Das inhaltsleere Politgeschwafel zur bayerischen Globuli-Studie

(Lesedauer ca. 3 Minuten)

Es ist kaum zu glauben:

Ein Arzt und Homöopath mit einer Psiram-Erwähnung im Bereich „Orgon“ diente dem „Arbeitskreis Gesundheit“ der CSU-Fraktion im bayerischen Landtag als Gewährsmann für die Wirksamkeit von Homöopathie, berichtet die Süddeutsche Zeitung.

Dabei hätte ein Blick auf die Praxishomepage des Bamberger „Prof. Assoc. (UMFT)“ Dr. med. Jorgos Kavouras genügt, um sich kopfschüttelnd abzuwenden. Der Herr „heilt“ auch mit Orgonenergie und mit Bioresonanz – solche Methoden in einer Arztpraxis in Deutschland im 21. Jahrhundert angemessen zu würdigen, würde mit ziemlicher Sicherheit zu einer Klage führen, deshalb lassen wir es besser:

https://kurzlinks.de/it92

Jedenfalls war es wohl maßgeblich jener Jorgos Kavouras, der im Jahr 2019 den christsozialen „Arbeitskreis Gesundheit“ und dessen Vorsitzenden Bernhard Seidenath von der Sinnhaftigkeit einer Homöopathiestudie überzeugte. Prof. Edzard Ernst sagte damals der Süddeutschen:

Man muss ein verblendeter Politiker sein, um das für evident zu halten.

Natürlich behielt Ernst recht:

Das bayerische Parlament hat sich damit weltweit lächerlich gemacht,

wird Ernst heute in der SZ zitiert.

Die Studie kostete mehr als 600.000 Euro und konnte – wer hätte das gedacht? –, „keine Belege erbringen, dass die prophylaktische Gabe von homöopathischen Arzneimitteln der Gabe eines Placebos überlegen war“:

https://www.sueddeutsche.de/bayern/homoeopathie-csu-landtag-bayern-studie-li.3526198

Die SPD-Gesundheitspolitikerin Ruth Waldmann fordert Aufklärung darüber, wie der bayerische Landtag diesen Quatsch („herausgeschmissenes Geld“) durchsetzen konnte und warum die Ethikkommission der TU München dem zugestimmt hat.

Und die Verantwortlichen? Produzieren tapfer Nullinhalte:

[Sie] mühen sich, der Studie wenigstens irgendeinen positiven Aspekt abzugewinnen.

Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach übernimmt die Einschätzung der TU, wonach die Studie darauf hindeute, dass eine engmaschige medizinische Betreuung, die regelmäßige Dokumentation der Infektionen sowie eine intensive diagnostische Abklärung „möglicherweise“ zur Reduktion der Antibiotikaeinnahme beitragen könnten.

Das allerdings ist kaum mehr als eine Binsenweisheit.

Der CSU-Landtagsabgeordnete Bernhard Seidenath leitet immer noch den Arbeitskreis Gesundheit der CSU-Fraktion. Er teilt unter anderem fast wortgleich mit, die Studie habe „wertvolle Hinweise“ erbracht, dass engmaschige medizinische Betreuung, strukturierte Diagnostik und gezielte Betreuungsprogramme – sogenanntes „Antibiotic Stewardship“ – den Antibiotikaeinsatz spürbar reduzieren können. „Genau das war das ursprüngliche politische Ziel. Insofern hat die Studie zum eigentlichen Kernauftrag durchaus etwas beigetragen.“

CSU-Fraktionschef Holetschek sagt, er habe der Erklärung Seidenaths nichts hinzuzufügen.

„Nichts“ ist genau das richtige Stichwort dafür. Passt auf Orgonenergie genauso wie auf Homöopathie – und auf inhaltsloses Politgeschwafel.

Zum Weiterlesen:

Titelfoto: Unsplash/Peter Mammitzsch

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