Wer wissen möchte, was genau die „Rituelle Gewalt-Mind Control“-Verschwörungstheorie ist, kann sich zum Beispiel die Webseite von „Mission Freedom“ ansehen.
Oder einen Blick in die Info-Broschüre „Sexualisierte Gewalt in organisierten und rituellen Gewaltstrukturen“ des Fachkreises „Sexualisierte Gewalt in organisierten und rituellen Gewaltstrukturen“ beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend werfen:

Eine Zusammenfassung formuliert auch das Münsteraner Gutachten zu „Ritueller Gewalt“ (Seite 13 ff.):

Neuere Videos von selbstdefinierten Betroffenen kann man sich zum Beispiel hier oder hier oder hier anschauen. Wie fragwürdig die RG-MC-Theorie ist, beleuchten wir regelmäßig hier im Skeptix-Blog.
Endlich findet nun auch eine kritische Fachveranstaltung zu dieser Thematik statt, bei der nicht irgendwelche „Erfahrungsexpertinnen“ ihre (wenn auch wohl subjektiv so empfundenen) Geschichten zum Besten geben:

Der Begriff „rituelle sexuelle Gewalt“ soll Formen von organisiertem sexuellem Missbrauch bezeichnen, der von massiver Gewalt, unbekannten Täternetzwerken und psychischer Kontrolle über die Opfer geprägt sei.
Diese psychische Kontrolle (Mind Control) soll die Blockade von Erinnerungen, die fortgesetzte Lenkung des Opferverhaltens oder gar eine planvolle Persönlichkeitsspaltung umfassen. Den eindringlichen Schilderungen selbst bekundeter Opfer steht ein Fehlen kriminalistischer Beweise gegenüber.
Im Nachgang zur Satanic Panic der 1980er Jahre ist davon auszugehen, dass die einschlägigen Berichte vielmehr die Folge von Suggestion und Scheinerinnerungen sind.
Im Vortrag wird die psychologische Implausibilität einer angeblichen „Mind Control“ dargelegt, aber auch auf den Beratungsbedarf der selbst bekundeten Opfer hingewiesen. Daraus ergeben sich Implikationen für die Ausbildung von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sowie für die psychologische Beratung.
Referent ist der Rechtspsychologe Prof. Andreas Mokros.
Die Teilnahme an diesem Kriminologischen Kolloquium am 3. März um 18 Uhr ist kostenlos und auch online möglich. Zur Anmeldung geht es hier.
Zwei Tage später (5. März) lädt der österreichische Bundesverband für Psychotherapie zu dem Webinar „Rituelle Gewalt – Mind Control?“ ein – allerdings nur für Fachkräfte. Referentinnen sind Ulrike Schiesser und Veronika Zak von der Bundesstelle für Sektenfragen.
Beim Humanistischen Bildungs- und Begegnungszentrum Konstanz steht das Thema „Rituelle Gewalt – Mind Control“ am 24. Februar auf dem Programm. Referent ist der Psychologe Alexander Wolber.
Vom 18.-20. September gibt es dann in Bad Mergentheim die „DISkurs“-Fachtagung mit „höchst kontroversen Positionen“. Als RG-MC-Kritiker:innen mit dabei sind Andreas Mokros, Petra Hasselmann, Stefan Röpke, Aileen Oeberst und Ulrich Sasse.
Zudem erscheint heute der dritte Teil der Serie „Falscherinnerungen“ in Zeit Verbrechen (37/2026). Thema sind die Wormser Prozesse. Dazu gibt es auch ein Video mit der Kriminalpsychologin Lydia Benecke.
Ein aktueller Podcast aus der Reihe Sekten und Kulte – Im Namen des Bösen schildert die „Satanic Panic“ der 1980er:
Zum Weiterlesen:
- Mokros, Andreas et al. „Rituelle sexuelle Gewalt“ Psychologische Rundschau (7/2024)
- Mokros, Andreas et al. „Entgegnung: Unterschiedliche Überzeugungen, aber nur eine Wahrheit“ Psychologische Rundschau (7/2024)
- Mokros, Andreas et al. „Gibt es organisierten rituellen Kindesmissbrauch?“ The Inquisitive Mind (2/2024)
- Podcast „Falsche Erinnerung“ quarks (25. März 2024)
- Harder, Bernd „Rituelle Gewalt: Streit um die Blinder Fleck-Doku beim Snowdance-Festival in Essen“ skeptix (5. Februar 2026)
- Harder, Bernd „The Devil You Know: Wie Verschwörungsnarrative in Psychotherapien gelangen“ skeptix (11. November 2025)
- Harder, Bernd „Bloß eine Scheinerklärung: Bistum Münster untersuchte ein Dutzend Fälle ritueller Gewalt“ skeptix (9. Oktober 2025)
- Harder, Bernd „Rituelle Gewalt-Mind Control: Die vielen blinden Flecke des Dokumentarfilms Blinder Fleck“ skeptix (13. Juni 2025)
- Herzog, Philipp et al. „Rituelle Gewalt als Form organisierter Kriminalität auf dem wissenschaftlichen Prüfstand: Wo endet die Realität und wo beginnt die Fiktion?“ Psychotherapeutenjournal (2/2025)
- Gerke, Jelena et al. „Expertise zu Begrifflichkeiten und Häufigkeiten im Bereich organisierter sexualisierter und ritueller Gewalt“ Uniklinik Ulm (30. Juni 2023)
Titelfoto: Unsplash/Anastasija Puskas


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