Exorzismus-Doku im ZDF: Zwischen Kuhstall und Keller

(Lesedauer ca. 3 Minuten)

Man weiß am Ende nicht so recht, was man schlimmer finden soll:

Den katholischen Pater und Psychotherapeuten Jörg Müller, der einen Kuhstall in Bayern von einem bösen Fluch befreien will und nicht nur dabei rüberkommt wie der senile Opa beim Verwandtschaftstreffen, der jedem peinlich ist:

Foto: ZDF/Benjamin Hotz

Oder Gestalten wie „Nature23“, bei dessen Treiben überdeutlich wird, „wie nah die Austreibungen einem psychischen oder physischen Missbrauch Schutzbedürftiger kommen“ (FAZ).

Generell gibt es in der ZDF-Doku „Der Teufel in mir – Exorzismus heute“ wenig Einordnung. Wer die „scharfen Kritiker“ sein sollen, die der Stern gesehen haben will, bleibt rätselhaft. Ganz sicher ist es nicht die unvermeidliche Religionswissenschaftlerin Nicole Bauer, die mal wieder alles irgendwie „spannend“ findet und dem Exorzismus natürlich auch „positive Effekte“ bescheinigt – ohne allerdings die sehr engen Voraussetzungen dafür zu nennen.

Und so ist der 45-minütige Beitrag weniger die skeptische Aufklärung, die man sich wünschen würde, als vielmehr eine dokumentarische Darstellung der vielen Exorzismus-Angebote „im Kontext eines verschärften Wettbewerbs zwischen Seelenheilbewirtschaftern“. Beziehungsweise ein Film über „Angebot und Nachfrage in einem obskuren Business, das von starken Sehnsüchten getrieben ist“ (taz).

https://www.zdf.de/dokus/der-teufel-in-mir—exorzismus-heute-movie-100

Neben Jörg Müller und „Nature23“ treten auch noch die Influencerin Rose de Jesus und ihr juveniles „Befreiungs“-Team auf, denen man praktischerweise bei Instagram folgen kann:

Es ist schwer zu entscheiden, ob man es bei diesem Zirkus mit einer Parodie auf die theologische Exorzismus-Praxis zu tun hat oder mit dessen ultimativer Ausweitung in die postfaktische Gegenwart,

kommentiert die FAZ.

Fast ebenso bedenklich stimmt indes die Tatsache, dass die katholische Kirche das Thema offiziell kleinredet, zugleich aber halboffiziell die hohe Nachfrage nach Exorzismen an skurrile Pseudoexperten wie Jörg Müller delegiert. Sinnvoller wäre es wohl, interdisziplinäre Teams zu bilden (medizinisch-psychiatrisch, psychologisch-therapeutisch, seelsorgerisch-theologisch) und neue, geeignete Formen der seelsorglichen Begleitung, von Segnungs- und Heilungsgottesdiensten zu entwickeln, wie wir schon im vergangenen Jahr schrieben.

Zum Weiterlesen:

Titelfoto: ZDF/Benjamin Hotz

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