Die Debatte, ob wir uns bei Xavier Naidoo entschuldigen müssen (die unter anderem von der Berliner Zeitung aufgebracht wurde), hat sich mit dem heutigen Tag wohl bis auf weiteres erledigt:
Sänger Xavier Naidoo behauptete, er habe Abstand von Verschwörungstheorien genommen. Doch am Dienstag tauchte er auf einer einschlägigen Demo vor dem Kanzleramt auf und gab rechtsextremen Influencern und Medien Interviews,
schreibt der Tagesspiegel. Veranstalter war eine Initiative mit dem Namen „Justice for Survivors“.

Ein halbes Dutzend Mal sprach Naidoo im Zusammenhang mit den Epstein-Akten von „Kannibalen“ und „Menschenfressern“ – und das im wörtlichen Sinne:
Wenn wir die wahre Tragweite dessen erfassen, was wirklich passiert ist oder passiert, dann können wir uns über die Konsequenzen Gedanken machen. Aber dass es Konsequenzen geben muss für Menschen, die unsere Kinder fressen, glaube ich, ist jedem klar. (1:21:15)
Die Leute können über mich sagen, was sie wollen, ist mir egal. Es geht nur um die eine Sache: Ich kann nicht mit Kinderfressern zusammenleben. (1:23:15)
Die fressen unsere Babys. Verdammt noch mal, von was reden wir hier denn? Glaubst du, ich bin jetzt hier, weil auf einmal rauskommt, es gibt Männer, die Kinder misshandeln oder so? Davon reden wir nicht. Wir reden von Menschenfressern. (1:24:38)
Frage: Meinst du, in Europa gibt’s auch Inseln, wo diese Kinderschänder ihre satanischen Rituale machen?
Naidoo: Auch davon muss man ausgehen, ja. (1:37:47)
Ich würde lieber selber sterben, als weiter mit Menschenfressern zu leben (2:09:50)
Das sind Dämonen, Kinderfresser. Das sind keine Menschen. Bitte nenn sie nicht Menschen. Sobald du Menschenfleisch gegessen hast, bist du kein Mensch mehr. Wissentlich.
Ich bin mir sicher, wir haben alle schon Menschenfleisch gegessen. Unwissentlich haben wir bestimmt alle schon einen Mensch gefressen. Aber unwissentlich. Du denkst doch nicht, dass wir hier alle stehen und nicht schon alle überall Menschenfleisch gefressen haben? Die Firma Lay’s macht embryonales Gewürzmittel auf ihre Chips.
Ja, wir haben alle schon Menschen gefressen. Glaubst du nicht, dass diese Menschen, die selber Kannibalen sind, denen ist das Allerwichtigste, dass wir alle Kannibalen werden, mit ihnen zusammen, damit wir alle in die Hölle runterfahren (2:14:08)
Naidoos „embryonale Gewürzmittel“ basieren auf einer Urban Legend, die schon seit vielen Jahren kursiert.
Und zu den Kannibalismus-Zuschreibungen in den Epstein-Akten gibt es verschiedene Fakten-Checks, zum Beispiel:
- Epstein files mention cannibalism, ritualistic sacrifice. That’s not the full story (snopes)
- Epstein-Files, Lady Gaga, They eat humans! – Was hinter den viralen Screenshots steckt (Mimikama)
- Epstein-Akten: Enthalten sie Hinweise auf Kannibalismus und ritualistische Opfer (Mimikama)
- Epstein-Akten und Pizzagate: Comeback einer widerlegten Verschwörung (Mimikama)
- Epstein-Files: Warum Xavier Naidoo nicht „mit allem Recht hatte“ (ZDF)
Eigentlich sollte es möglich sein, auch ohne bizarre Zwischentöne für Kinderschutz zu demonstrieren. Naidoo und einige andere Teilnehmer:innen der Berliner Demo sind dazu offenbar nicht in der Lage:

Das ist bedauerlich, denn:

Wer Betroffene ernst nimmt, muss über spektakuläre Enthüllungen hinausgehen und fragen: Welche Strukturen haben es ermöglicht, dass diese Gewalt über Jahrzehnte fortbestehen konnte?
schreibt auch die Amadeu Antonio Stiftung:
Die Überlebenden fordern seit Jahren Aufklärung und Verantwortungsübernahme. Ihnen geht es nicht um Sensationen, sondern um Gerechtigkeit.
Wer die Epstein-Files ernst nimmt, sollte daher weniger nach der nächsten Bestätigung einer großen Verschwörung suchen als nach den Bedingungen, unter denen dieses System des Machtmissbrauchs möglich war.
Und was Naidoo angeht:
Die Forderungen nach Rehabilitation Xavier Naidoos bleiben umstritten. Während die Epstein-Dokumente reale Verbrechen an Minderjährigen durch einflussreiche Personen belegen, decken sie sich nicht mit den spezifischen Verschwörungsnarrativen des Sängers.
Eine pauschale Entschuldigung erscheint angesichts der Faktenlage nicht gerechtfertigt.
Wohlwollend ausgedrückt.
Update vom 20. Februar
In den vergangenen Jahren machte der Sänger Xavier Naidoo immer wieder Schlagzeilen mit Verschwörungstheorien. Mehrfach äußerte er sich auch rassistisch. Im Jahr 2022 gab er sich geläutert.
Doch nun tauchte er vergangenen Dienstag vor dem Kanzleramt in Berlin bei einer Demo anlässlich der Epstein-Files auf und machte verstörende Aussagen.
Derweil schwurbelt Naidoo einfach weiter.
Zum Weiterlesen:
- Ayyadi, Kira „Niemand schuldet Xavier Naidoo eine Entschuldigung“ Belltower News (18. Februar 2026)
- „Naidoo verblüfft mit völlig absurden Kannibalen-Aussagen“ focus (17. Februar 2026)
- Lenze, Dominik „Bin jemand, von dem ihr wisst, dass er so denkt wie ihr: Xavier Naidoo schon wieder auf Verschwörungs-Demo in Berlin“ tagesspiegel (17. Februar 2026)
- Hofrath, Paul „Xavier Naidoo: Faktenlage zu Verschwörungstheorien und Epstein-Fall“ musikexpress (17. Februar 2026)
- Kramer, Enno „Xavier Naidoo zu Rehabilitierungsdebatte: Bei mir muss sich niemand entschuldigen“ Berliner Zeitung (16. Februar 2026)
- „Mythenbildung statt Transparenz: Die Debatte um die Epstein-Files“ AAS (16. Februar 2026)
- Eder, Leo „Epstein Files: Was machen Taylor Swift und Miley Cyrus in den Akten?“ SWR3 (16. Februar 2026)
- Harder, Bernd „Verschwörungsleugner – was soll das denn sein? Und was hat Jeffrey Epstein damit zu tun?“ skeptix (8. Februar 2026)
- Rosenkranz, Boris „Skandal-Hype: Epstein taucht in Epstein-Akten auf“ Übermedien (5. Februar 2026)
- „Epstein-Akten: Gesicherte Straftaten, begriffliche Unschärfen und die Dynamik öffentlicher Zuschreibungen“ Nex24 (5. Februar 2026)
- Harder, Bernd „Satanistisch-rituelle Gewalt endlich bewiesen – wirklich?“ skeptix (6. Januar 2026)
- Harder, Bernd „Exakt nichts. Null.“: Naidoo-Comeback ohne Distanzierung“ skeptix (28. Dezember 2025)
- „Satanistische Eliten“ bei Wissenschaftswelle
Titelfoto: Freepik


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