren zu wollen – und sonst nichts.

Das kommt so langsam auch in den Medien an. Die Neue Osnabrücker Zeitung schreibt:

Dass religiöse Rituale und Strukturen für Missbrauch genutzt werden, kann niemand mehr leugnen.

Wir wüssten nicht, wer das je geleugnet hat – aber gut. Weiter:

Im Fokus stehen dabei mehr denn je Gruppen wie die früher in Osnabrück aktive Christusgemeinschaft: eine Bewegung innerhalb der katholischen Kirche, die sich um charismatische Führungspersonen scharte – und bald im Verdacht stand, ins Sektierertum abzugleiten.

2026 wird eine Studie der Universität Münster am Beispiel dieser Gemeinschaft zu erklären versuchen, was geistlicher Missbrauch bedeutet.

„Rituelle Gewalt“ im Sinne von Satanismus, „Mind Control“ oder Menschenopfer spielt dabei keine Rolle. Schon eher Manipulation, toxische Spiritualität, problematische Beichtpraktiken – und wie schnell die Grenze zu sexualisierter Machtausübung verschwimmt.

Genau darum geht es.

Und nicht darum, um jeden Preis einen Mythos aufrechtzuerhalten, mit dem man zum Beispiel Filme finanzieren oder Spenden einsammeln kann.

Zum Weiterlesen:

Titelfoto: Unsplash/Anastasija Puskas

Kommentare

27 Kommentare zu „„Satanistisch-rituelle“ Gewalt endlich bewiesen – wirklich?“

  1. Dass man erste Pressemitteilungen der Polizei in solchen Fällen nicht unkritisch lesen sollte, zeigt der fast 40 Jahre zurückliegende Fall der Finders-Kommune:

    https://hermanstadt.blogspot.com/2023/05/the-finders.html

    Damals behaupteten die ermittelnden Behörden (glaubten es vermutlich auch selber), sie hätten Beweise für rituellen Missbrauch und Tieropfer bei den Finders.

    Nichts davon bestätigte sich, aber ein Verschwörungsmythos entstand trotzdem: Die Polizei hatte ja anfänglich von Beweisen gesprochen, also musste es so sein, dass ein schwerer Fall von Satanic Ritual Abuse von den Behörden vertuscht wurde.

    Die Finders geisterten noch jahrelang als vermeintlicher Beleg für mächtige satanistische Kabale durch die verschwörungsideologischen Diskussionen.

  2. Mich ärgert es oft, wie platt einige „argumentieren“. Im Stil von: „Furchtbar, wenn Opfern nicht geglaubt wird. Welches Interesse kann dahinter stecken, Leuten ihr Erlebtes abzusprechen?“

  3. Bernd Harder

    @Christine:

    Ja, das schreibt Frau Huber ja praktisch wörtlich:

    Es muss endlich umfassend untersucht werden, wer in Deutschland, Österreich und Schweiz hinter den Diffamierungen der Opfer ideologisch motiverter Gewalt steckt und wer davon profitiert.

    Tja, und wer mag wohl vom Narrativ der RG-MC profitieren? Na, Frau Huber?

  4. Es ist so ermüdend, dass man über Jahre hinweg detailliert aufklärt und dann wirft irgendein Heini das Wort „Satanismus“ in den Ring, worauf sich die ganze ideologische Sippschaft stürzt.
    Wie Hyänen, die nach Blut lechzen.
    Für mich, die beide Seiten näher kennengelernt hat (also auch die aus dem VT-Huber-Netzwerk), ist das schwer zu ertragen.

    Zu sehen, dass ihr hier nun erneut beim 1×1 anfangen müsst, um den ganzen Sektenmist zu entwirren …

    Gut, dass ihr am Ball bleibt.

  5. Und was ist mit den Epstein Files und den Berichten, dass Täter*innen sogar Teile ermordeter Kinder gegessen haben?Auch das „nur“ eine Verschwörungstheorie?

  6. Bernd Harder

    @Rea:

    Wenn Sie den Blogpost gelesen haben, müssten Sie sich das eigentlich selbst beantworten können.

    Niemand bestreitet oder hat je bestritten, dass es organisierten sexuellen Missbrauch und schwerste Straftaten wie Kannibalismus etc. gibt.

    Die Rituelle Gewalt-Mind Control-Theorie hat aber ganz spezielle Grundannahmen, die weit darüber hinausgehen.

    Selbst die schwammige Minimaldefinition der UBSKM („eine Ideologie als Begründung oder Rechtfertigung von Gewalt“) trifft auf den Fall Epstein nicht zu.

    Bezieht man die weiteren Kernelemente von RG-MC mit ein (zitiert nach dem Münsteraner Gutachten)

    • zur Geheimhaltung der Taten im Besonderen und der Kultstrukturen im Allgemeinen werden gezielt Persönlichkeitsspaltungen bei den Opfern herbeigeführt,
    • diese Opfer hierdurch bis ins Erwachsenenalter „programmiert“ und „robotergleich“ gesteuert,
    • wobei die Opfer im Laufe der Zeit im Alltagsleben massive (insbesondere psychische) Probleme bekommen, derentwegen sie in psychotherapeutische Behandlung kommen,
    • im Alltag und in diesen Behandlungen lange Zeit keine Erinnerungen an das Täternetzwerk und das ihnen Widerfahrene haben,
    • bis sie diese Erinnerungen (erst) im Rahmen von Therapien wiedergewinnen.

    wird deutlich, dass nichts davon auf die Epstein-Enthüllungen zutrifft.

    Wenn ich Ihre Frage mit verschiedenen Stichwörtern in verschiedene KI eingebe, bekomme ich immer die gleiche Antwort, z.B.:

    In den offiziell veröffentlichten „Epstein-Files“ gibt es keine Belege für Satanismus oder rituelle Opferungen. Aktuelle Berichte und Analysen der Dokumente zeigen, dass entsprechende Behauptungen oft auf Fehlinterpretationen oder unbestätigten Online-Gerüchten basieren.

    Die Erwähnung von „ritualistischen“ Elementen in den neu veröffentlichten Epstein-Akten (Stand Januar/Februar 2026) bezieht sich primär auf unverifizierte Zeugenaussagen.

    Darunter fällt z.B. diese angebliche E-Mail:

    https://x.com/DiedSuddenly_/status/2017678231823126607

    Das bewegt sich in etwa auf dem Niveau der Schilderungen von Juliette Bryant.

    Es wäre eher umgekehrt zu fragen: Wenn die RG-MC-Theorie mit all ihren speziellen Grundannahmen stimmen würde, wieso konnte der Fall Epstein dann überhaupt aufgedeckt werden?

    Wieso haben überhaupt Zeuginnen ausgesagt, wenn es eine (der Wissenschaft unbekannte) Technik gäbe, mit der die Opfer mittels einer gezielten Persönlichkeitsaufspaltung programmiert und aussageunfähig gemacht werden können? Jeffrey Epstein war sicher wohlhabend, einflussreich und vernetzt genug, so dass ihm diese Mittel doch hätten zur Verfügung stehen müssen – wenn sie denn existieren würden, oder? Wieso ist Epstein überhaupt angeklagt und verurteilt worden, was in keinem Fall von angeblichem „rituellem Missbrauch“ jemals gelungen ist?

    Und noch eine Frage an Sie:

    Warum beharrt die RG-MC-Szene auf ihren unsinnigen Grundannahmen und dem Begriff „Rituelle Gewalt“, anstatt über realen sexuellen Missbrauch und echte Verbrechen zu reden? Warum vermischen Sie, wo es nur geht, reale Fälle und Fakten mit widerlegten Verschwörungstheorien, anstatt wirklichen Opferschutz zu betreiben?

    Dazu auch:

    https://www.snopes.com/fact-check/epstein-cannibalism-ritualistic-sacrifice/

    https://www.mimikama.org/epstein-files-lady-gaga-they-eat-humans/

    https://www.mimikama.org/epstein-akten-und-pizzagate-comeback/

    https://www.mimikama.org/epstein-akten-kannibalismus-ritualistische-opfer/

    https://www.instagram.com/p/DUsXlwuCOlK/

  7. Ob KIs schon auf dem aktuellen Stand sind ist fraglich.

    Für die Epstein Files gibt es eine Suchfunktion. Für „satan“, „ritual“ und „cannibalism“ werden auch Treffer angezeigt.

    Ein Vermerk ist aber noch lange kein Beweis, und wie im Deutschen wird zum Beispiel „ritual“ unterschiedlich interpretiert.

    Zum Beispiel bei folgender Aussage „Understanding sexual ritual is the key to investigating certain sex offenders….From an investigative point of view it is not always easy to distinguish between MO and ritual….Tying up someone for sexual gratification is called bondage and is ritual.“.

    Die Aussage zu „Cannibalism“ scheint von einer einzigen Person zu stammen die, so scheint es mir, gar nicht selbst befragt wurde.

    (https://www.justice.gov/epstein/files/DataSet%209/EFTA01246048.pdf)

    Steht jedem (ab 18 Jahren) frei selbst danach zu suchen: https://www.justice.gov/epstein

    Auch ohne diesen RG-MC Kram sind die Fälle schlimm genug und die Aufarbeitung eine reine Katastrophe.

  8. Bernd Harder

    @Sebastian:

    Mit „ritual“ scheint da in der Regel eher „systematisch“ gemeint zu sein.

  9. @Bernd Harder

    Zumindest in dem Fall.

    Ich glaube man kann zumindest festhalten, dass es eine schlampige Argumentation ist, einfach den Begriff „Epstein Files“ in den Raum zu werfen, nur weil man irgendwo und irgendwann einen Screenshot gesehen hat, wo jemand sich einzelne Wörter herausgepickt hat.

    Außerdem unterstelle ich, dass die wenigsten selbst einen Blick in die Akten geworfen haben.

    Zu den „Berichten“ wo Kinder gegessen worden sein sollen, finde ich lediglich einen einzigen Bericht, wo sogar noch erwähnt wird „initial conversation and mannerisms suggested some degree of possible mental illness or emotional instability.“

    Durch die Schwärzungen geht leider der Gesamtkontext verloren.

  10. Bernd Harder

    @Sebastian:

    Ich glaube man kann zumindest festhalten, dass es eine schlampige Argumentation ist, einfach den Begriff „Epstein Files“ in den Raum zu werfen, nur weil man irgendwo und irgendwann einen Screenshot gesehen hat, wo jemand sich einzelne Wörter herausgepickt hat.

    Frau Merkel taucht ja auch einige Male auf:

    https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_101111970/epstein-akten-angela-merkel-und-die-afd-tauchen-in-dokumenten-auf.html

  11. Die „ORG/RAMCOA“-Instagram Gemeinschaft sieht in den Veröffentlichungen jedenfalls die Bestätigung für „(satanic) ritual abuse“.

    * für „(satanic) ritual abuse“ im Sinne eines großen international agierenden (Elite-)Netzwerks.

  12. Bernd Harder

    @Tina W.

    Sehen die das nicht in jeder Veröffentlichung?

    für „(satanic) ritual abuse“ im Sinne eines großen international agierenden (Elite-)Netzwerks.

    Das ist nun aber auch nicht gerade der Hauptkernpunkt der RG-MC-Theorie.

  13. „Sehen die das nicht in jeder Veröffentlichung?“ – Ja…

    „Das ist nun aber auch nicht gerade der Hauptkernpunkt der RG-MC-Theorie.“

    Nein, das ist er nicht. Ich könnte mir aber vorstellen, dass man sich durch diese Veröffentlichung noch einmal gefestigter sieht.

  14. Als ob die gesamte Existenz davon abhängen würde irgendeinen Schnipsel von Beweis zu finden. Michaela Huber sprang zuletzt ja auch auf den Zug von 764 und White Tiger auf. Selbst wenn dieser gar nichts mit ihren bisherigen „Lehren“ zu tun hatte.

    Die Interpretation von „Ritueller Gewalt“ wird gelegentlich der Realität angepasst, aber den kompletten Absprung schaffen sie dann doch nicht. Der Kern muss anscheinend bleiben.

    Aber wem erzähle ich das … auch dazu gab es bereits einen Artikel hier im Blog.

  15. @Sebastian

    „Als ob die gesamte Existenz davon abhängen würde irgendeinen Schnipsel von Beweis zu finden.“

    Scheint so.

    Da macht es ja auch Sinn, Kritikerinnen*Kritikern der RG-MC-Theorie dann immer wieder zu unterstellen, man würde sexuellen Missbrauch nicht „wahrhaben“ (sondern „leugnen“) wollen oder die Augen davor verschließen, dass es Netzwerke, Verbindungen über Landesgrenzen hinaus gibt.

    So lässt sich sachliche Kritik an der Theorie delegitimieren und der Fokus liegt darauf, wie „schlimm“ die Kritiker*Kritikerinnen sind.

    Also im Grunde alles beim Alten. Jetzt nur mit neuem „Stoff“, der das RG-MC-Narrativ weiter bedient.

  16. @Tina W.

    Ja, im Prinzip alles beim Alten 🙂 … doch irgendwo auch ohne Abnutzungseffekt (oder Lerneffekt). Appeal to Emotion.

  17. Kommentar
    Epstein-Akten: Gesicherte Straftaten, begriffliche Unschärfen und die Dynamik öffentlicher Zuschreibungen, 05.02.2026

    https://nex24.news/2026/02/epstein-akten-gesicherte-straftaten-begriffliche-unschaerfen-und-die-dynamik-oeffentlicher-zuschreibungen/

    „Extreme Behauptungen und ihre Einordnung

    Im Zusammenhang mit den Epstein-Akten kursieren derzeit auch Behauptungen über Kannibalismus, rituelle Gewalt oder die Tötung von Säuglingen. Ja, in den Akten tauchen extreme Behauptungen auf – meist in Form von ungeprüften Hinweisen, Zusammenfassungen fremder Aussagen oder Vermerken über Aussagen Dritter.

    Dass Ermittlungsakten auch absurde oder wahnhafte Behauptungen enthalten, ist normal. Ermittler dokumentieren Hinweise – sie bewerten sie nicht automatisch als wahr. Die bloße Erwähnung eines Vorwurfs stellt keinen Beweis dar.

    In den öffentlich zugänglichen Dokumenten finden sich keine forensischen Belege, keine belastbaren Zeugenaussagen und keine gerichtlichen Feststellungen, die diese extremen Vorwürfe bestätigen würden.“

  18. Bernd Harder

    @Sebastian:

    „Der klassische Verschwörungstheoretiker benötigt gar keinen Realitätsbezug, um sich bestätigt zu fühlen.“

    https://web.de/magazine/politik/us-politik/versagen-epstein-fiasko-demokratie-41871764

    Man kann sich durchaus vorstellen, dass „Blinder Fleck“ gerade wegen der aktuellen Epstein-Enthüllungen in Essen ausgezeichnet wird. Wen kümmern schon Inhalte.

  19. Bernd Harder

    Schließlich habe Voltaire ja gesagt: „Ich bin zwar nicht Ihrer Meinung, aber ich werde alles tun, dass Sie die Meinung frei äußern können.“ Genau das zeichne den Club Voltaire aus, betont Reininger. „Diese Durchmischung von verschiedenen politischen Positionen findet eben nur hier im Club Voltaire statt.“

    https://www.hessenschau.de/kultur/club-voltaire-in-frankfurt-kaempft-ums-ueberleben-linker-kult-treffpunkt-vor-dem-aus–v1,club-voltaire-104.html

    Ach so?

    https://www.facebook.com/LydiaBenecke.official/posts/warum-der-vortrag-satanic-panic-reloaded-im-club-voltaire-tats%C3%A4chlich-abgesagt-w/2597369380275648/

  20. @Bernd Harder
    Was das Zitat zum web.de-Artikel betrifft, darf man aber auch den letzten Absatz beachten:

    „Der Epstein-Skandal zeigt nach Einschätzung von Butter in jedem Fall, dass Verschwörungstheorien nicht im luftleeren Raum entstehen, sondern auf realen gesellschaftlichen Missständen gründen.“

    Jede Korrektur der Verschwörungsinhalte ist eine Relativierung der tatsächlich stattgefundenen Verbrechen.

    Es klaut wertvolle Ressourcen, weil man quasi gezwungen wird sich mit einem Haufen Mist zu beschäftigen, der von allen möglichen Seiten in den Raum geworfen wird. Das ist eine klassische Oetken-Taktik: Leute mit Dingen beschäftigen, die von der eigentlichen Diskussion ablenken.

    Bezüglich blinder Fleck ist der Inhalt (mehr das Thema) ja schon fast vernachlässigbar, wenn nicht inzwischen auch bekannte Lügen geduldet werden würden. Die FBW hat ja mehr oder weniger mitgeteilt, dass die Wahrheit für die „Doku“ kein Bewertungskriterium darstellt.

  21. Bernd Harder

    @Sebastian:

    Das ist eine klassische Oetken-Taktik: Leute mit Dingen beschäftigen, die von der eigentlichen Diskussion ablenken.

    Zum Beispiel als sie mich zu einer Aussage nötigen wollte, was ich zu den Missbrauchsfällen in Trier sage – weil aus meiner Biografie hervorgeht, dass ich in Saarbrücken studiert habe. Da fragt man sich wirklich, was in diesen Leuten vorgeht (ist nicht mal dasselbe Bundesland).

    Jede Korrektur der Verschwörungsinhalte ist eine Relativierung der tatsächlich stattgefundenen Verbrechen.

    Das ist ein Problem. Ich denke, man kann da nur versuchen, immer wieder die Gegenfrage zu stellen (auf die „Rea“ ja auch nicht geantwortet hat), warum diese Szene so besessen ist von Verschwörungstheorien, anstatt sich um reale Missstände zu kümmern.

    Auch andere haben schon festgestellt, dass Verschwörungsgläubige sich kaum für wirkliche Probleme interessieren:

    https://centerforinquiry.org/blog/when-real-conspiracies-are-revealed-conspiracists-shrug/

  22. Auf dem Kanal MrWissen2Go gab es ein Video über die Epstein-Files.
    Darunter verlinkt ein Artikel, der sich mit den Äußerungen bezüglich Kannibalismus auseinandersetzt.

    MrWissen2Go: Die Epstein-Files: Wer steht drin?https://www.youtube.com/watch?v=RgwO0qVFW-Q

    Epstein files mention cannibalism, ‚ritualistic sacrifice.‘ That’s not the full story, 10.02.2026
    https://www.snopes.com/fact-check/epstein-cannibalism-ritualistic-sacrifice/

  23. Ich bin erstaunt, was mir hier gleich unterstellt wird, nachdem ich eine Frage zu den Epstein Files gestellt habe. Ich bin wahrlich keine Anhängerin von Verschwörungstheorien, um das mal klarzustellen.

    Ob der Verweis auf einen Artikel von web.de und die Antwort von einer KI hier aufschlussreich sind, wage ich zu bezweifeln.

    Danke für Ihre Hinweise und die vielen Links. Vermutlich werde ich es zeitlich nicht schaffen, das alles zu lesen.

  24. Bernd Harder

    @Rea:

    … nachdem ich eine Frage zu den Epstein Files gestellt habe

    Sie haben aber konkret nach Kannibalismus und der Einordnung als Verschwörungstheorie gefragt.

    Dazu finden Sie in meiner Antwort mehrere konkrete Links, und nicht bloß was „von einer KI“ oder web.de.

  25. Weiterhin keine neuen Erkenntnisse zu dem „international satanic child abuse material ring“:

    https://www.aol.com/articles/four-men-arrested-over-involvement-150000693.html

  26. Bernd Harder

    Wie üblich scheint auch hier am Ende nichts dahinter zu sein:

    Bail win for alleged leader of global satanic child abuse ring

    https://archive.is/JZ3Um

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