„Das Problem mit ritueller Gewalt und Mind Control“

(Lesedauer ca. 4 Minuten)

Hörenswerte Podcast-Reihe vom österreichischen Psychotherapeuten Florian Friedrich:

Michaela Huber und Valeria Petkova in der Kritik: Das Problem mit ritueller Gewalt und Mind Control

In diesem Video setze ich mich als Psychotherapeut und Traumatherapeut kritisch mit den im deutschsprachigen Raum verbreiteten Konzepten der organisierten rituellen Gewalt und des satanistischen Mind Controls auseinander.

Im Fokus der wissenschaftlichen Analyse stehen die einflussreichen Thesen und Modelle der Traumatherapeutin Michaela Huber und der Aktivistin Valeria Petkova.

Rituelle Gewalt & Mind Control: Wenn eine Hypothese zur Gewissheit wird

In dieser Folge geht es um rituelle Gewalt, Mind Control, False Memory, Erinnerung und Traumatherapie – und um eine zentrale Frage: Wie können therapeutische Erklärungsmodelle unser Erleben beeinflussen?

Wir alle kennen Bestätigungsfehler, selektive Wahrnehmung und Erwartungseffekte. Wenn wir einmal eine Erklärung gefunden haben, die uns plausibel erscheint, beginnen wir häufig, die Welt durch diese Erklärung zu betrachten. Problematisch kann es werden, wenn aus einer vorsichtigen Hypothese Schritt für Schritt eine Gewissheit wird.

Am Beispiel des Mind-Control-Narrativs im Zusammenhang mit ritueller Gewalt schaue ich darauf, wie unterschiedliche mögliche Erklärungen für innere Zustände miteinander vermischt werden können: von fehlenden Erinnerungen über frühere Erfahrungen und dissoziative Prozesse bis hin zur Annahme einer gezielten „Programmierung“ durch Täter.

Rituelle Gewalt & Mind Control – Was ist wissenschaftlich belegt?

Was ist an den Erzählungen über rituelle Gewalt, satanistischen Missbrauch und Mind Control tatsächlich belegt – und wo beginnen wissenschaftlich nicht ausreichend belegte Annahmen?

Rituelle Gewalt und Mind Control – Wenn Erinnerungen zu Geschichten werden

Rituelle Gewalt und sogenannte Mind-Control-Systeme sind Themen, die in Psychotherapie, Medien und Öffentlichkeit kontrovers diskutiert werden. Gleichzeitig gibt es Menschen, die von schweren Gewalterfahrungen, Trauma und Dissoziation berichten.

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob Leid real ist, sondern wie wir mit Erklärungen und Erinnerungen umgehen, wenn sich daraus weitreichende historische Behauptungen entwickeln.

Beim Infoportal Satanic Panic findet sich zudem eine ausführliche Rezension des Buchs „Geteilte Persönlichkeiten“ von Liz Wieskerstrauch, die dazu auch den Film „Das geteilte Ich – Leben mit dissoziativer Identitätsstörung“ am Start hat. Der Rezensent ist davon genauso wenig angetan wie wir von ihrer Pseudo-Doku „Blinder Fleck“:

Obwohl Positionen unterschiedlicher Lager aufgegriffen werden, scheitert der Versuch einer differenzierten Darstellung. Es wird schnell deutlich, dass die Autorin fest von der Existenz Ritueller Gewalt überzeugt ist, wie es in der Verschwörungstheorie verbreitet wird.

So wird nicht nur von gezielter Abspaltung von Persönlichkeitsanteilen berichtet, sondern auch die Unterschiede von Persönlichkeitsanteilen hervorgehoben, welche sich sogar durch unterschiedliche Augenfarben bemerkbar machen würden […]

Aus meiner Sicht kann das Buch als Werbung für ein Verschwörungsnarrativ, die Dissoziative Identitätsstörung durch Rituelle Gewalt, verstanden werden.

Zum Weiterlesen:

Titelfoto: Unsplash/Jr Korpa

Kommentare

11 Kommentare zu „„Das Problem mit ritueller Gewalt und Mind Control““

  1. Vielen Dank für die Erwähnung der Rezension.

    Wie dort geschrieben, habe ich den Film „Blinder Fleck“ noch nicht gesehen und kann ihn deswegen nicht bewerten. Laut Buch soll er irgendwann kostenlos auf YouTube zu sehen sein.

    Weil es mir sonst zu lang geworden wäre, habe ich etliche Punkte gar nicht erwähnt!

    Nur mal in Stichpunkten, was da sonst noch vorkam:

    – Was haben Therapeuten davon, jemanden so etwas einzureden?

    – Der Fall Nathalie wird auch noch erwähnt

    – Eine Patientengruppe habe recherchiert, dass es in Littenheid unter tausenden Patienten nur bei 10 um rituelle Gewalt und Satanismus gegangen sei (Das anschließende Gutachten erwähnt sie gar nicht)

    – Es sei eine politische Entscheidung ob das BKA zu solchen Fällen ermitteln würde (dass oftmals ohne Ergebnis ermittelt wird, erwähnt sie trotzdem)

    – Anfragen bei Staatsanwaltschaften ergaben keine bekannten Fälle, aber ihr wären drei aus dem Raum Stuttgart bekannt (ja ja … wen gibt es da gleich? Die Villa Lindenfels und Wildwasser Stuttgart e.V.)

    – Aussagegutachten seien nur für gesunde Menschen geeignet (ist auch längst widerlegt)

    – „Blinder Fleck“ wurde bei öffentlichen Sendern abgelehnt (trotzdem darf sie eine Doku auf ARTE veröffentlichen)

    – Sie mache sich mit dem „Film“ zur Zielscheibe all der Zweifler (Soll das Immunisierung durch Vorwegnahme sein?)

    Ich kann mich gar nicht genug über den Inhalt aufregen …

  2. @Sebastian:

    Wir hatten hier ja schon mal die Diskussion, ob Frau Wieskerstrauch vieles einfach nicht weiß oder ob ihr Fakten und der aktuelle Forschungsstand völlig egal sind, weil sie sich als Aktivistin begreift, aber nicht als Journalistin.

    Was haben Therapeuten davon, jemanden so etwas einzureden?

    Auch diese Frage stellt sie ja immer wieder, obwohl das längst nurmehr rhetorisch ist, weil schon x-mal beantwortet, z.B. von Thomas Maier:

    Diese [RG-MC-] Verschwörungstheorie ist ein brauchbares Muster, das dem Therapeuten hilft, die eigene Ohnmacht abzuwehren. Wenn ich dieser Verschwörungstheorie anhänge, habe ich plötzlich glasklare Erklärungen, und unerklärliche Dinge fügen sich plötzlich für mich total erklärbar zusammen, Alles macht Sinn. Die ganze Ambivalenz reduziert sich auf einen Schlag, und es ist alles klar, es leuchtet mir alles sofort ein. Ich habe ein spezielles Wissen, das es mir ermöglicht, diesen Patientinnen zu helfen, denen alle anderen nicht helfen können.

    Es geht ganz simpel um die persönlichen Benefits einer jeden verschwörungsideologischen Überzeugung: Komplexitätsreduktion, Selbstaufwertung, Entlastung und Selbstwirksamkeit.

  3. @Bernd Harder

    weil sie sich als Aktivistin begreift

    Wenn das wirklich der Fall ist und ihre „Berichterstattung“ nur das Ziel hat, das Thema zu verbreiten, dann lügt sie auch ganz bewusst, indem sie viele Informationen ausblendet. Dann braucht sie sich auch nicht unter Deckmantel der Seriosität verstecken.

    weil schon x-mal beantwortet, z.B. von Thomas Maier: […]

    Das reicht mir nicht mehr als alleinige Erklärung. Dafür wäre es nicht notwendig, dass die Patientinnen bis zu hunderte abgespaltene Persönlichkeitsanteile haben. Inzwischen liegt der Standard schon im zweistelligen Bereich und da kommen noch solche Exoten wie „Tierwesen“ hinzu.

    Bei Persönlichkeiten wie Michaela Huber gehe ich inzwischen einfach von Gier aus, sonst hätte sie den Sitz der MH Akademie nicht im Ausland.

  4. Verfolgt hier eigentlich jemand die heute beginnende Tagung der Kitzberg-Kliniken? Ich bin leider verhindert. Die Punkte von Böök und Hasselmann und ggf. weitere kritische Stimmen würden mich schon interessieren.

  5. @ Sebastian:

    Ich setze mich aktuell wieder stärker mit meiner Fehlbehandlung auseinander und habe genau über diesen Aspekt der wahnsinnig vielen Persönlichkeitsanteile nachgedacht. Bei mir waren es am Ende Persönlichkeitsanteile im hohen zweistelligen Bereich.

    Ich habe nicht den Eindruck, dass dies gezielt so beabsichtigt war. Ich denke eher, dass dies das Ergebnis einer sehr ungesunden Therapiedynamik war, bei der immer wieder sämtliche Ambivalenzen, Gedanken und Gefühle, oder vermeintliche Erinnerungen und Träume unterschiedlichen und neuen Anteilen zugeordnet wurden. Das wurde zu einem Teufelskreis, der gar kein Ende finden konnte und zu einer immer schlimmeren erlebten Aufspaltung führten.

    Mich macht diese immer wiederkehrende Frage, was Therapeuten davon hätten jmd. etwas einzureden so sauer, weil immer wieder ignoriert wird, was dazu bereits gesagt wurde (Die Aspekte mit Selbstaufwertung usw.).

    Außerdem ist meine persönliche Erfahrung auch, dass mir nicht bewusst aktiv etwas eingeredet wurde sondern meine Symptomatik mit einer stark ideologisch geprägten Sichtweise betrachtet wurde, daraufhin Fehlschlüsse gezogen wurden wie „Es ist ist eine DIS —> also muss rituelle Gewalt vorliegen“ und daraufhin immer weiter nach Bestätigungen in Symptomatik und Verhalten gesucht wurde.

    Ich stelle mir inzwischen sehr oft die Frage, inwiefern diese intensive, kontrollierende und hochgradig abhängig machende Therapiebeziehung auch den Sinn (für die Therapeutin) hatte weitere narzisstische Bedürfnisse von ihr zu befriedigen. Und dies letztendlich nach außen als legitim zu begründen, da es ja dem Schutz dient und im Falle von Ritueller Gewalt und einem Ausstieg auch gar nicht anders ginge.

    Dadurch wurde eine eigentlich missbräuchliche Therapiebeziehung als legitim dargestellt.

    Aber dies sind nur meine Eindrücke, Gedanken und Interpretationen auf der Basis meiner eigenen Erfahrungen und meine Sichtweise auf meinen Behandlungsverlauf. Für die Allgemeinheit kann ich da natürlich nicht sprechen.

    Und ich hoffe, dass ich mich gerade überhaupt verständlich ausdrücken kann und verstanden wird, was ich meine…

  6. @Sebastian:

    Bei Persönlichkeiten wie Michaela Huber gehe ich inzwischen einfach von Gier aus, sonst hätte sie den Sitz der MH Akademie nicht im Ausland.

    Zumindest der Facebook-Account besteht fast nur noch aus der permanenten Wiederholung der immergleichen Seminar-Werbung.

  7. Der Titel „Blinder Fleck“ plagiiert einen anderen Filmtitel, bei dem es ernsthaft um unaufgeklärte Netzwerke geht:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Der_blinde_Fleck_(2013)

  8. @Luna

    Vielen Dank fürs Teilen!

    Aber dies sind nur meine Eindrücke, Gedanken und Interpretationen auf der Basis meiner eigenen Erfahrungen und meine Sichtweise auf meinen Behandlungsverlauf. Für die Allgemeinheit kann ich da natürlich nicht sprechen.

    Was ich geschrieben habe ist weder erfahrungsbasiert noch objektiv. Es ist nur meine tiefschwarz eingefärbte Meinung. Ob es wirklich immer mehr Persönlichkeitsanteile sind kann ich auch nur vom Lesen einschätzen. Eine Statistik fehlt mir bisher.

    Auf mich wirkt es manchmal wie Sitzungen zu Reinkarnationen, wo plötzlich jeder Kleopatra war … es muss halt etwas Besonderes dabei herumkommen und bei einer DIS sind es eben die Anzahl von Persönlichkeitsanteilen und die damit verbundenen Gräueltaten. Aber das sind keine Fakten, nur mein Gefühl.

    Den Punkt mit dem Narzissmus kann ich mir durchaus vorstellen. Insbesondere, wenn sich welche als Expert*in in diesem Bereich bezeichnen und die schwierigsten Fälle auf dem Tisch haben, mit denen man dann in diversen Interviews und auf Tagungen auftaucht.

    Realistisch betrachtet wird es vermutlich eine breite Streuung unterschiedlicher Motive geben. Jedoch kann auch eine gute Intention negative Auswirkungen mit sich bringen.

  9. Luna, hast du deine Erlebnisse irgendwo schriftlich online? Mich würde das wirklich sehr interessieren.

    LG Stella

  10. @stella:

    Ich schreibe aktuell an einem Erfahrungsbericht, den ich im Anschluss auch veröffentlichen möchte und werde.

    Ich muss aber auch sagen, dass es ziemlich herausfordernd ist, 13 Jahre Fehltherapie in einem verhältnismäßig kurzen Erfahrungsbericht zusammenzufassen, ohne ein ganzes Buch zu schreiben und dennoch möglichst alle relevanten Aspekte aufzunehmen.

    Ich werde da wohl noch etwas Zeit brauchen …

  11. Das glaube ich Dir Luna. Pass beim schreiben auf dich auf, denn gerade beim schreiben kommt oft vieles hoch.

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