Fuck Belle Gibson,
schimpfte die amerikanische Kommentatorin Xeni Jardin 2015 im Blog boingboing:
Zur Hölle mit jener Kultur des magischen Denkens, die ihre Mythen zu einem profitablen Geschäft ausgebaut hat, die Jahrzehnte echter Wissenschaft ignoriert und vulnerable krebskranke Menschen einem echten Todesrisiko aussetzt.
Zur Hölle mit jedem, der das Phänomen Belle Gibson ermöglicht und daran mitverdient hat. Zur Hölle mit jedem, der ihre Bullshit-Lügenartikel an Leute wie mich weitergeleitet hat – an Frauen und Männer, die wirklich Krebs haben.
Die Australierin Annabelle Natalie Gibson hatte behauptet, Tumore in Gehirn, Milz, Gebärmutter und Leber nur mit einer Ernährungsumstellung (u.a. Verzicht auf Gluten und Zucker), Darmspülungen, Säften und Ayurveda besiegt zu haben. Ihre Gesundheitsapp “The Whole Pantry” (Die ganze Speisekammer) und ein gleichnamiges Kochbuch wurden ein großer kommerzieller Erfolg.
„Am Ende war alles eine Lüge“, schrieb der Stern 2015. In Wahrheit war Gibson nie an Krebs erkrankt. Ihre erfundene Heilungsgeschichte soll ihr rund 300.000 Euro eingebracht haben. 2017 verurteilte der australische Bundesgerichtshof Gibson zu einer Geldstrafe von etwa 275.000 Euro, die sie bis heute nicht bezahlt hat.
Der True-Crime-Podcast Mord auf Ex zeichnet den Fall noch einmal nach:

Daneben gibt es eine Netflix-Serie über Belle Gibson und eine neuere Doku aus Australien:
Die FAZ kommentierte vor elf Jahren:
Sie traf einfach einen Nerv nach dem anderen. Sie sah einfach gut aus auf Fotos. Die Gerichte, die sie empfahl, ebenfalls. Sie verkörperte als Mutter und Digitalunternehmerin eine erfolgreiche Frau mit Kind und Karriere.
Sie hatte den Krebs, so sagte sie jedenfalls, nicht mit Bestrahlungen und Chemotherapien besiegt, sondern sanft und ganzheitlich.
Das passte wunderbar zum Misstrauen, das viele Menschen der modernen Medizin entgegenbringen, und fügte sich in eine verbreitete Hoffnung auf Selbstheilung durch Detox und die richtigen Nahrungsmittel.
Leonie Bartsch und Linn Schütze, die beiden Hosts von Mord auf Ex, haben bei ihren Recherchen festgestellt, dass die Dame nicht das Geringste aus ihrer Nummer gelernt hat. Und Belle Gibsons gibt es zu Tausenden auf der Welt. Die Podcasterinnen mahnen denn auch am Ende, „genauer hinzuschauen“ bei Heilsversprechen und unbelegten Behauptungen.
Und:
Deshalb ist es so wichtig, dass es Menschen gibt, die den Mut haben, dagegen vorzugehen.
Zum Weiterlesen:
- Harder, Bernd „Akute Nervenschmerzen? Ein Sorgekonflikt – Der Nonsens der GNM wird gefährlich populär“ skeptix (17. März 2026)
- Harder, Bernd „Neue Leitlinie: Kein positiver Nutzen von Krebsdiäten“ skeptix (24. Februar 2026)
- Podcast „Die Influencerin“ Mord auf Ex (16. Februar 2026)
- Harder, Bernd „Würgereflex inklusive: Die Krebsbetrügerin Belle Gibson im Theater und im Fernsehen“ skeptix (4. August 2025)
- Baird, Julia „Watching Apple Cider Vinegar filled me with rage and clarity: The answer to Belle Gibson’s lies is science“ ABC News (19. Februar 2025)
- „Bloggerin muss 275.000 Euro Strafe zahlen“ spiegel (28. September 2017)
- „Bloggerin wegen erfundenem Krebsleiden verurteilt“ welt (15. März 2017)
- Deliciously Ella „I felt betrayed by ‚cancer‘ blogger Belle Gibson“ The Telegraph (24. April 2015)
- Scheer, Ursula „Ein Millionengeschäft, aufgebaut auf einer Lüge“ FAZ (24. April 2015)
- „Lügen-Skandal um Gesundheits-Bloggerin empört Australien“ futurezone (23. April 2015)
- Davey, Melissa „None of it’s true: wellness blogger Belle Gibson admits she never had cancer“ The Guardian (22. April 2015)
- Jardin, Xeni „Wellness Guru Belle Gibson lied about having brain cancer, profited from lying about bogus cancer cures“ boingboing (22. April 2015)
- Kriesl, Ilona „Die Krebskranke, die es nie gab“ stern (31. März 2015)
- Davey, Melissa „Belle Gibson’s book publisher never verified cancer survivor’s health claims“ The Guardian (11. März 2015)
Titelfoto: 60 Minutes Australia


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