Homöopathie: Die Lehren aus dem Debakel der Frass-Studie

(Lesedauer ca. 2 Minuten)

Mehr als 60 Mal ist die Frass-Studie, die eine erhebliche Überlebensverlängerung bei Lungenkrebspatient:innen durch eine homöopathische Zusatztherapie behauptete, zitiert und als „Beweis“, dass Homöopathie wirksam ist, verbreitet worden. Erst nach fünf Jahren, im November 2025, zog das renommierte Fachjournal The Oncologist die Luftnummer zurück – wegen schwerer methodischer Mängel, die von Anfang an auffällig waren.

In dem Open-Access-Journal Research Integrity and Peer Review zeichnen Autor:innen vom INH und der Initiative für wissenschaftliche Medizin die skandalöse Geschichte noch einmal nach:

https://link.springer.com/article/10.1186/s41073-026-00191-5

Sitte et al. weisen darauf hin, dass die Frass-Studie immer noch als Grundlage für die Empfehlung der Homöopathie zur Verbesserung der Lebensqualität bei Krebspatient:innen kursiert und auch die deutsche S3-Leitlinie Komplementärmedizin in der Onkologie beeinflusst hat. Dass problematische Studien in der Literatur verweilen und die Klinische Praxis falsch informieren, sei ein systemisches Problem. Im Fall der Frass-Studie komme hinzu, dass die Arbeit in einem Bereich durchgeführt wurde, der wissenschaftlich völlig unplausibel ist und keine Wirkung über Placebo zu erwarten war.

Das Fazit der Fünf:

Unsere Erfahrung mit The Oncologist unterstreicht, dass Zeitschriftenredakteure als wahre Hüter ethischer Standards fungieren müssen. Wie eine aktuelle Studie zeigt, wächst der organisierte Betrug in der Forschung rasant; nur entschlossene redaktionelle Wachsamkeit kann verhindern, dass er auch in seriöse Zeitschriften vordringt.

Zum Weiterlesen:

Titelfoto: Unsplash/pixelbaron

Kommentare

10 Kommentare zu „Homöopathie: Die Lehren aus dem Debakel der Frass-Studie“

  1. @ Bernd Harder:

    Kann gut sein, dass das BMG sich auf zwei, drei Vorhaben konzentriert, die für die Finanzen der GKV wichtig sind, dann fällt der Vorschlag wieder unter den Tisch.

    Es wäre schade, nicht nur mit Blick auf die Homöopathie selbst, sondern weil diese im Papier der Kommission exemplarisch für Behandlungen ohne hinreichend belegten Nutzen steht, und da gibt es doch einiges.

  2. Carsten Ramsel

    Die Zeit sieht das etwas anders, wen wunderst.

    Lasst ihnen doch die Kuegelchen

    https://www.zeit.de/wirtschaft/2026-03/homoeopathie-kassenleistung-krankenkasse-streichung-kostenuebernahme

  3. Bernd Harder

    @Carsten Ramsel:

    Aha.

    Fassen wir kurz zusammen:

    Immerhin widerspricht der Zeit-Artikel der Behauptung eines gewissen PR-Genies aus Hamburg, dass „Homöopathie streichen 0 Euro spart“.

    Die Autorin spricht von 50 Millionen Euro pro Jahr.

    Zweitens argumentiert die Autorin ausschließlich mit „Wettbewerb“:

    Die gesetzlichen Krankenkassen machen einander Konkurrenz – zum Glück. Denn dank dieses Wettbewerbs stehen die Kassen unter Druck, möglichst gut zu wirtschaften. Davon profitieren die Versicherten, weil das den Zusatzbeitrag möglichst niedrig hält. Auch haben die Anbieter dadurch ein hohes Eigeninteresse, Bürokratie abzubauen und in Digitalisierung zu investieren. All das ist politisch gewünscht und im Interesse der Versicherten.

    Tatsächlich ist das Geschäft der Kassen aber hochreguliert. Sie können nur sehr begrenzt selbst darüber entscheiden, welche Leistungen sie ihren Kunden anbieten und welche nicht. Die Homöopathie ist da eine der wenigen Ausnahmen. Auch Angebote wie die Kostenübernahme für die professionelle Zahnreinigung oder für den Rückenkurs gehören dazu. Die Kassen können die Kosten dafür übernehmen, müssen es aber nicht tun. Selbst in der Höhe der Leistung unterscheiden sich die Kassen, manche übernehmen nur homöopathische Mittel im Wert von 25 Euro pro Jahr, andere zahlen bis zu 500 Euro.

    Man kann das als Luxus bezeichnen, als teure Marketingmasche der Kassen, um bei bestimmten Zielgruppen zu punkten – wie im Fall der Kügelchen bei den eher jungen Versicherten. Und doch ist es legitim, um den Wettbewerb im Markt zu stärken. Zumal der Preis dafür überschaubar ist.

    Na ja. Als wenn es nicht andere Möglichkeiten gäbe, sich von anderen abzugrenzen.

  4. @ Bernd Harder, @ Carsten Ramsel:

    Die Argumentation in der ZEIT ist ja absurd. Man kann doch nicht ernsthaft sagen, die Kassen sollen um Nonsens konkurrieren? Zumal Konkurrenz an sich kein Wert ist.

    Es gibt Ansätze für einen qualitätsorientierten Kassenwettbewerb, die müssen entwickelt werden, aber die Homöopathie kann da keine nützliche Rolle spielen.

    Die Autorin ist auch noch Volkswirtin, man fasst es nicht.

  5. Carsten Ramsel

    @Bernd Harder, Joseph Kuhn

    Ich teilte den Artikel nur, weil es anscheinend immer jemand auch im Qualitätsjournalismus gibt, die bereit ist sich für das magische Denken buchstäblich die Finger schmutzig zu machen.

    „Lasst sie doch!“ klang für mich schon nach den fehlenden Argumenten eines Schlangenölverkäufers.

  6. Bernd Harder

    Genauso spaßig:

    „Watchblog Homöopathie“ des Hamburger PR-Genies:

    Die Finanzkommission Gesundheit empfahl am 30.3., homöopathische Leistungen aus der gesetzlichen Krankenversicherung zu streichen – trotz eines ausgewiesenen Einsparvolumens von 0 Euro.

    Auf dieser Streichliste findet sich an Punkt 20 auch die Homöopathie. Für sie weist die Kommission selbst ein Sparvolumen von 0 Euro aus.

    Was wirklich im Finanzbericht steht:

    Eine Streichung von homöopathischen Leistungen aus der Erstattungsfähigkeit der GKV würde ab 2027 etwa 40 Mio. € pro Jahr einsparen.

  7. Bernd Harder

    Noch eine weitere seltsame Argumentation:

    Es gibt hier einen Bedarf, der über konkrete Wirksamkeiten hinausgeht. Die Homöopathie füllt diese Lücke; sie ist selbst nur Symptom einer Störung im medizinischen Apparat. Hier jetzt einfach die Kosten zu streichen, ohne diesen Bedarf anzuerkennen, ist im Grunde auch nur ein Herumdoktern an den Bilanzen der Maschine Mensch.

    https://taz.de/Kuerzungen-fuer-Homoeopathie/!6167338/

    Als wenn man für eine sinnvoll honorierte sprechende Medizin ausgerechnet Homöopathie bräuchte.

  8. Christine

    Und nicht selten sind es diejenigen, die der bösen Pharmaindustrie vorwerfen, „Millionen zu scheffeln“ – ganz so, als würden Globuli von Ehrenamtlichen hergestellt werden.

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