Gute Pillen – Schlechte Pillen (6/2026) streift noch einmal die bayerische Homöopathie-Studie zu der Frage, ob durch Homöopathie der Einsatz von Antibiotika reduziert werden kann. Wenig überraschend
… geriet die ganze Sache zu einem Desaster. Von 240 Patientinnen mit wiederkehrenden Harnwegsinfekten, die rekrutiert werden sollten, fanden sich gerade einmal 40 und nur 22 hielten bis zum Ende durch.
Bei so wenigen Teilnehmerinnen ist die Aussagekraft gleich Null und man dürfte daraus eigentlich noch nicht mal schließen, was schon vor der Untersuchung klar war: Es gibt keinen Unterschied zwischen Placebos und Homöopathie.

Ungeklärt ist bis heute, warum die Ethikkommission der TU München die Studie überhaupt genehmigte, und:
„Warum führte das Klinikum rechts der Isar der TU München sie durch und warum genehmigte auch die zuständige Bundesbehörde BfArM „so einen Stuss, den kein Journal publizieren wird“ und „eine Idiotie“, wie es der Naturheilforscher Edzard Ernst formuliert?
Die Studie war aber vielleicht nicht ganz umsonst: Wer sich in Zukunft blamieren möchte, weiß jetzt, wo die Expert:innen zu finden sind.
Eine neue Metaanalyse zum Thema Homöopathie bei Wechseljahresbeschwerden entkräftet DocCheck:
Im Fazit geben sich die Autoren durchaus vorsichtig. Die Effekte seien bescheiden, die Studien heterogen, die Evidenz insgesamt wenig belastbar. Ob Homöopathie über Placebo hinaus wirkt, bleibe nach wie vor unklar, und ein anerkannter Wirkmechanismus fehle.
All das ist richtig und wird von Homöopathie-Forschern gern heruntergebetet wie das Vater-Unser – nur Konsequenzen folgen daraus selten. Ein paar Absätze weiter empfehlen sie Ärzten trotzdem, Homöopathie in ihre Behandlungsoptionen für Frauen in den Wechseljahren aufzunehmen, besonders bei Kontraindikationen gegen eine Hormontherapie.
Am Grundproblem ändert die Arbeit ohnehin nichts. Es gibt keinen plausiblen Mechanismus, über den hoch verdünnte Präparate, in denen oft kein einziges Wirkstoffmolekül mehr steckt, das Thermoregulationszentrum im Hypothalamus beeinflussen könnten.
Völlig richtig schreibt spektrum.de über Samuel Hahnemann als den Mann, „der die Homöopathie erfand“ – und nicht etwa „entdeckte“:
Seiner Homöopathie liegt kein ausgearbeitetes Konzept der Ursachen von Krankheit und Gesundheit zugrunde, sondern ein nicht näher bestimmbarer „ganzheitlicher“ Ansatz, wonach Krankheit in einer gestörten Balance der „dynamischen Lebenskraft“ besteht […]
Klar formuliert heißt das, dass Hahnemann selbst nicht wusste, wie und wieso die Homöopathie funktioniere, das aber unwichtig fand, weil sie seinen Beobachtungen zufolge eben einfach tat, was sie sollte. Diese intellektuelle Selbstbeschränkung ist für einen Autor, der sich im ursprünglichen Titel seines Hauptwerks „der rationellen Heilkunde“ verpflichtete, recht seltsam.
Alles in allem schuf Hahnemann mit der Homöopathie ein entschieden antimodernes Heilverfahren, das aber vielleicht gerade deshalb seine Anhänger fand – und zwar damals wie heute.
Bei globuli.de steht zu lesen, das Entstehen der Homöopathie sei „eng mit dem Leben und auch den Charaktereigenschaften ihres Gründers, Samuel Hahnemann, verknüpft“.
Vielleicht ist das das Problem.
Zum Weiterlesen:
- „Eine bayerische Blamage mit Homöopathie“ gutepillen-schlechtepillen (28. Oktober 2026)
- Aufmuth, Anke „Globuli in der Menopause: Eine Studie kommt ins Schwitzen“ doccheck (23. Oktober 2026)
- Priesner, Claus/Dönges, Jan „Der Mann, der sich die Homöopathie ausdachte“ spektrum (20. Oktober 2026)
- Harder, Bernd „Für nichts und wieder nichts: Das stille Ende der Homöopathie-Studie des bayerischen Landtags“ skeptix (3. Juli 2026)
Titelfoto: Samuel Hahnemann Monument/Wikipedia



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