Am Ende war alles eine Lüge: Der Fall der Krebs-Influencerin Belle Gibson bei „Mord auf Ex“

(Lesedauer ca. 4 Minuten)

Fuck Belle Gibson,

schimpfte die amerikanische Kommentatorin Xeni Jardin 2015 im Blog boingboing:

Zur Hölle mit jener Kultur des magischen Denkens, die ihre Mythen zu einem profitablen Geschäft ausgebaut hat, die Jahrzehnte echter Wissenschaft ignoriert und vulnerable krebskranke Menschen einem echten Todesrisiko aussetzt.

Zur Hölle mit jedem, der das Phänomen Belle Gibson ermöglicht und daran mitverdient hat. Zur Hölle mit jedem, der ihre Bullshit-Lügenartikel an Leute wie mich weitergeleitet hat – an Frauen und Männer, die wirklich Krebs haben.

Die Australierin Annabelle Natalie Gibson hatte behauptet, Tumore in Gehirn, Milz, Gebärmutter und Leber nur mit einer Ernährungsumstellung (u.a. Verzicht auf Gluten und Zucker), Darmspülungen, Säften und Ayurveda besiegt zu haben. Ihre Gesundheitsapp “The Whole Pantry” (Die ganze Speisekammer) und ein gleichnamiges Kochbuch wurden ein großer kommerzieller Erfolg.

„Am Ende war alles eine Lüge“, schrieb der Stern 2015. In Wahrheit war Gibson nie an Krebs erkrankt. Ihre erfundene Heilungsgeschichte soll ihr rund 300.000 Euro eingebracht haben. 2017 verurteilte der australische Bundesgerichtshof Gibson zu einer Geldstrafe von etwa 275.000 Euro, die sie bis heute nicht bezahlt hat.

Der True-Crime-Podcast Mord auf Ex zeichnet den Fall noch einmal nach:

Die Influencerin

https://mordaufex.podigee.io/322-290-die-influencerin

Daneben gibt es eine Netflix-Serie über Belle Gibson und eine neuere Doku aus Australien:

Die FAZ kommentierte vor elf Jahren:

Sie traf einfach einen Nerv nach dem anderen. Sie sah einfach gut aus auf Fotos. Die Gerichte, die sie empfahl, ebenfalls. Sie verkörperte als Mutter und Digitalunternehmerin eine erfolgreiche Frau mit Kind und Karriere.

Sie hatte den Krebs, so sagte sie jedenfalls, nicht mit Bestrahlungen und Chemotherapien besiegt, sondern sanft und ganzheitlich.

Das passte wunderbar zum Misstrauen, das viele Menschen der modernen Medizin entgegenbringen, und fügte sich in eine verbreitete Hoffnung auf Selbstheilung durch Detox und die richtigen Nahrungsmittel.

Leonie Bartsch und Linn Schütze, die beiden Hosts von Mord auf Ex, haben bei ihren Recherchen festgestellt, dass die Dame nicht das Geringste aus ihrer Nummer gelernt hat. Und Belle Gibsons gibt es zu Tausenden auf der Welt. Die Podcasterinnen mahnen denn auch am Ende, „genauer hinzuschauen“ bei Heilsversprechen und unbelegten Behauptungen.

Und:

Deshalb ist es so wichtig, dass es Menschen gibt, die den Mut haben, dagegen vorzugehen.

Zum Weiterlesen:

Titelfoto: 60 Minutes Australia

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