Die historische Kehrtwende der Zeugen Jehovas, was die Annahme von Blutbestandteilen angeht, schlägt weiterhin hohe Wellen in der Anhängerschaft. Die Aussteigerin Anna Dilaj hat Reaktionen gesammelt:
Anna ordnet die neue Bluttransfusionsregelung der Zeugen Jehovas ein und beleuchtet Reaktionen, Missverständnisse sowie die veränderte Behandlung von Mitgliedern. Ehemalige Mitglieder berichten außerdem von biblischen Argumenten und persönlichen Folgen der bisherigen Regeln.
Unter anderem weist Dilaj auf den Irrsinn hin, dass jetzt zwar die vier Blutbestandteile (Plasma, rote und weiße Blutkörperchen, Blutplättchen) transfundiert werden dürfen, Vollblut – also alle Komponenten zusammen – aber weiterhin verboten ist. Die Youtuberin vermutet dahinter den schwachen Versuch einer Gesichtswahrung, um das Vertrauen der Gläubigen in die eigenwillige Bibelauslegung der Leitenden Körperschaft nicht vollends zu verspielen.
Birgit Kluge von JZ Help e.V. erklärt, dass die Glaubensgemeinschaft keine wirkliche Verantwortung für ihre Entscheidungen übernimmt, „sich bei den Mitgliedern weder entschuldigt hat noch Wiedergutmachung versucht“:
Das Gewissen als Kontrollinstrument
Ich bin erleichtert über die Änderung der Blutdoktrin, weil sie Leben retten kann. Gleichzeitig scheinen mir die dargestellten Gründe für die Änderung nicht schlüssig. Außerdem wird der enge Denkrahmen der Gemeinschaft nicht wirklich verändert. Ein solches Vorgehen hält Kontrolle aufrecht und kann Gläubigen schaden.
JZ Help schätzt, dass das „Blutverbot“ der Zeugen Jehovas zwischen 1961 und heute mehr als 40 000 Menschenleben gekostet hat.
Auch die Bruderinfo – nach eigenen Angaben ein Arbeitskreis kritischer Zeugen Jehovas – erinnert an diese Toten („Wie viele Opfer hätten verhindert werden können, wenn ihr eure Blutpolitik schon damals zur Gewissenssache gemacht hättet?“) und führt den Gedanken von Anna Dilaj weiter aus:
Rote und weiße Blutkörper, Blutplättchen und Plasma sind erlaubt, aber eine Vollblutübertragung wird weiter abgelehnt. Verdeutlichen wir mit einem Beispiel, was diese Anpassung in der Praxis bedeuten könnte.
Du stimmst der Transfusion eines Hauptbestandteils des Blutes zu und lässt dir rote Blutkörperchen übertragen. Bereits 15 Minuten später möchtest du dir auch weiße Blutkörperchen übertragen lassen. Nach weiteren zwei Stunden erklärt dir dein Arzt, Blutplasma sei ebenfalls angebracht. Und du stimmst natürlich zu. Jehova erlaubt das ja inzwischen und so weiter. Du verstehst, worauf ich hinaus will?
Ich weiß, das ist unrealistisch und purer Sarkasmus. Dennoch verdeutlicht er den widersprüchlichen Unsinn dieser Anpassung. Und diesen Unsinn sollst du als eine von Gottes Heiligem Geist vermittelte Wahrheit akzeptieren. Eine solche widersprüchliche Lehraussage kann nur von Menschen kommen, die nichts Gutes im Schilde führen.
Letztendlich wird diese Anpassung Auswirkungen auf viele Mitglieder der Gemeinschaft haben. Besonders für diejenigen, die bereits mit einem Fuß vor der Tür stehen, könnte der letzte Schritt bald folgen.
Die Wut und Enttäuschung unter den einfachen Mitgliedern, besonders bei denen, die dadurch geliebte Menschen verloren haben, werden sie vermutlich noch lange beschäftigen.
Zum Weiterlesen:
- Harder, Bernd „Krasser Wandel bei den Zeugen Jehovas: Bluttransfusionen sind jetzt plötzlich doch erlaubt“ skeptix (22. September 2026)
Titelfoto: Unsplash/Wojtek Mich



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