Sebastian Fobbe erklärt bei Perspective Daily ausführlich,
… wie zweifelhafte Behandlungsmethoden falsche Erinnerungen säen und damit das Leben von Betroffenen zerstören.
Der Journalist schlägt einen weiten Bogen vom Jonestown-Massaker 1978 über die Satanic Panic der 1980er in den USA (mit der berüchtigten Geraldo-Rivera-Sendung „Devil Worship: Exposing Satan’s Underground“ und dem McMartin Preschool-Fall) bis hin zu „Lukas – Vier Jahre Hölle und zurück“ (1995), Michaela Huber und dem Münsteraner Gutachten aus dem vergangenen Jahr:

Wichtige Erkenntnis:
Wenn es um Rituelle Gewalt geht, verschwimmen oft die Grenzen
zwischen realen Missbrauchserfahrungen und Verschwörungsmythen.Der Glaube an verborgen operierende, satanistische Täterkreise gibt
diffusen Ängsten ein Gesicht. Gleichzeitig ist unstrittig: Macht, Geld und
enge Netzwerke können Räume schaffen, in denen Missbrauch gedeckt
oder ermöglicht wird.Fälle wie Epstein zeigen, dass einflussreiche Täter:innen andere schützen und sich gegenseitig den Rücken freihalten können – ganz ohne geheime Kulte oder satanistische Rituale.
Das macht allerdings die RG-MC-Verschwörungstheorie nicht plausibler. Fobbes Fazit lautet daher:
Natürlich muss man Betroffene ernst nehmen, ihren Anschuldigungen nachgehen und genau hinschauen.
Denn wenn sich Verschwörungserzählungen und reales Leid vermischen, dann verschlimmert das die Situation für die Betroffenen. Im schlimmsten Fall müssen die Betroffenen mit ihren realen Traumata leben – und mit falschen Erinnerungen.
So auch in den Fällen aus dem Bistum Münster. Alle Betroffenen haben Furchtbares erlebt. Gewalttätige Eltern, Mobbing in der Kindheit, sexuelle Übergriffe, geplatzte Lebensträume. Sie suchten Hilfe in Traumatherapien und versanken in einem Strudel aus Verschwörungsmythen.
Statt weiterer Mythen brauchen sie jetzt vor allem eines: verlässliche Hilfe, die Realität und Verschwörungsglaube sauber trennt.
Zum Weiterlesen:
- Fobbe, Sebastian „Satanismus, Missbrauch, Mind Control: Wie zweifelhafte Therapien Menschen in Albträume treiben“ Perspective Daily (20. April 2026)
- Hehli, Simon „SRF lügt: Parteipräsident greift Fernsehen wegen Satanic Panic an“ NZZ (17. April 2026)
- Harder, Bernd „Doku-Serie und Podcast: Die Satanic Panic und ihre Opfer“ skeptix (11. April 2026)
- Video „Satanic Panic – Wenn Psychotherapeuten schwurbeln“ GBS-Bodensee (19. März 2026)
- Harder, Bernd „So funktioniert das nicht: Jan Böhmermann über den vielen Unsinn zu den Epstein-Akten“ skeptix (10. März 2026)
- Harder, Bernd „Satanistisch-rituelle Gewalt endlich bewiesen – wirklich?“ skeptix (6. Januar 2026)
- Fobbe, Sebastian „Die eingeredete Kranke“ rums (15. Dezember 2025)
- Harder, Bernd „Bloß eine Scheinerklärung: Bistum Münster untersuchte ein Dutzend Fälle ritueller Gewalt“ skeptix (9. Oktober 2025)
- Fegert, Jörg et al. „Autonomie- und teilhabeeinschränkende toxische Beziehungen zwischen Therapeutinnen und Patientinnen: Eine qualitative Studie zum Narrativ rituelle Gewalt“ Uni Ulm (18. September 2025)
- Hartmann, Daria „Religiöse Gewalt und die ambivalente Rolle der Medien“ Handbuch Religion in Konflikten und Friedensprozessen (17. September 2024)
- Fobbe, Sebastian „Rituelle Gewalt: Wer ist hier im Wahn?“ Übermedien (11. Dezember 2023)
- Goffard, Christopher „Wild claims of mass child molestation rocked an L.A. beach town. Truth was the first casualty“ Los Angeles Times (17. Juli 2024)
- Schreiber, Nadja et al. „Suggestive interviewing in the McMartin Preschool and Kelly Michaels daycare abuse cases: A case study“ Social Influence (Volume 1, 2006)
- Goleman, Daniel „Proof Lacking for Ritual Abuse by Satanists“ New York Times (31. Oktober 1994)
Titelfoto: Unsplash/Wiki Sinaloa


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