War’s das? Nina Warken deutet Kassen-Aus für Homöopathie an

(Lesedauer ca. 3 Minuten)

Das klingt tatsächlich nach einem möglichen Aus für die kassenfinanzierte Homöopathie, was die Bundesgesundheitsministerin am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Berlin sagte (ab Minute 22:15):

„Dinge“, die „so von der Evidenz her nicht den Erfolg gezeigt haben“, sollen künftig nicht mehr bezahlt werden – das gelte zum Beispiel für die Homöopathie.

Auch die Bild-Zeitung hat das so verstanden:

https://www.bild.de/politik/inland/regierung-aeussert-sich-zum-spritpreis-zoff-die-lage-im-live-ticker-69dc89da246b3860d50249de

Das Gesetzespaket zur Krankenkassen-Reform soll noch vor der Sommerpause verabschiedet werden.

Im vergangenen Jahr hatte sich das INH mit einem Offenen Brief an Nina Warken gewandt und darauf hingewiesen, dass die Sonderbehandlung der
Homöopathie im Arzneimittel- und Sozialrecht nicht mit den Grundsätzen einer evidenzorientierten und am Patientenwohl ausgerichteten Gesundheitspolitik vereinbar sei.

T-Online nennt das bevorstehende Aus für die Homöopathie als Satzungsleistung der Krankenkassen wie auch in Selektivverträgen „absolut richtig, nötig und zeitgemäß“. Auch vonseiten der Globuli-Lobbyisten bleibt es erstaunlich ruhig. Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) und das Bündnis „weil’s hilft“ hatten jeweils ein lahmes Statement abgegeben (hier und hier), aber auf weitere Aktionen, wie etwa eine Petition, verzichtet – erklärtermaßen wegen der Befürchtung, die Mobilisierung der Community nicht zu schaffen.

Der Branchenverband Pharma Deutschland veröffentlichte vor wenigen Tagen eine Stellungnahme, der zufolge „Homöopathika in erster Linie im Selbstzahlermarkt nachgefragt werden und der erstattete Anteil vergleichsweise gering ist“:

Für Patientinnen und Patienten bedeutet der Vorschlag vor allem, dass eine bislang von einigen Kassen zusätzlich angebotene, freiwillige Leistung entfiele, während sich an der grundsätzlichen, privat finanzierten Nutzung homöopathischer Präparate wenig ändern würde.

In der Tat beziffert die Finanzkommission Gesundheit das Einsparpotenzial dieser Maßnahme auf lediglich 40 Millionen Euro im Jahr. Den Homöopathie-Kritiker:innen geht es indes nur am Rande um den finanziellen Aspekt. Viel bedeutsamer ist, dass die gesetzlichen Krankenkassen einer Nonsensmethode öffentliche Glaubwürdigkeit und Renommee verschaffen:

Die Wirkung ist fatal, denn viele Patienten gehen davon aus: Was die Kasse zahlt, muss doch auch „echte” Medizin sein, sonst würden sie es ja nicht zahlen […] Die Kassen tragen damit zur Desinformation der Patienten bei und letztlich zum Gegenteil von Aufklärung,

schrieb Natalie Grams schon 2016. Wissenschaftliche Fakten dürfen nicht „zur freien Disposition gestellt werden“, ergänzt das INH.

Hoffentlich ist damit jetzt bald Schluss.

Zum Weiterlesen:

Titelfoto: Phoenix

Kommentare

22 Kommentare zu „War’s das? Nina Warken deutet Kassen-Aus für Homöopathie an“

  1. Zehn Jahre reden wir vom INH uns den Mund fusselig …

    Was das Schreiben des INH an Ministerin Warken angeht: Staatssekretär Sorge hat uns tatsächlich geantwortet. Allerdings – Ende letzten Jahres – mit einem Strauß der üblichen Floskeln aus der Mottenkiste, die schon staubig waren, als sich ihrer vor gut zehn Jahren der damalige Gesundheitsminister Gröhe bediente.

    Und nun? Ich sag ja – zehn Jahre reden wir uns vom INH den Mund fusselig … Aber vielleicht hat das ja ein wenig Einfluss darauf gehabt, dass nun gerade die Homöopathie in der Diskussion direkt benannt wird – als Symbol für Unsinn im System.

    Nun gut. Die Stimmen der Lobby sind eher schwach, was sollen sie auch sagen. Aber trotzdem wird das INH noch einmal an Staatssekretär Sorge schreiben, um die Entwicklung zu unterstützen. Nicht mit medizinwissenschaftlichen Argumenten, die sind ausgereizt und nicht mehr diskussionsfähig.

    Aber im Hinblick auf die politische Verantwortung, die auch jenseits fiskalischer Überlegungen endlich einmal bewusst werden muss.

  2. Der heute bekannt gewordene Referentenentwurf sieht die Streichung von Homöopathie und Anthroposophie vor.

  3. Ja, Seite 9:

    Homöopathische und anthroposophische Arzneimittel sowie homöopathische und anthroposophische Leistungen sind als zusätzliche Satzungsleistungen im Sinne dieses Absatzes ausgeschlossen.

    Seite 61:

    Für die Wirksamkeit homöopathischer und anthroposophischer Arzneimittel und Leistungen liegt keine hinreichende wissenschaftliche Evidenz vor. Ihre Nutzung sollte daher nicht vom Versichertenkollektiv der Krankenkassen finanziert werden. Die Erstattungsfähigkeit von Homöopathie und Anthroposophie in der GKV wird daher gestrichen. Versicherte können sich homöopathische und anthroposophische Leistungen weiterhin selbst beschaffen und bei Bedarf private Versicherungen zur Kostenübernahme abschließen.

    Das war’s wohl, auch wenn das Gesetz noch nicht beschlossen ist.

  4. Nur der gute Professor Frass lebt weiter in seiner Fantasiewelt und faselt von Evidenz, nachweislichem Nutzen und dem „bahnbrechenden“ systematischen Review von Hamre et al.

    Das war dieser Nonsens:

    https://netzwerk-homoeopathie.info/im-datennebel-ein-neuer-review-zur-homoeopathie/

  5. Die Homöopathen rufen zum Protest auf. Die Homöopathie sei evidenzbasiert und kosteneffektiv:

    https://www.homoeopathie-online.info/referentenentwurf-liegt-vor-homoeopathie-soll-gestrichen-werden/

    Dazu haben sie in den letzten Jahren einiges an gefälligen Studien angehäuft, getreu dem Motto, gibt es nur genug Studien, gibt es auch welche, die passen.

    Bin gespannt, ob die Politik diesmal, anders als seinerzeit Karl Lauterbach, hart bleibt.

  6. Die Initiative „weil’s hilft“ unter der Regie des nicht unbekannten Anthroposophen (!) Schmidt-Troschke ruft schon wieder zu massenhaften Eingaben mit Einheitstext auf. Und macht geltend, dass ja ihre damalige Petition immerhin 200.000 Unterschriften hatte (die Erörterung im Petitionsausschuss war ein Graus).

    Aber das wird diesmal wohl nichts nützen. Zumal die Kommunikationsmethode mit massenhaften gleichlautenden Mails oder Postkarten längst in Verruf geraten ist – selbst der gemeine Politker vermutet dahinter zu Recht keine echte Besorgnis, sondern eine gesteuerte Kampagne.

    Es gibt zu der Arbeit von Hamre et al. ja noch eine sehr scharfe Replik des Autors auf die Wertung des INH. Die ist aber derart verworren, dass wir dazu gar nicht schreiben können – und auch nicht wollen.

    Es ist einfach: medizinisch irrelevant, Ende der Debatte. Wir vom INH diskutieren das nur noch im Notfall und ausschließlich reaktiv.

  7. @Udo Endruscheit:

    Aber das wird diesmal wohl nichts nützen.

    Ja, es ist überaus amüsant, die verzweifelten Solo-Aktivitäten eines um „Kaffeespenden“ bettelnden PR-Genies zu verfolgen, dessen Kommunikationsmethoden ebenfalls so 80er-Jahre sind („Protestbriefe“ u.ä.).

    Die Verbände selbst sind offenbar völlig ratlos, wie sie auf die Situation reagieren sollen.

  8. @ Bernd Harder:

    „Die Verbände selbst sind offenbar völlig ratlos, wie sie auf die Situation reagieren sollen.“

    Man würde ihnen ja gerne nahelegen, homöopathisch dosiert zu reagieren. Aber dass das wirkt, daran glauben sie wohl nicht so richtig.

  9. @Bernd Harder
    „dessen Kommunikationsmethoden ebenfalls so 80er-Jahre sind („Protestbriefe“ u.ä.).“

    Würde ich nicht unbedingt als „nutzlos“ ansehen. Beim Spiegel werden sowohl E-Mails als auch Briefe ausgewertet.

    Manche der (politischen) Entscheider stammen aus einer ähnlichen Zeit und werten es unter Umständen als höheren Aufwand, wodurch es mit mehr „Wertschätzung“ berücksichtigt wird.

    Das „Ignorieren“ eines Briefes ist zudem mit mehr Aufwand verbunden. (Schreddern, anstatt den Löschen-Knopf drücken)

  10. @Sebastian:

    Beim Spiegel werden sowohl E-Mails als auch Briefe ausgewertet.

    Schon, das kenne ich auch von der Lokalzeitung.

    Ich sehe trotzdem den Unterschied, den Herr Endruscheit schon angedeutet hat. Aus Leserbriefen gibt es ja hin und wieder durchaus etwas Interessantes zu erfahren, wie hier im Kommentarbereich auch.

    Aber zum Thema Homöopathie ist ja seit Jahrzehnten alles gesagt, es gibt keinerlei Argumente mehr dafür, die politische Entscheider noch nicht gehört hätten und die längst bei Parteitagen o.ä. rauf und runter diskutiert worden sind, zuletzt bei den Grünen.

    Alle Zahlen dazu sind bekannt (Nutzer, Kosten, Profiteure etc.pp.), es geht ja in der Tat nur noch darum, mit „massenhaften Eingaben“ eine Illusion von Wichtigkeit aufrechtzuerhalten.

    „Keine hinreichende wissenschaftliche Evidenz“ ist ja keine Einladung zu einer Diskussion mehr, sondern eine Festlegung.

  11. Auch der GKV-Spitzenverband hat keinen Bock mehr auf Homöopathie:

    Die beabsichtigte Streichung der Möglichkeit, homöopathische und anthroposophische Arzneimittel sowie homöopathische und anthroposophische Leistungen als zusätzliche Satzungsleistungen zu übernehmen, deckt sich mit den ansonsten üblichen Regularien im Bereich der GKV. Demnach können Leistungen bei fehlender wissenschaftlicher Evidenz grundsätzlich nicht übernommen werden.

    https://www.gkv-spitzenverband.de/media/dokumente/presse/p_stellungnahmen/2026_2027/260419_GKV-SV_Stn_RefE_BStabG_final.pdf

  12. Derweil stoppt das Schweizer Gesundheitsministerium BGA eine kritische Überprüfung der Homöopathie:

    https://www.srf.ch/news/schweiz/keine-ueberpruefung-homoeopathie-wird-weiterhin-durch-grundversicherung-bezahlt

    Kritischer als der SRF berichtet der Tagesanzeiger darüber:

    Die Schweiz ist inzwischen eines der letzten westlichen Länder, in denen Homöopathie noch Teil der öffentlichen Gesundheitsversorgung ist. Die Argumente des BAG lesen sich in weiten Teilen wie ein Kondensat der Stellungnahme, die die Ärzteverbindung FMH im Zuge der Umstrittenheitsabklärung eingereicht hat. Die fünfseitigen Ausführungen zugunsten der Homöopathie sind von der FMH-Präsidentin Yvonne Gilli unterschrieben, die selbst als Homöopathie-Ärztin praktiziert.

    Neben den auch vom BAG genannten Argumenten insistiert die FMH auf einer Wirksamkeit der Homöopathie. Dabei bezieht man sich auf eine Übersichtsarbeit von Autoren um Harald Hamre von der deutschen Universität Witten/Herdecke. Die Veröffentlichung wird von Fachleuten als methodisch äusserst zweifelhaft kritisiert. Mit statistischen Kniffen gewichtet sie bereits fragwürdige Studien mehrfach und produziert so verzerrte Resultate.

  13. https://www.srf.ch/news/schweiz/keine-ueberpruefung-homoeopathie-wird-weiterhin-durch-grundversicherung-bezahlt

    „Der Bund räumte ein, dass die Wirksamkeit der komplementär-medizinischen Behandlungen nicht nach den selben Kriterien wie die übrigen medizinischen Leistungen wissenschaftlich gemessen werden könne.“

    Das stimmt doch so gar nicht?

    Wenn wirklich etwas „geistartig“ wirken würde, könnte zwar dieses „geistartige“ nicht bewiesen werden, wohl aber die Wirkung. Und das sollte doch nach wissenschaftlichen Regeln funktionieren. Doppelt verblindet und randomisiert.

    Finde ich als Laie.

  14. Sagt mal, was wird da denn konkret diskutiert?

    Streichung aus der Satzung heißt dann möglicherweise zukünftig „bleibt formal weiterhin Arzneimittel, kann vom ‚Arzt‘ verordnet/empfohlen werden, muss in der Apotheke vertrieben, aber vollständig selbst bezahlt werden“ oder geht es um die vollständige Entfernung aus dem Gesundheitswesen und dann Verkauf in Reformhaus, DM & Co unter Verzicht auf jegliche gesundheitsbezogene Aussage?

  15. @Christian:

    Erst mal nur Ersteres.

    Das „Eintreten gegen die Arzneimitteleigenschaft homöopathischer Präparate“ bleibt weiterhin erklärtes Ziel vom INH und der Skeptiker.

  16. @Christine:

    Das stimmt doch so gar nicht?

    Nein, das ist in der Tat Unsinn. Eine etwaige „Wirkung“ könnte man immer belegen, völlig unabhängig von einem – möglicherweise noch unbekannten – Wirkmechanismus.

  17. Nach einer Krebsoperation wird oft eine Chemotherapie durchgeführt, um verbliebene Krebszellen zu zerstören. Leider verweigern manche Patienten diese Therapie, weil sie „fühlen“, dass dies nicht nötig sei, oder sich lieber homöopathisch behandeln lassen wollen. Wir erklären viel, schreiben manchmal sogar Briefe an die betreffenden Personen mit der Bitte, es sich zu überlegen. Von einigen hören wir nichts mehr. Andere sehen wir dann wieder, wenn der Krebs zurückgekommen ist – und die Heilungschancen viel schlechter sind.

    https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/magazin/aerzte-patienten-bewertung-e945133/

  18. Wir beobachten eine gewisse Neigung zu Verschwörungstheorien und magischem Denken. Ein Patient hat einmal gefragt, ob wir ihn mit der Betäubungsspritze heimlich impfen wollen. Er hat dann sorgfältig die Ampulle überprüft. Eine Patientin hat neulich ihr Zahnimplantat in einem Tütchen hin- und hergeschwenkt, es so offensichtlich ausgependelt und dann abgelehnt: „Schwarzes Wurzelchakra.“ Ich war zu müde, um zu fragen, was das bedeuten soll.

    https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/magazin/aerzte-patienten-bewertung-e945133/

  19. Herrlich:

    Eine Petition „rettedeinehomöopathie: Sagen Sie Nein zur Streichung von Homöopathie bei Krankenkassen“ ist von openPetition gesperrt worden – wegen „falscher Tatsachenbehauptungen, fehlender Quellenangaben oder irreführender Unterschlagung von relevanten Tatsachen“.

    Zum Beispiel, dass Homöopathie keinerlei wissenschaftliche Evidenz hat. Und nicht wirkt. Und mitnichten zu weniger Kosten führt. Etc.pp.

    https://www.openpetition.de/petition/online/rettedeinehomoeopathie-sagen-sie-nein-zur-streichung-von-homoeopathie-bei-krankenkassen

  20. @ Bernd Harder:

    Das war leider gestern. Heute heißt auf der Petitionseite:

    „Sehr geehrte Unterstützende,
    die Petition wurde gemäß unserer Nutzungsbedingungen überarbeitet. Die temporäre Sperrung wurde wieder aufgehoben und die Petition kann nun weiter unterzeichnet werden.
    Wir bedanken uns für Ihr Engagement!
    Ihr openPetition-Team“

    Die Petitionsfrage Beckers, „sollen Krankenkassen weiterhin selbst entscheiden können, ob sie diese im Rahmen ihrer Satzung anbieten“, ist aber ohnehin unsinnig. Auch Satzungsleistungen stehen ja nicht im freien Raum und Freibier auf Kassenkosten würde auch sehr schnell unterbunden.

  21. @Joseph Kuhn:

    Das war leider gestern.

    Schon, aber es war zumindest ein amüsanter Dämpfer für den panischen Hyperaktivismus des Herrn.

    Die Petitionsfrage Beckers, „sollen Krankenkassen weiterhin selbst entscheiden können, ob sie diese im Rahmen ihrer Satzung anbieten“, ist aber ohnehin unsinnig.

    Nicht nur das, der GKV-Spitzenverband will den Quatsch ja loswerden:

    https://www.gkv-spitzenverband.de/media/dokumente/presse/p_stellungnahmen/2026_2027/260419_GKV-SV_Stn_RefE_BStabG_final.pdf

  22. 24.04.2026, 15:10

    Die Petition wird von Homöopathie-Verbänden aktiv boykottiert. Da ich als Patient nicht die Möglichkeit habe, allein zu mobilisieren, gibt es keine realistische Möglichkeit, das Qurorum von 30.000 Unterschriften zu erreichen. Danke für Ihr Verständnis und danke für die bisherigen Unterschriften. Jeder andere Homöopathie-Freund kann nun eine Petition aufsetzen und sein Glück zu versuchen, die Homöopathie-Gemeinschaft zu aktivieren.

    Da ist aber jemand schwer frustriert. Andererseits zieht Becker sich enthusiastisch daran hoch, dass bei Focus-Online ein paar Zeilen aus einem Leserkommentar in seinem Blog zitiert werden.

    Dabei belegt das nichts anderes, als dass Journalisten verzweifelt versuchen, irgendwo von irgendjemandem auch nur noch den Hauch einer Homöopathie-Verteidigung zu finden.

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