Erinnert sich noch jemand an die Homöopathie-Studie im Auftrag des bayerischen Landtags?
Zur Auffrischung:
2019 genehmigte der bayerische Landtag mit den Stimmen der Fraktionen von CSU und Freien Wählern einen Antrag für eine klinische Studie mit der Frage, ob durch Homöopathie der Einsatz von Antibiotika reduziert werden kann.
Konkret sollte an 240 Probandinnen mit regelmäßigen Harnwegsinfekten getestet werden,
… ob die Frauen seltener Antibiotika verschrieben bekommen, wenn sie homöopathische Zuckerkügelchen erhalten, hochverdünnt basierend auf Ausgangsstoffen wie Petersilie, Blei, Fluss- oder Phosphorsäure, als wenn sie „Placebo“-Globuli nehmen, die nicht nach homöopathischer Tradition hergestellt worden sind.
Schlappe 800.000 Euro standen für diesen Nonsens zur Verfügung.
Fünf Jahre später, im November 2024, vermeldete die FAZ dann das Aus:
Die Studie hat die Rekrutierung abgebrochen, da die erforderliche Zahl an Probandinnen in einem sinnvollen Zeitraum nicht erreichbar gewesen wäre.
Am Ende wollten lediglich 40 Versuchspersonen mitmachen.

Den neuesten Stand dieser lächerlichen Affäre gibt heute der Gesundheitsblogger Joseph Kuhn wieder:
Um den Begriff „abgebrochen“ gab es noch ein bisschen Streit, formal wurde die Laufzeit der Studie bis Anfang 2026 verlängert, aber de facto war sie zu Ende. Es konnten nur 40 Patientinnen rekrutiert werden, sie sollten nachbeobachtet werden. Warum auch immer. Das Geld war ja da.
Auf ClinicalTrials.gov wurden die Studieninformationen nicht mehr aktualisiert. Last update 8. November 2024, dann irgendwann: „Status unknown“.
Aber im EU Clinical Trials Register ist bereits vor einiger Zeit still und heimlich der Endbericht eingestellt worden. Leider erfährt man daraus weder, warum nur 40 Patientinnen rekrutiert werden konnten, auch nicht, warum davon nur 22 bis Studienende dabei waren.
Das Ergebnis bei diesen Fallzahlen, pharmakologisch ohnehin nicht anders erwartbar: nichts.
„Ein wahrhaft homöopathisches Ergebnis“, kommentiert Kuhn.
Das heißt allerdings noch lange nicht, dass die Vernunft sich überall in der bayerischen Politik Raum greift. Die Wanderausstellung „Kulturgeschichte der Homöopathie in Bayern“ wird von einem Landtagsabgeordneten der CSU hofiert, und eben jener Herr Seidenath protestiert auch gegen das geplante Aus für die Homöopathie auf Kassenkosten, zusammen mit dem ehemaligen bayerischen Wissenschaftsminister Thomas Goppel (CSU) und dem Allgäuer CSU-Bundestagsabgeordnete Stephan Stracke.
Auch dazu hat Kuhn bereits einen Kommentar verfasst:
Was von den gutbürgerlichen und gut verdienenden Zuckerfreunden noch niemand erklären konnte: Wenn sie die Homöopathie so sehr schätzen, warum können sie die paar Euro dafür nicht aus eigener Tasche zahlen?
Auch für Brillen und Zahnersatz, beides zweifellos nützlich, zahlt man selbst.
Ob es am Ende doch einfach nur um Klientelpolitik geht, um globuliaffine Wähler:innen und Hersteller vor Ort, um das „C“ im Namen der eigenen Glaubensgemeinschaft?
Ob indes der Starrsinn von einigen Altpolitikern ausreicht, um noch eine entscheidende Wende für ihre geliebten Globuli herbeizuführen, scheint mehr als fraglich. Vor der geplanten Schlussabstimmung über das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz am 10. Juli beklagen sogar beinharte Lobbyisten das „Verschwinden“ der Homöopathie aus der parlamentarischen Debatte und zeichnen ein „ernüchterndes Bild“ der Lage.
Ist ja auch nicht so, dass es bei dieser Debatte nicht um unendlich wichtigere Themen gehen würde.
Zum Weiterlesen:
- Kuhn, Joseph „Das verborgene Leben und Sterben der bayerischen Homöpathie-Studie“ Gesundheits-Check (3. Juli 2026)
- Kuhn, Joseph „Gesundheitsreformen, die Wissenschaft und die Politik“ Gesundheits-Check (26. Juni 2026)
- Ernst, Edzard „Prominent Germans signed an open letter in support of homeopathy and anthroposophic medicine“ edzardernst (23. Juni 2026)
- Harder, Bernd „Das Aus für die Homöopathie auf Kassenkosten scheint nun beschlossene Sache zu sein“ skeptix (29. April 2026)
- Harder, Bernd „Homöopathie-Studie: Für Zucker ist es sehr viel Geld“ skeptix (19. Februar 2025)
- Hanika, Jan-Claudius „Homöopathie: Bei keiner Krankheit mehr Wirkung als ein Placebo“ BR24 (8. April 2024)
- Borkens, Yannick /Plasberg, Yannick „Der Bayerische Landtag und die Homöopathie“ Ethik in der Medizin (3/2020)
Titelfoto: Pixabay/A_Different_Perspective


Schreibe einen Kommentar