Mission gescheitert: Behörden holen Kinder aus RG-MC-gläubiger Einrichtung im Allgäu

(Lesedauer ca. 4 Minuten)

Na endlich:

Das Jugendamt hat im Oberallgäu sechs Kinder aus einem Jugendheim in Immenstadt-Bühl in Obhut genommen,

berichtet Antenne Bayern:

Grund sind nach Angaben der Regierung von Schwaben kindeswohlgefährdende Erziehungsmethoden, auf die ehemalige Mitarbeiter hingewiesen hatten. Die betroffenen Kinder sind zwischen 5 und 11 Jahre alt und wurden inzwischen bei Pflegefamilien oder in anderen Einrichtungen untergebracht.

Das Heim wird von einer religiös ausgerichteten Organisation aus Hamburg betrieben und ist erst seit 2023 in Betrieb.

Diese Zuschreibung lässt zweifelsfrei erkennen, dass es sich dabei um das „Haus SeeNest“ handelt:

https://kurzlinks.de/6982

Betreiber von „Haus SeeNest“ in der Nähe von Kempten ist die „Himmelsstürmer Deutschland gGmbH“, die sich selbst als „freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe“ bezeichnet und „auf die Betreuung und den Schutz von Kindern und Jugendlichen mit traumatischen Erfahrungen spezialisiert“ sei.

Mit ein wenig Rechercheaufwand lässt sich allerdings schnell herausfinden, dass die Himmelsstürmer Deutschland gGmbH praktisch identisch ist mit dem umstrittenen Verein „Mission Freedom“ der Predigerin Gaby Wentland:

https://kurzlinks.de/vwqr
https://kurzlinks.de/lwsp

Oder:

https://himmelsstuermer.org/impressum/
https://kurzlinks.de/tnwj

„Mission Freedom“ wird im fundamentalistisch-evangelikalen Milieu verortet, Behörden und staatliche Einrichtungen lehnen erklärtermaßen eine Zusammenarbeit mit dem Verein ab:

Der Deutsche Berufsverband für Soziale Arbeit (DBSH) fordert in einer aktuellen Pressemitteilung „lückenlose Aufklärung und eine strengere Aufsicht über Träger mit fundamentalistischen Hintergründen“:

Wenn religiöse Dogmen über pädagogische Standards gestellt werden und sogenannte Heilungspraktiken zum Einsatz kommen, die das Kindeswohl gefährden, verlassen wir den Boden der professionellen Jugendhilfe.

Das ist indes nicht der einzige Grund, weshalb unter anderem FundiWatch vor zwei Jahren die Eröffnung von „Haus SeeNest“ im Allgäu massiv kritisierte:

https://fundiwatch.org/recherche_mission_freedom_himmelsstuermer_deutschland/

Wie kaum eine andere Organisation vertritt „Mission Freedom“ ganz offen die Rituelle Gewalt-Mind Control-Verschwörungstheorie (RG-MC) bis ins letzte Detail. In einem Video vom Juni 2025 faselt Wentland zudem von „Dämonen“ und den „satanischen Mächten dieser Zeit“. Bei Instagram erregt man sich heftig über die Kritik von skeptischer Seite an der „Satanic Panic“.

Eine professionelle fachliche Auseinandersetzung mit der eigenen Arbeit hingegen, insbesondere auch in Bezug auf etwaige „False-Memory-Fälle“ beziehungsweise Erinnerungsverfälschungen, scheint Mission Freedom abzulehnen,

analysiert FundiWatch.

Eigentlich versteht sich von selbst, dass ein solcher Verein nicht mal in die Nähe von „Kindern und Jugendlichen mit traumatischen Erfahrungen“ gelangen sollte. Dass „Haus SeeNest“ nie eine Betriebserlaubnis hätte erhalten dürfen, stellte Christian Lohwasser vom DBSH schon 2024 in der Süddeutschen Zeitung fest. Jetzt endlich haben die Behörden gehandelt, es sind nun keine Kinder mehr in der Einrichtung.

Apropos Erinnerungsverfälschungen:

Bei Youtube ist der lange angekündigte Film mit Karl Sibelius über einen Fall von Falschbeschuldigungen aufgrund von False Memories veröffentlicht worden:

Die Filme sollen Einblicke in fatale Dynamiken und verheerende Auswirkungen für die Betroffenen geben und dadurch neue, konstruktive Diskussionsmöglichkeiten eröffnen.

Und Mimikama nimmt sich eine „Warnung vor satanischen Opferwochen“ vor.

Zum Weiterlesen:

Titelfoto: Jr Korpa

Kommentare

22 Kommentare zu „Mission gescheitert: Behörden holen Kinder aus RG-MC-gläubiger Einrichtung im Allgäu“

  1. Die Regierung von Schwaben und das Landratsamt Oberallgäu teilen mit, dass nicht nur die Kinder aus Haus Seenest auf andere Einrichtungen verteilt worden seien. Auch dürfe die pädagogische Leitung nicht mehr dort arbeiten. Der sogenannten Tätigkeitsuntersagung lägen dieselben Gründe zugrunde wie der Inobhutnahme, sie sei vom Verwaltungsgericht Augsburg bestätigt worden. Zu den konkreten Vorwürfen machen die Behörden keine Angaben, da derzeit noch ein Rechtsstreit anhängig sei. Sie betonen jedoch, dass die Entscheidung nicht mit der weltanschaulichen Ausrichtung des Trägers zusammenhänge. Die Vorwürfe, die zur Inobhutnahme und Tätigkeitsuntersagung führten, seien den Behörden von ehemaligen Mitarbeitern der Einrichtung zugetragen worden.

    https://www.sueddeutsche.de/bayern/oberallgaeu-jugendamt-kinder-trauma-einrichtung-haus-seenest-li.3475564

  2. Vielen Dank für den Link zum Artikel!

    „Zu den konkreten Vorwürfen machen die Behörden keine Angaben, da derzeit noch ein Rechtsstreit anhängig sei. Sie betonen jedoch, dass die Entscheidung nicht mit der weltanschaulichen Ausrichtung des Trägers zusammenhänge.“

    Kann man christlichen Fundamentalismus überhaupt klar erkennen und von christlichen Glauben trennen? Da unsere Verfassung zum Glück noch recht hoch gehalten wird und Glaubensfreiheit gesichert ist, sehe ich einen gewissen Zugzwang, die Maßnahme fachlich zu begründen.

  3. @Sebastian:

    Schwierig, aber ein paar Andeutungen finden sich in dem Artikel:

    Wenn religiöse Dogmen über pädagogische Standards gestellt werden und sogenannte ‚Heilungspraktiken‘ zum Einsatz kommen, die das Kindeswohl gefährden

    Die Vereinsvorsitzende von Mission Freedom wirbt auf zahlreichen Videoclips damit, wie sie Gottes Stimme hört, mit Jesus spricht und von angeblichen Wundern erzählt. Kinder hat sie einmal als Material bezeichnet, das Gott brauche, um sein Reich zu bauen. Als die ersten drei Kinder ins Haus Seenest einzogen, verkündete die Vereinsvorsitzende per Video: „Das ist so, als wenn Gott mir drei neue Babys geschenkt hat.“

  4. Carsten Ramsel

    @Sebastian

    Die Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften 2023 misst den religiösen Fundamentalismus auf 4 Dimensionen: Überlegenheit, Universalität, Restauration und Exklusivität.

    Dazu: Pollack, D., Müller, O., & Kaboğan, S. (2024). Religious fundamentalism: A conceptual and empirical study among Muslims of Turkish origin in Germany. Sociology of Religion: A Quarterly Review. doi: https://doi.org/10.1093/socrel/srae035

    Superiority: Observing the commandments of my religion is more important to me than the laws of the state in which I live.
    Universality: Only my religion is able to solve the problems of our time.
    Restoration: Members of my religion should return to their religious roots.
    Exclusivity: There is only one true religion.

    Gerne auch: Pickel, Gert & Schneider, Verena & Pickel, Susanne & Öztürk, Cemal & Decker, Oliver. (2023). Religiosität, Religion und Verschwörungsmentalität in der Covid-19-Pandemie. Zeitschrift für Religion, Gesellschaft und Politik. 7. 1-35. 10.1007/s41682-023-00163-2.

    Die Befragten stimmen hier folgenden Aussagen zu oder lehnen sie ab:

    1. Ich bin davon überzeugt, dass andere Religionen weniger wahr sind als meine eigene.
    2. Die heilige Schrift meiner Religion ist wortwörtlich zu verstehen.
    3. Die Regeln meiner Religion sind mir wichtiger als die deutschen Gesetze.

    Sonst: Pollack, D.: Religiöser Fundamentalismus: Geschichte, Erscheinungsformen, Hintergründe. Beck, 2026.

    Das gesellschaftliche und politische Verständnis des religiösen Fundamentalismus kann davon natürlich abweichen. So nennt die Brandenburgische Landeszentrale politischer Bildung 5 Merkmale:

    Absoluter Anspruch auf eine Glaubenslehre oder eine politische Überzeugung
    Kompromissloser Ausschluss und Abwertung Andersdenkender
    Absolute Erhöhung der eigenen Auffassung und Identität
    Tradition bildet den Kern der Idelogie.
    Die eigene Religion und/oder Weltanschauung ist keine Privatangelegenheit. Sie gilt als einzige gesellschaftliche Norm.

  5. @Carsten Ramsel

    So groß scheint der Unterschied zwischen Religion und Fundamentalismus dann nicht zu sein. Für mich scheint hier eines der Hauptmerkmale zu sein, dass man dabei die eigenen Ideologien über die Entscheidungsfreiheit und das Leben anderer stellt.

    Sozusagen die Anwendung das eigenen Dogmas auf das Außen.

    In den von Bernd Harder zitierten Stellen kommt das in Kombination mit Abwertung einher, wenn Wentland Menschen als Material bezeichnet und die Menschen die eigene Ideologie übergestülpt bekommen.

  6. Carsten Ramsel

    @Sebastian

    Bei der medialen Berichterstattung über Religion und in den emotionalen, politischen Debatten kann gut dieser Eindruck entstehen. Wenn Sie Lust auf ein Gegenbeispiel haben, schauen Sie sich die Doku einer Familien-Pilgerfahrt nach Lourdes des BRs an.

    Religiöse Fundamentalisten sehen sich bestimmt als einzige legitime Vertreter ihrer Religion. Sie möchten vor allem von den Anderen so wahrgenommen werden. Damit sind soziale und politische Ansprüche verbunden, z. B. als einziger Ansprechpartner der Politik für diese Religion zu gelten. Darin liegt m. M. das politische Problem religiöser Fundamentalisten in einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft.

    Die fundamentalistische Forderung der Rückbesinnung auf die „Wurzeln“ der Religion richtet sich aber in erster Linie an die eigene Gruppe. Damit wird deutlich, dass jede Religion fundamentalistische Vertreter kennt, aber nicht jeder Religiöse Fundamentalist ist.

    Ohne das Buch von Pollack gelesen zu haben, gehe ich davon aus, dass er diesen Unterschied von religiös und fundamentalistisch historisch herausarbeitet. So hat der heutige, christliche Fundamentalismus seine Ursprünge erst im 19. Jahrhundert. Dasselbe gilt vermutlich auch für den heutigen, islamischen Fundamentalismus.

    Mit Hilfe der sozialwissenschaftlichen Studien lässt sich der Unterschied von religiös und fundamentalistisch gut verdeutlichen. So wie jemand mehr oder weniger religiös sein kann (Häufigkeit des Gebets, Häufigkeit des Gottesdienstbesuchs, Bedeutung des Gottesglaubens etc.), kann auch jemand mehr oder weniger fundamentalistisch sein. Jetzt kann man sich leicht eine Tabelle vorstellen mit religiösen Zeilen und fundamentalistischen Spalten, so dass die Zellen mehr oder weniger religiöse Fundamentalisten oder mehr oder weniger fundamentalistische Religiöse enthalten.

  7. Puh … der Folgeartikel hat es in sich. Anscheinend hat jetzt auch die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen. Bisher aber nur zur Vorabprüfung. Es wird auf widersprüchliche Informationen in der Berichterstattung hingewiesen.

    „Dem BR liegen hierzu offenbar andere Informationen vor: Demnach habe die Polizei bestätigt, in der Einrichtung habe es 29 Einsätze wegen vermisster Kinder gegeben. Ein Mädchen soll sich aus dem obersten Stockwerk mit aneinander geknoteten Bettlaken abgeseilt haben und weggelaufen sein. Immer wieder sollen Hilferufe von Kindern aus dem Haus zu hören gewesen sein.“

    Bestätigt wurden die Informationen des BR allerdings nicht.

    „Auf erneute Rückfrage von FundiWatch teilt die Regierung von Schwaben hierzu mit, angebliche weitere Einsätze wegen vermisster Kinder seien ihr von keiner Seite gemeldet worden.“

    Quelle:
    Update: In die Vorgänge im Haus SeeNest hat sich nun auch die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, 5. Mai 2026

    https://fundiwatch.org/update-in-die-vorgaenge-im-haus-seenest-hat-sich-nun-auch-die-staatsanwaltschaft-eingeschaltet/

  8. „Nachtrag (14.05.2025): Auf seiner Homepage teilt Mission Freedom mittlerweile mit, dass der Betrieb des Haus SeeNest aufgrund der „weiteren Entwicklungen“ eingestellt wurde. Der Träger werde zudem keine weiteren rechtlichen Schritte mehr verfolgen. Ungeachtet dessen läuft das staatsanwaltschaftliche Ermittlungsverfahren weiter: Die Allgäuer Zeitung berichtet, dass Ermittler vergange Woche die Einrichtung und eine Privatwohnung durchsucht haben und mögliche Beweismittel sichergestellt wurden.“

    https://fundiwatch.org/seenest-mietvertrag-fristlos-gekuendigt/

    (Sind noch weitere Updates auf der Webseite)

  9. „Demnach sollen Kinder teils gegen ihren Willen eingesperrt, festgehalten und – teils unter Anwendung des schmerzhaften Polizeigriffs – zu Boden gedrückt worden sein. Sie hätten sich Waschlappen in den Mund stopfen müssen, um nicht laut zu summen, sie seien in die Dusche gezerrt worden – ein Kind habe einen BH mit zwei Melonen darin tragen und ein Kind habe mit vollurinierter Kleidung seinen Arbeitsdienst verrichten müssen. Das Gericht spreche von teils „stigmatisierenden“, „demütigenden“ und „gesundheitsschädlichen“ Behandlungen.“

    Gerichtsentscheidung: Misshandlungsvorwürfe und Kindeswohlgefährdung im „Haus SeeNest“ von Mission Freedom, 22.05.2026

    https://www.fundiwatch.org/gerichtsentscheidung-haus-seenest/

  10. Alfred Haeusler

    Vorab: Was im Haus Seenest an „pädagogischer Arbeit“ geleistet wurde, sieht nach der Berichterstattung – sehr problematisch aus (darum ist jetzt wohl auch die Staatsanwaltschaft eingeschaltet).

    Aber – die Diskussion über Fundamentalismus ist mir zu einseitig:
    Wenn ich einen Atheisten frage: wo stehst Du? Dann wird er sagen:

    1. Ich bin davon überzeugt, dass andere Religionen weniger wahr sind als meine eigene „Nichtreligion“.
    2. Meine Vorstellungen „meiner Nicht-Religion“ sind der wahre Masstab.
    3. Die Regeln meiner „Nicht-Religion“ sind mir wichtiger als die deutschen Gesetze.

    Die 5 Merkmale durch die Brandenburgische Landeszentrale politischer Bildung formuliert gilt auch für Nichtreligiöse:

    Absoluter Anspruch auf eine „Nicht-„Glaubenslehre oder eine politische Überzeugung:

    Kompromissloser Ausschluss und Abwertung Andersdenkender
    Absolute Erhöhung der eigenen Auffassung und Identität
    Tradition bildet den Kern der Ideologie.
    Die eigene „Nicht-„Religion und/oder Weltanschauung ist keine Privatangelegenheit. Sie gilt als einzige gesellschaftliche Norm.

    (anzumerken… damit die Formulierung trifft, musste ich nur 2x „Nicht-
    “ einfügen)..

    Außerdem geht der sog. christl. Fundamentalismus auf den Gründer Jesus Christus zurück der etwa um das Jahr 0000 gelebt und gelehrt hat. Der moslemische Fundamentalismus ist entsprechend im 7.Jahrhundert durch den Mekkaner Mohammed eingeführt worden.

  11. Bernd Harder

    @Alfred Haeusler:

    die Diskussion über Fundamentalismus ist mir zu einseitig:

    Wir diskutieren hier gar nicht über Fundamentalismus, sondern über RG-MC. Ihr Kommentar geht leider völlig am Thema vorbei.

    Wenn ich einen Atheisten frage: wo stehst Du? Dann wird er sagen:

    Haben Sie das schon mal getan? Woher wissen Sie das? Ich kennen keinen Nicht-Gläubigen/Atheisten, der das sagt oder sich so verhält:

    Die Regeln meiner „Nicht-Religion“ sind mir wichtiger als die deutschen Gesetze. Kompromissloser Ausschluss und Abwertung Andersdenkender

  12. @Bernd Harder
    Der Begriff kommt ziemlich oft vor und meine Verweise auf fundiwatch deuten ebenfalls in die Richtung. In den Kommentaren haben wir ebenfalls dazu diskutiert, weswegen ich die Verknüpfung in diese Richtung durchaus nachvollziehen.

    @Alfred Haeusler
    Was kommt Ihnen denn in Hinblick auf Fundamentalismus zu kurz?

    Wo ich zustimmen würde, dass sich die pädagogischen Fehlleistungen nicht eindeutig mit religiösen Einstellungen in Verbindung bringen lassen. Zumindest nicht aus dem, was bisher berichtet wurde.

    Es ist nicht klar, ob die Missstände kollektiv oder durch Einzelpersonen verursacht wurden und ob eine Ideologie als Motiv gewertet werden kann. Da bei der Besetzung offener Stellen anscheinend nach weltanschaulichen Kriterien gefiltert wurde, liegt es in meinen Augen aber zumindest nahe, dass ein ähnlich problematisches Gedankengut beigetragen haben könnte.

    Man weiß, dass die Kinder Opfer von Herabwürdigung waren, die weder fachlich noch rechtlich begründet werden können. Es wurde das Machtgefälle ausgenutzt und massiv missbraucht. Selbst auf Ihre Quelle bezogen, sind damit drei von fünf Punkten für Fundamentalismus erfüllt:
    – Kompromissloser Ausschluss und Abwertung Andersdenkender
    – Absolute Erhöhung der eigenen Auffassung und Identität
    – Die eigene Religion und/oder Weltanschauung ist keine Privatangelegenheit. Sie gilt als einzige gesellschaftliche Norm.

    Laut Angaben der Staatsanwaltschaft hatte die Inobhutnahme nichts mit der religiösen Weltanschauung zu tun. Wie bereits erwähnt war ein religiöser Verein im Hintergrund der Träger und es wurden Personen gesucht, die ein christliches Weltbild teilen. Das alleine ist weder verwerflich noch dem Fundamentalismus zuzuordnen.

    Nun kommt jedoch hinzu, dass der Verein in der Vergangenheit öfters negativ aufgefallen ist und sich auch beim Thema Frauenschutzhäusern offenbar entgegen öffentlicher Standards orientierte, die für Betroffene mehr Nach- als Vorteile hatten. Wenn eine Gruppierung sich wiederholt und trotz Kritik nur an seinen eigenen Wertvorstellungen orientiert und diese über geltende Gesetze stellt, ist dies in meinen Augen ein deutliches Kennzeichen religiösen Fundamentalismus.

    In Bezug auf das kindeswohlgefährdende Verhalten, lässt sich das „leider“ nicht zweifelsfrei zuordnen.

    Auch wenn der Artikel sich nicht speziell mit Fundamentalismus auseinandersetzt, ist ein fundamentalistischer Hintergrund für mich gar nicht mal so abwegig.

    P.S.:
    Für Interessierte der Link zur politischen Bildung Brandenburg
    „Fundamentalismus“ – https://www.politische-bildung-brandenburg.de/lexikon/fundamentalismus

  13. Bernd Harder

    @Sebastian:

    Sicherlich ist religiöser Fundamentalismus zum Teil auch Bestandteil der RG-MC-Verschwörungstheorie – dennoch sehe ich das hier nicht als Diskussionsthema.

    Man weiß, dass die Kinder Opfer von Herabwürdigung waren, die weder fachlich noch rechtlich begründet werden können. Es wurde das Machtgefälle ausgenutzt und massiv missbraucht. Selbst auf Ihre Quelle bezogen, sind damit drei von fünf Punkten für Fundamentalismus erfüllt.

    Auch das sehe ich anders.

    Für keinen der genannten Punkte:

    „Demnach sollen Kinder teils gegen ihren Willen eingesperrt, festgehalten und – teils unter Anwendung des schmerzhaften Polizeigriffs – zu Boden gedrückt worden sein. Sie hätten sich Waschlappen in den Mund stopfen müssen, um nicht laut zu summen, sie seien in die Dusche gezerrt worden – ein Kind habe einen BH mit zwei Melonen darin tragen und ein Kind habe mit vollurinierter Kleidung seinen Arbeitsdienst verrichten müssen. Das Gericht spreche von teils „stigmatisierenden“, „demütigenden“ und „gesundheitsschädlichen“ Behandlungen.“

    braucht es religiösen Fundamentalismus als Grund oder Ursache.

    Sorry, aber dann wären auch bestimmte Bundeswehr-Rituale von religiösem Fundamentalismus geprägt.

    Auch wenn der Artikel sich nicht speziell mit Fundamentalismus auseinandersetzt, ist ein fundamentalistischer Hintergrund für mich gar nicht mal so abwegig.

    Ja, der gesamte Verein „Mission Freedom“ mit allen Ablegern und Aktivitäten hat einen fundamentalistischen Hintergrund. Darauf haben wir auch früher schon hingewiesen.

    Aber das jetzt hier zum Anlass zu nehmen, um ohne jeden Beleg „Nicht-Religiöse“ (die so viele Motive und Überzeugungen haben, wie es „Nicht-Religiöse“ gibt) in die gleiche Ecke zu stellen, halte ich hier für völlig unpassend und nicht diskussionswürdig. Diese Behauptung ist einfach Unsinn:

    Die 5 Merkmale durch die Brandenburgische Landeszentrale politischer Bildung formuliert gilt auch für Nichtreligiöse.

    Wo bitte betrachten denn Nicht-Religiöse ihre Überzeugung „als einzige gesellschaftliche Norm“?

    Den meisten nicht-religiösen Menschen ist Religion einfach völlig egal und sie verbinden damit keinerlei, und schon gar keine staatsfeindliche, Ideologie.

  14. @ Sebastian

    „Laut Angaben der Staatsanwaltschaft hatte die Inobhutnahme nichts mit der religiösen Weltanschauung zu tun. Wie bereits erwähnt war ein religiöser Verein im Hintergrund der Träger und es wurden Personen gesucht, die ein christliches Weltbild teilen. Das alleine ist weder verwerflich noch dem Fundamentalismus zuzuordnen.“

    Ja, genau.

    @ Bernd Harder

    „Für keinen der genannten Punkte: … braucht es religiösen Fundamentalismus als Grund oder Ursache.“

    Ja, ganz genau.

    „Ja, der gesamte Verein „Mission Freedom“ mit allen Ablegern und Aktivitäten hat einen fundamentalistischen Hintergrund.“

    Das mag sein (was immer man auch unter „fundamentalistischem Hintergrund“ verstehen mag), aber es spielt ganz offensichtlich für die „Vorgänge“ im Haus „Seenest“ keine Rolle.

    Und noch zur Ergänzung: Aus den Stellenanzeigen für das Haus „Seenest“ war in der Vergangenheit ja klar ersichtlich, dass dort nur Menschen eingestellt werden sollten, die „evangelikal“ sind, sprich, ein „christlich-fundamentalistisches Weltbild“ vertreten. Und diejenigen, die diese Missstände und Misshandlungen der Kinder im Haus „Seenest“ jetzt aufgedeckt haben, sind ja einstige Mitarbeiter von Haus „Seenest“ mit eben einem solchen „fundamentalistischen Hintergrund“. Auch das belegt, dass ein „Hantieren“ mit dem Begriff „Fundamentalismus“ nicht zielführend ist.

    Es geht um die Inhalte. Ich halte es für zwingend und dringlichst erforderlich, sich mit den Inhalten auseinanderzusetzen und nicht bei Schlagworten und Begriffen stehen zu bleiben.

    Nach allem, was ich von Gaby Wentland weiß, gehört sie zu einer (eher seltenen) „christlichen Spezies“, deren Glauben stark von einer Art „Dämonengläubigkeit“ geprägt ist. Zu dieser ihrer „Dämonengläubigkeit“ gehört z.B. auch die Annahme, dass Menschen durch Traumatisierungen für Dämonen geöffnet und damit „dämonisch besetzt“ würden. Was eine solche „Glaubensannahme“ für den Umgang mit traumatisierten Kindern bedeutet, läßt sich (mit Schaudern) erahnen.

    Und diese „Dämonengläubigkeit“ ist m.E. auch der Link (eventuell einer von mehreren), der Wentland bewogen hat, „RG-MC-VTs“ wohl wie eine Art „Glaubensinhalt“ zu übernehmen.

  15. @Bernd Harder

    Entschuldigung, ich brauche ein wenig Aufklärung … an Sie war ja eigentlich nur der erste Absatz gerichtet und ich kann Ihrer Kritik nicht ganz nachvollziehen.

    Für keinen der genannten Punkte […] braucht es religiösen Fundamentalismus

    Wo habe ich behauptet, dass dafür religiöser Fundamentalismus notwendig sei? Deswegen habe ich ja sogar noch geschrieben „In Bezug auf das kindeswohlgefährdende Verhalten, lässt sich das „leider“ nicht zweifelsfrei zuordnen.“

    Sorry, aber dann wären auch bestimmte Bundeswehr-Rituale von religiösem Fundamentalismus geprägt.

    An welcher Definition von Fundamentalismus orientieren Sie sich? Ich finde keine Definition, wo Religiosität als einziges mögliches Merkmal von Fundamentalismus vorkommt. Weitere Punkte sind für mich diskussionswürdig.

    Von meiner Seite aus muss hier aber auch keine langkettige Diskussion zum Thema Fundamentalismus geführt werden.

    Ich möchte lediglich zur Kenntnis geben, dass ich nicht behauptet habe, dass für die pädagogischen Fehltritte ein religiöser Fundamentalismus notwendig ist.

    In dem Sinne kann dieser Kommentar nach dem Lesen auch gerne wieder gelöscht werden.

  16. Bernd Harder

    @Sebastian:

    In dem Sinne kann dieser Kommentar nach dem Lesen auch gerne wieder gelöscht werden.

    Ich schalte den Kommentar gerne frei, aber ich stimme Ihnen zu, dass ich wegen eines selten dummen Kommentars (von Alfred Haeusler), der mich fast aggressiv macht wegen solcher Nonsens-Behauptungen:

    Die eigene „Nicht-„Religion und/oder Weltanschauung ist keine Privatangelegenheit. Sie gilt als einzige gesellschaftliche Norm.

    keinen Streit mit geschätzten Stamm-Kommentatoren anfange.

    Nur kurz dazu:

    Wo habe ich behauptet, dass dafür religiöser Fundamentalismus notwendig sei?

    Man weiß, dass die Kinder Opfer von Herabwürdigung waren, die weder fachlich noch rechtlich begründet werden können. Es wurde das Machtgefälle ausgenutzt und massiv missbraucht. Selbst auf Ihre Quelle bezogen, sind damit drei von fünf Punkten für Fundamentalismus erfüllt:

    Ich sehe hier keinen einzigen Punkt für Fundamentalismus erfüllt. All das, was da geschildert wird, ist aus zig anderen Kontexten bekannt, u.a. von Initiationsritualen beim Militär. Da geht es nicht um ein

    … striktes, oft dogmatisches Festhalten an als unverrückbar angesehenen Grundsätzen einer Weltanschauung, Religion oder Ideologie (Wikipedia), sondern um ganz simplen Machtmissbrauch und inhärenten Sadismus.

    Ich finde keine Definition, wo Religiosität als einziges mögliches Merkmal von Fundamentalismus vorkommt.

    Deshalb habe ich durchgängig von „religiösem Fundamentalismus“ geschrieben, was im Zusammenhang mit Mission Freedom mir der einzig gegebene Fundamentalismus zu sein scheint.

  17. Bernd Harder

    @Sebastian:

    Was kommt Ihnen denn in Hinblick auf Fundamentalismus zu kurz?

    Ja eben, das ist die Frage.

    Der Kommentar dient m.E. nur dazu, völlig am Thema vorbei irgendwie Atheisten-Hass hier unterzubringen (so wie manche andere versuchen, Religions-Hass hier unterzubringen).

    In beiden Fällen werde ich künftig solchen Unsinn einfach löschen.

  18. @Bernd Harder @Chusa More

    Vielen Dank für die Erklärungen! Ich glaube jetzt zumindest zu verstehen, was mit den Anmerkungen gemeint ist!

    „Und diejenigen, die diese Missstände und Misshandlungen der Kinder im Haus „Seenest“ jetzt aufgedeckt haben, sind ja einstige Mitarbeiter von Haus „Seenest“ mit eben einem solchen „fundamentalistischen Hintergrund“. Auch das belegt, dass ein „Hantieren“ mit dem Begriff „Fundamentalismus“ nicht zielführend ist.“

    Das beschreibt es super, finde ich!

    keinen Streit mit geschätzten Stamm-Kommentatoren anfange

    Herzlichen Dank 🙂 … dabei steht auf meiner To Do noch der Punkt „Streiten lernen“.

    So wie ich es jetzt verstanden habe, gibt es keinen Grund über Fundamentalismus zu diskutieren, weil er nicht Bestandteil der Inobhutnahme war und man durch den Background mit Mission Freedom eh nur von religiösen Fundamentalismus ausgehen könnte. Also gleich mehrere Gründe, warum man Fundamentalismus ignorieren kann.

  19. Just for the records: Ich hatte bei der Lektüre des Artikels ebenfalls den Eindruck, dass ein Zusammenhang zwischen der fundamentalistischen Ausrichtung des Vereins und den Inobhutnahmen hergestellt wird.

    Auch einige der ersten Kommentare scheinen mir in eine sehr allgemeine Religionskritik abzudriften.

    Insofern kann ich auch nicht ganz nachvollziehen, dass der Beitrag von Alfred Haeusler so heftige Abwehrreflexe hervorruft.

  20. Bernd Harder

    @Thomas:

    Sorry, aber es geht dem Herrn Haeusler doch nicht darum, eine mögliche religiös-fundamentalistische Ausrichtung von „Mission Freedom“ zu diskutieren – was man ja durchaus tun könnte. Aber wo tut er das denn? „Fundamentalismus“ ist doch nur ein Buzzword für ihn, um im dritten Satz zu seinem eigentlichen Anliegen zu kommen: „Nicht-Gläubigen“ ohne jeden Beleg oder nähere Differenzierung fundamentalistische Ideologien zu unterstellen.

    Wenn ich einen Atheisten frage: wo stehst Du? Dann wird er sagen:

    Das ist einfach völliger Quatsch und ich bedauere, diesen Blödsinn überhaupt freigeschaltet zu haben.

    Selbst die organisierten „Nicht-Gläubigen“ in ihren verschiedenen Verbänden betrachten keineswegs „die eigene Nicht-Religion als einzige gesellschaftliche Norm“.

    Oder das:

    Außerdem geht der sog. christl. Fundamentalismus auf den Gründer Jesus Christus zurück der etwa um das Jahr 0000 gelebt und gelehrt hat. Der moslemische Fundamentalismus ist entsprechend im 7.Jahrhundert durch den Mekkaner Mohammed eingeführt worden.

    Sorry, das ist einfach nur kompletter Unsinn.

    Jesus Christus und Mohammed haben eine Religion begründet – den Fundamentalismus haben ganz andere viel später da reingebracht.

  21. Carsten Ramsel

    Alfred Haeusler wollte vom religiösen Fundamentalismus ablenken, und nutzte dafür unbegründete, nachweisliche falsche Behauptungen.

    Ich bin Ihnen, Herr Harder, dennoch dankbar, dass Sie den Kommentar frei geschaltet haben, weil solche rhetorischen Manöver und wilden Behauptung uns jeden Tag begegnen können. Skeptiker und Humanisten sollten sie nicht unwidersprochen stehen lassen.

  22. Bernd Harder

    @Carsten Ramsel:

    Danke, ich hatte wirklich schon ernsthaft die Befürchtung, ich hätte eine Wahrnehmungsstörung oder Teile des Kommentars von Herrn H. seien mir nicht angezeigt worden.

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