„Mechanismus eines Mythos“: Online-Kolloquium zum Thema Rituelle Gewalt-Mind Control

(Lesedauer ca. 4 Minuten)

Wer wissen möchte, was genau die „Rituelle Gewalt-Mind Control“-Verschwörungstheorie ist, kann sich zum Beispiel die Webseite von „Mission Freedom“ ansehen.

Oder einen Blick in die Info-Broschüre „Sexualisierte Gewalt in organisierten und rituellen Gewaltstrukturen“ des Fachkreises „Sexualisierte Gewalt in organisierten und rituellen Gewaltstrukturen“ beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend werfen:

https://ecpat.de/wp-content/uploads/2018/04/Fachkreis_Empfehlungen_2018_web-2.pdf

Eine Zusammenfassung formuliert auch das Münsteraner Gutachten zu „Ritueller Gewalt“ (Seite 13 ff.):

https://kurzlinks.de/1x8b

Neuere Videos von selbstdefinierten Betroffenen kann man sich zum Beispiel hier oder hier oder hier anschauen. Wie fragwürdig die RG-MC-Theorie ist, beleuchten wir regelmäßig hier im Skeptix-Blog.

Endlich findet nun auch eine kritische Fachveranstaltung zu dieser Thematik statt, bei der nicht irgendwelche „Erfahrungsexpertinnen“ ihre (wenn auch wohl subjektiv so empfundenen) Geschichten zum Besten geben:

https://kfn.de/veranstaltungen/kriminologisches-kolloquium-3/

Der Begriff „rituelle sexuelle Gewalt“ soll Formen von organisiertem sexuellem Missbrauch bezeichnen, der von massiver Gewalt, unbekannten Täternetzwerken und psychischer Kontrolle über die Opfer geprägt sei.

Diese psychische Kontrolle (Mind Control) soll die Blockade von Erinnerungen, die fortgesetzte Lenkung des Opferverhaltens oder gar eine planvolle Persönlichkeitsspaltung umfassen. Den eindringlichen Schilderungen selbst bekundeter Opfer steht ein Fehlen kriminalistischer Beweise gegenüber.

Im Nachgang zur Satanic Panic der 1980er Jahre ist davon auszugehen, dass die einschlägigen Berichte vielmehr die Folge von Suggestion und Scheinerinnerungen sind.

Im Vortrag wird die psychologische Implausibilität einer angeblichen „Mind Control“ dargelegt, aber auch auf den Beratungsbedarf der selbst bekundeten Opfer hingewiesen. Daraus ergeben sich Implikationen für die Ausbildung von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sowie für die psychologische Beratung. 

Referent ist der Rechtspsychologe Prof. Andreas Mokros.

Die Teilnahme an diesem Kriminologischen Kolloquium am 3. März um 18 Uhr ist kostenlos und auch online möglich. Zur Anmeldung geht es hier.

Zwei Tage später (5. März) lädt der österreichische Bundesverband für Psychotherapie zu dem Webinar „Rituelle Gewalt – Mind Control?“ ein – allerdings nur für Fachkräfte. Referentinnen sind Ulrike Schiesser und Veronika Zak von der Bundesstelle für Sektenfragen.

Beim Humanistischen Bildungs- und Begegnungszentrum Konstanz steht das Thema „Rituelle Gewalt – Mind Control“ am 24. Februar auf dem Programm. Referent ist der Psychologe Alexander Wolber.

Vom 18.-20. September gibt es dann in Bad Mergentheim die „DISkurs“-Fachtagung mit „höchst kontroversen Positionen“. Als RG-MC-Kritiker:innen mit dabei sind Andreas Mokros, Petra Hasselmann, Stefan Röpke, Aileen Oeberst und Ulrich Sasse.

Zudem erscheint heute der dritte Teil der Serie „Falscherinnerungen“ in Zeit Verbrechen (37/2026). Thema sind die Wormser Prozesse. Dazu gibt es auch ein Video mit der Kriminalpsychologin Lydia Benecke.

Ein aktueller Podcast aus der Reihe Sekten und Kulte – Im Namen des Bösen schildert die „Satanic Panic“ der 1980er:

Satanische Panik – Teil 1: Genesis der Angst

Zum Weiterlesen:

Titelfoto: Unsplash/Anastasija Puskas

Kommentare

13 Kommentare zu „„Mechanismus eines Mythos“: Online-Kolloquium zum Thema Rituelle Gewalt-Mind Control“

  1. Sebastian

    War ein interessanter Vortrag. Überrascht hat mich dann doch ein Median von 300 Behandlungsstunden.

    Viele der Informationen findet man auch hier im Blog 🙂

    Vielen Dank für die Berichterstattung!

  2. Bernd Harder

    @Sebastian:

    Man muss immer wieder auf diese Studie hinweisen:

    https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/09658211.2024.2305870

    Auch heute gab es in den Kommentaren nach dem Vortrag ja wieder mal die Behauptung, „keine seriöser Therapeut:in sucht nach Erinnerungen, die nicht berichtet werden“.

    Eben doch.

  3. Sebastian

    @Bernd Harder

    Gab es unterschiedliche Kommentarsektionen?

    Bei mir sah der Chat ziemlich leer aus und ich habe mich gewundert, dass eventuell nicht alle Fragen beantwortet werden können.

    Was ich lesen konnte war lediglich ein Kommentar zur DIS und wie schlecht der Vortrag sei.

    Mir hat der Vortrag gefallen und ich fand es gut, dass ebenso auf das Thema BIAS hingewiesen wurde.

  4. Der Vortrag war interessant, auch wenn mir viele Inhalte bereits bekannt waren.

    Die zum Großteil haarsträubend unqualifizierten Beiträge einiger Personen im Kommentarbereich haben mich jedoch etwas ratlos hinterlassen. Wenn man Kritik an Herrn Mokros’ Vortrag äußert, sollte schon etwas mehr kommen als Hinweise auf MK Ultra und White Tiger oder Sätze wie „Der weiße Mann hat nie mit Betroffenen gearbeitet“.

  5. Bernd Harder

    @Sebastian:

    Gab es unterschiedliche Kommentarsektionen?

    Das weiß ich nicht, aber es war schon einiges los. Oder, sagen wir mal, eine kleine Gruppe von Aktivisten war recht lautstark, darunter vor allem diese Dame:

    https://www.online-akademie-psychotherapie.de/dissoziative-identitaetsstoerung-erkennen-und-behandeln/

  6. @Sebastian

    Mir wurde der eigentliche Chat als deaktiviert angezeigt, aber im Bereich „Fragen & Antworten“ wurde allerhand gepostet (siehe Kommentar von Bernd Harder).

  7. Sebastian

    Der Bereich „Fragen & Antworten“ ist mir gar nicht aufgefallen. Da muss ich ja einiges verpasst haben.

    Vielen Dank für die Aufschlauung!

  8. @Sebastian

    Mir ist der Bereich auch nicht aufgefallen >.<

  9. Luvana A.

    Hat jemand evtl. Bildschirmfotos oder eine ähnliche Dokumentation der Kommentarspalte vorgenommen gestern Abend?

  10. Bernd Harder

    @Luvana A.

    Ich habe ein Foto von dem Kommentar, den ich unten zitierte.

  11. Boah, ärgerlich. Ich habe die Fragen & Antworten auch nicht gesehen. War noch positiv überrascht, dass der Chat so „ruhig war“, bis ich dann gemerkt habe, dass die Funktion deaktiviert wurde. 😀

  12. Ich war vor Ort in Hannover und habe vom Online-Chat / -Kommentarbereich daher kaum etwas mitbekommen.

    Da Fragen der physisch Anwesenden priorisiert behandelt wurden, wäre sicher Gelegenheit gewesen, Herrn Mokros mit Kritik und Gegendarstellungen zu konfrontieren, wenn man denn gewollt hätte. Von den Online-Fragen wurde schon aus Zeitgründen nur eine Auswahl behandelt. Das war bei dem Format aber vorhersehbar.

  13. Bernd Harder

    @Thomas:

    Erfahrungsgemäß traut sich diese Szene nie, persönlich/physisch in Erscheinung zu treten.

    Die sind nur zuhause am PC überaus meinungsstark, und am liebsten anonym.

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