Es ist kaum zu glauben:
Ein Arzt und Homöopath mit einer Psiram-Erwähnung im Bereich „Orgon“ diente dem „Arbeitskreis Gesundheit“ der CSU-Fraktion im bayerischen Landtag als Gewährsmann für die Wirksamkeit von Homöopathie, berichtet die Süddeutsche Zeitung.
Dabei hätte ein Blick auf die Praxishomepage des Bamberger „Prof. Assoc. (UMFT)“ Dr. med. Jorgos Kavouras genügt, um sich kopfschüttelnd abzuwenden. Der Herr „heilt“ auch mit Orgonenergie und mit Bioresonanz – solche Methoden in einer Arztpraxis in Deutschland im 21. Jahrhundert angemessen zu würdigen, würde mit ziemlicher Sicherheit zu einer Klage führen, deshalb lassen wir es besser:

Jedenfalls war es wohl maßgeblich jener Jorgos Kavouras, der im Jahr 2019 den christsozialen „Arbeitskreis Gesundheit“ und dessen Vorsitzenden Bernhard Seidenath von der Sinnhaftigkeit einer Homöopathiestudie überzeugte. Prof. Edzard Ernst sagte damals der Süddeutschen:
Man muss ein verblendeter Politiker sein, um das für evident zu halten.
Natürlich behielt Ernst recht:
Das bayerische Parlament hat sich damit weltweit lächerlich gemacht,
wird Ernst heute in der SZ zitiert.
Die Studie kostete mehr als 600.000 Euro und konnte – wer hätte das gedacht? –, „keine Belege erbringen, dass die prophylaktische Gabe von homöopathischen Arzneimitteln der Gabe eines Placebos überlegen war“:

Die SPD-Gesundheitspolitikerin Ruth Waldmann fordert Aufklärung darüber, wie der bayerische Landtag diesen Quatsch („herausgeschmissenes Geld“) durchsetzen konnte und warum die Ethikkommission der TU München dem zugestimmt hat.
Und die Verantwortlichen? Produzieren tapfer Nullinhalte:
[Sie] mühen sich, der Studie wenigstens irgendeinen positiven Aspekt abzugewinnen.
Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach übernimmt die Einschätzung der TU, wonach die Studie darauf hindeute, dass eine engmaschige medizinische Betreuung, die regelmäßige Dokumentation der Infektionen sowie eine intensive diagnostische Abklärung „möglicherweise“ zur Reduktion der Antibiotikaeinnahme beitragen könnten.
Das allerdings ist kaum mehr als eine Binsenweisheit.
Der CSU-Landtagsabgeordnete Bernhard Seidenath leitet immer noch den Arbeitskreis Gesundheit der CSU-Fraktion. Er teilt unter anderem fast wortgleich mit, die Studie habe „wertvolle Hinweise“ erbracht, dass engmaschige medizinische Betreuung, strukturierte Diagnostik und gezielte Betreuungsprogramme – sogenanntes „Antibiotic Stewardship“ – den Antibiotikaeinsatz spürbar reduzieren können. „Genau das war das ursprüngliche politische Ziel. Insofern hat die Studie zum eigentlichen Kernauftrag durchaus etwas beigetragen.“
CSU-Fraktionschef Holetschek sagt, er habe der Erklärung Seidenaths nichts hinzuzufügen.
„Nichts“ ist genau das richtige Stichwort dafür. Passt auf Orgonenergie genauso wie auf Homöopathie – und auf inhaltsloses Politgeschwafel.
Zum Weiterlesen:
- Beck, Sebastian „Eine Idiotie: Die Homöopathie-Blamage des Landtags“ Süddeutsche (13. August 2026)
- Kveton, Peter „Landtag: Homöopathie-Studie mit Nachwirkungen“ BR24 (9. Augsut 2026)
- Küveler, Jan „Bayern kaufte zweieinhalb Tonnen Zucker pro Patientin“ welt (27. Juli 2026)
- Horsch, Sebastian „Homöopathie-Studie in Bayern kostet Hunderttausende Euro Steuergelder – ernüchterndes Ergebnis folgt“ merkur (19. Juli 2026)
- Lemmer, Christoph „Mehr als 700.000 Euro Steuergeld für eine Studie zum Nutzen der Homöopathie“ welt (17. Juli 2026)
- Kuhn, Joseph „Das verborgene Leben und Sterben der bayerischen Homöopathie-Studie“ Gesundheits-Check (3. Juli 2026)
- Harder, Bernd „Für nichts und wieder nichts: Das stille Ende der Homöopathie-Studie des bayerischen Landtags“ skeptix (3. Juli 2026)
- Beck, Sebastian „Warum Bayern jetzt homöopathische Präparate untersucht“ Süddeutsche (16. November 2019)
Titelfoto: Unsplash/Peter Mammitzsch



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