Sein „Tätigkeitsschwerpunkt“ sei nach wie vor die „satanisch-rituelle Pädophilie“.
Das hat die AfD-Bundestagsabgeordnete Christina Baum bei einem Besuchstermin in der Justizvollzugsanstalt Frankfurt am Main I erfahren, und zwar von Maximilian Eder. Der Rechtsextremist und Verschwörungsideologe habe ihr „Dinge“ erzählt – die kann sie gar nicht wiedergeben, berichtet Baum bei Bittel TV:

Selbiges postete die Politikerin in ihrem Telegram-Kanal:

Auch diese beiden Damen haben von Maximilian Eder bei einem Haftbesuch erfahren, dass sein größtes Anliegen die „satanisch-rituelle Pädophilie“ ist:

Alle Wahrheiten, die er schon ausgesprochen hat, kommen jetzt offiziell. Wofür er diffamiert worden ist, auch gerade die satanisch-rituelle Pädophilie, die unbedingt ans Tageslicht kommen muss. Wir sollen weitermachen, hat er gesagt.
Aber womit weitermachen? Mit der Verbreitung von Verschwörungstheorien?
Wie etwa die von der „satanischen Blutsekte“, ein Lieblingsthema der OCG-Aktivistin und Sasek-Tochter Lois. Über die Recherchekünste der kla.TV-Moderatorin berichtet Relinfo:
Kla.TV blendet viele verschiedene Menschen ein, die von systematischer, ritueller Gewalt betroffen sein sollen. Die Quellen bestehen vor allem aus YouTube-Videos, hochgeladen von ominösen Channels. Die Videos wurden vollständig aus dem Kontext gerissen.
Darunter sind beispielsweise Aufnahmen von alten Fernsehsendungen, die wegen Falschinformationen längst aus der Öffentlichkeit zurückgezogen worden sind. Auch die verlinkten Webseiten lassen zu wünschen übrig: Teils wird auf eigene kla.TV-Produktionen verwiesen, und auch die Webseite des Verschwörungstheoretikers Guido Grandt wird mehrmals verlinkt […]
Skandale, Verbrechen und Gewalttaten werden neu aufgebrüht und mit Mutmassungen, Andeutungen, Verdrehungen und Lügen angereichert.
Ein Übersichtsartikel zur Kontroverse um „Rituelle Gewalt“ ist heute bei spektrum.de erschienen:

Die Psychologin Amelie Möhring-Geisler streift darin auch die Themen „Mind Control“ und „Dissoziative Identitätsstörung“, was wir gerade erst hier im Blog kontrovers diskutiert haben, und erklärt (u.a. nach Mokros et al.):
Wer sich mit der Fachliteratur zu Bewusstseinsmanipulation und sogenannter „mind control“ befasse, erkenne schnell:
Die dahinterstehenden Theorien seien pseudowissenschaftlich und spekulativ. Tatsächlich existiere weder ein schlüssiges theoretisches Modell noch ein belastbarer Beleg dafür, dass Täter gezielt eine dissoziative Identitätsstörung – eine anerkannte Diagnose, die früher „multiple Persönlichkeitsstörung“ hieß – hervorrufen und ihre Opfer damit kontrollieren könnten.
Unklar bleibt auch, welche konkreten Mittel Täter dafür einsetzen müssten und wie das psychologisch funktionieren soll.
Häufig wird auf den Lernprozess der Konditionierung verwiesen – mit der Vorstellung, dass sich komplexe Verhaltensmuster durch externe Reize präzise auslösen und genau steuern ließen – auch gegen den Willen des Betroffenen. Doch so weitreichende Annahmen unterstützt die moderne Lerntheorie gar nicht.
Die Psychologin Maggie Schauer von der Universität Konstanz befasst sich wissenschaftlich und therapeutisch schon lange mit Schwersttraumatisierten. Sie ist gegenüber der Vorstellung einer derartigen Gehirnwäsche äußerst skeptisch:
„Ich wüsste bei aller geballten Wissenschaft nicht, wie man einen Menschen vollkommen abrichten und für die eigenen Zwecke instrumentalisieren sollte. Man kann jemanden durch Deprivation oder Folter zwar psychisch brechen, aber damit erzeugt man eine schwere Traumafolgestörung. Und eine solche Pathologie lässt sich nicht nutzen, um jemanden zuverlässig zu kontrollieren.“
Mokros selbst (Fachpsychologe für Rechtspsychologie) wird von Möhring-Geisler so zitiert:
„Aus erkenntnistheoretischer Sicht müssen wir festhalten: Man kann die Nichtexistenz einer Sache nicht beweisen. Es kann ja immer sein, dass man irgendwo etwas übersehen hat.“
Doch bei der Vorstellung, jemand sei durch rituelle Gewalt bewusst gespalten und abgerichtet worden, hätte all das lange Zeit vergessen und erinnere sich plötzlich wieder, sei zu bedenken:
„Das ist wie ein Kochrezept mit den allerseltensten Zutaten. Man hat einen Baustein, der superunwahrscheinlich ist, einen zweiten, der mindestens ebenso fernliegt, und noch einen dritten und vierten dieser Art. Dass die alle gemeinsam auftreten, ist noch viel unwahrscheinlicher.“
Parallel dazu befasst sich ein weiterer Artikel speziell mit der DIS (die Langfassung gibt es hier):

Darin wird auch die Frage unseres Kommentators beantwortet, „was denn bitte sonst die DIS verursacht haben soll“ – außer eben schwerer/ritueller Gewalt?
Dazu nur kurz:
Die Ursachen der DIS werden äußerst kontrovers diskutiert.
Einige Theorien sehen die Symptomatik als Schutzsystem der Psyche, das nur unter extremen traumatischen Erlebnissen aktiv wird, während andere Modelle den Einfluss von Kultur, Medien und suggestiven Therapietechniken betonen […]
Kritiker der Traumatheorie gehen hingegen davon aus, dass viele der typischen DIS-Symptome auch bei Menschen ohne nachgewiesenes Trauma auftreten können. Sie warnen davor, Selbstaussagen Betroffener automatisch als Beweis für vergangene Missbrauchserfahrungen zu werten.
Auch für die behauptete „Amnesie der Persönlichkeitsanteile untereinander“ (Interidentitätsamnesie) gibt es den Autoren und Psychologen Philipp Herzog, Tim Kaiser und Rafaële Huntjens zufolge keinen wirklichen Beleg:
Ältere Untersuchungen bestätigen zwar, dass Betroffene subjektiv Erinnerungslücken haben. Ob das tatsächlich auch objektiv der Fall war, wurde in früheren Studien dabei selten getestet. In neueren, sorgfältig kontrollierten Experimenten, die das taten, zeigte sich jedoch:
Alle Informationen, auch solche über schlimme autobiografische Erlebnisse, sind im Prinzip zugänglich – auch wenn Betroffene das anders empfinden.
Doch solche Fehlannahmen zu Traumagedächtnis, Suggestion und Aussagequalität sind weit verbreitet, konstatiert die Rechtspsychologin Michaela Sonnicksen in ihrer Dissertation:

Zugleich gibt die Arbeit einen Abriss über den aktuellen Kenntnisstand zum Thema „Scheinerinnerungen“. Auch die „Memory Wars“ der 1990er-Jahre werden angesprochen (Seite 19 f.)
Der gleichnamige Film „Memory Wars – Elizabeth Loftus und die Macht der Erinnerung“ läuft derzeit in verschiedenen Städten. Zu unserem Interview mit Regisseur Hendrik Löbbert geht es hier.
Zum Weiterlesen:
- Möhring-Geisler, Amelie „Rituelle Gewalt – Zwischen Trauma und Trugbild“ spektrum (9. September 2025)
- Herzog, Philipp/Kaiser, Tim/Huntjens, Rafaële „Die wichtigsten Fakten zur dissoziativen Identitätsstörung“ spektrum (9. September 2025)
- Herzog, Philipp/Kaiser, Tim/Huntjens, Rafaële „Von hartnäckigen Fiktionen und unbequemen Wahrheiten über die Dissoziative Identitätsstörung“ Psychotherapeutenjournal (18. März 2025)
- Grübl, Josef „Dokumentarfilm Memory Wars: Was nicht bleibt, ist die Erinnerung“ Süddeutsche (3. September 2025)
- Büchler, Lou „Wenn eine Sekte eine Sekte erfindet – Die Organische Christus-Generation verbreitet die Blutsekten-Verschwörungstheorie“ relinfo (1. September 2025)
- Friedrich, Florian „Rituelle Sexuelle Gewalt ist eine Legende“ psychotherapie-salzburg (24. August 2025)
- Friedrich, Florian „Rituelle Gewalt: Rufschädigung von Michaela Huber?“ psychotherapie-salzburg (24. August 2025)
- „Definitionen Rituelle Gewalt“ Infoportal Satanic Panic (15. August 2025)
- Meier, Birte „Die Gerichtsshow des Maximilian Eder“ stern.de (18. Juni 2024)
- Video „Reichsbürger-Prozess: Ehemaliger KSK-Oberst wegen Putschversuchs vor Gericht“ stern TV (4. Juni 2024)
- Kaiser, Tina „Kinder, geheime Tunnel, Schweizer Gauner: Wie ein Ex-Soldat die Deutschen zum Regierungssturz aufwiegeln wollte“ stern.de (4. April 2024)
- „Deutscher Ex-Oberst glaubt an Kinderfolter-Tunnels in der Schweiz“ blick.ch (9. Dezember 2022)
- Sonnicksen, Michaela „Sexuelle Missbrauchserlebnisse in Kindheit und Jugend: Offenbarungsverhalten Betroffener, Kontinuität der Erinnerungen und Fachkenntnisse in relevanten Berufsgruppen“ uni-bonn (23. Juli 2025)
- Mokros, Andreas/Schemmel, Jonas/Körner, André/Oeberst, Aileen „Rituelle sexuelle Gewalt: Eine kritische Auseinandersetzung mit fragwürdigen empirischen Belegen für ein fragliches Phänomen“ Psychologische Rundschau (4/2024)
- Harder, Bernd „Memory Wars: Doku über Elizabeth Loftus und das Thema Falscherinnerungen neu im Kino“ skeptix (18. August 2025)
Titelfoto: Freepik


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