Nazca und Atacama: Fake-Mumien als außerirdische „Enthüllungen“

(Lesedauer ca. 4 Minuten)

Eigentlich sollte das „Age of Disclosure“ ja schon 2013 anbrechen:

https://kurzlinks.de/llx3

Das schrieb die Bild-Zeitung vor 13 Jahren. Damals wollte uns der Ufologe Steven Macon Greer mit seiner Pseudo-Doku „Sirius“ diese 15 Zentimeter große Mumie als echtes Alien verkaufen:

https://www.youtube.com/watch?v=5C_-HLD21hA

„Ata“, wie der Atacama-Humanoid liebevoll genannt wurde, könne keiner bekannten irdischen Spezies zugeordnet werden, verlautbarte Greer kurz vor der Filmpremiere in Hollywood, und raunte von einem „Paradigmenwechsel“.

Gefunden worden war der winzige Körper 2003 auf einem Friedhof in der verlassenen Stadt La Noria der Atacama-Wüste in Chile. Während Greer und die Phantasten der „Disclosure“-Bewegung vom großen Durchbruch träumten, zerpflückte der spanischen Journalist Luis Alfonso Gámez im Skeptical Inquirer die Story als ausgemachten Schwindel: Schon 2007 war der angebliche Außerirdische beim VI. World Congress on Mummy Studies auf Lanzarote und kurz danach von dem forensischen Anthropologen Francisco Etxeberria Gabilondo als menschlicher Fötus identifiziert worden.

https://genome.cshlp.org/content/28/4/423.full

Nichtsdestotrotz führten Wissenschaftler:innen der Stanford University weitere Untersuchungen durch. Fünf Jahre lang sequenzierten sie das gesamte Genom der Mini-Mumie. 2018 veröffentlichte das Team seine Ergebnisse: Der Atacama Humanoid ist das Skelett eines viel zu früh geborenen Mädchens, das zahlreiche genetische Mutationen aufwies, die zu Knochen- und Schädel-Fehlbildungen führten:

Die Defekte im Erbgut des weiblichen Fötus, die sich bei der DNA-Analyse zeigten, erklären auch die ungewöhnlich großen Augenhöhlen sowie den spitz zulaufenden Schädel – eine Form, die bei einigen Betrachtern Assoziationen mit Darstellungen von Außerirdischen weckte.

Von vielen der nun nachgewiesenen Genveränderungen wisse man bereits, dass sie eine Rolle bei Kleinwuchs, Skoliose und Fehlbildungen an Muskeln und Knochen spielten.

Vielleicht klappt’s ja beim nächsten Mal, dachte sich wohl fünf Jahre später der mexikanische Journalist José Jaime Maussan und präsentierte am 12. September 2023 bei einer öffentlichen Anhörung des mexikanischen Abgeordnetenhauses „Alienmumien“ aus der Nazca-Wüste in Peru, die sich teilweise als „plumpe Fabrikate aus Tier- und Menschengewebe“ entpuppten.

Ein Update zu dieser Geschichte ist jetzt im Youtube-Kanal Incredible History erschienen. Dabei geht es insbesondere um jene „Alien-Mumie mit drei Fingern“ (Bild), die „Maria“ genannt wird und wohl eine echte, aber manipulierte menschliche Mumie aus Raubgrabungen ist:

Exposing The Craziest Hoax of All Time – Nazca Mummies

https://www.youtube.com/watch?v=NI9DrFkH3vk

Diese Mumien sind nicht nur keine neue oder unbekannte Spezies, es handelt sich zudem auch noch um einen modernen Schwindel.

Und Steven Greer?

Kündigte schon für 2025 einen Crowdfunded-Film mit dem Titel „Ultimate Disclosure“ an. Der lässt allerdings auf sich warten:

https://ultimatedisclosure.com/

Der Konkurrenzkampf der vielen „Enthüller“ scheint derzeit recht hart zu sein.

Zum Weiterlesen:

Titelfoto: E. Smith

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