Das klingt tatsächlich nach einem möglichen Aus für die kassenfinanzierte Homöopathie, was die Bundesgesundheitsministerin am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Berlin sagte (ab Minute 22:15):
„Dinge“, die „so von der Evidenz her nicht den Erfolg gezeigt haben“, sollen künftig nicht mehr bezahlt werden – das gelte zum Beispiel für die Homöopathie.
Auch die Bild-Zeitung hat das so verstanden:

Das Gesetzespaket zur Krankenkassen-Reform soll noch vor der Sommerpause verabschiedet werden.
Im vergangenen Jahr hatte sich das INH mit einem Offenen Brief an Nina Warken gewandt und darauf hingewiesen, dass die Sonderbehandlung der
Homöopathie im Arzneimittel- und Sozialrecht nicht mit den Grundsätzen einer evidenzorientierten und am Patientenwohl ausgerichteten Gesundheitspolitik vereinbar sei.
T-Online nennt das bevorstehende Aus für die Homöopathie als Satzungsleistung der Krankenkassen wie auch in Selektivverträgen „absolut richtig, nötig und zeitgemäß“. Auch vonseiten der Globuli-Lobbyisten bleibt es erstaunlich ruhig. Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) und das Bündnis „weil’s hilft“ hatten jeweils ein lahmes Statement abgegeben (hier und hier), aber auf weitere Aktionen, wie etwa eine Petition, verzichtet – erklärtermaßen wegen der Befürchtung, die Mobilisierung der Community nicht zu schaffen.
Der Branchenverband Pharma Deutschland veröffentlichte vor wenigen Tagen eine Stellungnahme, der zufolge „Homöopathika in erster Linie im Selbstzahlermarkt nachgefragt werden und der erstattete Anteil vergleichsweise gering ist“:
Für Patientinnen und Patienten bedeutet der Vorschlag vor allem, dass eine bislang von einigen Kassen zusätzlich angebotene, freiwillige Leistung entfiele, während sich an der grundsätzlichen, privat finanzierten Nutzung homöopathischer Präparate wenig ändern würde.
In der Tat beziffert die Finanzkommission Gesundheit das Einsparpotenzial dieser Maßnahme auf lediglich 40 Millionen Euro im Jahr. Den Homöopathie-Kritiker:innen geht es indes nur am Rande um den finanziellen Aspekt. Viel bedeutsamer ist, dass die gesetzlichen Krankenkassen einer Nonsensmethode öffentliche Glaubwürdigkeit und Renommee verschaffen:
Die Wirkung ist fatal, denn viele Patienten gehen davon aus: Was die Kasse zahlt, muss doch auch „echte” Medizin sein, sonst würden sie es ja nicht zahlen […] Die Kassen tragen damit zur Desinformation der Patienten bei und letztlich zum Gegenteil von Aufklärung,
schrieb Natalie Grams schon 2016. Wissenschaftliche Fakten dürfen nicht „zur freien Disposition gestellt werden“, ergänzt das INH.
Hoffentlich ist damit jetzt bald Schluss.
Zum Weiterlesen:
- „Homöopathie im Fokus der GKV-Finanzierungskommission“ INH (15. April 2026)
- „Krankenkassen-Reform: Alle müssen etwas beitragen“ Pharma Fakten (15. April 2026)
- Schmidt, Florian „Aus für Homöopathie: Dieser Schritt ist lange überfällig“ t-online (14. April 2026)
- Beham, Sarah „Krankenkassen-Reform: Das plant Gesundheitsministerin Warken“ BR24 (14. April 2026)
- Harder, Bernd „Finanzkommission Gesundheit: Fliegt die Homöopathie jetzt endlich aus der Erstattung?“ skeptix (8. April 2026)
- Endruscheit, Udo „Homöopathie – Zeitlos“ Science and Sense (8. April 2026)
- „Politischer Handlungsbedarf: Offener Brief des INH an Bundesgesundheitsministerin Warken“ INH (29. August 2025)
- Schmitz, Heinrich „Keinen Kassencent für Homöopathie“ Die Kolumnisten (28. September 2019)
- Grams, Natalie „Warum Krankenkassen endlich aufhören sollten, für Homöopathie zu bezahlen“ vice (3. Juni 2016)
Titelfoto: Phoenix


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