So sieht illustriertes Verschwörungsdenken aus:

Verschwörungstheorien …
… nehmen erstens an, dass nichts durch Zufall geschieht, also alles geplant wurde. Sie behaupten zweitens, dass nichts so ist wie es scheint, man also immer hinter die Kulissen schauen muss, um zu erkennen, was wirklich vor sich geht.
Und dann erkenne man drittens, dass alles zusammenhängt, es also Verbindungen gibt zwischen Ereignissen, Personen und Institutionen, die man vorher niemals gesehen hat,
erklärt Prof. Michael Butter.
Das gilt wohl auch für diese „Connection Map“:

Missing scientists: Coincidence or pattern?
fragt sich das US-Nachrichtenmedium NewsNation.
Für den amerikanischen Soziologen und Skeptiker Robert Bartholomew ist die Antwort klar: „Apophänie“, schreibt er in einem Aufsatz für Psychology Today – die Tendenz, Muster oder Zusammenhänge in bedeutungslosen Daten zu sehen. Von „pretty serious stuff“ spricht dagegen Präsident Trump. Die Daily Mail versteigt sich gar zu der Behauptung, „das Rätsel“ verbreite „Schrecken in Amerika“.
Was für ein Rätsel? Worum geht es überhaupt?

Am 27. Februar 2026 verschwand der 68-jährige pensionierte Luftwaffen-General William Neil McCasland aus seinem Haus in Albuquerque in New Mexiko:
Zuletzt wurde er von einem Heizungsmonteur gesehen, der Wartungsarbeiten in dem Einfamilienhaus am Rande der Sandia Mountains verrichtete.
Als McCaslands Frau kurz nach dem Mittag von einem Zahnarzttermin zurückkehrte, fehlte von ihrem Mann jede Spur. Sein Handy hatte er liegen gelassen, Apple Watch und Brille waren auch noch da. Hingegen fehlte der Revolver. Das Haus der McCaslands steht am Ende einer Sackgasse. Obwohl in dem gehobenen Wohnviertel viele Häuser Überwachungskameras haben, wurde McCasland von keiner erfasst.
Offenbar verließ er das Grundstück zur Rückseite, er muss sich in die umliegenden Canyons begeben haben. Suchtrupps durchkämmten das Gelände, über 120 Personen waren im Einsatz, Spürhunde, Drohnen. Doch William Neil McCasland blieb unauffindbar.
McCasland hatte auf der Wright-Patterson Air Force Base in Ohio gearbeitet, wo Verschwörungsgläubige das Wrack des „Roswell-Ufos“ von 1947 vermuten. Außerdem pflegte der 68-Jährige Kontakte zu dem US-Unternehmen „To the Stars“, das sich der Ufo-Forschung widmet. Der vermisste Ex-General hatte zum Zeitpunkt seines Verschwindens eine Schusswaffe bei sich. Brieftasche und Schlüssel ließ er zurück. Die Behörden sprachen von einem nicht näher bezeichneten „medical issue“ und von „mental fog“, der örtliche Sheriff sah „no evidence of foul play“.
Nichtsdestotrotz griff der Youtuber Daniel Liszt, der sich selbst „Dark Journalist“ nennt, den Fall begeistert auf und stellte willkürliche Verbindungen zu anderen Fällen von verstorbenen oder verschwundenen Wissenschaftler:innen her:

Die rechte Influencerin Jessica Reed Kraus blurbte daraufhin bei Substack etwas von „Conspiracy Alert!“ (Verschwörungsalarm) und rief die „Dead Scientists Society“ ins Leben, deren Mitgliederzahl schnell „from two to eleven“ anwuchs. Das wiederum war ein gefundenes Fressen für die MAGA-Bewegung und deren Protagonisten, wie der Kongressabgeordnete Eric Burlison …

… oder Karoline Leavitt
… oder Donald Trump:

Ob es nun zehn oder elf oder 13 sind (oder gar 14 bei Wikipedia), bleibt unklar. Zur Kernliste der Missing scientists conspiracy theory gehören wohl diese Namen:
- Michael David Hicks starb am 30. Juli 2023 im Alter von 59 Jahren an einer koronaren Herzerkrankung. Hicks war Astronom am Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA. Spekulationen entzündeten sich an seiner Mitarbeit beim DART-Projekt, wodurch er Zugang zu „classified material“ hatte.
- Frank Werner Maiwald, ein gebürtiger Deutscher, starb am 4. Juli 2024 mit 61 Jahren in Los Angeles. Maiwald arbeitete ebenfalls am JPL. Die Todesursache ist unbekannt. Er beschäftigte sich unter anderem mit Spuren von außerirdischem Leben auf verschiedenen Jupiter-Monden. Nichts von seinen Arbeiten war geheim.
- Anthony Chávez, 78, wurde zuletzt am 4. Mai 2025 gesehen, als er sein Haus in Los Alamos verließ, und gilt seitdem als vermisst. Bis zu seiner Pensionierung 2017 war er am Los Alamos National Laboratory (LANL) in einer nicht näher genannten Funktion tätig. Diese Umstände – sowie drei weitere Vermisstenfälle in New Mexico – ließen Spekulationen über feindliche Geheimdienstaktivitäten ins Kraut schießen.
- Monica Jacinto Reza, 60, verschwand am 22. Juni 2025 während einer Wandertour im Los Angeles National Forest. Der Luft- und Raumfahrtingenieurin bei Aerojet Rocketdyne wurden enge Verbindungen zum JPL und zur Wright-Patterson Air Force Base sowie zu anderen Personen auf der Liste der toten oder vermissten Wissenschaftler:innen nachgesagt, insbesondere zu dem Luftwaffengeneral Neil McCasland.

- Melissa Casias, 53, verschwand am 26. Juni 2025 in der Nähe ihres Hauses in Ranchos de Taos (New Mexico). Casias war keine Wissenschaftlerin, sondern Verwaltungsassistentin am LANL und hatte keinen Zugang zu geheimen Forschungsvorhaben.
- Steven Garcia, 48, wurde zuletzt gesehen, als er am 28. August 2025 zu Fuß und mit einer Handfeuerwaffe sein Haus in Albuquerque verließ. Garcia arbeitete als Immobilienverwalter auf dem Kansas City National Security Campus, wo 80 Prozent der nicht-nuklearen Komponenten amerikanischer Atomwaffen hergestellt werden.
- Nuno Loureiro, 47, war Nuklearwissenschaftler und Direktor des Plasma Science and Fusion Center am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Am 15. Dezember 2025 wurde er in seinem Haus in Brookline, Massachusetts, erschossen. Der Täter hatte bereits zwei Tage zuvor ein University Shooting in Rhode Island verübt. Er und Loureiro kannten sich vom gemeinsamen Studium in Lissabon.
- Carl Grillmair, 67, wurde am 16. Februar 2026 auf seiner Veranda in Llano (Kalifornien) erschossen. Der kanadische Astrophysiker arbeitete beim California Institute of Technology (Caltech) an verschiedenen NASA-Projekten mit, darunter Hubble und WISE. Als Täter gilt ein stadtbekannter Krimineller.
- William Neil McCasland, 68, pensionierter Air Force-General und ehemaliger Leiter des Air Force Research Laboratory auf der Wright-Patterson Air Force Base, gilt seit dem 27. Februar 2026 als vermisst. Er verließ sein Haus in Albuquerque (New Mexico) am Vormittag mit einem Revolver und einem Wanderrucksack. Verschwörungstheoretiker behaupten, dass das „Roswell-Ufo“ seinerzeit zur Wright-Patterson Air Force Base gebracht worden sei. Anfang März sah McCaslands Ehefrau sich genötigt, via Facebook ein Statement abzugeben:

It is true that Neil had a brief association with the UFO community […]
This connection is not a reason for someone to abduct Neil. Neil does not have any special knowledge about the ET bodies and debris from the Roswell crash stored at Wright-Patt.
- Jason Thomas, 45, Biochemiker bei Novartis, vermisst seit dem 12. Dezember 2025, wurde am 17. März 2026 tot aus dem Lake Quannapowitt in Wakefield (Massachusetts) geborgen. Bei X (vormals Twitter) brachte eine „Dr. Margaret Show“ Thomas‘ Ableben mit der angeblichen Entdeckung eines neuen Krebsmittels in Verbindung:
His inclusion on a „UAP body count“ list is the clearest example of category inflation in the entire collection,
kommentiert der amerikanische Debunker Mick West.
Und das ist genau die Crux dieser neuen Verschwörungstheorie:
Ohnehin bleibt unklar, worin genau die Schnittstelle der Wissenschafter bestehen soll. Einmal beziehen sich die Theorien auf Ufos, das andere Mal geht es um Raketentheorie oder um Nuklearprogramme.
So macht die Erzählung um die zwei Dutzend „Missing Scientists“ letztlich einen mehr schlecht als recht zusammengereimten Eindruck,
schreibt die NZZ.
Ähnlich die Welt:
Tatsächlich handelt es sich um isolierte Vorfälle aus den vergangenen vier Jahren in einem sehr großen Personenkreis. Die offiziellen Todes- und Vermisstenraten in den USA sind so hoch, dass elf derartige Fälle statistisch zu erwarten sind.
Zudem sind die Ursachen und Umstände sehr unterschiedlich: Es gibt Selbstmorde, natürliche Todesfälle, aufgeklärte Morde und Vermisstenfälle.
Oder The Atlantic:
To call it a conspiracy theory would be far too kind, because no comprehensive theory has been floated to explain the pattern of events.
(Es als Verschwörungstheorie zu bezeichnen, wäre noch zu gnädig, denn es wurde keine schlüssige Theorie vorgelegt, die das Muster der Ereignisse erklären würde.)
Auch Angehörige verwahren sich gegen eine Vereinnahmung ihrer Kinder, Ehemänner etc.:
Scientists die also, just like other people,
sagt etwa der Vater von Amy Eskridge (die sich 2022 suizidierte und von manchen ebenfalls zur „Dead Scientists Society“ gezählt wird). Und der Bruder von Michael Hicks:
He’s had great scientific achievements and contributions to the field, and now he’s going to be remembered for some baloney, Loch Ness Monster, Bigfoot conspiracy theory.
Dass solche Familiendramen von Verschwörungsideologen für ein paar Klicks monetarisiert werden, ist ein widerwärtiger Nebenaspekt der ganzen Angelegenheit.
Und um am Ende nochmal auf die Eingangsgrafik zum „Netzwerk der falschen Erinnerungen“ zurückzukommen: „Wenn Missbrauch missbraucht wird – wie die Epstein-Files das eigene Weltbild belegen sollen“ heißt ein neuer Artikel der EZW zu dieser Thematik.
Zum Weiterlesen:
- Richter, Sebastian „Trumps neue Transparenz-Offensive: Pentagon gibt geheime UFO-Akten frei – sogar ungeschwärzt“ Frankfurter Rundschau (9. Mai 2026)
- „USA veröffentlichen zahlreiche bislang geheime Ufo-Akten“ zeit (9. Mai 2026)
- „Mysteriöse Aufnahmen: Pentagon veröffentlicht erste geheime UFO-Akten“ rnd (8. Mai 2026)
- Galvin, Shane „Trump admin to begin releasing highly anticipated UFO and extraterrestrial life files – here’s what to expect“ New York Post (7. Mai 2026)
- Flam, Faye „Math and statistics help explain the FBI’s ‘missing scientists’ cases“ Scientific American (7. Mai 2026)
- Gibson, Mary Jane „Rund ein Dutzend Wissenschaftler gestorben oder verschwunden – was ist da los?“ Rolling Stone (5. Mai 2026)
- Brown, T.M. „How a speculative story about dead and missing scientists went from the fringe to the White House“ CNN (30. April 2026)
- Bojanowski, Axel „Elf tote Wissenschaftler – und was wirklich dahinter steckt“ welt (28. April 2026)
- Esposito, Joey „Did 11 US scientists connected to sensitive research die or go missing? What we know“ snopes (28. April 2026)
- Scheiner, Andreas „Trump kündigt an, Ufo-Akten zu veröffentlichen – und plötzlich verschwinden reihenweise hochkarätige Forscher“ NZZ (28. April 2026)
- „Das Netz und die Trump-Regierung wittern Verschwörung hinter toten Wissenschaftern“ derStandard (25. April 2026)
- „Missing & Dead Scientists: Feds Think Cases Could Be Connected … But Families Call BS“ tmz (23. April 2026)
- Chen, Natasha „At least 10 people tied to sensitive US research have died or disappeared in recent years, sparking federal investigation“ CNN (22. April 2026)
- Adler, Dan „11 Scientists Are Dead or Missing. It Was Only a Matter of Time Before Conspiracy Theories Hit the White House“ Vanity Fair (22. April 2026)
- Bartholomew, Robert „The Mystery of the Dead and Missing Research Scientists“ Psychology Today (22. April 2026)
- Engber, Daniel „The Missing Scientist Story Is Unbelievably Dumb“ The Atlantic (21. April 2026)
- Whiteside, Steph „Who are the missing or dead scientists with connections to government research?“ News Nation (18. April 2026)
- Wanhoff, Thomas „Weißes Haus untersucht mysteriöse Wissenschaftler-Fälle“ t-online (17. April 2026)
- West, Mick „The UAP Body Count Doesn’t Add Up“ Mick West (17. April 2026)
- Weber, Jesse „UFO mystery: List of deceased, missing scientists grows“ News Nation (13. April 2026)
- McBride, Jessica „Growing List of Dead and Missing NASA Scientists Triggers New Alarm“ Men’s Journal (11. April 2026)
- Wannenmacher, Tom „Kein Turbokrebs-Komplott: Wer die acht Ärzte wirklich waren“ mimikama (23. August 2025)
- „Missing scientists conspiracy theory“ bei Wikipedia
- Harder, Bernd „Age of Disclosure: Das Zeitalter der Ufo-Enthüllungen lässt weiter auf sich warten“ skeptix (3. Januar 2026)
Titelfoto: Freepik/wirestock


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