Auch über diesen Fall sprachen wir beim „Skeptischen Jahresrückblick“ im WTF-Talk:

Wie glaubhaft ist es, dass eine Jugendliche „mit 16 Jahren“ bei einer „Feier“ zu „Satans Geburtstag“ in der Sagrada Família in Barcelona von Peter Alexander und den drei Tenören rituell missbraucht wird – und sie bei dieser „Zeremonie“ auch noch andere „berühmte Menschen“ wie Serge Blanco, Meg Cabot oder Anna Komorowska erkennt?
Und bereits „im Alter von vier oder fünf Jahren“ traf Frei „bei einer Party auf Bill Clinton“ – den sie offenbar ebenfalls schon als Kind identifizieren konnte.
Um solche „spektakulären Anschuldigungen“, bei denen Betroffene unter anderem von „satanischen Ritualen“ berichten, geht es in dem Podcast
False-Memory-Forschung – So fälscht unser Gehirn Erinnerungen
von IQ – Wissenschaft und Forschung:

Sie geben an, dass sie sich jetzt, nach jahrelangem Vergessen, wieder erinnerten, häufig im Rahmen einer Psychotherapie, oder auch weil sie eindrückliche Berichte im Fernsehen oder auf Social Media gesehen haben und anfangen, in ihren Erinnerungen zu graben.
Wenn solche Fälle vor Gericht landen, dann ist es die Aufgabe von Rechtspsycholog:innen, den Wahrheitsgehalt solcher Aussagen zu untersuchen. Und nicht selten zeigt sich dann, dass die Vorwürfe auf falschen Erinnerungen basieren, die – ob bewusst oder unbewusst – erzeugt wurden.
Mit dabei ist Prof. Aileen Oeberst:

Im Februar erscheint ihr neues Buch
Zur Belastbarkeit und Suggerierbarkeit von Erinnerungen – Eine wissenschaftliche Anregung für psychotherapeutische Berufe
Die scheint auch dringend notwendig zu sein, wie der Psychologe Steve Ayan in seiner aktuellen Spektrum-Kolumne hervorhebt:
In einer 2024 publizierten Umfrage unter deutschen Psychotherapeuten bekundeten mehr als 80 Prozent von ihnen, dass es verdrängte Erfahrungen gibt; und etwa jeder fünfte – unter Tiefenpsychologen jeder vierte – hielt es für seine Aufgabe, solche Fälle aufzudecken.
Die Debatte um verdrängte Traumata ist eine zweischneidige Sache. Schließlich versuchen viele Täter, das Leid von Opfern zu bagatellisieren, indem sie es als Erinnerungsfehler abtun. Dass ein Missbrauch trotzdem nicht oder nicht so wie erinnert stattfand, ist möglich und muss, trotz aller Hürden, im Einzelfall geprüft werden.
Und zwar nicht vom Social-Media-Tribunal!
Und auch nicht von religiösen Fundamentalisten wie der OCG und kla.tv, möchte man hinzufügen, die das Rituelle Gewalt-Mind Control-Narrativ und die Betroffenen von Falscherinnerungen skrupellos für ihre Verschwörungsideologie missbrauchen.
Zum Weiterlesen:
- IQ – Wissenschaft und Forschung „False-Memory-Forschung – So fälscht unser Gehirn Erinnerungen“ Bayern 2 (26. Dezember 2025)
- Stamm, Hugo „Wenn Therapeutinnen falsche Missbrauchserinnerungen einimpfen, wird es dramatisch“ watson (20. Dezember 2025)
- Harder, Bernd „Interview: Die Suche nach verdrängten Erinnerungen richtet massiven Schaden an“ skeptix (13. Dezember 2025)
- Ayan, Steve „Ich weiß es noch genau! – Wirklich?“ spektrum (6. Dezember 2025)
- Harder, Bernd „The Devil You Know: Wie Verschwörungsnarrative in Psychotherapien gelangen“ skeptix (11. November 2025)
- Harder, Bernd „Doku Memory Wars: Kritik an medialer und therapeutischer Suggestionskraft“ skeptix (17. September 2025)
- Harder, Bernd „Memory Wars: Doku über Elizabeth Loftus und das Thema Falscherinnerungen neu im Kino“ skeptix (18. August 2025)
- Harder, Bernd „Falscherinnerungen – das Thema, dem Wieskerstrauch und Co. sich standhaft verweigern“ skeptix (16. Juni 2025)
- Schemmel, Jonas/Datschewski-Verch, Lisa/Volbert, Renate „Recovered memories in psychotherapy: a survey of practicing psychotherapists in Germany“ Memory (29. Januar 2024)
- Birzele, Anna/Liebrand, Bianca „Gedächtnis, Erinnerung und ihre Tücken“ EI-Tagungsband 2023
Titelfoto: Freepik


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